Speicherpreise: Ende des Aufwärtstrends zeichnet sich ab

HEKs wie VKs haben seit Mitte März deutlich zugelegt. Die Nachfrage ist weiterhin gut, allerdings hat sich auch die Verfügbarkeit stabilisiert. Nun stellt sich die Frage, ab wann die Preisentwicklung wieder nach unten kippt?

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Karl Fröhlich

In den letzten zwei Wochen haben sich die Speicherpreise einigermaßen stabilisiert. Im Vergleich zur KW 11 Mitte März verzeichnet der Handel aber immer noch Aufschläge von bis zu 25 Prozent (16 GByte/DDR3-1866). Gegenüber dem Jahresanfang wird der Preisanstieg noch deutlicher: DDR2-RAM sind in der KW 17 zwischen 16 und 27 Prozent teurer als in der KW 3 und DDR3-Speicher verzeichnen einen Anstieg zwischen 38 bis 59 Prozent. Kostete im Januar ein DDR3-1600-Kit mit vier GByte in Markenqualität noch unter 18,50 Euro müssen Reseller aktuell zirka 11 Euro mehr dafür bezahlen. DDR3-1866-Kits mit vier GByte steigen von 22,30 Euro auf rund 35 Euro.

Seit März sind die HEKs für DDR3-RAM um bis zu 25 Prozent gestiegen.

Auf den Absatz hat die aktuelle Entwicklung bisher keine Auswirkungen. "Bislang haben sich die Preissteigerungen nicht erheblich auf die Nachfrage ausgewirkt", bestätigt Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution, gegenüber heise resale.

"Die Einkäufer im Channel befinden sich in einer schwierigen Situation, denn sie müssen entscheiden, ob sie mit einem weiteren Aufwärtstrend planen sollen oder mit wieder sinkenden Marktpreisen", gibt George Linardatos, General Manager bei Transcend, zu bedenken. "Wann ist der Zeitpunkt erreicht, zu dem die Preise wieder kippen? Seit Mitte April habe ich das Gefühl, dass die Vorsicht auf Nachfrageseite zunimmt und die Einkaufsmengen zurückhaltender festgelegt werden."

Mit einem derart kontinuierlichen Anstieg der Preise hatte die Branche in der Form scheinbar nicht gerechnet. Zwar sind DRAM- und NAND-Flash-Chips knapp, aber eigentlich nicht mehr in einem Maße, das die aktuellen Preisaufschläge rechtfertigen würde.

Seit Mitte März ist der durchschnittliche Angebotspreis im Onlinehandel um rund 16 Prozent angestiegen.

"Mit den steigenden Preise ist das Bestellvolumen phasenweise stark angestiegen und hat zu kurzfristigen Engpässen geführt", erklärt Christian Marhöfer, Geschäftsführer bei Kingston Technology Deutschland. "Momentan ist aber ausreichend Lagerbestand verfügbar, der auf eine konstante Nachfrage am Markt trifft. Im Server-Umfeld und für Gaming-Memory beobachten wir weiterhin eine verstärkte Nachfrage. Generell bestehen aber am Markt Unsicherheiten beim zukünftigen Angebot an DRAM-Chips, was in den kommenden Wochen zu Knappheiten führen kann." Unter diesem Aspekt sei ein weiterer Preisanstieg möglich, jedoch moderater als in den vergangenen Wochen.

"Es gibt nach wie vor Beschränkungen in der Verfügbarkeit, allerdings reichen die Mengen, um der Nachfrage gerecht zu werden", meint auch Ingram-Manager Gerken. "Wir rechnen in den kommenden Wochen nicht mit großen Veränderungen. Die Verfügbarkeit wird etwas eingeschränkt bleiben. Preisniveau und Nachfrage bleiben unserer Einschätzung nach stabil."

Mehr Infos

Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:

ALSO GmbH
b.com GmbH
CTT AG
Devil AG
Ingram Micro GmbH

Bei den Endkunden ist die Stabilität noch nicht angekommen. Im heise resale Preisradar ziehen die Preise gegenüber der Vorwoche um rund sieben Prozent an. Der durchschnittliche Angebotspreis im Online-Handel liegt in der KW 17 bei 57,68 Euro (brutto). In der KW 11 lag der Schnitt noch bei 49,55 Euro. Am meisten gesucht sind nach wie vor 8-GByte-Kits, wie das Corsair Vengeance Low Profile schwarz (55,78 Euro), G.Skill PC3-10667U (44,90 Euro) und Corsair Vengeance Low Profile blau (54,45 Euro).

Insgeheim geht die Branche nicht davon aus, dass die Preise noch weiter im großen Stil steigen. Natürlich ist auch keinem der Anbieter daran gelegen, frühzeitig eine Trendwende anzukündigen. Solange der Handel und die Verbraucher die Preise, so wie sie sind, akzeptieren, wird der Markt seitwärts tendieren. Für eine "Beruhigung" sorgen momentan allerdings auch die schlechten Nachrichten aus der Distribution. Nach dem Kölner Grossisten b.com müssen nun auch Devil und COS einen Insolvenzantrag stellen, wodurch zumindest vorübergehend ein wenig Druck aus dem Wettbewerbsumfeld genommen wird. Auch wenn von einigen Anbietern noch ein weiterer Anstieg der Speicherpreise in Aussicht gestellt wird, sollten Fachhändler eher bei ihrer Strategie bleiben und nach Bedarf einkaufen. (map)