Ein Medikament, mehrfache Wirkung

Das Start-up Catabasis arbeitet an neuartigen Kombitherapien fĂĽr diverse Krankheiten, bei denen zwei Wirkstoffe chemisch miteinander verbunden werden, was die Heilung beschleunigen kann.

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Von
  • Susan Young

Das Start-up Catabasis arbeitet an neuartigen Kombitherapien fĂĽr diverse Krankheiten, bei denen zwei Wirkstoffe miteinander verbunden werden, was den Heilungsprozess beschleunigen soll.

Manchmal ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile: Das Start-up Catabasis Pharmaceuticals hofft, dass dieses Prinzip auch fĂĽr neue, multifunktionale Medikamente gilt, die es gerade entwickelt.

Die Firma aus Cambridge, Massachusetts, hat eine neuartige Verbindungschemie erfunden, mit der es möglich sein soll, zwei verschiedene therapeutische Komponenten in einem Medikament zusammenzubringen. Dadurch soll die Wirkung stärker sein, als wenn man die beiden Stoffe separat verabreichen würde. Die Firma hofft auf neue Therapieformen für komplexe Entzündungserkrankungen wie etwa Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Bei vorläufigen Tests an 105 Patienten reduzierte der Medikamentenkandidat in Form einer Pille die Aktivität von Entzündungssubstanzen, die eine wichtige Rolle bei solchen Erkrankungen spielen. Dieser Effekt ließ sich nicht nachweisen, wenn die beiden Komponenten zwar gleichzeitig verabreicht wurden, aber nicht chemisch miteinander verbunden waren.

"Wenn man entzündungsfördernde Prozesse unterdrückt und parallel entzündungshemmende Körperreaktionen aktiviert, erzielt man einen Effekt, der zwei- bis dreimal so potent ist", sagt Mike Jirousek, Mitbegründer und Wissenschaftschef bei Catabasis.

"Viele komplexe Krankheitsprozesse werden von mehreren Proteinen oder Genprodukten getrieben, die zusammen agieren", meint auch Ravi Iyengar, Direktor des Experimental Therapeutics Institute an der Icahn School of Medicine am Mount-Sinai-Krankenhaus in New York. "Es ist schwer, das dann nur an einem Punkt anzugehen und einen größeren Effekt zu erzielen. Theoretisch wäre es viel einfacher, mehrere Bereiche zu attackieren, um die Balance zu zerstören." Ob das praktisch möglich ist, sei aber eine andere Frage.

Catabasis will nun einen Weg gefunden haben, mit einem Kombiwirkstoff mehrere Krankheitsfaktoren zu therapieren. Die neuartige Verbindungschemie kombiniert zwei aktive MolekĂĽle. Der synergetische Effekt ergibt sich Jirousek zufolge deshalb, "weil beide Wirkstoffe zur richtigen Zeit am richtigen Ort landen".

Die Verbindungschemie sorgt außerdem dafür, dass die beiden Komponenten inaktiv bleiben, bis sie die richtigen Zellen und Gewebearten angehen können. Die Firma erreicht diese Effekte, indem sie natürlich vorkommende Enzyme nutzt, die die Verbindungschemie zerschneiden, um die beiden aktiven Komponenten zu befreien. Unterschiedliche Verbindungschemien wurden außerdem entwickelt, die molekulare Schlüssel für die Zelltypen verschiedener Körperbereiche in sich tragen – darunter Blutkreislauf, Leber und sogar das Gehirn, sagt Jirousek.

Neben den Therapien gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen arbeitet die Catabasis auch noch an anderen Wirkstoffen etwa zur Therapie von zu hohen Triglycerid-Werten, Schuppenflechte und Multipler Sklerose. Alle Ansätze verwenden bekannte Grundmedikamente, die bereits als sicher gelten. "Wir wollten so wenig Risiken wie möglich eingehen, deshalb beginnen wir mit Molekülen, dessen Aktivitätsniveau man bereits kennt", sagt Jill Milne, Mitbegründerin und Chefin von Catabasis. (bsc)