Das Mikroben-Start-up

uBiome erlaubt es seinen Kunden, die Zusammensetzung der Mikroorganismen in ihrem Körper zu katalogisieren – regelmäßig, auch wenn sie sich ändert.

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Von
  • Susan Young

uBiome erlaubt es seinen Kunden, die Zusammensetzung der Mikroorganismen in ihrem Körper zu katalogisieren – regelmäßig, auch wenn sie sich ändert.

Diese junge Firma aus San Francisco bietet einen ganz besonderen Service: uBiome erlaubt seiner Kundschaft die Erfassung der im Körper lebenden Mikroorganismen. Das Interesse für dieses zunächst esoterisch anmutende Geschäftsmodell ist offenbar nicht klein: So fanden sich auf dem Crowdsourcing-Portal Indiegogo kürzlich immerhin 2500 Interessenten zusammen, die insgesamt 350.000 US-Dollar für das Unternehmen lockermachten. Das sei die größte "Citizen Science"-Kampagne im Internet gewesen, wie uBiome stolz angab.

Nun begibt sich das Unternehmen, zu dessen Team unter anderem Wissenschaftler der Hochschulen Oxford, Stanford, University of California San Francisco, sowie Harvard Medical School gehören, in seine nächste Phase: eine frisch gestartete neue Verkaufs-Website erlaubt es, ein Abstrichkit zu bestellen, um dann die persönliche Bakterienbesiedlung in den Bereichen Darm, Mund, Nase, Genitalien oder auch hinter den Ohren prüfen zu lassen. Neukunden zahlen dabei zwischen 89 (Darm) und 399 (alle fünf Bereiche) Dollar.

Die Anzahl der Zellen von Mikroorganismen, die im und auf dem Körper leben, ist gigantisch – sie übertrifft die des Menschen um ein Zehnfaches. Forscher schätzen, dass es mindestens 10.000 verschiedene Bakterienspezies und andere unsichtbare Lebewesen gibt, die den Körper besiedeln. Die meisten sind harmlos oder sogar äußerst hilfreich, wie Forscher seit längerem wissen.

Es kann aber auch vorkommen, dass dieses mikroskopische Ökosystem aus dem Gleichgewicht gerät – beispielsweise, wenn bestimmte Spezies zu viel oder zu wenig vorhanden sind. Probleme wie krankhaftes Übergewicht, Diabetes oder sogar Depressionen werden davon potenziell beeinflussen, zeigen Studien.

Die Mikroben im und am Körper entwickeln sich aber dynamisch über die Lebensdauer eines Menschen. Das heißt, dass es sich lohnt, eine regelmäßige Erfassung vorzunehmen. Das könnte, hofft man bei uBiome, zudem ein gutes Geschäft werden – ein besseres, als beispielsweise die normalerweise höchstens einmal im Leben vorgenommene Sequenzierung des persönlichen Genoms. "Im Gegensatz dazu lässt sich das Mikrobiom verändern und über einen längeren Zeitraum erfassen", erläutern die uBiome-Vermarkter.

Entsprechend angepasst ist das Angebot. So gibt es ein Testkit, mit dem sich die Darmflora (über den Kot) gleich dreimal überprüfen lässt. So kann man beispielsweise testen, was Antibiotika unter den (eigentlich guten) Bakterien anrichten und ob die "lebenden Kulturen" im Joghurt tatsächlich im Darm ankommen. Ob das der uBiome-Kundschaft die dafür aufgerufenen 299 Dollar wert ist, ist eine andere Frage. (bsc)