Singulus stellt Produktionsanlage für Blu-ray Disc fertig

Singulus hat seine erste Produktionsanlage für zweilagige Blu-ray Discs fertig gestellt. Nach dem Sieg über die HD DVD ist die Branche in Sektlaune, sieht sich aber gleichzeitig bereits nach Alternativen wie der Produktion von Solarzellen um.

vorlesen Druckansicht 27 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Der in Kahl am Main ansässige Anlagenbauer Singulus Technologies hat seine erste vollautomatische Produktionsanlage für zweilagige Blu-ray Discs mit 50 GByte Speicherplatz fertig gestellt. Die Einführung der neuen Bluline 2 wurde von der gesamten Branche erwartet, die nun, nachdem der Formatstreit mit Toshiba beendet ist, Produktionskapazitäten für Blu-ray Discs ausbauen will. Als einer der ersten europäischen Hersteller kündigte MPO an, künftig mit Singulus-Anlagen Blu-ray Discs in Frankreich produzieren zu wollen.

Die Bluline 2 kann sowohl einlagige ROM-Medien mit 25 GByte (BD-25), als auch zweilagige ROM-Discs mit 50 GByte (BD-50) produzieren. Dabei werden sämtliche Arbeitsschritte vom Pressen der Polycarbonatscheibe bis zum Aufbringen der Kratzschutzschicht auf der Daten- und der Dampfsperre auf der Labelseite von der Anlage automatisch erledigt. Eine Linie kann pro Tag über 21.000 einlagige und knapp 15.000 zweilagige Blu-ray-Scheiben produzieren. Laut Singulus liegt die Produktionsausbeute bei der BD-25 bei 85 Prozent und bei der BD-50 bei 65 Prozent – eine von drei gepressten Discs landet also im Abfall und lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Kunststoff und Metallbeschichtungen kaum recyclen.

Die Hersteller optischer Datenträger erhoffen sich durch die Blu-ray Disc eine Belebung des Marktes und höhere Gewinne. Marktforscher von Understanding and Solutions schätzen den Bedarf in Europa auf 40 Blu-ray-Produktionslinien, die in den nächsten zwei Jahren die Produktion aufnehmen, in den USA sollen es 70 bis 80 werden. Doch so manch kleines Presswerk scheut noch die Investitionen in eine neue Mastering- und Produktions-Anlage. Durch den harten Konkurrenzkampf der Anbieter untereinander befürchten die Produzenten einen schnellen Preisverfall. Die Materialkosten einer Blu-ray Disc sind kaum höher als bei einer DVD und liegen deutlich unter 20 Cent. Zudem müssten europäische Filmanbieter zunächst einmal die Fehlinvestitionen in die HD DVD verdauen, bevor sie sich auf die Blu-ray Disc einlassen. Frank Simonis, Vorsitzender der Blu-ray Disc Association, errinnerte auf der Einführungsfeier der Bluline 2 denn auch daran, dass die Arbeit jetzt erst richtig beginne, um die Blu-ray Disc zum Erfolg zu führen, und man nicht nach dem Sieg über die HD DVD nach Hause gehen könne.

Auf lange Sicht sieht sich die Branche bereits nach neuen Standbeinen und Geschäftsfeldern um. So ist Singulus in die Entwicklung von Solarzellen eingestiegen. Die Branche ist unsicher, ob es nach der Blu-ray Disc noch weitere optische Speichermedien geben wird. Während Philips die Entwicklung neuer optischer Speicher aufgegeben und an Moser Baer India verkauft hat, forscht hingegen Sony eifrig weiter und entwickelt derzeit einen Blu-ray-Disc-Nachfolger mit 200 GByte Speicherplatz unter dem Namen "µ-Reflector". Die µ-Reflector-Scheibe soll aus acht Datenschichten bestehen, die jeweils 25 GByte speichern und mit demselben Laser abgestastet werden, der auch bei der Blu-ray Disc zum Einsatz kommt. Um noch mehr Daten auf optischen Speichermedien unterzubringen, favorisieren die Japaner für die übernächste Speichergeneration derzeit die Nearfield-Methode, mit der Kapazitäten im Terabyte-Bereich erreicht werden. Mögliche Anwendungen für derlei geräumige Plastikscheiben wären aufwendige Videospiele und 3D-Filme. (hag)