Abortiger Gesundheitscheck

Die Technikwelt wartet gespannt auf sogenannte Smartwatches. Dabei verspricht eine andere "Aufsmartung" weit größeren gesellschaftlichen Nutzen: das intelligente Klo.

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Von
  • Martin Kölling

Die Technikwelt wartet gespannt auf sogenannte Smartwatches. Dabei verspricht eine andere "Aufsmartung" weit größeren gesellschaftlichen Nutzen: das intelligente Klo.

Smartphones sind nun schon bald in aller Hände, da entbrennt auch schon der Kampf um einen der wichtigsten Plätze des Körpers, an dem Hightech mühelos getragen werden kann: das Handgelenk. Seit Ewigkeiten Sitz der Armbanduhr, soll es sich nun zur digitalen Schaltzentrale mausern. Die Gerüchteküche brodelt: Wird Apple eine "iWatch" bringen? Oder Samsung eine "Galaxy-Uhr"? Aber mal ehrlich, die Idee mag disruptiv sein, vielleicht für Anwendungen, garantiert für unser Konzentrationsvermögen. Aber eine wirkliche Verbesserung unserer Lebensqualität erwarte ich mir davon nicht. Für einen Quantensprung in dieser Sache sollten wir unsere Nasen einem anderen Ort zuwenden: dem Klo.

Es ist unbestritten, wenn auch ungern zugegeben, einer der wichtigsten Orte für jeden Menschen. Hier kann sie oder er den hektischen Alltag entschleunigen, für sich sein. Dieser Ort verschafft mehrmals am Tag große Erleichterung – und hin und wieder sogar bahnbrechende Eingebungen. Doch trotz allem technischen Fortschritt ist der Abort im Grunde genommen noch immer verdammt analog. Gedankenlos spülen wir täglich wichtige Datenquellen über unseren Gesundheitszustand in die Kanalisation. Was für eine Verschwendung im Zeitalter der gesellschaftlichen Vergreisung! Zum Glück gibt es eine Nation, die dies erkannt hat: Japan, jenes Land, das die globale Klokultur schon vor Jahren um Sitzheizung und Podusche bereichert hat.

Ich war kürzlich bei dem japanischen Klohersteller Toto. Das Tokioter Bürohaus ist schlicht. Um so auffälliger wirkt der Blickfang direkt am Eingang: ein Modell der neuesten Hightech-Toilette der Firma. Deren Herstellung ist kompliziert, erklärte mir Toto-Chef Kunio Harimoto kürzlich. Die neueste Aborte werden hier nicht mehr aus einem Stück Keramik gegossen, sondern aus mehreren Bauteilen zusammengesetzt. Inzwischen werden auch Mini-Computer eingebaut, die die Signale von Bewegungs-, Infrarot- und anderen Sensoren auswerten, um automatisch den Deckel zu öffnen, die Sitzheizung und den Abluftreiniger einzuschalten und nach Erledigung des Geschäfts selbsttätig zu spülen. Angesichts der bereits verbauten Digitaltechnik ist der nächste Schritt fast schon natürlich: Sensoren im Klo, die über das Internet mit ärztlichen Diensten vernetzt sind. Damit werde ganz nebenbei eine neue Form der Telemedizin möglich, so Harimoto.

Der Ideen gibt es viele: Die Menge und Stärke des Urinstrahls könnte gemessen, der Blutzucker und selbst die Zusammensetzung menschlicher Geruchsemissionen analysiert werden. Das Klo könnte anhand der schlichten Überprüfung der regelmäßigen Verwendung auch ermitteln, ob sein Besitzer noch am Leben oder verletzt ist – eine interessante Funktion in alternden Gesellschaften. Früher gab es schon Prototypen, die auch den Körperfettgehalt messen konnten. Und das sind nur einige Denkanstöße, wie das Klo zur medizinischen Verdatung der Welt beitragen kann.

Wie wäre es beispielsweise, durch eine Analyse der Exkremente die Essgewohnheiten zu untersuchen und durch eine Vernetzung mit einer Diät-Software den täglichen Ernährungsplan zu erstellen? Die Software würde Rezepte aufs Handy schicken. Und es könnte sogar noch weitergehen. In Kooperation mit einem smarten Kühlschrank, der dank aufgedruckter RFID-Chips weiß, was in ihm ist, könnte das Programm Rezepte anpassen und gleich eine Einkaufsliste für zusätzlich erforderliche Lebensmittel schicken. Oder wie wäre es mit einem Stimm-Recorder, mit dem man abortige Gedankenblitze aufzeichnen und retten kann? Wer noch mehr Ideen hat: Die Kommentarfunktion unter diesem Artikel lädt dazu ein, sie mit der Welt zu teilen. Vielleicht setzt man sie bei Toto und seinen Konkurrenten ja dann irgendwann um. (bsc)