Kein Ehrenpreis für Brüsseler Lobbytruppen
Die Nominierungsphase für die Online-Wahl der "schlimmsten" Lobby-Arbeiter in der EU hat begonnen. Erstmals soll auch eine Auszeichnung für die größten Interessenkonflikte vergeben werden.
Die Nominierungsphase für die Internetkür der "schlimmsten" Lobby-Arbeiter in der EU hat begonnen. Vier Nichtregierungsorganisationen und Watchblogs suchen zum vierten Mal Anwärter für die "Worst EU Lobbying Awards. Damit werden Unternehmen oder Interessenverbände für besonders manipulative, irreführende oder anderweitig problematische Taktiken bei ihrer Lobby-Tätigkeit in Brüssel "ausgezeichnet". Zum ersten Mal soll in diesem Jahr auch ein Preis für die größten Interessenkonflikte an EU-Abgeordnete, Kommissare oder andere Stellschrauben im Brüsseler Verwaltungsgetriebe vergeben werden. Generell haben sich die Organisatoren der Negativ-Preise zum Ziel gesetzt, das oft hinter verschlossenen Türen erfolgende und damit die demokratische Entscheidungsfindung untergrabende Treiben von Interessenvertretern ins öffentliche Licht zu rücken.
Vorschläge können noch bis zum 12. September über die Webseite der für Preisträger nicht erfreulichen Auszeichnung eingereicht werden. Danach soll die Online-Abstimmung über die Gewinner vom 15. Oktober bis zum 27. November laufen. Die Preisverleihung ist für die zweite Dezemberwoche in Brüssel geplant. Hinter dem Award, der dieses Jahr vor dem Hintergrund des Versuchs der EU-Kommission stattfindet, die Tätigkeit der vielen tausend Lobbyisten in Brüssel durch einen freiwilligen Eintrag in ein Register transparenter zu machen, stehen Aktivisten von Corporate Europe Observatory, Friends of the Earth Europe, LobbyControl und Spinwatch. Sieger im vergangenen Jahr waren die Autobauer BMW, Daimler und Porsche wegen ihrer Kampagne zur Verwässerung von CO2-Reduktionszielen. (Stefan Krempl) / (vbr)