Cool und gefährlich

Star Trek ist gleich sterile Modernität? Nein. Der neue Kinofilm beweist, dass die Zukunft auch dann abgefahren sein kann, wenn sie dreckig und laut ist.

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Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Star Trek ist gleich sterile Modernität? Nein. Der neue Kinofilm beweist, dass die Zukunft auch dann cool ist, wenn sie dreckig und laut ist.

Vorgestern war ich im kürzlich gestarteten Star-Trek-Kinofilm „Into the darkness“. Ich hatte nach dem letzten Streifen, in dem die Abenteuer der Kirk-Crew neu aufgelegt wurden, keine großen Erwartungen. Um ehrlich zu sein, ich war noch etwas verschnupft, dass sie das ganze bekannte Universum komplett auf den Kopf gestellt und den Planeten Vulkan mal eben so ausradiert hatten. Aber Veränderungen sollen ja auch ihr Gutes haben und als alteingesessener Trekkie konnte ich dann doch nicht anders, als ins Kino zu gehen.

Zum Glück! Denn ich habe mich bei einem Science-Fiction-Film schon lange nicht mehr so blendend unterhalten gefühlt. Ich will gar nicht über die Story ins Detail gehen, rezensiert wurde der Film schon oft genug. Aber dass es ein cooler Film geworden ist, lag eben nicht einfach daran, dass der Plot weniger Löcher hatte als sonst (hatte er nicht, aber das stört nicht weiter, das Tempo macht es wett), die Aliens cooler sind (sie konnten es nicht lassen, und haben zwei Bettgespielinnen von Kirk hin- und herschwingende Löwenschwänze verpasst) oder die Schauspieler brillanter als sonst (mit einer Ausnahme: Benedict Cumberbatch als Bösewicht Khan).

Es gab schlicht und einfach mehr Technik zu sehen und sie wurde gekonnt in Szene gesetzt. Sie ist nicht nur schick und modern, sondern auch mal laut und gefährlich. Sie dampft, pfeift, tropft und versagt. Der Maschinenraum ist nicht nur eine Mischung aus pulsierenden Lichtern und einem kunststoffverkleideten Blackbox-Warpkern, von dem man höchstens ein paar nette Dilithium-Kristalle und Chips zu sehen bekommt. Nein, das ist noch die unvollkommene Vorstufe, in der große Metall-Behälter mit Warnschildern für Radioaktivität stehen. Zwischen ihnen flitzt Brückenoffizier Chekov, der nach einem Zwischenfall als Chefingenieur einspringen muss, mit einer dunklen Schutzbrille umher.

Chefingenieur Scotty macht sich, als er noch die Verantwortung hat, Sorgen um die Instabilität des Antriebs. Er weigert sich, obskure neue Torpedos mit geheimen Spezifikationen an Bord zu nehmen, die aus besagter Instabilität eine fatale Kettenreaktion machen könnten. Als Krönung muss am Schluss jemand in die radioaktive Sperrzone des Antriebs hinein, dort über mannshohe Metallsphären und dicke Kabelwickel klettern, und versuchen, das Schiff ohne Hilfsmittel mit buchstäblich mit ein paar Tritten wieder in Gang zu bringen. Klingt zu unglaubwürdig? Nein, zu diesem Zeitpunkt ist es einfach nur folgerichtig. Diese Zukunft kommt uns vertrauter vor, ohne dass es langweilig wirkt. Da werden nicht einfach ein paar bunte Chips hin- und hergesteckt, wie häufig in der Next-Generation-Serie, und alles ist gut.

Ja, es gibt sie noch, die steril glänzenden Fußböden (das Gefängnis mit der Arrestzelle etwa erinnert stark an einen Autosalon). Und auch die üblichen Großaufnahmen von der Enterprise, aber sie sieht trotzdem einfach nur schön aus. All das zusammen ist eine gelungene Mischung aus cool und gefährlich. Das passt auch viel besser zu den hemdsärmeligeren, großmauligeren Charakteren und ihren Konflikten untereinander. Dass dabei die Dialoge endlich wieder witzig sein durften, hat auch kein bisschen geschadet. (vsz)