Werte und Normen
Der neue europäische Fahrzyklus (NEFZ) ist seit seinem Start umstritten. Hauptkritikpunkt ist bis heute, der im NEFZ ermittelte Wert habe mit der Praxis nichts zu tun. Dies prangert nun die Deutsche Umwelt Hilfe e.V. erneut an. Die Argumentation nimmt dabei zum Teil abenteuerliche Pfade
Berlin, 15. Mai 2013 – Der neue europäische Fahrzyklus (NEFZ) steht seit seinem Start im Jahr 1996 in der Kritik. Die Argumente für und gegen den Zyklus sollten nach rund 17 Jahren eigentlich ausgetauscht sein, zumal inzwischen auch der Gesetzgeber Verbesserungsbedarf sieht. Hauptkritikpunkt ist bis heute, der im NEFZ ermittelte Wert habe zu wenig mit der Praxis zu tun. Dies prangert nun die Deutsche Umwelt Hilfe e.V. (DUH) erneut an. Die Argumentation nimmt dabei zum Teil abenteuerliche Pfade.
Falsch verstandener NEFZ
Der NEFZ sollte zweierlei ermöglichen. Zum einen sollte ein realistischer Zyklus für eine Verbrauchsangabe geschaffen werden. Das kann man getrost als gescheitert betrachten. Der Zyklus ist 1180 Sekunden lang und simuliert zu 2/3 Stadtverkehr, der Rest Landstraße und Autobahn mit maximal 120 km/h. Fährt der Fahrer im realen Stadtverkehr tatsächlich wie im NEFZ, ist ihm ein Hupkonzert sicher. Allein für die Beschleunigung auf Tempo 50 sind rund 26 Sekunden vorgesehen. Inwieweit ein Maximaltempo von 120 km/h auf deutschen Autobahnen realistisch ist, mag jeder für sich entscheiden. In anderen europäischen Ländern, der NEFZ gilt schließlich nicht nur in Deutschland, dürfte dieser Teil des Tests aber durchaus dem Alltag nahe kommen.
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Volvo V40 D2 Momentum: Der Hersteller nennt einen Verbrauchswert von 3,40 Liter. Der ADAC kommt auf 4,83 Liter. Bei der DUH steht er damit ganz ober auf der Liste der Abweichler.
Der zweite Aspekt ist schon etwas kniffliger. Der NEFZ sollte eine absolute Vergleichbarkeit zwischen allen Autos herstellen. Dazu wurde eine lange Liste an Anforderungen geschaffen, die jeder Hersteller einhalten muss. Dazu gehören die serienmäßige Ausstattung des Autos, die Starttemperatur und viele mehr. Natürlich haben die Autohersteller einiges an Know-how investiert, um Lücken im Anforderungskatalog zu finden. So werden besonders dünne Öle oder auch ungewöhnlich stark aufgepumpte Reifen verwendet. Das und einiges mehr wirft die DUH den Autoherstellern vor. Doch die nutzen nur Lücken, die der Gesetzgeber ihnen lässt, zumal es hier um eine Menge Geld geht, schließlich drohen den Autobauern hohe Strafzahlungen, wenn sie den Flottenverbrauch nicht senken. Es ist also schon ein wenig scheinheilig, den Herstellern in diesen Punkten Betrug vorzuwerfen. Vielmehr wird hier das Gesetz soweit wie irgend möglich gebogen. Betrug liegt natürlich vor, wenn Steuergeräte einen Prüfzyklus erkennen und dann beispielsweise radikal die Leistung zugunsten eines geschönten Verbrauches beschneiden. Bei den im NEFZ geforderten Fahrleistungen fällt das schließlich nicht auf.
Der Vorwurf der DUH ist alles andere als neu: „Autos verbrauchen in der Praxis mehr als im NEFZ“ ist eine Erkenntnis, die sich selbst bei nur mäßig Auto-Interessierten rumgesprochen hat. Doch lohnt sich ein Blick in Argumentation der DUH. Als Referenz wurde der ADAC-EcoTest herangezogen. Der wird in drei Schritten ermittelt. Der ADAC testet die Autos im NEFZ, im noch relativ neuen Worldwide harmonized Light vehicle Test Procedure (WLTP) und einem eigenen Autobahn-Modus, bei dem bis zu 130 km/h gefahren wird. 70 Prozent des Endverbrauches bestimmt ein gemittelter Wert aus NEFZ und WLTP, 30 Prozent der Autobahn-Modus. Gefahren wird immer mit Licht, im WLTP und im Autobahn-Prozedere wird auch die Klimaanlage eingeschaltet.