Cebit

Merkel macht die Messe-Runde

Pflichttermin für deutsche Regierungschefs: Zur Eröffnung der Computermesse dreht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eine schnelle Runde über die CeBIT.

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Von
  • Andreas Hoenig
  • dpa

Angela Merkel wirkt müde. Ihre Augen haben dunkle Ringe, sie scheint mit ihren Gedanken ganz woanders zu sein. Dabei steht die Kanzlerin an diesem Dienstagmorgen erst am Anfang ihres Rundgangs über die Computermesse CeBIT in Hannover. 14 Unternehmen in knapp zweieinhalb Stunden, im Eiltempo jagt Merkel mit ihrem Gefolge über die Messe – ein Pflichttermin. Am Abend vorher war es noch um große Diplomatie gegangen: Bei einem Krisentreffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy legten die beiden Politiker jüngste Irritationen in den deutsch-französischen Beziehungen bei.

Im Laufe ihres CeBIT-Rundgangs taut Merkel zunehmend auf, macht Späßchen, zeigt neue Handys bereitwillig in die zahlreichen Kameras. Die Bandbreite der Besichtigungsobjekte ist groß: Vom Pavillon des CeBIT-Partnerlands Frankreich, der neuen Behörden-Telefonnummer 115 über energieeffiziente Server, neue Handys und schnelle Datenbanken bis zu neuen Geldautomaten und Shoppen im Internet.

Bei Vodafone stellt ihr Deutschlandchef Friedrich Joussen eine neue Handy-Anwendung vor. Bei einem Berlin-Besuch zum Beispiel könnten Touristen mit dem Handy etwa eine Sehenswürdigkeit fotografieren, an eine Servicenummer schicken und erhielten dann nähere Informationen zum gemachten Foto. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff schnappt sich unter dem Gejohle der Fotografen und Kameraleute das Handy und knipst seine Parteichefin – die Datenbank aber kennt das "gesuchte Motiv" noch nicht. "Das ist aber eine schwere Lücke", witzelt Merkel.

Beim IT-Unternehmen Funkwerk Dabendorf sagt der Vorstand, ein schneller Internetzugang im Auto arbeite auch bei Tempo 300 störungsfrei – Merkels Replik: "Dann ist das ja eher etwas für einen ICE." In der "IT-Bäckerei" von Microsoft lernt die Kanzlerin, wie viel IT auch beim Backen von Brötchen zum Einsatz kommt, bei der Telekom zeigt ihr Vorstandschef René Obermann, dass ein Handy nun auch die Pulsfrequenz und den Blutdruck des Benutzers messen kann. Danach wünscht Merkel der Telekom noch viel Erfolg bei deren Umbruch. "Wir wollen als Deutsche auch stolz sein auf unsere Telekom." Bei IDS Scheer ist nur ein kurzer Fototermin drin, bei SAP wartet schon Vorstandschef Henning Kagermann auf die Kanzlerin.

Ein Bad in der CeBIT-Menge nimmt Merkel nicht, sie hetzt von Termin zu Termin. Messe-Besucher bleiben stehen, recken ihre Hälse und machen mit ihren Handys Fotos von der Kanzlerin. Um kurz nach halb zwölf ist es geschafft, Merkels Rundgang ist zu Ende. Ihr Fazit: Die Informations- und Telekommunikationstechnologie verändere immer mehr das Alltagsleben der Menschen, IT-Anwendungen hätten auch für andere Wirtschaftszweige eine enorme Bedeutung, sagt sie – und düst wenig später in einer schwarzen Limousine ab. (Andreas Hoenig, dpa) / (vbr)