Zimmer unter Wasser

Seit zehn Jahren knobeln zwei deutsche Entwickler am ersten Unterwasser-hotel der Welt. Kommendes Jahr soll es endlich gebaut werden.

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Von
  • Marcel Grzanna

Seit zehn Jahren knobeln zwei deutsche Entwickler am ersten Unterwasser-hotel der Welt. Kommendes Jahr soll es endlich gebaut werden.

Der deutsche Schiffbauingenieur Andreas Hallier fordert einen alten Griechen heraus. Archimedes heißt sein Gegner. Er hat der Welt vor 2200 Jahren erklärt, weshalb Stahl auf Wasser schwimmen kann: Wenn ein Körper im Verhältnis zu seinem Volumen weniger wiegt als Wasser, entsteht eine Auftriebskraft, die ihn an der Oberfläche hält. Daran ist nicht zu rütteln. Doch genau dieser Auftriebskraft möchte Hallier trotzen. Die naheliegende Lösung, einen Schwimmkörper einfach mit ausreichend Ballast zu füllen, ist für Hallier keine Option, denn er arbeitet am ersten Unterwasserhotel der Welt. Und ein Hotel, dessen Räume voller Ballast sind, ist kein Hotel mehr.

Die Idee stammt von Joachim Hauser, Industriedesigner aus Bitterfeld. Der 65-Jährige war 1999 Mitglied einer Forschungsmannschaft des einstigen Raumfahrtkonzerns DASA, die an einem Hotel im Weltall arbeitete. Daraus wurde bisher bekanntlich nichts. Aber das Projekt inspirierte Hauser dazu, Touristen stattdessen unter der Meeresoberfläche zu beherbergen. Mit 100000 Franken gründete er die Underwater World Resort AG mit Sitz in Zug in der Schweiz, um sein Modell zu realisieren. Mitte 2014 soll der gigantische Bau beginnen. Die Kosten des Projekts sind auf 180 Millionen Dollar veranschlagt und werden von einer chinesischen Investorengruppe gestemmt. Als Standort war zunächst die Küste der chinesische Tropeninsel Hainan im Gespräch, jetzt ist nur noch allgemein vom „südchinesischen Meer“ die Rede. Wo auch sonst? Durch architektonische Bescheidenheit hat sich China in den vergangenen Jahren schließlich selten hervorgetan.

Der Unterwasser-Bau besteht aus einem ringförmigen Schwimmkörper, der fest am Boden verankert wird. Er soll zu zwei Dritteln unter Wasser liegen und Platz für mehrere Hundert Gäste bieten. Großzügige Fenster in einer Tiefe von etwa 14 Metern eröffnen ihnen einen Blick auf die Unterwasserwelt. Hallier musste dafür ein System entwickeln, das dem Auftrieb entgegenwirkt, aber noch genügend Raum für Zimmer, Restaurant, Küche und Spa übrig lässt. Im Auftrag von Hauser tüftelte Hallier mehr als zehn Jahren lang an diesem Problem, inzwischen sieht er sich selbst als Teil des Projekts. Das Design des Hotels ist mit etlichen Rechenvorgängen optimiert worden. Nun brauchen nur noch rund 23 Prozent des Volumens unter Wasser mit Ballast gefüllt zu werden, damit es in der gewünschten Wassertiefe schweben kann. Wie genau ihm dieses Kunststück gelingt, fasst der Ingenieur so zusammen: „Wir spielen mit unterschiedlichen Dichten.“ Zum Einsatz kommen unter anderem schwere Feststoffe wie Erz, Sand, Granit oder Split als Ballast. Was genau Hallier verwendet, verrät er allerdings nicht.

(grh)