China erkundet Nordpol mit "intelligentem Roboter"

Zur Ausrüstung eines großen chinesischen Expeditionstrupps, der am Freitag zum Nordpol aufgebrochen ist, gehört auch ein Unterwasser-Roboter. Russland schickt unterdessen Kriegsschiffe in die Arktis, um dort seine Territorialansprüche zu untermauern.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Zur Ausrüstung eines mehr als 120 Personen umfassenden chinesischen Expeditionstrupps, der am Freitag von Shanghai aus zum Nordpol aufgebrochen ist, gehört offiziellen Angaben zufolge auch ein "intelligenter Roboter". Mit dem sogenannten "North Pole ARV" (Autonomous and Remote operated Vehicle) an Bord des Expeditionsschiffs "Xuelong" wolle China wissenschaftliche Untersuchungen unterhalb des arktischen Eises durchführen, heißt es in einer Meldung der Nachrichtenagentur Xinhua.

Das vom Shenyang Institute of Automation (SIA) entwickelte Gefährt könne bis zu 100 Meter tief tauchen und habe einen Aktionsradius von drei Kilometern, erklärt Projektleiter Li Shuo. Außer ferngesteuerten Tauchfahrten seien mit dem "North Pole ARV" auch autonome Erkundungen möglich. "Es wird das erste Mal sein, dass China einen ausschließlich von einheimischen Ingenieuren gebauten Unterwasser-Roboter bei einer Arktis-Expedition einsetzt", verdeutlicht der wissenschaftliche Leiter der Expedition, Zhang Haisheng.

Laut offiziellen Angaben stehen bei der dritten chinesischen Nordpol-Expedition nach 1999 und 2003 Untersuchungen des Meerwassers und der Luft im Vordergrund. Im Wesentlichen dürfte es aber auch darum gehen, eigene Erkenntnisse über vorhandene Öl- und Erdgas-Lagerstätten zu gewinnen, sowie Daten zu erheben, die bei den Auseinandersetzungen um neue Gebietsansprüche in der Arktis eine Rolle spielen könnten. Mit dem Abschmelzen des Eises im Nordpolargebiet und der Erschließung der Nordwestpassage wird ein Ausbeuten der vermuteten fossilen Lagerstätten zunehmend interessanter.

Die arktischen Anrainerstaaten Russland, Norwegen, Kanada, Dänemark (für Grönland) und die USA liefern sich deshalb bereits seit Längerem Streitereien um die Ausdehnung ihrer Gebietsansprüche am Nordpol. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie weit die unterseeischen Ausläufer des arktischen Festlandsockels im jeweiligen Sektor ins Meer ziehen. Je weiter diese Grenzen hinausgeschoben werden können, um so weiter lassen sich auch die 200-Seemeilen-Zonen verlagern, die den Anrainerstaaten nach dem internationalen Seerechtsabkommen als exklusive Wirtschaftszonen zustehen.

Russland hat in dieser Sache bereits im vergangenen Sommer Nägel mit Köpfen gemacht und in rund 4260 Metern Tiefe eine aus Titan gefertigte russische Fahne auf dem Meeresboden verankert. Seine Territorialansprüche untermauert das größte Land der Erde derzeit unter anderem mit heftigem Säbelrasseln. Anfang der Woche liefen nach Marineangaben mehrere Kriegsschiffe mit dem Ziel Arktis aus. Zudem schickte Russland Kampfschiffe der Nordmeerflotte zur von Norwegen verwalteten Inselgruppe Spitzbergen, die im Nordatlantik und dem Arktischen Ozean liegt.

Norwegen hat die 200-Meilen-Zone rund um die Inselgruppe zu seinem Hoheitsgewässer erklärt und verfolgt nach russischen Angaben Schiffe, die dort dem Fischfang nachgehen. Moskau besteht wiederum auf einen Sonderstatus, der es Russland erlaube, wirtschaftliche Aktivitäten dort zu betreiben. Zudem befindet sich auf Spitzbergen die russische Siedlung Barentsburg. Anfang des Jahres wurde auf Spitzbergen eine Pflanzensamenbank eingeweiht, in der im Laufe der Zeit rund 1,5 Millionen Samenproben von Nutzpflanzen aus der ganzen Welt bei Permafrost eingelagert werden sollen, um sie vor Verlusten etwa durch Atomkriege und vor genetischen Verunreinigungen zu schützen. (pmz)