Wimax hat Aussicht auf einen Teil des Frequenzkuchens

Die Anerkennung von Wimax als 3G-Standard innerhalb der IMT-2000-Suite passt manchem Konkurrenten aus der UMTS- oder CDMA-Welt nicht. Ohnehin gibt es um die Verteilung der frei werdenden UHF-Frequenzen schon genug Gerangel.

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  • Monika Ermert

Das Wimax-Forum kann sich freuen. Bei der Radiocommunication Assembly 07 (RA 07) der International Telecommunication Union (ITU) wurde Wimax in die Familie der Breitbandmobilfunk-Dienste aufgenommen. Damit erhöhen sich für Wimax die Chancen, ein Stück vom Frequenzkuchen abzubekommen, den sich 3G- oder 4G-Diensteanbieter von der in der kommenden Woche startenden World Radiocommunication Conference 07 (WRC 07) erhoffen. Die Adelung von Wimax als Mobilfunkstandard passt manchem Konkurrenten aus der UMTS- oder CDMA-Welt nicht. Ohnehin gibt es um die Verteilung der attraktiven UHF-Frequenzen, die mit der Digitalisierung des Rundfunks frei werden, schon genug Gerangel.

Laut Berichten des britischen Fachmagazins Policytracker Spectrum haben sich bei der RA-07-Sitzung am Freitag China, Deutschland sowie die Unternehmen Ericsson und Qualcomm skeptisch gegenüber der Einstufung von Wimax ausgesprochen. Ericsson hatte sich laut Medienberichten kürzlich aus der Wimax-Arbeit zurückgezogen. Zu den Gründen für die Bedenken von deutscher Seite teilte die Bundesnetzagentur mit, dabei gehe es in erster Linie um die Funkverträglichkeit zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern. Von den Wimax-Anbietern wünsche man sich daher noch genaue Studien zur Verträglichkeit und dabei auch der Spektrumsmaske, also der genau genutzten Frequenzbereiche und der Intensität der Signale. Für UMTS gebe es Funkverträglichkeitsnachweise, und diese seien in den entsprechenden Standards festgehalten. Für Wimax fehle dies noch.

Beobachter in Deutschland führen die deutsche Zurückhaltung allerdings auch auf zwei Frequenz-"politische" Gründe zurück. Mit der Aufnahme von Wimax in die Familie könnten Wimax-Anbieter, die bislang eher im Bereich stationärer Dienste angesiedelt wurden, im zukunftsträchtigen Mobilbereich mitmischen. Insbesondere dann, wenn sich die ITU-Mitgliedsländer in der kommenden Woche für eine Heirat von 3G- und 4G-Diensten aussprechen und damit eine einheitliche Familie der breitbandigen Mobilfunkdienste entsteht, bekommen Wimax-Anbieter automatisch Zugriff auf die für die Mobilfunker reservierten Frequenzbereiche. Aus Sicht derjenigen, die für die UMTS-Lizenzen viel Geld bezahlt haben, würden die Wimax-Lizenzen noch mehr zum Schnäppchen.

Der zweite Grund liegt auf der Hand: Im UHF-Spektrum, auf das alle Mobilfunkanbieter spekulieren und das die Rundfunkanbieter verteidigen wollen, wird es noch enger. Deutschland gehört als Mitglied der Europäischen Konferenz der Verwaltung für Post und Telekommunikation (CEPT) zu den Gegnern einer sofortigen Zuweisung von UHF-Frequenzen im Bereich 470 bis 862 MHz.

"Der Bereich 470-862 MHz ist auf der im vorigen Jahr abgeschlossenen regionalen Planungskonferenz der ITU (RRC 06 oder GE 06) für das digitale Fernsehen DVB-T für Europa und einige angrenzende östliche Länder sowie für die Länder Afrikas geplant worden", teilte der Technische Direktor des Bayerischen Rundfunks, Herbert Tillmann, auf Anfrage von heise online mit. Tillmann vertritt als Vorsitzender der Produktions- und Technik-Kommission die Interessen der ARD.

DVB-T sei auf dieser Basis bereits in 14 europäischen Ländern Europas im Regelbetrieb. "In Deutschland ist der Ausbau, der eine flächendeckende Versorgung mit den drei Multiplexen von ARD und ZDF vorsieht, so weit fortgeschritten, dass die Umstellung Ende 2008 weitgehend abgeschlossen sein wird", erläutert Tillmann. Daher sei die ARD ebenso wie die European Broadcasting Union (EBU) gegen eine Zuweisung und Nutzung des dem Rundfunk zugewiesenen Frequenzbereichs 470 bis 862 MHz. Vor allem eine Harmonisierung eines Teilbandes für die Familie der International Mobile Telecommunications (IMT) wäre mit erheblichen Umplanungen verbunden. "Dadurch würden außerdem dem Rundfunk zustehende künftige Entwicklungsmöglichkeiten (Mobiler Rundfunk, HDTV) stark eingeschränkt", warnt Tillmann. Die ARD gehe für die WRC 07 davon aus, dass sich die Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums und der Bundesnetzagentur an die CEPT-Beschlüsse halten werden.

Die CEPT-Allianz bröckelt schon etwas, denn die französische Commission Consultative des Radiocommunications (CCR) hat gerade eben einen Bericht (PDF-Datei) veröffentlicht, in dem gefordert wird, die aus dem Analog-Digital-Umstieg frei werdende Frequenzen für neue Dienste zu vergeben. Daher sollte Frankreich in Genf auch für eine Zuweisung von UHF-Frequenzen an Mobilfunkanbieter stimmen.

Ähnlich sieht man das beim Deutschen Bundesverband Digitale Wirtschaft. "Grundsätzlich ist es wichtig, die Entscheidung nicht bis 2011 zu vertagen", sagte Pressesprecher Christoph Salzig. Bereits heute forschten die Mobilfunkbetreiber mit Nachdruck am Ausbau des breitbandigen mobilen Internets. Diese Investitionen gelte es abzusichern. Dabei wäre etwa das mobile Breitband bis 100 MBits als effiziente Alternative für den ländlichen Raum interessant. Die deutsche Administration solle statt für Besitzstandswahrung für den freien Wettbewerb optieren. (Monika Ermert) / (anw)