Auf eigene Faust gegen Kinderpornos
Ein Mitarbeiter der Katholischen Kirche hat offenbar auf eigene Initiative nach Kinderpornos im Internet gefahndet; ihm droht jetzt ein Strafverfahren.
Ein leitender Mitarbeiter der Katholischen Jugend (BDJK) Magdeburg hat offenbar auf eigene Initiative nach Kinderpornos im Internet gefahndet. Nun droht ihm ein Strafverfahren.
Im Zusammenhang mit anderen Ermittlungen identifizierte die Staatsanwaltschaft den Dienstcomputer des Kirchenangestellten als Empfänger von Kinderpornos aus dem Internet. Daraufhin fand gestern eine Hausdurchsuchung in den Büros der Magdeburger Zentrale des Bundes der Katholischen Jugend statt. Der Rechner wurde sichergestellt und untersucht. Die Angaben des Beschuldigten, die Bilder seien bereits wieder gelöscht, haben sich dabei bestätigt.
Sybillinisch beantwortete der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Halle, Gerhard Hasse, die Frage nach den Motiven des Beschuldigten. Gegenüber c't äußerte Hasse, der Betroffene habe kein Gewinninteresse gehabt und sei auch nicht entsprechend veranlagt. In Betracht käme "ein Motiv, das jeder haben kann". Der Nachfrage, ob es sich um eine Art "Eigeninitiative" gehandelt habe, widersprach Hasse nicht.
Laut Pfarrer Thomas Kriesel, dem geistlichen Oberhaupt des BDJK in Sachsen-Anhalt, befasst sich die Organisation mit Aspekten des Kinder- und Jugendschutzes. Die Initiative "Netz gegen Kinderporno" warnt schon seit langem auf ihrer Homepage vor solchen "Ermittlungen" auf eigene Faust. Wer wissentlich derartige Inhalte abruft oder speichert, kann sich unter Umständen nach § 184 Abs. 3 Nr. 3 StGB strafbar machen. (tig)