Brocade: SAN-Geschäft sichern, mit IP deutlich wachsen

Im Kerngeschäft mit SAN-Equipment leidet Brocade unter zu hoher Abhängigkeit von seinen OEM-Partnern. Über zweistelliges Wachstum im IP-Segment will der neue CEO Lloyd Carney das Unternehmen daher für weitere Partner interessanter machen.

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Lloyd Carney, CEO, Brocade

Für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2013 konnte Brocade Mitte Mai einen Umsatz von 535 Millionen US-Dollar melden – und damit fast so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Kerngeschäft mit SAN-Equipment musste der Hersteller jedoch ein Minus von 7 Prozent auf 319 Millionen US-Dollar hinnehmen. Neben der allgemein angespannten Wirtschaftslage macht der seit Mitte Januar neu an der Unternehmensspitze stehende CEO Lloyd Carney dafür auch Probleme bei zwei der wichtigen OEM-Partner von Brocade verantwortlich. In diesem Marktsegment steuern allein vier OEM-Partner – EMC, Hewlett-Packard, Hitachi Data Systems und IBM – über 70 Prozent des Umsatz bei: „Wenn unsere OEMs husten, bekommen wir eine Erkältung“, verbildlicht Carney die starke Abhängigkeit im Gespräch mit heise resale. Mit Blick auf die kommenden Quartale gibt sich der Brocade-CEO aber zuversichtlich, die Geschäfte bei den OEMs entwickelten sich wieder in Richtung des erhofften Umsatzniveaus.

Ausgesprochen positiv läuft unterdessen die Entwicklung in Brocades IP-Networking-Geschäft. Hier konnte der Hersteller zuletzt ein Plus von 17 Prozent auf 133 Millionen US-Dollar erwirtschaften. Im Ethernet-Markt kann und muss Brocade aber auch weiterhin deutlich wachsen, denn die Vernetzung via IP gewinne in Zukunft noch mehr an Bedeutung – davon ist Lloyd Carney fest überzeugt, und das nicht nur aufgrund seiner Historie als ehemaliger Mitarbeiter von Netzwerkausrüstern wie Bay Networks, Juniper oder Nortel. Der Ausbau des IP-Geschäftes könnte Brocade auch dabei helfen, die Abhängigkeit von den OEMs zu mildern und gleichzeitig neue Vertriebspartner im Channel zu gewinnen – auch wenn unter anderem schon HDS, Fujitsu und EMC neben den SAN-Produkten ebenso Brocades IP-Equipment vertreiben.

Die größte Herausforderung im Ethernet-Markt ist derweil die deutlich größere Zahl an Wettbewerbern. „Wir konzentrieren uns aus diesem Grund mit unseren Ethernet-Fabric-Produkten gezielt auf das Rechenzentrum“, erläutert Carney. Aus dem Geschäft für Standard-Switches hält sich Brocade weitgehend zurück. „Wir wollen nicht, wie einer unserer großen Mitbewerber, alles mit allem vernetzen. Wir fokussieren uns auf die Vernetzung in und von Data Centern“, ergänzt der CEO. In diesem Fabric-Geschäft muss sich Brocade derzeit denn auch „nur“ mit Cisco und HP auseinandersetzen, Konkurrenten wie Juniper oder Huawei adressieren andere Marktsegmente. Für die Fabric-Switches der VDX-Serie konnte Brocade sogar Huawei als Vertriebskanal gewinnen.

Aus Sicht von Channel-Partnern könnte Brocade allerdings auch in Sachen Marketing rund um die Ethernet Fabric noch deutlich mehr unternehmen. Das Trommeln für die eigenen Produkte beherrsche beispielsweise Cisco deutlich besser, meint etwa Jens Rodewyk vom Hannoveraner Systemhaus Anders & Rodewyk, das Produkte beider Hersteller im Portfolio führt. Dass Brocade speziell im Hinblick auf das Fabric-Marketing aktiver werden müsse räumt unterdessen auch CEO Carney ein. „Wir müssen den Anwendern klar deutlich machen, welche Vorteile unsere Architektur bietet“ – insbesondere im Vergleich zu dem, was die Mitbewerber unter dem Label „Fabric“ anzubieten haben.

Beim Trendthema Software-defined Networking (SDN) sieht CEO Carney den Hersteller ebenfalls gut aufgestellt – nicht erst seit der Übernahme des Virtualisierungsspezialisten Vyatta. In den nächsten 12 Monaten rechnet Carney allerdings noch nicht mit dem nennenswerten praktischen Einsatz von SDN. „Eine Reihe von Unternehmen haben Testprojekte auf den Weg gebracht“, bestätigt der Brocade-CEO, während auf Anbieterseite die Arbeiten an einer SDN Control Plane vorangetrieben würden. Und auch hier engagiere sich Brocade an vorderster Front – unter anderem als aktiver Unterstützer des Network Virtualization Forums und des OpenDaylight-Projektes, das ein auf Open Source aufsetzendes Framework für SDN zum Ziel hat. (map)