Pulitzer-Gremium schenkt Online-Medien mehr Aufmerksamkeit
Künftig nimmt das Preis-Komitee in allen 14 journalistischen Kategorien Vorschläge aus Medien an, die ausschließlich online erscheinen.
Das Pulitzer Prize Board vergibt seinen renommierten Journalismuspreis künftig in allen 14 journalistischen Preiskategorien auch für Beiträge in Publikationen, die ausschließlich online erscheinen. Das hat das Komitee im November auf einem Treffen beschlossen, wie nun aus einer Mitteilung hervorgeht. Wie bisher werde sich das Gremium auf US-amerikanische Medien konzentrieren, die täglich oder wöchentlich erscheinen. Das heißt, Beiträge aus Websites von weniger oft erscheinenden Magazinen, aber auch von Rundfunkanstalten werden nicht berücksichtigt.
Vor 2006 mussten alle eingereichten Beiträge gedruckt vorliegen. Online-Material hatte das Preis-Komitee lediglich als Zusatzinformationen (Datenbestände, interaktive Grafiken) zu Print-Artikeln in der Journalismus-Kategorie "Public Service" zugelassen. Vor drei Jahren änderte das Prize Board seine Statuten: Seit 2006 konnten in den Kategorien "Aktuelle Berichterstattung" sowie "Aktuelle Fotoberichterstattung" auch Arbeiten ausgezeichnet werden, die nicht auf Papier gedruckt, sondern ausschließlich digital verbreitet wurden; zudem konnten in allen Kategorien zusätzliche Online-Materialien eingereicht werden.
Sig Gissler vom Pulitzer Prize Board sieht die nun erfolgte weitere Änderung der Statuten als einen wichtigen Schritt bei der Berücksichtigung des bemerkenswerten Wachstums des Online-Journalismus. Das Komitee werde weiterhin den Einfluss des Internets auf den Journalismus beobachten und hofft, dass nun mehr Online-Beiträge für den Pulitzer-Preis vorgeschlagen werden.
Die Mitteilung des Pulitzer-Komitees erschien zur gleichen Zeit, als der Medienkonzern Tribune seine Insolvenz bekannt gab. Dort erscheinen unter anderem die Los Angeles Times, Chicago Tribune, The Baltimore Sun und der Sun-Sentinel. Die Tribune Company hat nun beim Handelsgericht im District of Delaware Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 des U.S. Bankruptcy Code gestellt. Im Sommer dieses Jahres kündigte Gannett als größter Zeitungsverlag der USA die Entlassung von 600 Mitarbeitern an. Die Branche leidet seit Jahren unter wegbrechenden Anzeigeneinnahmen. Vor diesem Hintergrund hatten Tribune und Gannett zusammen mit anderen Zeitungshäusern eine Online-Werbeallianz gegründet. (anw)