FĂĽr Silver Server ist die Telekom Austria zu langsam
Die Entbündelung von Leitungen dauere mit vier bis fünf Wochen viel zu lange, bemängelt der Geschäftsführer des österreischischen Providers. Und die Genehmigung für den Einsatz von G.SHDSL.bis habe statt einiger Wochen zwei Jahre gedauert.
Dem österreichischen Internet-Provider Silver Server sind die Geschäftsvorgänge beim Branchenführer Telekom Austria (TA) zu langsam. Die Entbündelung von Leitungen dauere mit vier bis fünf Wochen viel zu lange, ist Geschäftsführer Oskar Obereder unzufrieden. Und die Genehmigung für den Einsatz des schnelleren Übertragsungsstandards G.SHDSL.bis auf entbündelten Leitungen habe statt einiger Wochen zwei Jahre gedauert. "Die regulatorischen Rahmenbedingungen müssen mit der Geschwindigkeit der Technologie mithalten", erklärte Obereder bei einer Pressekonferenz am Montag. "Das ist für die IT-Branche wichtig und beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Österreich."
Im Schnitt müsse der Kunde eines alternativen Anbieters vier bis fünf Wochen warten, bis er seinen Anschluss bekomme. Bei Telekom-eigenen Kunden gehe das wesentlicher schneller. "Das ließe sich ganz einfach durch einen Bescheid des Regualtors abstellen", sagte Obereder, der sich eine Frist von sieben statt bisher 15 Arbeitstagen wünscht. Gleichzeitig hoffe er auf eine Neudefinition des Begriffs "Entbündelung", da bisher nur Leitungen der TA von einem alternativen Anbieter übernommen (enbündelt) werden könnten. Möchte ein Kunde von einem alternativen Anbieter zu einem anderen wechseln, werde meist eine neue Leitung gelegt, weil die Leitungsübernahme nicht als Entbündelung geregelt sei: "Die (direkte Übernahme) wäre ein Fax-Krieg über vier Wochen."
Als Zwischenlösung für Businesskunden hat Silver Server HSDPA-Router im Angebot. Diese werden den Kunden innerhalb von Stunden ab Vertragsunterzeichnung zur Verfügung gestellt und sind bereits mit der später auf Dauer gültigen IP-Adresse vorkonfiguriert. Bis zur Herstellung der Festnetz-Leitung können die Kunden mit dem Router über ein Mobilfunknetz mit bis zu 7,2 MBit/s im Download und 384 kBit/s im Upload online gehen. Die Router sind auch rund um die Uhr online und müssen nicht erst für jede Sitzung eine Verbindung aufbauen.
Diese Router können von den Kunden auch bei Störungen bestellt werden und sollen innerhalb von drei bis vier Stunden fertig konfiguriert zugestellt werden. Für diesen Service werden 150 Euro pro Einsatz fällig. Wer auf Dauer eine Backup-Lösung über Mobilfunk mit einem solchen Gerät installieren möchte, muss mit 800 Euro einen Teil der Kosten des Routers tragen. Daneben fallen monatliche Kosten ab 21,60 Euro an, worin dann monatlich 3 GByte eingeschlossen sind. Die HSDPA-Router empfiehlt Silver Server auch für Internetzugang auf Baustellen und für andere temporäre Nutzungen.
Ab sofort bietet der Provider schnellere symmetrische Datenanbindungen. Möglich wird das durch den Einsatz von G.SHDSL.bis (TC-PAM 32). Damit können über eine Telefonleitung (Kupferdoppelader) bis zu 5,7 MBit/s im Up- und Download übertragen werden. "Wir könnten unsere Businesskunden seit zwei Jahren mit der doppelten Bandbreite versorgen. Die Telekom hat das hinausgezögert", merkte Obereder an. "Nach zwei Jahren hat die TA festgestellt, dass es auch in Österreich netzverträglich ist." In anderen EU-Staaten sei G.SHDSL.bis längst im Einsatz.
Durch Zusammenschaltung von acht Leitungen (Multiplexing) seien unter idealen Bedingungen bis zu 40 MBit/s symmetrisch bei Leitungslängen bis 5 Kilometer möglich. Das ermögliche Backup-Lösungen über Kupferleitungen für Glasfaser, sei aber auch für den Einsatz in von Glasfaserleitungen nicht erschlossenen Gebieten gedacht. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)