Zehnkampf der Solarhaus-Bauer

Die Architektur-Fakultät der Technischen Universität Darmstadt hat den renommierten Solar Decathlon gewonnen, einen vom US-Energieministerium veranstalteten Architektur- und Energietechnik-Wettbewerb mit zehn Disziplinen.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Schick und effizient: Das Solarhaus der TU Darmstadt

In der Leichtathletik gilt der Gewinner des Zehnkampfs als König unter den Sportlern – und ein bisschen als König darf sich derzeit auch die Architektur-Fakultät der Technischen Universität Darmstadt fühlen: Denn sie hat den renommierten Solar Decathlon gewonnen, einen vom US-Energieministerium veranstalteten Architektur- und Energietechnik-Wettbewerb mit zehn Disziplinen, an dem Hochschulen aus den USA, Südamerika und Europa teilnahmen. Aufgabe des Solar Decathlon ist der Entwurf und Bau eines Wohnhauses, das wenig Energie benötigt, viel Strom produziert und in architektonisch-ästhetischer Hinsicht überzeugt.

Die von Thermodynamikern sowie Energie-, Licht- und Solartechnikern unterstützten Statiker, Architekten und Bauingenieure der TU Darmstadt überzeugten die Jury mit ihrem Solarhaus-Konzept nicht nur in der Gesamtbetrachtung, sie konnten zudem erste Plätze in den Kategorien Architektur, Konstruktion, Beleuchtung und Energiebilanz erzielen. Das in der Sommer-Version (mit Veranda) gut 70 Quadratmeter große Wohngebäude, das zuvor schon den Deutschen Solarpreis gewonnen hatte, wurde für die Teilnahme am Solarhaus-Zehnkampf zunächst in Darmstadt zerlegt, in speziellen Boxen über den Atlantik verschifft und auf der National Mall in Washington schließlich wieder zusammengesetzt.

Die Eichenholzlamellen sind ebenso wie das Dach mit Photovoltaik bestĂĽckt.

Das Passivhaus der Darmstädter Architekten besteht aus einer äußeren Eichenholzlamellen-Schicht, die ebenso wie das Dach mit Photovoltaik bestückt ist. Hinter den Holzlamellen liegt eine Dämmschicht aus Glas und Vakuumisolationspanelen, den Innenraum schließen Plexiglaswände ab. Für die konventionelle Elektrosteuerung (Leuchten, Taster und Steckdosen) wurde das Bussystem LCN gewählt. Temperatur-, Luftfeuchte-, CO2- und Strommesswerte liefern drei weitere Bus Systeme: EIB, Mod-Bus und M-Bus. Gesteuert werden die einzelnen Bus-Systeme über die Leittechniksoftware B-CON. Die Solarzellen liefern bis zu 12,5 kW Strom. Ein Teil davon wird für die Aufladung eines Elektroautos verwendet.

Eingebaut wurde in das Haus auch ein komplettes Multimedia- und Entertainment-System mit nicht sichtbaren Lautsprechern in Wänden und Decke sowie einem Subwoofer im Boden. Der ebenfalls in die Wand integrierte LC-Bildschirm dient als TV-, PC- und Konsolen-Display. Geheizt wird im Winter mit der Sonne: Durch eine große, Richtung Süden ausgerichtete Verglasung gelangt ein Großteil der benötigten Heizenergie in das Gebäude. Die zusätzlich benötigte Wärme kommt über die Lüftungsanlage. Eine reversible Wärmepumpe heizt dabei sowohl die Zuluft als auch das Brauchwarmwasser. Den Strom für die Wärmepumpe generiert die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und an der Fassade.

Als Betten dienen sogenannte Schlafkuhlen, die sich mit Platten abdecken lassen.

Möbel können im Wohn- und Essbereich zusammengeklappt und im doppelten Boden der Gebäudeplattform wie in einer Schublade verstaut werden. Als Betten dienen sogenannte Schlafkuhlen, die sich mit Platten abgedecken lassen. Der aus Küche, Bad und Warmwasserspeicher bestehende Gebäudekern kann je nach Bedarf und Anzahl der Gäste erweitert werden. Aus der Single-Küche wird dann beispielsweise ein Raum zum gemeinsamen Kochen. Die Beleuchtung im Haus ist den jeweiligen Bedürfnissen angepasst: Licht zum Sehen, Licht zum Hinsehen, Licht zum Ansehen. Auch sind unterschiedliche Lichtszenarien und Beleuchtungssituationen programmierbar.

Stellt sich natürlich die Frage nach dem Preis eines solchen Hightech-Hauses. Laut Projektkostenplan (PDF-Datei) schlagen allein die Materialkosten mit rund 85.000 Euro zu Buche. Insgesamt veranschlagt das Team um Manfred Hegger Kosten in Höhe von gut einer Million Euro für die Teilnahme am "Solar Decathlon 2007", davon allein 205.000 Euro für den Transport des Hauses in die USA und wieder zurück. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen der Forschungsinitiative "Zukunft Bau" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). In Deutschland wird das Haus der TU Darmstadt demnächst in Essen zu sehen sein. Dort findet ab 7. Januar die internationalen Baumesse DEUBAU 2008 statt. (pmz)