Die FrĂĽhstarter
Die GrĂĽnder im Silicon Valley werden immer jĂĽnger. Keiner weiĂź so gut wie sie, was die Jungen im Netz wollen.
- Peter Glaser
Die GrĂĽnder im Silicon Valley werden immer jĂĽnger. Keiner weiĂź so gut wie sie, was die Jungen im Netz wollen.
Während die Kids, die heute mit Computer und dem Netz aufwachsen, von Soziologen und Trendforschern noch studiert werden wie eine interessante, neue Lebensform, gründen die lieben Kleinen längst ihre eigenen Firmen.
Die Diskussion über das ideale Alter für Unternehmensgründer hat im letzten Jahrzehnt einen neuen Verlauf genommen. 1999 hatte der ehemalige Wall Street-Computerexperte und heutige Innovationsforscher Vivek Wadhwa mit seiner These für Aufsehen gesorgt, die erfolgreichsten Unternehmen würden von "alten Hasen" gegründet. Seinen Untersuchungen zufolge waren es Männer über 40 – verheiratet und mit Kindern –, bei denen die Chance auf einen Unternehmenserfolg am höchsten sei.
Seither hat sich der Trend zunehmend verjüngt. Viele sehen heute das ideale Alter für Gründer ("Peak Age"), ähnlich wie für Sportler, bei Anfang bis Mitte 20. Den im Silicon Valley ansässigen Risikokapitalgebern der Firma SV Angel zufolge hatten mehr als zwei Drittel aller Startups, die später für 500 Millionen Dollar oder mehr verkauft wurden, Firmengründer, die jünger waren als 30. Sind junge Entrepreneure besser, weil sie unbekümmert loslegen? Die Risikokapitalgeber sehen "frische Talente mit leidenschaftlichem Unternehmergeist, die noch nicht durch Familie oder Kinder abgelenkt werden".
Als Zaid Farooqui das Webdesign-Unternehmen Cyquester Technologies mitgründete und einen ersten Mitarbeiter einstellte, war er gerade mal 15. "Ein Internet-Startup ist wie eine Band", befindet der heute 25-jährige – "Jeder möchte sowas gründen – vor allem, weil es richtig Spaß macht." So hat Farooqui sich unter anderem an einem Social-Media-Portal namens iJigg versucht, auf dem die Nutzer per Abstimmung aus zahllosen Songs ihre eigenen Charts erstellen konnten. Dass es der Konkurrenz von Musikangeboten wie Last.fm und Pandora nicht standhalten konnte, hindert ihn nicht daran, mit etwas Neuem weiterzumachen – einer App fürs Gesundheitswesen namens CrystalMD. Ein Foto in einem seiner Blogs zeigte bis vor kurzem die klassische Grundausstattung: einen Schreibtisch, einen Rechner und eine Schlafmatte daneben auf dem Teppichboden.
Sam Altman, Anfang 20, rief loopt ins Leben, einen ortsbezogenen Dienst, der Handynutzern auf einer Karte zeigt, wo ihre Freunde gerade sind. Nach einer kleinen Anschubfinanzierung machte Altman sich daran, 5 Millionen Dollar einzusammeln, wobei ihn seine Geschäftsreisen öfters über seine Heimatstadt St. Louis führten. Dort borgte er sich von seiner Familie ein Auto aus, da er noch nicht alt genug war, um sich eines mieten zu dürfen. Vor einem Jahr verkaufte er seinen Dienst für 43,4 Millionen Dollar an den Finanzdienstlister Green Dot.
Als es Mode wurde, Katzenfotos in einem absichtlich verdrehten Englisch im Netz zu verbreiten ("I Can Has Cheezburger?"), sah der Hawaiianer Erik Nagakawa seine Chance und richtete für die sogenannten "LOLcats" ein eigenes Blog ein – Icanhascheezburger.com. Die Zugriffszahlen explodierten sofort, das Blog war von Anfang an in den schwarzen Zahlen.
Wenig später lieferte der koreanischstämmige US-Jungunternehmer Ben Huh ein Meisterstück an Überredungskunst ab: Er brachte Silicon Valley-Investoren dazu, ihm 2,25 Millionen Dollar zu geben, um diese Website zu kaufen, die zwar täglich eine halbe Million Klicks erbrachte, auf der aber nichts als hochgradig albern beschriftete Katzenfotos zu sehen waren. Heute herrscht Huh über ein "Cheezburger Network" aus mehr als 50 Blogs und Websites und beschäftigt ein paar Dutzend Mitarbeiter. Mit Onlinewerbung und Merchandising macht er geschätzte vier Millionen Dollar Umsatz im Jahr. Während das Magazin GQ ihn auf die Liste der schlechtgekleidetsten Menschen im Silicon Valley setzte, wählte ihn "Fast Company" 2010 zu einem der "Most Creative People in Business".
Die ältere Generation versucht dem digitalen Wertewandel manchmal etwas hilflos Einhalt zu gebieten. So erläuterte Melinda Gates in einem Interview die strengen Erziehungsregeln für ihre Kinder: "Wir setzen alles daran, dass die drei so normal wie möglich aufwachsen", sagte die Frau von Bill Gates. Die Kinder müssen mit Einschränkungen leben, iPhone oder iPod etwa sind verboten. "Unsere große Tochter hat gesagt: Mama, erzähl bloß nicht, was wir alles nicht dürfen. Das ist total peinlich." (bsc)