Volle Dröhnung

Die Japaner schwören auf mit Ionen angereicherte Luft. Nun hat Sharp eine portable Ionenschleuder auf den Markt gebracht.

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Von
  • Martin Kölling

Die Japaner schwören auf mit Ionen angereicherte Luft. Nun hat Sharp eine portable Ionenschleuder auf den Markt gebracht.

Japan ist ein sauberes Land. Aber es kann natürlich nie sauber genug sein, besonders wenn es um unsere Atemluft geht. Seit Jahren bevölkern daher Klimaanlagen, Waschmaschinen, selbst Föne den Markt, die mit negativ und positiv geladenen Ionen-Strömen die Luft reinigen sollen, in der Waschtrommel die Kleidung auffrischen oder das Haar besonders schonend zu trocknen versprechen. Nun hat der japanische Elektronikhersteller Sharp die Ionenschleudern sogar so portabel gemacht, dass wir Menschen uns am Schreibtisch oder auf dem Weg zur Arbeit in eine schützende Ionenwolke hüllen können.

Das neueste, sogar recht formschöne Gerät namens IB-CH12 sieht aus wie ein kleiner Clip, den man sich an die Hemd- oder Jackettasche stecken kann. Ein Miniventilator sorgt dafür, dass Ionen den Trägern mit einer Dichte von 100.000 "Plasmacluster-Ionen" pro Kubikzentimeter ins Gesicht geblasen werden. Dies soll die Nase und die Augen vor Austrocknung schützen. Nach ungefähr 40 Minuten soll man die Wirkung spüren, sagt Sharp. Drei Stunden hielt der Clip in meinem Selbsttest ungefähr durch, bevor seine Batterie wieder aufgeladen werden musste. Genug, um zur Arbeit zu fahren. Und für den Arbeitsplatz gibt es ein formschönes Ladegerät, mit dem Mann und Frau sich auch in der trockenen Klimaanlagenluft der Großraumbüros einnebeln kann. Sehr nett.

Ein anderes Gerät, auf Sharp-Englisch "Plasmacluster-Mist" (Plasmacluster-Nebel) genannt, sieht aus wie eine kleine Sprühdose, mit der sich – in diesem Fall wohl eher – Frau das Gesicht und den Ausschnitt bedampfen kann. Dies soll die gefühlte Spannkraft der Haut erhöhen. Zusätzlich gibt es eine Reihe von inhalator- und nachttischlampenähnlichen Ionenspendern für den Haus- und Bettgebrauch. Der Verdampfer IB-ST72 verspricht dabei ganz besonders großen Nutzen. Einmal vor dem Abschminken bedampft, sollen sich Lidschatten und Wimperntusche sehr viel einfacher entfernen lassen als ohne Ionenbad. Die Gebrauchsanleitung empfiehlt, sich fünf Minuten vor der Gesichtsreinigung vor das Gerät zu setzen und es an Wochentage für zehn und an Wochenende für die Intensivpflege 15 Minuten lang zu nutzen.

Die Nachfrage nach solchen Gerät, besonders in Form von Luftreinigern und -befeuchtern, ist gigantisch hier in Japan. Denn die versprochenen Wirkungen sind groß. Die Ionen sollen nicht nur Milbendreck binden, sondern auch andere Allergene, Pilzsporen und Viren.

Ich persönlich frage mich, ob ich all die Technik um mich haben will, um mir Waldluft vorzugaukeln. Vor allem hat mich gestört, dass ich mit den portablen Ionenspendern nicht Blätterrauschen höre, sondern das fiepsige Surren der Mini-Ventilatoren. Mein Entschluss: Ich gehe preiswerter ein bisschen häufiger im Park spazieren als mich maschinell beleben zu lassen. (bsc)