Conserva diem - bewahre den Tag

Life Logging könnte zum neuen Sport werden.

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Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Jens Lubbadeh

Life Logging könnte zum neuen Sport werden.

Mir war es ja immer ein Rätsel: Da ist man im Urlaub, steht an großartigen Wasserfällen oder Bergschluchten, schaut auf eindrucksvolle Maya-Pyramiden oder griechische Tempel und freut sich an diesem Moment im Strom der Zeit. Und neben einem stehen sie, die Rekorder, die Konservierer, die Perfektionisten, die diesen Anblick gar nicht mit eigenen Augen sehen sondern nur durch ein Objektiv oder auf dem kleinen LCD-Bildschirm einer Digitalkamera.

Schade, dass ihr diesen Moment nicht einfach mal genießen könnt, dachte ich mir dann immer. Warum nur wollte ihr ihn unbedingt einfangen, wie einen Schmetterling. Nur um ihn dann aufzuspießen mit euren CCD-Chips. Nur um all diese Bilder auf einer Festplatte zu lagern und sie sowieso nie wieder anzusehen.

Knipsen und speichern. Aus Carpe diem – pflücke den Tag – wird conserva diem – bewahre den Tag.

Für die manischen Fotografierer gibt es nun neue Spielzeuge. Vor einiger Zeit berichteten wir über die schwedische Firma Memoto, die eine Kamera entwickelt, welche - angeheftet an einem Hemdkragen - automatisch alle 30 Sekunden ein Bild aufnimmt. Aus dem Datenwust eines Tages wählt sie dann ein Best of aus. Die perfekte Dokumentation eines Lebens.

Lifelogging heißt dieser Sport, den manche schon seit den 90ern betreiben. Und ich bin sicher, er wird bald zur Massenbeschäftigung werden. Nicht zuletzt durch die Google Brille. Für mich ist es zwar eine schauerliche Vorstellung, aber sollten tatsächlich mal Menschen dauernd mit diesem Gerät vor der Nase herumlaufen, ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Funktion implementiert werden wird.

Noch ist es nicht soweit. Deswegen werde ich das nächste Mal, wenn ich jemanden dabei beobachte, wie er ein Erinnerungsfoto schießt, lieber von ihm ein Erinnerungsfoto machen. Denn dieser Anblick wird verschwinden. (jlu)