Neuer chinesischer Supercomputer
Auf einem HPC-Forum haben chinesische Forscher mit dem Tianhe-2 einen neuen Supercomputer vorgestellt, der nach den ersten präsentierten Ergebnissen beim Linpack die bisherige Nummer 1 der schnellsten Supercomputer um mehr als 70 Prozen überflügelt.
Jack Dongarra, Professor an der Universität von Tennessee sowie Wissenschaftler am Oak Ridge National Laboratory (ORNL) und einer der Verantwortlichen für die halbjährlich aktualisierte Liste der weltweit schnellsten Supercomputer (Top 500), hat einen Bericht seines Besuchs beim von der National University of Defense Technology (NUDT) organisierten internationalen HPC Forum (IHPCF) im chinesischen Changsha veröffentlicht. Darin beschreibt Dongarra, der auch Autor des der Top 500 zugrundeliegenden Linpack-Benchmark ist, ausführliche Details des derzeit in China entstehenden Supercomputers Tianhe-2 (TH-2, "Milchstraße"). Der soll in die Fußstapfen des Tianhe-1A treten, der im Herbst 2010 die Spitze der Top-500-Liste erobern konnte.
TH-2 besteht aus einem Mix aus Intels 32.000 Ivy-Brigde-Multicore-CPUs und 48.000 Xeon-Phi-Koprozessor-Boards und verfügt über 3,12 Millionen Rechenkerne. Dies ergibt eine theoretische Peak-Performance von 54,9 Petaflops. Dongarra nennt in seinem Paper auch erste Linpack-Messergebnisse: Ein fünfstündiger Lauf mit 14.336 der maximal möglichen 16.000 Nodes ergab eine Leistung 30,65 Petaflops. Zum Vergleich: Der derzeit auf Platz 1 der Top 500 stehende, vom ORNL betriebene Titan leistet "gerade einmal" 57 Prozent davon: 17,6 Petaflops.
(Bild:Â Jack Dongarra, ORNL)
Aber auch die weiteren Eckdaten des Systems sind beeindruckend: 162 Racks beherbergen neben Storage sowie den Komponenten des selbstentwickelten High-Speed-Interconnect die auf 16.000 Nodes verteilten Prozessoren. Jeder Node verfügt über 64 GByte RAM für die CPUs sowie 24 (3×8) GByte für die Coprozessorboards, was in Summe 1,4 Petabyte (etwa 1 PByte für die CPUs und knapp 0,4 PByte für die Xeon-Phis) ergibt. Die Rechenkomponenten können zum Speichern der (Zwischen-)Ergebnisse auf 12,4 PByte verteiltes Storage zugreifen, das als Hybrid Hierarchisches Dateisystem (H2FS) organisiert ist. Die Leistung des unter einem angepassten Linux laufenden Systems fordert in Sachen Stromverbrauch ihren Tribut: Unter Volllast benötigt TH-2 17,8 MW, rechnet man den Aufwand für die Kühlung mit ein, steigt der Energiebedarf auf stolze 24 MW.
Offen ist derzeit die Frage, ob die Chinesen ihre Ergebnisse offiziell bei der Top 500 eingereicht haben. Falls ja, dürfte TH-2 Platz 1 bei der für den 17. Juni im Rahmen der International Supercomputing Conference (ISC, 16. bis 20. Juni in Leipzig) vorgesehenen Veröffentlichung der nächsten Top 500 Liste kaum zu nehmen sein. TianHe-2 befindet sich derzeit im Testbetrieb und soll bis Ende des Jahres seinen regulären Dienst am National Supercomputer Center in Guangzhou (NSCCGZ) im Südwesten Chinas aufnehmen. iX wird sich in der nächsten Ausgabe 7/2013 ausführlicher der ISC und der neuen Top-500-Liste beschäftigen.
(avr)