Wie man Fahrradleichen verhindert

Fahrradleichen, die Städte zumüllen – nervt Sie das auch? Die Lösung ist ganz einfach.

vorlesen Druckansicht 15 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Jens Lubbadeh

Fahrradleichen, die Städte zumüllen – nervt Sie das auch? Die Lösung ist ganz einfach.

Jeden Tag ärgerte ich mich über das rote Fahrrad, das jemand vor unserem Haus angeschlossen hatte. Wir haben nur zwei Fahrradbügel und die sind ohnehin schon heftig umkämpft. Und dann blockiert irgendein Trottel mit seiner Fahrradleiche auch noch einen davon dauerhaft. Es dauerte ein Jahr, bis der Hausmeister es endlich entfernen ließ. Dabei war es eigentlich noch ziemlich neu - was für eine Rohstoffverschwendung!

Fahrradleichen sind ein Großstadtproblem und die negative Seite des ansonsten so erfreulichen Fahrradbooms der letzten Jahre. Für tägliche Radler wie mich tut es nicht nur weh mitansehen zu müssen, dass viele Leute so ein geniales Gerät wie das Fahrrad offensichtlich nicht wertschätzen. Mich ärgert es auch maßlos, dass sie damit den Rad-Gegnern, vulgo der Autolobby, argumentative Munition liefern.

Man könnte das Problem wie die Japaner angehen und Radfahrer wie Autofahrer sanktionieren: Wer sein Rad einfach irgendwo abstellt, riskiert, dass es abgeschleppt wird und nur gegen eine saftige Strafe wieder eingelöst werden kann. Besonders strikt sind die Behörden an öffentlichen Plätzen wie beispielsweise Bahnhöfen. Dafür aber gibt es auch Angebote für die Radler: nämlich eigene Fahrrad-Parkhäuser. Trotzdem ist das für mich nur eine halbherzige Lösung, denn Japan stellt Radfahrer ansonsten nicht Autofahrern gleich. Gute Radwege sind auch in Japan die Ausnahme, Radfahrer beißen sich oft auf Gehwegen durch und gefährden Fußgänger. Auf den Straßen sind sie Freiwild der Autofahrer. Man kann Radler nicht einerseits wie Autofahrer in die Pflicht nehmen, ohne ihnen andererseits auch die gleichen Rechte zuzugestehen! Das fördert nur Frustration und Einzelkämpfermentalität. Wer keine Rechte hat, der wird sie sich nehmen. Das kann man hierzulande schön an den viel gescholtenen "Kampfradlern" beobachten.

Nun haben die technikbegeisterten Japaner sogar vollautomatische Tiefgaragen für Räder gebaut (siehe Video). Man klebt einen Chip ans Rad, den Rest erledigt die Parkstation vollautomatisch: Sie zieht das Rad hinein, per Lift saust es dann in die Tiefe und wird in einer Kammer verwahrt. Eine typisch japanische Lösung. Sehr kompliziert. Sehr teuer. Und einen Haken hat die Sache zudem: Ich fahre doch auch gerade deshalb Fahrrad, damit ich mich nicht jedesmal wie die Autofahrer auf eine zeit- und nervtötende Parkplatz-Odyssee begeben muss. Ich bin der Meinung: Wenn ich schon darauf verzichte, im warmen, geschützten Auto zu sitzen und die Umwelt, die Gesundheit meiner Mitmenschen und die Haushaltskassen schone, dann sollte ich doch dafür auch irgendeinen positiven Anreiz haben – oder?

Und positive Anreize fehlen mir bei Japans Lösung. Warum bieten Stadtplaner nicht einfach überall vernünftige Fahrradabstellplätze an? Dazu reichen simple Metallbügel, an denen man sein Rad auch anketten kann und nicht im besten Falle nur das Vorderrad (welches Fahrraddiebe einfach vom restlichen Rad abschrauben). Ich bin überzeugt: Der Wildwuchs an Zäunen und Laternenpfählen würde ganz von selbst abnehmen.

Aber natürlich: Fahrradleichen werden auch an Metallbügeln stehen. Gegen die gibt es eine genauso einfache Lösung: Nummernschilder für Fahrräder. Wer am Straßenverkehr teilnimmt, der übernimmt Verantwortung. Und im Zweifel muss man einen Verkehrsteilnehmer auch zur Verantwortung ziehen können. Das geht nur, indem man ihn identifizieren kann. Klingt erstmal nach Bevormundung und nach einer abgeschmackten Forderung der Anti-„Kampfradler“-Fraktion (die wahrscheinlich selber allenfalls sonntags mal auf einem Rad sitzt). Man könnte es aber auch als wichtigen Schritt zur Gleichstellung von Fahrrad und Auto sehen. Und die ist längst überfällig. (jlu)