Computex 2009: Optimismus statt Katzenjammer
Während andere IT-Messen angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise den schwindenden Ausstellerzahlen hinterherjammern, freuen sich die Computex-Veranstalter über ausgebuchte Hallen.
Das Jahr 2009 wird vor allem für die IT-Industrie ein schwieriges Jahr, darüber sind eigentlich alle Experten einig. Nachdem es 2008 vor allem Banken und Investment-Fonds gebeutelt hat, sinkt nun auch die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen – und das hat geradezu dramatische Auswirkungen auf die IT-Branche. Die schon im 4. Quartal 2008 stark gesunkene Nachfrage wird sich 2009 kaum bessern.
Unterm Strich werden die IT-Unternehmen 2009 also wohl weniger Geld in der Kasse haben als 2008. Sinkende Einnahmen zwingen zum Sparen, und da bietet es sich an, über den Verzicht auf teure Messeauftritte nachzudenken. Die IT-Leitmesse CeBIT rechnet deshalb bereits mit Stornierungen, sinkende Ausstellerzahlen gelten als ausgemachte Sache. Ernst Raue, Vorstand der Deutschen Messe AG, sieht das Jahr 2009 angesichts der weltweiten Verunsicherung nicht als das Jahr für "Rekordmessen". Um den Unternehmen Kosten zu ersparen, denkt man deshalb über eine Verkürzung der Messe nach. Im Gespräch ist ein Verzicht auf das vor allem von Endkunden gern genutzte Wochenende. "Auf den Sonntag könnten wir gut verzichten" ist von vielen Ausstellern zu hören.
Gleichzeitig sind Spekulationen über eine Verschiebung des Messestarts zu hören. Wie wäre es, wenn die CeBIT künftig von Montag bis Freitag stattfinden würde? Für 2009 dürfte es wohl für größere Änderungen am Terminplan zu spät sein: Die derzeit vom 3. bis 8. März geplante Messe steht ja quasi schon vor der Tür. Um zu retten, was zu retten ist, feilt man bei der Deutschen Messe AG stattdessen mal wieder am Messekonzept. So soll die Dynamik des Web 2.0 auf dem Messegelände in der "WebCiety" (von Web und Society, Gesellschaft) erlebbar werden. Alles in allem wirkt das aber etwas wie ein letztes Aufgebot, um das riesige Gelände voll zu bekommen.
Mit solchen Problemen müssen sich die Veranstalter der vom 2. bis 6. Juni 2009 stattfindenden Computex nicht herumschlagen – im Gegenteil: Die zweitgrößte IT-Messe der Welt soll auch 2009 aus allen Nähten platzen. Nicht ohne Stolz verkündet Walter Yeh, Executive Vice President der Taitra, dass es auch für 2009 eine Warteliste für Aussteller gebe, die man wohl nicht komplett abarbeiten könne – und das, obwohl man die Ausstellungsfläche erneut erweitert habe. 2009 soll die Messe auf insgesamt fünf verschiedene Ausstellungsorte ausgeweitet werde: Neben der 2008 eröffneten neuen Halle in Nangang werden wie 2008 auch die Hallen 1 (TWTC, "alte" Halle), 3 (Sung Shou Road) und das TICC (Taipei Internationel Convention Center) bespielt. Die 2008 noch anderweitig genutzte Halle 2 soll ebenfalls reaktiviert werden.
Insgesamt stehen Ausstellern damit 4800 sogenannte "Boothes" zur Verfügung, 2008 waren es noch 4492. Einen "Booth" darf man allerdings nicht mit einem "Messestand" verwechseln: Unter "Booth" verstehen die Computex-Veranstalter Teitra (Taiwan External Trade Development Council) und TCA (Taipei Computer Association) eher die Wortbedeutung "Bude": eine 3 × 3 m² große Fläche. Typischerweise mietet sich ein Aussteller natürlich mehrerer solcher "Boothes", um zu einem ansehnlichen Messestand zu kommen. Apropos Aussteller: Für 2009 rechnet die Computex mit 1850 Ausstellern – 2008 fanden 1725 Unternehmen den Weg auf das Messegelände.
Boom in der Krise?
Eine wachsende – vielleicht sogar "boomende" – IT-Messe in Zeiten einer weltweiten Krise? Wie machen die das? Nun, auch in Taiwan kocht man nur mit Wasser. Allerdings scheint man dort ein besseres Auge für die nach wie vor vorhandenen Wachstumsbereiche zu haben als manch anderer Messeveranstalter. Auch dem Thema "Service für Aussteller" widmet man in Taipeh traditionell mehr Aufmerksamkeit als anderswo. Der Messeveranstalter sucht gezielt die Nähe der Aussteller und versucht schon im sehr frühen Planungsstadium auf die Bedürfnisse der Unternehmen einzugehen. Einem "Bedürfnis" aller Aussteller in Zeiten der Krise trägt man besonders Rechnung: Alle Unternehmen müssen sparen, und so hält man die Preise für die Messestände auch 2009 stabil. Daneben umwirbt die Computex nun auch gezielt Unternehmen aus der Volksrepublik China. Bislang war denen nämlich der Zugang zur Computex verwehrt – vermutlich, um die eigene Wirtschaft vor dem auch wirtschaftlich immer mächtiger werdenden großen Nachbarn zu schützen. Für 2009 hat man diesen Protektionismus aufgegeben. In Zeiten globaler wirtschaftlicher Verflechtungen schadet Abschottung nun einmal mehr als sie nützt.
So hofiert man nun nicht nur Unternehmen aus China, sondern versucht auch Fachbesucher aus dem Nachbarland für die Computex zu begeistern. Tägliche Direktflüge zwischen China und Taiwan und deutliche Erleichterungen bei der Vergabe von Bussines-Visa an chinesische Staatsbürgen sollten helfen, auch bei den Besucherzahlen zuzulegen.
Die Top-Themen der Computex 2009 wirken demgegenüber allerdings wenig innovativ: NetBooks, MIDs (Mobile Internet Devices), LED-Backlit – das klingt alles vertraut. Auch die anderen branchenüblichen Schlagworte fehlen nicht: "In Computex 2009, Green is greener than last year", verkündete etwa der Taitra-Vizepräsidenten Walter Yeh. Ebenfalls nicht neu ist das Thema "WiMAX": Auch 2009 will die Computex dieser Funktechnik breiten Raum einräumen. Daneben will man aber auch den gesamten Bereich Telekommunikation ausbauen: Gerade diese Branche wachse nach wie vor, betonte Li Chang von der TCA. Viele Unternehmen aus dieser Branche würden ihre Messeauftritte nun auf wenige Standorte konzentrieren, und da sei die Computex nun einmal einer der Profiteure dieser Entwicklung.
Die Computex sieht also optimistisch in die Zukunft – ein wirklich aufmunterndes Signal in diesen Zeiten notorisch schlechter Nachrichten. Und um den eigenen Optimismus noch zu unterstreichen, kündigt man in Taipeh gleich schon den weiteren Ausbau des Messegeländes an: 2012 soll, wenn alles gut geht, die zweite Messehalle in Nangang ihre Pforten öffnen. (gs)