Highspeed für Brasilien

Lateinamerika soll mit einem Hochgeschwindigkeitskabel eine deutlich schnellere Internet-Anbindung an die USA erhalten.

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Von
  • Elena Zafra

Lateinamerika soll mit einem Hochgeschwindigkeitskabel eine deutlich schnellere Internet-Anbindung an die USA erhalten.

Ziemlich genau 17 500 Kilometer schlängelt sich das armdicke Kabel über den Meeresgrund und bietet eine Rekord-Übertragungskapazität: 100 Gigabyte pro Sekunde für jeden seiner Kanäle. Damit verbindet es die USA mit Mittelamerika und Brasilien mit der zehnfachen Geschwindigkeit als bislang möglich. Ende des Jahres soll es funktionsfähig sein – und wäre damit das erste Unterseekabel dieser Länge, das speziell für eine derartige Übertragungsgeschwindigkeit entwickelt wurde.

Über 100.000 MP3-Dateien gleichzeitig ließen sich so innerhalb einer Minute herunterladen oder 15000 High-Definition-TV-Kanäle zur selben Zeit streamen. Wenn der sogenannte AMX-1-Lichtwellenleiter Ende des Jahres freigeschaltet ist, öffnet sich für Millionen von Nutzern in den USA, Kolumbien, Brasilien, Mexiko, Puerto Rico, Guatemala und der Dominikanischen Republik eine digitale Autobahn: Sie bekommen schnellen Zugang zu Cloud-Diensten, Breitband- und Pay-TV. Das französisch-amerikanische Unternehmen Alcatel-Lucent hat zusammen mit América Móvil das Kabel entwickelt als Reaktion auf die boomende Nachfrage nach Breitbanddiensten. Eine wesentliche Rolle dabei spielte Massimiliano Salsi, leitender Forscher für optische Übertragungssysteme im Untersee-Bereich von Alcatel-Lucent. TR Frankreich hat den 33-Jährigen deshalb zu einem der führenden französischen Innovatoren unter 35 Jahren gekürt.

In einem Glasfaserkabel dienen Lichtimpulse als Informationseinheiten, mit denen Bilder, Filme oder die Stimme der Telefonkunden übermittelt werden. Eine Leucht- oder Laserdiode wandelt dafür die elektrischen Signale in Lichtimpulse um. Am anderen Ende wandelt die empfangende Photodiode diese wieder in elektrische Signale um. In die Glasfaserleitungen integriert sind in regelmäßigen Abständen sogenannte Repeater, die die Nachverstärkung und Signalregeneration übernehmen. Verschiedene abgegrenzte Kanäle in der Faser dienen dazu, möglichst viele Daten durch das Breitband zu schicken. Die Herausforderung: Bei großen Distanzen erreichen die Signale ihren Bestimmungsort nur noch verzerrt.

Um die Daten trotz großer Entfernungen korrekt zu erfassen, hat Salsi sogenannte "kohärente Detektoren" entwickelt. Sie ermöglichen es, die Informationen in komplexen Algorithmen zu verschlüsseln und das optische Signal auch nach einer Reise von Tausenden von Kilometern präzise zu verarbeiten und wieder aufzubauen. Der Durchbruch gelang Salsi ein Jahr nach seiner Promotion. Bei dem Experiment im Jahr 2009 schickte er Daten über mehr als 7000 Kilometer – sie kamen unverzerrt an. Ohne diese kohärenten Detektoren wäre die Übertragungsrate bei Überseedistanzen "auf zehn Gigabyte pro Sekunde limitiert", erklärt Sebastien Bigo, Direktor des WDM Dynamic Networks Department bei Alcatel-Lucent.

AMX-1 ist nicht die einzige große Entwicklung im Bereich optischer Telekommunikation, bei der Salsi eine entscheidende Rolle gespielt hat. Der Nachrichtentechniker hält ein Dutzend Patente im Bereich der optischen Übertragungen. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Datenleitung "Jonah", die Alcatel-Lucent und der israelische Betreiber Bezeq International Anfang 2012 vorstellten. Dieses 2300 Kilometer lange Faserkabel verläuft von Tel Aviv bis Bari in Italien und lässt Europa und Israel zumindest digital näher zusammenrücken. Derzeit bietet es 40 Gigabyte pro Kanal, "aber rein technisch sind auch hier 100 GB pro Sekunde möglich", so Salsi. (bsc)