Google Glass: Forscher fordern Gesichtserkennung

Die neue High-Tech-Brille wird standardmäßig aus Datenschutzgründen keine Gesichtserkennung enthalten. Einige Wissenschaftler kritisieren dies.

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Von
  • David Talbot

Die neue High-Tech-Brille wird standardmäßig aus Datenschutzgründen keine Gesichtserkennung enthalten. Einige Wissenschaftler kritisieren dies.

Ein Spionagetool für Widerlinge und Stalker: So wird gemeinhin über die Gesichtserkennungs-Technologie von Google Glass geschimpft. Bisher bekamen nur Software-Entwickler, Journalisten und ausgewählte Testnutzer die Computerbrille mit Kamera und einem Bildschirm vor dem Auge. Die Superbrille soll frühestens in einem Jahr auf den Markt kommen. Doch es gibt Bedenken in Sachen Datenschutz. So haben Abgeordnete des US-Kongresses den Konzern aufgefordert, Fragen zum Schutz der Privatsphäre zu beantworten. Google hat reagiert und wird zunächst keine Apps für die Brille zulassen, die Gesichter und Stimmen von Passanten erkennen.

Zudem sollen Fotos und Videos nur mit eingeschaltetem Bildschirm möglich sein. So kann ein Gegenüber sehen, dass die Brille benutzt wird.Google hat dieses Verbot in die Regeln für die Entwickler aufgenommen. Bei diesen stößt die Entscheidung auf Unverständnis. "Ich bin ziemlich enttäuscht", sagt Lance Nanek, der eine medizinische Gesichtserkennung entwickelt hat.

Sie ermöglicht es Ärzten, die Identität einer Person zu überprüfen und auf Anhieb Aufzeichnungen über Allergien oder Verordnungen aufzurufen, ohne am PC sitzen zu müssen. Auch der Polizei könnte die "Super-Brille" helfen, Personen auf einer Fahndungsliste zu identifizieren, die zudem noch in Echtzeit aktualisierbar sei.

Eine Software für mobile Geräte wie Glass hat auch Lambda Labs entwickelt. Stephen Balaban, Mitbegründer des US-Start-ups, erklärt seine Begeisterung für die digitale Gesichtserkennung durch ein Schlüsselerlebnis. So habe er einmal mit dem Geschäftsführer eines Finanzunternehmens gesprochen, ohne es zu wissen. Wie hätte dieses Gespräch ablaufen können, wenn ich gewusst hätte, wer da vor mir stand, fragt sich Balaban, der dann etwa die Möglichkeit einer Finanzspritze für sein Start-up angesprochen hätte.

Auch Balaban ist der Schutz der Privatsphäre wichtig: "Ich glaube, dass jeder Mensch das Recht hat zu kontrollieren, wie diese Systeme mit ihm interagieren." So könnte die App auf Datenbanken zugreifen, um das Gesicht zu erkennen und weitere Informationen zu bekommen. Aber es könne jeder selbst entscheiden, ob er in einer solchen Datenbank aufgenommen werden will. Egal ob Widerling oder liebenswerter Mensch. (bsc)