RoboCup-WM: Aufwärmphase hat begonnen
Mehr als 2500 Teilnehmer aus etwa 40 Ländern werden im niederländischen Eindhoven erwartet, wo ab Mittwoch Roboter in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten.
Im niederländischen Eindhoven treffen schon am Montag die ersten Teams ein, um an der 17. RoboCup-Weltmeisterschaft teilzunehmen. Mehr als 2500 Teilnehmer aus etwa 40 Ländern werden erwartet, die ihre Roboter ab Mittwoch in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten lassen wollen. Im Mittelpunkt des Turniers steht weiterhin der Fußball.
(Bild:Â Hans-Arthur Marsiske)
Die Organisatoren haben gleich die erste Halle des Indoor-Sportcentrum komplett den Fußballwettbewerben gewidmet. Dicht an dicht sind die Spielfelder für die Humanoid Leagues, die Standard Platform League, die Small Size League und die Middle Size League aufgebaut, so dass für die Teams selbst nur noch wenig Platz bleibt. Schon am ersten Tag waren die Felder rasch belegt, um dort die Roboter zu testen und mit den Boden- und Lichtverhältnissen vertraut zu machen.
Für die Middle Size League, die mit rollenden Robotern die größten Spielfelder (12 × 18 Meter) nutzt, haben sich elf Teams angemeldet, darunter ein neues: Das chinesische Team BIT-AC vom Beijing Institute of Technology hat bislang noch bei keiner Weltmeisterschaft teilgenommen. Das ist bemerkenswert, weil die Middle Size League mit einem großen Nachwuchsproblem zu kämpfen hat. In den letzten Jahren haben viele Teams aufgegeben, weil die Kosten für Entwicklung, Unterhalt und Transport der Roboter zu hoch waren. Viele sehen diese Liga daher schon am Ende.
Das amtierende Weltmeisterteam Tech United hat jedoch aus seinen Robotern eine Basisplattform entwickelt, die die Kosten senken und damit neuen Teams den Einstieg erleichtern soll. „Statt 25.000 Euro kostet ein Roboter dann nur noch 5000 Euro“, sagt René van de Molengraft, Teamleiter und Cheforganisator des diesjährigen Turniers. „Die Plattform bietet Weltmeisterniveau, kann aber beliebig mit eigenen Sensoren konfiguriert und erweitert werden.“ In der Liga sieht er noch großes Potenzial: „Sie ist jetzt so weit, wirkliche Kooperation zwischen den Robotern zu realisieren.“
Darauf darf auch bei den Robotern gehofft werden, die sich auf Beinen bewegen. Beim Vorbereitungswettbewerb RoboCup German Open vor zwei Monaten, waren in den Spielen der Standard Platform League, bei denen ausschließlich Nao-Roboter zum Einsatz kommen, schon gelegentlich gezielte Pässe zu sehen gewesen. Die Teams dürften diese Techniken mittlerweile weiter verbessert haben, denn auf dem gegenüber dem Vorjahr doppelt so großen Spielfeld können solche Pässe tatsächlich Vorteile bringen.
(Bild:Â Hans-Arthur Marsiske)
Gewöhnlich kommunizieren die Roboter über WLAN miteinander, um ihre Aktionen abzustimmen. Die beiden Spieler des Teams FUB-KIT, das erstmals in der Teen Size (90 bis120 cm) der Humanoid League antritt, haben diese Möglichkeit nicht. Die Roboter sind an der Freien Universität Berlin und dem Kyushu Institute of Technology entstanden. Sie werden sich morgen, wenn der japanische Teil des Teams in Eindhoven eintrifft, überhaupt zum ersten Mal begegnen. „Mit einer klaren Rollenverteilung lässt sich aber auch ohne Kommunikation Kooperation realisieren“, sagt Hamid Reza Moballegh.
Der RoboCup wurde 1997 ins Leben gerufen mit dem Ziel, bis zum Jahr 2050 mit humanoiden Robotern gegen den amtierenden menschlichen FuĂźballweltmeister zu gewinnen. Roboter, denen das gelingt, so die Idee, sind auch fĂĽr viele andere Aufgaben zu gebrauchen. Um die Entwicklung konkreter Anwendungen gezielt voranzutreiben, wurden und werden neben FuĂźball daher auch andere Wettbewerbe entwickelt.
(Bild:Â Hans-Arthur Marsiske)
Gut etabliert sind die Wettbewerbe für Rettungsroboter (RoboCup Rescue), die sich in diesem Jahr erstmals auch auf Trümmerfeldern aus Betonteilen bewähren müssen, und für Haushaltsroboter, bei denen die Interaktion zwischen Mensch und Maschine im Mittelpunkt steht. Dichter an industriellen Anwendungen bewegen sich die Festo Logistics League sowie der Wettbewerb RoboCup@work, bei dem es um mobile Manipulation geht. Für all diese Ligen wie auch für die Simulationswettbewerbe haben die Veranstalter neben dem Indoor-Sportcentrum große Zelte errichtet.
Die Nachwuchsrobotiker im Alter von 9 bis 19 Jahren messen ihre Fähigkeiten im Rahmen des RoboCup Junior. Diese Wettbewerbe sind einen guten Kilometer entfernt vom Turnier der Erwachsenen in der Eissportzentrum Eindhoven untergebracht, wo auch Schlafplätze vorbereitet sind. Die Teams werden aber erst Mittwoch erwartet. (axk)