NSA am Revers
Überwachung? Können wir auch, denkt sich die Technologiefirma Hitachi – und präsentiert einen Beobachtungssensor für Verkäufer.
- Robert Thielicke
Überwachung? können wir auch, denkt sich die Technologiefirma Hitachi – und präsentiert einen Beobachtungssensor für Verkäufer.
Verkaufen hat etwas mit Menschen zu tun, so jedenfalls lautet die landläufige Meinung. Das ändert sich gerade. Künftig könnte Verkaufen vor allem etwas mit Daten zu tun haben. Mit dem Business Sensor hat Hitachi eine Technik entwickelt, die Firmenvertreter Hubert Yoshida gegenüber den VDI-Nachrichten wie folgt beschreibt: „Er passt ans Revers, hat fünf Infrarotsensoren, kommuniziert drahtlos, hat einen Beschleunigungsmesser, erkennt Temperatur, Stimmhöhe und alles, was sich in zwei Metern Umkreis befindet und arbeitet mit einer für zwei Tage reichenden Batterie.“
Wen schon diese Aufzählung irritiert, sollte nicht weiter lesen. Denn der Sensor misst darüber hinaus, „wie sein Träger sich bewegt, ob er laut oder leise spricht, mit wem er kommuniziert etc.“ Ein Verkäufer ist zwar kein Terrorist. Aber als Gefahrenquelle scheinen ihn zumindest einige Kunden von Hitachi zu sehen. Schließlich könnte er den Umsatz bedrohen. Da ist dann viel erlaubt. Und es nutzt ja auch etwas, wie Yoshida weiter erläutert: „Ein Unternehmen stellte mit Hilfe des Sensors fest, dass es den Umsatz um 15 Prozent steigern konnte, wenn es nur 16 Sekunden lang einen Mitarbeiter an einem bestimmten Punkt des Verkaufsareals platzierte.“
Natürlich ist der strategische Einsatz von Verkäufern, wann sie wo stehen und wie lange, in einem Ladengeschäft ein bedeutender Faktor, um mehr Umsatz zu erzielen. Am Ende haben auch die Verkäufer etwas davon. Aber sind dafür wirklich Stimmanalysen und die genaue Analyse des Kommunikationsverhaltens nötig? In dieser technischen Ausstattung ist der Sensor wohl eher dafür geeignet, die Mitarbeiter ausgiebig zu überwachen.
Yoshida immerhin ist sich der Sensibilität des Themas bewusst. Er plädiert dafür, derartige Technologien mit Augenmaß einzusetzen. Bleibt zu hoffen, das er es ernst meint und seine Kunden dies ebenso sehen. Denn Augenmaß würde bedeuten: Das Gerät ausschließlich für die kurzzeitige Analyse von Arbeitsabläufen zu verwenden – und die bedenklichsten Funktionen gar nicht erst zu aktivieren. (rot)