Hausmeister
Fast alle Hersteller liefern heutzutage Notebooks mit einer versteckten Partition auf der Festplatte aus. Neben mehr oder weniger nützlichen Werkzeugen und Images des Betriebssystems lagern dort Installationstools und Treiber– im Notfall wichtige Helfer.
- Kay Glahn
Fast alle Hersteller liefern heutzutage Notebooks mit einer versteckten Partition auf der Festplatte aus. Neben mehr oder weniger nützlichen Werkzeugen und Images des Betriebssystems lagern dort Installationstools und Treiber – im Notfall wichtige Helfer.
Während früher das Bios Setup Utility noch wirklich im ROM des Notebooks abgelegt und im Funktionsumfang sehr eingeschränkt war, bieten aktuelle Notebooks umfangreiche Konfigurations- und Diagnoseprogramme, die teilweise sogar mit einer grafischen Benutzeroberfläche aufwarten können. Sie sind meist auf einer versteckten Partition untergebracht, von der das System bootet, wenn man beim Systemstart eine bestimmte Funktions- oder Spezialtaste gedrückt hält.
Jeder Notebook-Hersteller hat hierfür einen eigenen Namen und verwendet meist proprietäre Systeme. Bei Lenovo heißt es "Partition Pre Desktop Area" und bei Dell beispielsweise "Dell Utility Partition". Dahinter verbirgt sich meistens ein eigenes 16-Bit-Betriebssystem, das beim Starten hochfährt. Dell verwendet bei älteren Modellen MS DOS 7.1, bei neueren ein eigenes System mit der Bezeichnung "Dell Real Mode Kernel" (DRMK). In anderen Fällen nutzen die Firmen auf der Service Partition WinPE. Es handelt sich um das sogenannte "Preinstallation Environment", das Microsoft auf Servern und PCs für den Setup-Prozess verwendet.
Partition per Firmware versteckt
In der Regel dient die "Hidden Protected Area" (HPA) zum Verstecken der Partition, ein ANSI/ATAPI-Standard, den viele Festplatten-Controller unterstützen und mit dessen Hilfe sie die Partitionen per Firmware verbergen und vor unbefugtem Zugriff oder versehentlichem Löschen schützen. Eine Harddisk kann mehrere solcher HPAs enthalten, die der Controller unabhängig voneinander freigegeben kann und die unterschiedliche Werkzeuge oder Konfigurationsprogramme enthalten können.
Dort sind neben dem Konfigurationsprogramm des Herstellers meist auch die Daten für eine Systemwiederherstellung nebst dazugehöriger Software abgelegt. Während es früher üblich war, jedes Notebook mit einer sogenannten Recovery CD oder DVD auszuliefern, mit der man das System wieder in den Fabrikzustand versetzen kann, soll dazu jetzt das im HPA liegende Image dienen. Das hat für den Hersteller den Vorteil, keine DVD mehr mit ausliefern zu müssen. Außerdem kann er damit verhindern, dass die Software unberechtigterweise in die Hände Dritter gerät. Andererseits büßt der Anwender wertvollen Speicherplatz auf der Festplatte ein, da ein Image des Systems rund fünf GByte verbraucht. Wenn die Festplatte beschädigt ist, kann der Rückhalt mit verloren gehen und der Eigentümer des Gerätes hat keine Chance mehr, sich selbst zu helfen. Bei einer Reihe von Herstellern kann man eine Recovery-DVD separat bestellen, muss aber unter Umständen extra dafür bezahlen. Bei manchen Notebooks bietet die Software die Möglichkeit, das versteckte Image der Festplatte selbst auf eine DVD zu brennen.
Image als Sicherheitskopie
Neben dem ursprünglichen System-Image, das das Notebook wieder in den Auslieferungszustand zurückversetzen kann, kann man bei einigen Notebooks weitere Images in der HPA ablegen. Dazu bedarf es entweder einer speziellen Backup-Software des Herstellers oder der OEM-Variante einer Standardsoftware. Lenovo etwa bietet die Software "Rapid Restore Ultra" an, mit der man Images des Systems erstellen kann, Dell liefert eine zeitlich beschränkte Version der Software "Ghost 10" von Symantec mit. Ist ein Image des Auslieferungszustandes in einer versteckten Partition vorhanden, speichern einige Softwareprodukte bei weiteren Images nur die Unterschiede zum Ausgangssystem und nehmen somit wesentlich weniger Speicher in Anspruch. Ohne allzu viel Platz auf der Platte zu verschenken kann man mehrere Snapshots hinterlegen. Die ist vor allem nützlich, wenn man eine neue Software ausprobieren und danach wieder entfernen möchte. Man erstellt einfach vor der Installation ein Image, das man nachher wieder zurückspielt. Die Software zum Erstellen und Wiederherstellen der Images befindet sich meistens ebenfalls in einer HPA und bootet ein eigenes Betriebssystem.
Beim ersten Starten des Notebooks nach dem Kauf kommt eine spezielle Installationssoftware des Herstellers im HPA zum Einsatz. Bei Notebooks, die mit Windows ins Haus kommen, ist das Betriebssystem in der Regel auf der Festplatte vorinstalliert, die Prozedur aber noch nicht vollständig abgeschlossen. Es sind noch ein paar kleine Schritte notwendig, bevor der Anwender mit dem Rechner arbeiten kann. Er muss normalerweise seinen Namen eingeben, das EULA (End User License Agreement) des Herstellers bestätigen, die Zeitzone einstellen und und die Sicherheitsstufen konfigurieren.
Normalerweise ist das auf der Festplatte befindliche Betriebssystem versiegelt und das Notebook startet beim ersten Einschalten zunächst von einer versteckten Partition, die als aktiv markiert ist und die Installationssoftware des Geräteherstellers beinhaltet. Nach deren Start gibt die Installation das Betriebssystem frei, sobald die erforderlichen Eingaben erfolgt sind.
Zu den weiteren, teils speziellen Softwarelösungen in der HPA gehört bei Dell zum Beispiel das "Media Direct Feature". Schaltet man das Notebook über die Media-Direct-Taste ein, startet nicht die normale Betriebssysteminstallation von der Festplatte, sondern ein rudimentäres Betriebssystem in der HPA, das lediglich den Media Player enthält, der das Abspielen von DVDs, Slideshows oder Musik erlaubt. Dias spart Zeit, weil nicht jedes Mal das komplette Windows hochfahren muss, wenn man sich bloß eine DVD anschauen möchte.
Fazit
Die herstellerspezifische Software, mit der ein Notebook ins Haus kommt, ist eng mit der Installation und der Partitionierung der Festplatte verzahnt. Die meisten Rechner bieten eine komfortable Konfigurations- und Hardware-Diagnose-Software im der sogenannten "Pre Desktop Area" an. Für geschäftliche Nutzer sind aber vor allem Zusatzprogramme relevant, die die Datensicherheit erhöhen. Möchte man eine Image-Software einsetzen, um in regelmäßigen Abständen ein komplettes Abbild der Festplatte als Sicherungskopie zu erstellen, sollte man darauf achten, dass der Hersteller eine passende Lösung anbietet oder zumindest die Software eines Drittanbieters unterstützt. Für Verschlüsselungssoftware gilt das gleiche. Möchte man seine komplette Festplatte verschlüsseln, um die Daten auf der Festplatte bei Verlust oder Diebstahl vor unberechtigtem Zugriff zu schützen, sollten sich die dazu notwendigen Werkzeuge nahtlos in das bestehende System integrieren lassen, denn die Verschlüsselung greift vor dem eigentlichen Systemstart in den Bootvorgang ein und sollte mit den versteckten Partitionen auf der Festplatte zurechtkommen. (rh) (ll)