Reiseleiter
Merian geht mit dem Scout Navigator bei der Verquickung von GPS-Streckenführung und elektronischer Reiseleitung neue Wege.
- Daniel Lüders
Merian geht mit dem Scout Navigator bei der Verquickung von GPS-Streckenführung und elektronischer Reiseleitung neue Wege.
Das Navi Merian Scout Navigator bringt im vier GByte großen, internen Flash-Speicher Software, Reiseführer und Kartenmaterial für Europa mit. Bei Datenverlust hat der Nutzer allerdings keine Möglichkeit einer Wiederherstellung, denn Datenträger liegen dem Paket nicht bei.
Anstatt eines herkömmlichen Touchscreens verwendet Merian beim Scout Navigator ein kapazitives, berührungsempfindliches Display, das zur Interaktion nicht gedrückt sondern – ähnlich wie beim iPhone – nur noch leicht berührt werden muss. Finger-Eingaben quittiert das Gerät mit einem kurzen Audio-Signal, aber meist ohne grafische Rückmeldung. Deshalb vertippt man sich trotz präziser Touchscreen-Matrix zuweilen und startet ungewollte Funktionen. Weil das Display stark spiegelt und die Hintergrundbeleuchtung vergleichsweise schwach ist, erkennt man bei Sonnenlicht kaum noch Inhalte.
Da Merian anstelle von Text-Menüpunkten wenig aussagekräftige Symbole verwendet, ist vor der ersten Benutzung ein Blick ins Handbuch notwendig. Bei der Navigations-Software handelt es sich um eine Eigenentwicklung von Merian mit einer Text-to-Speech-Engine, die auch Straßennamen aufsagt. An der Navigation gibt es wenig auszusetzen: Die Stimme tönt laut genug aus den Stereo-Lautsprechern und leitet den Autofahrer weitgehend zuverlässig zum Ziel. Zuweilen brachte die Navigation aber schon mal eine Aufforderung zum "links Halten" und eine Abbiegeanweisung durcheinander.
Verkehrsmeldungen und Staus empfängt das Gerät via Traffic-Message-Channel-Signal (TMC), das von den Radiostationen ausgestrahlt wird. Als Antenne dient hierfür das Kabel des Kfz-Stromadapters. Weil dies aber vor der Kfz-Konsole herunterhängt, hat man selten guten TMC-Empfang.
Interessantes
Mit seinen umfangreichen Point-of-Interest-Datenbanken setzt sich das Merian-Scout-Navi deutlich von der Konkurrenz ab. Außer einer Standard-POI-Datenbank mit 1,5 Millionen Einträgen besitzt es über 30 000 redaktionell bearbeitete Artikel mit Informationen über Sehenswürdigkeiten, Hotels und Freizeitmöglichkeiten in ganz Deutschland. Etwa 1000 Audio-Beiträge gesellen sich hinzu.
Tipps zu Gaststätten und Restaurants mit Empfehlungen der Zeitschrift "Der Feinschmecker" sind ebenfalls dabei. Jeder Eintrag enthält außer der Adresse auch Informationen über Bezahlmöglichkeiten, Preise, Kontaktangaben und oft sogar Bilder vom Interieur.
Es bleibt dem Nutzer überlassen, ob er interessante Orte in seiner unmittelbaren Umgebung oder an einer selbst gewählten Adresse suchen möchte. Spontane können sich während einer Navi-Fahrt von automatisch gestarteten Audio-Beiträgen unterhalten lassen, sobald ein interessanter Ort gestreift wird.
Mittels Filtern sucht man gezielt nach Hotels und Gaststätten in der Nähe der aktuellen Position oder einer gewünschten Adresse. Dabei enthält das Verzeichnis nicht nur teure Gourmet-Stätten, sondern auch Gasthöfe mit bezahlbarer, gutbürgerlicher Küche oder Studentenkneipen mit niedrigem Preisniveau.
Das GPS-Navi Merian Scout Navigator erweist sich als erstes ernst zu nehmendes Reiseführer-Navi. Wer nur einen Navigator sucht, gibt allerdings mit 780 Euro zu viel Geld aus. Die Konkurrenz bietet fürs Navigieren Gleichwertiges für weniger Geld und mit einem besseren Display.
Spontanreisende, die gern mal auf Entdeckertour gehen, werden das Merian-Gerät als Hilfsmittel für die Fahrt ins Blaue schätzen – wenn sie sich erst an die wenig intuitive Menüführung gewöhnt haben. Als Planungswerkzeug für den Urlaub taugt das Navi nur bedingt, denn hierfür fehlt eine POI-gestützte Tourenerstellung. (dal)
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