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Mit der Software 2.0 sieht Apple das iPhone fit fĂĽr den Unternehmenseinsatz. Als mobiler Client fĂĽr Microsoft Exchange soll es dem BlackBerry Konkurrenz machen.
Mit der Software 2.0 sieht Apple das iPhone fit für den Unternehmenseinsatz. Als mobiler Client für Microsoft Exchange soll es dem BlackBerry Konkurrenz machen. Das gelingt nur mit einigen Einschränkungen.
Mit Exchange ActiveSync (EAS) hat Microsoft ein Protokoll geschaffen, das eine Synchronisation zwischen mobilen Endgeräten und einer Exchange-Infrastruktur über das Netzwerk erlaubt. Eine Implementierung dieses Protokolls findet man in allen Geräten mit Windows Mobile 5.0 und neuer sowie in Exchange 2003 ab Service Pack 2. Darüber hinaus lizenziert Microsoft das Protokoll auch an andere. Es bleibt jedoch jedem Lizenznehmer überlassen, welche Teile des Protokolls er implementiert. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich Unterschiede.
Wir haben zwei iPhones der ersten und zweiten Generation mit der neuen Software gegen Exchange 2003 und 2007 getestet. Die Einrichtung mit 2007 ist etwas einfacher, da man auf dem iPhone lediglich E-Mail-Adresse und Passwort eingeben muss; die restlichen Parameter bestimmt die Software mittels Autodiscovery. Findet das Telefon den Server nicht, so muss man wie bei Exchange 2003 die Serveradresse und den Benutzernamen eingeben.
Sobald das Konto verifiziert ist, kann der Anwender auswählen, was mit dem Server synchronisiert werden soll: E-Mail, Kontakte, Kalender. Wählt er Kontakte oder Kalender aus, dann löscht die Software die bereits auf dem iPhone gespeicherten Informationen und holt sich neue Daten vom Exchange-Server. Der umgekehrte Weg ist nicht möglich: Der Exchange-Server nimmt weder Kontakte noch Kalender initial vom iPhone an. Gleichzeitig wird auch die lokale Synchronisation über iTunes ausgeschaltet, sodass die Daten nur noch im Exchange liegen.
EAS unterstützt einen Push-Modus, bei dem das mobile Gerät eine Verbindung zum Server hält und von diesem aufgefordert wird, sich zu synchronisieren, wenn sich Daten auf dem Server ändern. Das geschieht bei eingehender E-Mail, aber auch durch Termineinträge in einem anderen Exchange-Client, etwa Microsoft Outlook oder Entourage. Der iPhone-Benutzer hat die Wahl zwischen diesem Modus ("sofort"), einer regelmäßigen Abfrage nach 15, 30 oder 60 Minuten, oder einer manuellen Abfrage. Wir haben keinen signifikanten Einfluss auf die Akkulaufzeit beobachten können: Nach zwölf Stunden Ruhezustand mit Push-Modus war die Batterie nur zu 20 Prozent geleert, mit fleißigem Testen leert man den Akku jedoch in fünf Stunden. Für die Laufzeit bringt es also mehr, die eingehenden E-Mails nicht sofort zu lesen, als den Push-Modus zu deaktivieren.
Im Praxisbetrieb hat sich die EAS-Verbindung zum Server mehrfach aufgehängt. Der Mail-Client zeigt die Zeit an, zu der die letzte Synchronisation stattgefunden hat, jedoch nicht den aktuellen Verbindungszustand. Liegt die letzte Synchronisierung verdächtig lange zurück, dann hilft nur ein externes Ereignis, um das iPhone zu einer erneuten Verbindungsaufnahme zu ermuntern. Man kann etwa den Flugmodus oder auch nur das WLAN ein- und ausschalten, so dass das iPhone eine Änderung der Internetverbindung erkennt. Ein einfacher Klick auf das Icon zum Abfragen des Servers beendete den hängenden Zustand nicht.
Wie zu erwarten ist, kann man auf dem iPhone Mails lesen, beantworten, weiterleiten und löschen, sowie Kalendereinträge und Adressen lesen, ändern und löschen. Aber es gibt verblüffende Einschränkungen. Ohne eine Verbindung zum Server, egal ob über das Mobilfunknetz oder WLAN, lassen sich Mails weder in Ordner verschieben noch löschen (in den Papierkorb verschieben). Außerdem nervt das iPhone immer wieder mit der Meldung, man möge den Flugmodus (alle Funkmodule abgeschaltet) beenden oder eine Verbindung über ein WLAN herstellen. Anders als ein Windows-Mobile-Gerät kennzeichnet das iPhone keine Nachrichten zur späteren Bearbeitung. Dafür stellt es mit HTML formatierte Nachrichten wesentlich besser dar.
Kalendarium
Eingehende Terminanfragen für gemeinsame Besprechungen lassen sich beantworten; sie erscheinen sehr schön im Kalender und lassen sich gleich dort bestätigen oder ablehnen. Der Anwender kann jedoch keine eigenen Einladungen aussprechen, obwohl das iPhone einen Online-Zugriff auf die globale Adressliste (GAL) hat. In Zusammenarbeit mit iCal auf dem Mac stellt der iPhone-Kalender Einträge in verschiedenen Farben dar. Als Exchange-Client funktioniert das nicht, weil er die Exchange-Kategorien nicht übernimmt. Aufgaben und Notizen übernimmt das iPhone ebenfalls nicht von Exchange. Eine Aufgabenverwaltung gibt es auf dem iPhone schlicht gar nicht, und die vorhandenen Notizen werden nicht ausgetauscht.
Der Exchange-Administrator kann mehrere Policies für das iPhone setzen. So lässt sich einstellen, dass das Gerät mit einem Passwort vorgegebener Länge geschützt sein muss. Zusätzlich kann er die Zeitspanne einstellen, nach deren Ablauf sich das Gerät bei Nichtbenutzung automatisch sperrt. Per Policy lässt sich jedoch weder die Kamera abstellen noch eine automatische Sperrung nach mehrmaliger falscher Passworteingabe vorgeben.
Ein verloren gegangenes Gerät lässt sich vom Server aus löschen. Bei Exchange 2007 kann der Benutzer dies in Outlook Web Access selbst veranlassen. Bei Exchange 2003 benötigt man Zugriff zur Management-Konsole. Bei der nächsten Synchronisierung schluckt das iPhone die Giftpille und beginnt eine gründliche Löschung, die mehr als eine Stunde dauert. Danach ist das Gerät wieder im Auslieferungszustand.
Die erwähnte Unzuverlässigkeit der Verbindung hat auch Auswirkungen auf die Sicherheit. Wenn der Befehl zum Löschen des iPhones nicht schnell und zuverlässig zugestellt wird, hat ein Finder viel Zeit, das Passwort zu raten. Um weitere Zeit zu gewinnen, muss er nur die SIM-Karte ziehen.
Ohne Zweifel ist das iPhone ungleich leichter zu bedienen als andere Smartphones und bietet den bisher besten mobilen Web-Browser. Bei der Tastatur scheiden sich die Geister. Apple nimmt in Anspruch, dass sie flexibler ist als eine feste Tastatur und durch die Autokorrektur das fehlende taktile Feedback ausgleicht. Sofern man in klarem Englisch oder Deutsch schreibt, mag das zutreffen, aber bei dem in der deutschen Wirtschaft üblichen Denglish kommt die Autokorrektur schnell an ihre Grenzen. Ähnliches kann man jedoch auch über die abgespeckte Tastatur eines BlackBerry Pearl berichten.
Im Großen und Ganzen funktioniert das iPhone recht ordentlich als Exchange-Client – nicht schlecht für einen ersten Wurf. Einschränkungen gibt es vor allem bei der Terminverwaltung und der fehlenden Aufgabenliste. Bei unzuverlässiger Funkverbindung nervt die Software mit Fehlermeldungen beim Ablegen und Löschen von Nachrichten. Das dickste Manko ist sicher der Stromverbrauch: Tägliches Aufladen ist Pflicht. (je) (ll)