Schnelle Verbindung

Mit dem Helmmodul von Cellular Line soll mobile Kommunikation auch auf dem Motorrad gelingen - einschlieĂźlich Funkverkehr mit einem anderen Fahrer.

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Inhaltsverzeichnis

Ein halbrundes, etwa daumenlanges und laut Hersteller wasserdichtes Modul stellt die dazu notwendigen Funktionen bereit. An die Unterkante des Helms klemmt oder klebt man außen eine der beiden Halterungen, aus welcher sich das Elektronikmodul problemlos entnehmen lässt. Die Inneneinheit aus (Schwanenhals-)Mikrofon und Ohrhörer wird mit Klettklebeband im Klapp- oder Integral-Helm verankert. Sofern sich die Innenpolster herausnehmen oder – wie beim Schuberth C2 – zeitweise entfernen lassen, klappt der Einbau mit vertretbarem Aufwand. Ein dünnes Kabel stellt über eine wasserdichte Steckverbindung den Kontakt zum Elektronikmodul her. Beim deutschen Vertrieb Arcotec sind weitere Halterungen und Einbauteile mit zwei Lautsprechern erhältlich. Die Bedienung des Interphone erfolgt über drei auch mit Handschuhen gut erreichbare und sinnfällig angeordnete Tasten.

Nach dem Laden des Akkus kann's losgehen; dazu wird der Helmfunker mit einem Handy oder einem Navigationsgerät gekoppelt; dieses "Pairing" erfordert zwar etwas Knöpfchendrückerei und Piepston-Zählen, führte aber im Test mit aktuellen wie schon betagteren Handy-Modellen zum Erfolg. "Sehen" sich die beiden Geräte, nimmt man je nach Funktelefon ein ankommendes Gespräch per Sprachsteuerung oder per Knopfdruck an.

Sprachverständlichkeit und Lautstärkereserven geben keinen Grund zur Kritik. Die DSP-Regelung passt die Lautstärke den Fahr- und Windgeräuschen automatisch an. Mit verschiedenen Klapp- und Integralhelmen – Schuberth, Shoei, MTR und Louis Probiker – funktionierte das Interphone bis etwa Tempo 140 gut. Erst bei höheren Geschwindigkeiten nehmen die Windgeräusche um das Mikrofon so sehr zu, dass auch der ansonsten erfreulich wirksame Rauschunterdrücker in der Elektronik an seine Grenzen stößt. Das sollte man aber eher dem Gesamtsystem aus Helm, Funkmodul und Motorrad anlasten; je wirksamer etwa der Windschutz einer Frontscheibe, desto besser die Verständlichkeit.

Nutzt man den Helmfunker zusammen mit einem Navigationsgerät, spielen die beiden gängigen Motorrad-Navis – Garmin Zumo und TomTom Rider – ihre Ansagen über Bluetooth in den Fahrerhelm ein. Auch das Telefonieren läuft dann darüber als Vermittler. Ansage- wie Telefonbetrieb klappte im Test mit beiden Geräten problemlos – wenn man erst das Pairing zwischen Helmmodul und Navi gemeistert hat. Die Reihenfolge, in der man Handy, Navi und Helmfunk miteinander verbindet, wirkte sich in der Praxis oft ausschlaggebend aus: erst Navi mit Handy, dann Navi mit Helmfunk koppeln. Will man vom Navi-plus-Handy-Betrieb auf die Nutzung nur mit Handy umschalten, muss man mitunter beide Geräte ab- und das Handy neu anmelden.

Mit zwei Interphone-Modulen, an die Helme von Fahrer und Beifahrer angebaut, stellt die Elektronik einen Interkom-Modus bereit, der die komfortable und telefonartige Kommunikation (Full Duplex) zwischen beiden erlaubt. Dabei kann man zwischen Bluetooth- und Interkom-Modus umschalten; der Fahrer entscheidet, ob er sein Modul mit Navi oder Handy koppelt oder ob er mit dem Sozius sprechen will. Ein etwas längerer Knopfdruck auf die Haupttaste des Moduls reicht zum Umschalten aus. Die Übertragungsqualität rangiert etwa auf dem Niveau einer durchschnittlichen Handy-Verbindung.

Der Interkom-Betrieb funktioniert auch mit einem zweiten Fahrer in einigem Abstand; im Test arbeitete dieser Modus ohne Probleme. Der Helmfunk überbrückt Distanzen bis rund 200 Meter Luftlinie – solange keine Hindernisse wie Fahrzeuge, Bebauung oder Bäume und Sträucher den Empfang verderben. Er stellte eine recht sichere Kommunikationsschiene bereit, wenn man die Reichweite des Systems nicht überreizt. Bricht der Kontakt ab, muss man den Interkom-Modus neu aktivieren; das gelang, vor allem bei Abständen größer zehn Meter zwischen den beiden Modulen, nicht immer problemlos.

Mit vollgeladenen Akkus ließ sich das System selbst im energiefressenden Interkom-Modus über mehr als fünf Stunden betreiben; auf nachlassende Akku-Kapazität weist das Modul mit Piepstönen hin. Die tatsächlich erzielbare Nutzungsdauer hängt von der Entfernung zwischen den beiden Modulen und den Funkhindernissen dazwischen ab. Auf einer Testfahrt durch eine kurvenreiche, mit Funkhindernissen gespickte Gebirgslandschaft spielten beide Module über zwei Stunden lang durchgängig und problemlos mit; die Kapazität des 350-mAh-Akkus reichte auch noch für eine weitere, mehr als drei Stunden dauernde Tour mit nahezu durchgängigem Interkom-Betrieb. Für das Aufladen muss man maximal vier Stunden einplanen.

Als wir aus dem Interkom-Betrieb zurück zum Garmin Zumo 550 wechseln wollten, verweigerte dieser die Kontaktaufnahme: Der Zumo hatte die Verbindung zum Helmfunk-Modul abgemeldet. Die Wiederbelebung der Bluetooth-Kommunikation erforderte einiges an Bedienungsschritten – eindeutig zu viele Aktion während der Fahrt. Der TomTom Rider dagegen reaktivierte die Verbindung zum Helmmodul bei der Rückkehr aus dem Interkom-Betrieb selbsttätig.

Weiterer kleinerer Schwachpunkt: Das Schwanenhalsmikrofon lässt sich zu leicht axial verdrehen, sodass die Öffnung des Schallempfängers ins Helmpolster weist statt zum Mund des Benutzers. Abhilfe brachte eine Lage selbstverschweißendes Klebeband, welches das Mikrofon sicher in Position hält. Die dünne Leitung zwischen Außeneinheit und Mikrofon-Lautsprecher-Kombination sollte man mit Vorsicht handhaben, da es im Test zu einem Kabelbruch kam.

Zur Lebensdauer des fest im Modul eingebauten Akkus liegen noch keine Erfahrungswerte vor. Dummerweise lässt sich der Energiespeicher nicht vom Anwender auswechseln, dazu muss man das Modul zum Hersteller einschicken.

Für rund 140 Euro bekommt man mit dem Interphone eine Freisprecheinrichtung für den Motorradhelm, die sich im Praxistest bewährt hat. Verglichen mit den Anschaffungskosten anderer Lösungen oder der fest in den Helm integrierten Systeme wie beispielsweise von BMW oder Schuberth – dafür muss man pro Helm mehrere Hunderter hinlegen – rangiert der Preis für ein Pärchen der CellularLine-Helmfunker auf erfreulich niedrigem Niveau; der gebotene Bedienkomfort rechtfertigt es, ein Bluetooth-Modul den Kabellösungen vorzuziehen. Die beschriebenen Macken des Interphones lassen sich vor diesem Hintergrund verschmerzen. (uh)

Cellular Line Interphone
Bluetooth-1.2-Freisprecheinrichtung fĂĽr Integral- und Klapp-Motorradhelme
Anbieter Pearl Agency, Fachhandel
Lieferumfang Modul, Ladegerät, Klemm- und Klebehalterung, Schwanenhalsmikro und Ohrhörer, Handbuch
Funktion Freisprechen mit Handy, Ansagen vom Navigationsgerät, Interkombetrieb mit zweitem Fahrer
Reichweite zu Handy/Navi max. 10 m, Interkom etwa 250 m
Preis 169 EUR

(ll)