Platz fĂĽrs Wesentliche

Netbooks haben nur kleine Bildschirmauflösungen von 1024 × 600 oder gar noch weniger. Da bleibt kein Raum, um Windows oder irgendwelchen Anwendungen verschwenderischen Umgang mit dem knappen Platz zu gestatten.

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Netbooks haben nur kleine Bildschirmauflösungen von 1024 × 600 oder gar noch weniger. Da bleibt kein Raum, um Windows oder irgendwelchen Anwendungen verschwenderischen Umgang mit dem knappen Platz zu gestatten.

Die üblichen Tricks, um mehr Platz auf dem Desktop zu erhalten, funktionieren auf Netbooks nicht: Das Hochsetzen der Bildschirmauflösung ist meist gar nicht erst möglich und falls doch, wird das Bild nicht etwa skaliert, sondern der Monitor zeigt ein Guckloch mit einem kleinen Ausschnitt des vergrößerten Desktops – zum Arbeiten untauglich. Das Einstellen einer kleineren dpi-Zahl führt zu unleserlicher Schrift. Virtuelle Desktops, wie sie sich kostenlos etwa mit Microsofts "Desktop Manager" einrichten lassen, helfen ebenfalls nicht weiter, denn die meisten Fenster sind aufgrund des Platzmangels ohnehin maximiert, und dann reicht ein einzelner Desktop, auf dem man die Fenster mit der Taskleiste umschaltet.

Platz schafft hingegen der Vollbildmodus, der sich etwa bei Internet Explorer, Firefox oder Windows-Explorer durch das Drücken der Taste F11 aktivieren lässt. Bei Open Office und vielen anderen Programmen finden Sie den Menüpunkt unter "Ansicht". Anschließend sind nur noch die Webseite, der Dateiordner oder das Dokument und allenfalls einige rudimentäre Bedienelemente zu sehen. Zum Surfen auf Websites oder zum Lesen längerer Dokumente ist das gar nicht so unpraktisch. Doch wer häufiger weitere Bedienelemente braucht oder ständig zwischen verschiedenen Anwendungen wechselt, wird daran auf Dauer kaum Gefallen finden.

Wirklich weiter hilft es, die diversen Elemente von Betriebssystem und Anwendungen anzugehen, die den Blick aufs Wesentliche versperren, mit anderen Worten: das Ausblenden, Ausmisten oder Schrumpfen der diversen Titel-, Menü-, Navigations-, Such-, Status- und Sonstwasleisten. Damit lässt sich zwar kein Raumwunder schaffen, doch bei dem geringen Platzangebot zählt ja jedes Pixel.

Tools zur Optimierung des XP-Desktops
TinyMenu Firefox-Add-on, reduziert die Einträge in der Menüleiste
classic compact Firefox-Add-on, reduziert den Platzbedarf von MenĂĽ-, Navigations- und Tableiste
Searchbar Autosizer Firefox-Add-on, schrumpft das Suchfeld, welches sich aber bei Bedarf wieder vergrößert.
compact menu 2 Thunderbird-Add-on, reduziert die Einträge in der Menüleiste
ClearType Tuner PowerToy Assistent zum Einrichten von Cleartype
MoveInactiveWin Fenster bewegen mit Alt-Linksklick, auch wenn die Titelleiste nicht zu sehen ist
MoveMe Verschieben von Fenstern per Tastenkombination
ShowDialogsToo Dialoge tauchen mit einem eigenen Eintrag in der Taskleiste auf

Wenn Sie in der Systemsteuerung unter "Darstellung und Designs/Anzeige" das "Design" auf "Windows XP – klassisch" umstellen, schrumpft nicht nur die Taskleiste um einige Pixel, sondern auch die Titelzeilen sämtlicher Fenster und das Startmenü. Letzteres bekommen Sie noch kleiner, wenn Sie auch hier auf die klassische Ansicht wechseln (in der Systemsteuerung unter "Taskleiste und Startmenü") und an gleicher Stelle unter "Anpassen" noch ein Häkchen vor "Kleine Symbole im Startmenü anzeigen" setzen.

An gleicher Stelle können Sie einstellen, dass Windows die Taskleiste automatisch ausblendet, wenn sie nicht benötigt wird. Doch gefällt es nicht jedem, ein so zentrales Bedienelement des Betriebssystems bei Bedarf immer erst durch Drücken der Windows-Taste oder Bewegen des Mauszeigers an den unteren Bildschirmrand einblenden zu müssen. Bewährt hat sich hingegen, die Taskleiste von unten an eine der beiden Seiten zu verschieben: Wenn Platz auf einem Netbook-Desktop fehlt, dann meist in der Höhe und nicht in der Breite. Dazu müssen Sie zuerst die Fixierung der Taskleiste aufheben (in ihrem Kontextmenü), dann können Sie sie an eine der beiden Seiten ziehen. Dort landet sie in einer Breite, mit der drei Icons im Infobereich nebeneinander passen. Sie können sie schmaler machen, wenn der Mauszeiger genau auf dem Rand postiert wird, bis er zu einem Doppelpfeil wird – dann anfassen und in die gewünschte Richtung ziehen.

Weiteren Platz schafft das Verkleinern, Ausblenden oder Zusammenschieben der diversen Menü-, Navigations- oder Suchleisten in den Anwendungen. Was genau möglich und wie dazu vorzugehen ist, unterscheidet sich je nach Programm. Einige Beispiele:

Der Windows Explorer und der Internet Explorer bieten ebenso wie Firefox und Thunderbird ĂĽber das KontextmenĂĽ der MenĂĽleiste erreichbare Dialoge, in denen sich unter anderem kleinere Symbole einstellen und ĂĽberflĂĽssige Leisten deaktivieren lassen.

Bei Open Office und Microsoft Office ist über den kleinen Pfeil nach unten am Ende jeder Symbolleiste ein Dialog erreichbar, über den sich überflüssige Symbole aus den Leisten entfernen lassen. Die Leisten lassen sich zudem in eine Zeile zusammenziehen – sind sie zu lang, sind die Symbole, die nicht mehr hineinpassen, über den kleinen Doppelpfeil ganz am Ende der Leiste erreichbar. Sie können die Schaltflächen unter "Symbolleisten anpassen" auch umsortieren, um die häufig benötigten im Direktzugriff zu haben. Unter "Ansicht" lassen sich zudem Lineal, Status- und die diversen Symbolleisten ausblenden.

Der Internet Explorer blendet seit Version 7 standardmäßig die Menüleiste aus, erst ein Druck auf die Alt-Taste zaubert sie hervor. Dieses auf Netbooks praktische Verhalten kann auch der Firefox lernen, das dazu nötige Add-on heißt "Personal Menu". Nach dessen Installation lässt sich die Menüleiste unter Ansicht/Symbolleisten aus- und mit der Alt-Taste wieder einblenden.

Das Add-on "Compact Menu 2", welches sowohl im Firefox als auch im Thunderbird funktioniert, reduziert den Platzbedarf der Menüleiste anders: Es fasst die Menüpunkte "Datei", "Bearbeiten" und so weiter zu einem einzigen zusammen, unter dem die bisherigen als Untermenüs auftauchen. Nach der Installation des Add-ons finden Sie im Dialog unter "Ansicht/Symbolleisten/Anpassen" zwei zusätzliche Symbole für dieses Kompaktmenü (eines mit dem Namen "Menü", eines als grafisches Symbol). Ziehen Sie eines davon etwa an den Anfang der Navigationsleiste und blenden Sie anschließend unter "Ansicht/Symbolleiste" die nun überflüssige Menüleiste aus.

Windows bietet auch selbst Einstellmöglichkeiten, von denen alle Anwendungen gleichermaßen profitieren. In der Systemsteuerung unter "Anzeige/Darstellung/Erweitert" können Sie unter anderem die Größe der Elemente "Bildlaufleiste" etwa auf 12 setzen sowie die Größen von "Menü" und "Titelleisten der aktiven Fenster" auf 15 reduzieren. Das hat weiter reichende Folgen, als man auf den ersten Blick vermuten mag: Es betrifft nicht nur die Menü- und Titelleisten aller Fenster, sondern schrumpft auch den Abstand der Einträge im Startmenü und in vielen Kontextmenüs sowie die Schaltflächen "Schließen", "Maximieren" und ähnliche in den Titelleisten aller Fenster.

Wenn Sie die Größe der Titelleisten reduzieren, werden auch die Icons im Infobereich der Taskleiste (neben der Uhr) kleiner, wodurch sie allerdings nicht hübscher werden. Wer das nicht erträgt, muss halt die Ursprungsgrößen der Leisten belassen. Sollten sich die Icons nur bei der Bedienung des Netbooks mit dem Touchpad als zu klein erweisen, sich mit einer richtigen Maus jedoch gut erwischen lassen, lohnt das Anlegen zweier individueller Designs: Passen Sie dazu die Größe der Titelleisten und damit der Icons wie beschrieben an, sodass Sie mit der Maus alles gut bedienen können, und speichern Sie dieses "Design" anschließend unter "Anzeige/Designs" ab. Anschließend erstellen Sie auf dem gleichen Wege ein zweites Design mit größeren Icons. Umschalten können Sie durch Auswahl des anderen Designs und anschließenden Klick auf "Übernehmen".

Bei Menüs und Titelleisten verweigert Windows übrigens kleinere Werte als 15, weil sonst die Texte nicht mehr hineinpassen. Wenn Sie die Standardschriftart Tahoma in Größe 8 jedoch gegen "Small Fonts" in einer kleineren Größe tauschen, sind kleinere Werte möglich. Allerdings leidet die Lesbarkeit zunehmend, je kleiner Leisten und Schriften dargestellt werden – da hilft nur ausprobieren. Bei unserem Herumprobieren war "Small Fonts" gelegentlich vollkommen unleserlich, dann half es, vorübergehend eine noch kleinere Größe auszuwählen. Als Abschluss lohnt eventuell das Durchspielen der Cleartype-Einstellungen, dabei hilft das "ClearType Tuner PowerToy" von Microsoft.

Für Thunderbird gibt es ein Theme, welches auf ähnliche Weise für mehr Platz sorgt: "Minibird" reduziert in einem Abwasch die Höhe von Menü-, Navigations- und Tableiste. Das Pendant für Firefox heißt "Classic Compact". Ebenfalls nur für den Browser: "Searchbar Autosizer" reduziert die Breite des Suchfeldes in der Navigationsleiste, es wird allerdings umso breiter, je mehr man hineintippt.

Wenn trotz aller hier beschriebenen Maßnahmen mal wieder eine Schaltfläche nicht erreichbar ist, hilft die Tastenkombination Alt-Leertaste und anschließendes Enter: Nun können Sie das Fenster mit den Cursor-Tasten verschieben. Sobald die erste Cursor-Taste gedrückt wurde, haftet das Fenster zudem am Mauszeiger, mit dem Sie es dorthin schieben können, wo Sie wollen. Sofern vom Fenster noch etwas zu sehen ist, geht es mit der Freeware "MoveInactiveWin" eventuell schneller: Während man ein Fenster normalerweise nur dann mit der Maus auf dem Desktop verschieben kann, wenn man es mit der Maus an der Titelleiste fasst (oder eben mit der Alt-Leertasten-Krücke), rüstet das kleine Programm die Funktion Alt-Linksklick nach: Damit lässt sich ein Fenster an beliebiger Stelle fassen und verschieben. (axv) (ll)