Navi-Phones
Smartphones haben unsere Jackentaschen erobert und dienen als Nachrichtenzentrale, Fotomaschine oder Multimedia-Player. Im Gespann mit Navi-Software und Kartenmaterial verwandeln sich Handys noch zusätzlich in Navigationsgeräte.
- Daniel LĂĽders
Smartphones haben unsere Jackentaschen erobert und dienen als Nachrichtenzentrale, Fotomaschine oder Multimedia-Player. Im Gespann mit Navi-Software und Kartenmaterial verwandeln sich Handys noch zusätzlich in Navigationsgeräte, die über Mobilfunk sogar Dienste nutzen, auf die günstige Stand-alone-Navis nicht zugreifen.
Aktuelle Smartphones enthalten fast alles, um spielend Navigationsaufgaben zu bewältigen und brauchen zudem weniger Platz im Reisegepäck als ihre Brüder aus einem Guss. Mittlerweile gehört ein GPS-Empfänger bei Smartphones schon fast zum guten Ton. Brauchbare Geräte mit GPS-Empfänger kosten ohne Vertrag ab etwa 250 Euro, mit einem gesponserten Vertrag bekommt man sie fast für lau. Zu den günstigeren Geräten gehören beispielsweise das Nokia 6210 Classic ohne und das HTC Touch mit Touchscreen. Eine Liste von verfügbaren GPS-Handys findet man beispielsweise auch in unserer Handy-Datenbank.
Ist der Bildschirm des Smartphone groß und hell genug, womöglich sogar gut entspiegelt und ein leicht bedienbarer Touchscreen eingebaut, stehen die GPS-Mobilfunker im Hinblick auf ihre Hardware ihren Konkurrenten aus dem Stand-alone-Lager in nichts nach. Mit kleinem, spiegelndem Bildschirm unterhalb von drei Zoll Diagonale verliert man hingegen schnell den Überblick auf der Kartenansicht. Beim spiegelnden Bildschirm kann Abhilfe geschaffen werden: Zur Not behilft man sich mit einer matten Schutzfolie für das Display. Doch bei der Bildschirmgröße lässt sich nichts machen. Dann sollte zumindest der Lautsprecher die Sprachanweisungen laut genug wiedergeben und die Software dafür sorgen, dass die Eingabemöglichkeiten und andere Gegebenheiten optimal ausgenutzt werden.
In der Praxis stößt man noch auf weitere Schwierigkeiten: So fehlt bis auf einige wenige Ausnahmen wie beim XDA Guide ein Kfz-Einbauset samt Ladekabel. Für alle anderen bietet der schwedische Hersteller Brodit eine passende Halterung an, verlangt aber je nach Ausführung etwa 25 bis 80 Euro. Ohne Ladekabel verkürzt sich die Laufzeit der Smartphones bei angeschaltetem GPS und Internetverbindung mitunter drastisch auf wenige Stunden – eine Größenordnung, in der auch die meisten Navis liegen. Will man auch die TMC-Staumelde-Signale empfangen, braucht man eine Bluetooth-GPS-Maus mit TMC-Empfänger beispielsweise von Global Navigation Systems, die mit etwa 75 Euro zu Buche schlägt (erhältlich unter anderem bei www.gps-haus.de). Damit lassen sich auch Smartphones ohne GPS in ein Navi-Handy verwandeln.
Hat man diese Hürden genommen, merkt man bei einigen GPS-Smartphones schnell, dass die beigelegte Navi-Lösung entweder nur als Demo vorliegt oder keine Karten mitbringt und horrende Mobilfunkkosten verursachen kann, wenn man den Service häufiger nutzt. Denn bei sogenannten Offboard-Navi-Systemen wird erst bei der Routenerstellung das benötigte Kartenstück heruntergeladen. Für eine Überlandstrecke von etwa 100 Kilometer kommen beispielsweise schon ein bis zwei MByte an Daten zusammen. Der Vorteil der Offboard-Lösungen: Man hat automatisch Zugriff auf das aktuelle Kartenmaterial und oft auch Verkehrsdaten. Der Nachteil: Ohne Daten-Volumentarif kann die monatliche Mobilfunkrechnung bei regelmäßigem Navi-Einsatz schnell die 100-Euro-Marke durchbrechen – und damit den Preis eines Billig-Navis übersteigen – außer man nutzt ausschließlich die Internet-Anbindung über WLAN-Funk, den viele GPS-Handys haben, um das Kartenmaterial herunterzuladen.
Will man unterwegs aber auf Nummer sicher gehen, empfiehlt sich eine Datenflatrate. Die Preise reichen von zehn Euro bei E-Plus und 25 Euro bei O2 bis zu 35 Euro bei T-Mobile und Vodafone. Die beiden teureren Netze sind deutlich besser ausgebaut, doch für die reine Offboard-Navigation dürfte auch das nicht mal auf HSDPA aufgestockte E-Plus-Netz halbwegs ausreichen. Auf lange Sicht bleibt ein Onboard-Navi-Smartphone oder ein Billig-Navi günstiger als eine Offboard-Lösung.
Kassensturz
Egal, welche Wahl man trifft: Ein billiges Stand-alone-Navigationsgerät mit 70 bis 160 Euro kostet ähnlich viel wie ein Set aus notwendigem Navi-Zubehör und Software für ein GPS-Smartphone. Immerhin reduziert das Navi-Smartphone den Gerätepark um eins und hat die Möglichkeit, auf Online-Funktionen zuzugreifen, die sonst teuren Navigationsgeräte mit integriertem Mobilfunk jenseits der 400-Euro-Marke vorbehalten sind.
Bleibt also noch die Frage offen, ob Smartphone-Onboard-Navi-Gespanne in Bedienung und Funktionsumfang genauso überzeugen können wie die mittlerweile sehr günstig gewordenen Spezialisten, die in ihrer Bedienung von Kopf bis Fuß auf Navigation eingestellt sind und alles von der Halterung bis zum Kartenmaterial mitbringen. In den folgenden Tests zeigen sechs Onboard-Smartphone-Programme, was sie diesbezüglich können.
Alles dabei
Wer viel navigiert und sich die zusätzliche monatliche Abgabe für die Datenflatrate und Zeit bei der Routenberechnung sparen möchte, greift also zu einer Software, die ihr Kartenmaterial auf einer Speicherkarte mitbringt: sogenannte Onboard-Navigationen, die wir hier testen. Mit Hilfe einer Speicherkarte, die 1 GByte und mehr fasst und fast jedem aktuellen Smartphone schon beiliegt, ist es auch kein Problem mehr, das passende Kartenmaterial in die Mobiltelefone zu integrieren.
Zwischen 50 bis 150 Euro kosten die hier auf Tauglichkeit geprüften Programme, die ihre Karten bereits dabei haben. Die sechs Programme kommen teilweise von Herstellern wie TomTom, Navigon und Garmin, die auch im Stand-alone-Navi-Markt nicht fremd sind. Deshalb kann man zumindest ähnlichen Funktionsumfang und gute Routing-Qualitäten wie bei den Spezialisten erwarten. Points-of-Interest-Datenbanken gehören genauso dazu wie ein Routenplaner mit mehreren Zwischenzielen und Favoritenlisten. Wer außerdem dennoch die Online-Funktionen seines Smartphones nutzen möchte, kann sich bei einigen Programmen nach Wunsch auch mit aktuellen Verkehrsdaten, Wettervorhersagen oder Blitzampel-Standorten versorgen lassen.
Das Testfeld enthält Aspiranten von ALK, Garmin, Navigon, Route 66, Sygic und TomTom. Alle sechs Kandidaten laufen unter Windows Mobile und bis auf den TomTom Navigator 7 steht auch eine Version für Symbian OS S60 bereit. Garmin bietet seinen Mobile-XT-Navigator sogar für Palm und Blackberry an.
Die meisten Programme liegen schon in der siebten Generation vor und versprechen die nötige Reife, um den Nutzer sicher zum Ziel zu leiten und in ihren Führungsqualitäten zumindest mit den Stand-alone-Navis gleichzuziehen.
Im Unterschied zu Billig-Navis besitzen alle Smartphones mit Hilfe von Mobilfunk eine Verbindungsmöglichkeit zum Internet, welche die meisten der Onboard-Navi-Lösungen für Connected-Dienste wie Verkehr und Wetter nutzen. Hierfür empfehlen sich allerdings Datenflatrates.
Alle Programme mussten im Test auf Strecken in der Stadt und über Land ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen. Dafür wurden bekannte Testrouten mit den Optionen für die schnellste oder kürzeste Strecke erstellt und Streckenneuberechnungen erzwungen. Ebenso prüften wir das Verhalten bei unübersichtlichen Kreuzungen und verschachtelten Ausfahrten. Des Weiteren begutachteten wir den Installationsprozess und die Bedienung.
ALK CoPilot Live 7
Recht verspielt, aber eingängig und selbsterklärend präsentieren sich die Menüs und die Kartenansicht beim CoPilot Live 7 von der Firma ALK. Wem die Farben nicht passen, der findet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten.
Auf Wunsch sendet CoPilot Live die aktuelle Position in Intervallen von 1, 5, 15, 30 oder 60 Minuten an einen Server. Um die Standortveränderung verfolgen zu können, muss sich der Anwender beim CoPilot-Live-Webdienst anmelden. Dort kann er seine Positionen auf der Karte einsehen und andere Nutzer des Portals einladen, seinen Bewegungen zu folgen. Das ist schon ein kleines Fuhrparkmanagement, für das man bei anderen Herstellern viel Geld bezahlt.
CoPilot Live 7 überrascht noch mit anderen pfiffigen Funktionen, die man bei anderen Programmen selten oder gar nicht findet. Beispielsweise reicht ein Fingertipp per Touchscreen oder Taste, und die aktuelle Position wird in der Favoritenliste gespeichert. Verkehrsmeldungen holt sich das Programm entweder über einen angeschlossenen TMC-Empfänger oder per Mobilfunk aus dem Internet. Auch Mautgebühren fragt das Programm auf Wunsch aus dem Internet ab. Außerdem führt CoPilot Live nicht nur zu ausgewählten Points of Interest (POI), sondern berechnet außer schnellen und kurzen Strecken auch solche, die an möglichst viele Sehenswürdigkeiten vorbeiführen und kündigt diese POIs auch an – Reiseführer light.
Die korrespondierende Windows-Software dient als Plattform zum Herunterladen neuer Karten und Updates. Daneben enthält die Applikation auch einen Planer, mit dem man seine Route bereits zu Hause am PC erstellen kann, um sie anschließend auf das Smartphone zu laden.
In seiner Kernkompetenz zeigt die Software aber Schwächen: Die Zieleingabe und die Routeneinstellungen erfolgen zwar schnell und einfach, doch bei der Navigation kommt die Software teilweise aus dem Takt. Besonders in engen Häuserschluchten, konnte CoPilot Live den Standort oft nicht der richtigen Straße zuordnen, weshalb andauernd neue Strecken berechnet wurden. Außerhalb der Stadt lieferte das Navi-Programm allerdings sinnvolle Strecken. Zuweilen forderte die Software irritierenderweise auf, sich rechts zu halten, auch wenn eine Abbiegung gemeint war.
Garmin Mobile XT
Als einziger Hersteller bietet Garmin seine Software außer für Windows Mobile, Symbian OS und Blackberry auch für das angestaubte Palm OS an. Die Nutzer dieser Betriebssysteme erhalten mit Mobile XT eine Software, die sich fast genauso schnell und einfach bedienen lässt wie die der aktuellen Garmin-Stand-alone-Navis. Keine andere Navi-Software im Test ist so leicht auf dem Handy installiert, wie Mobile XT: Speicherkarte rein – Installation startet – loslegen.
Das Hauptmenü dominieren zwei Symbole: Eines zur Zieleingabe und eines, das zur Kartenansicht führt. Daneben enthält die Hauptansicht nur noch Menüpunkte für Einstellungen, Online-Dienste und zum Beenden der Anwendung.
In den Online-Diensten findet man praktische Clients für Wetterabfrage und Verkehrsdaten-Aktualisierung. Garmin Mobile XT führt zu Adressen, POIs und GPS-Koordinaten. Beide Dienste sind – abgesehen von den Mobilfunk-Gebühren – kostenfrei nutzbar.
Die Navigationsfunktion berechnet flott sinnvolle Strecken und gefällt auch durch ihre präzisen Sprachanweisungen. Vor unübersichtlichen Kreuzungen blendet die Navi-Software zur besseren Orientierung eine anschauliche 2D-Übersichtskarte ein, bevor sie wieder zur 3D-Ansicht wechselt.
Garmin Mobile XT bietet mehr Fahrzeugprofile als alle anderen Konkurrenten im Test, beispielsweise auch für Taxis, Ambulanzfahrzeuge und Lieferwagen. Des Weiteren lässt sich die Routenplanung durch viele Ausschlusskriterien noch verfeinern, die man bei anderen Navi-Lösungen vergeblich sucht.
Auch wenn die Software in puncto Bedienung und Zielführung überzeugt, bleibt doch ein Wermutstropfen: Garmin bietet sein ansonsten für alle anderen Navis erhältliches Kartenabonnement namens nümaps für die Mobile-XT-Software nicht an. Wer also aktuell bleiben will, muss dann mit 99 Euro den vollen Preis für ein Kartenupdate bezahlen – die Software inklusive Kartenmaterial selbst kostet nur 89 Euro.
Navigon Mobile Navigator 7
Navigon bietet von seiner aktuellen Version 7 des Mobile Navigator eine Ausgabe für Symbian OS S60 und eine für Windows Mobile an, die zwar gleich viel kosten, aber dennoch einen unterschiedlichen Funktionsumfang mitbringen. Beispielsweise berechnet die Windows-Mobile-Version zusätzlich außer für PKW, LKW, Fahrrad und Fußgänger spezielle Routen für Motorradfahrer. Des Weiteren kann die Windows-Mobile-Version Straßennamen ansagen. Nur sie kann Hotels mittels Client für den Webdienst Hotel Reservation Service (HRS) suchen. Außer Autobahnen, Fähren und Mautstraßen lassen sich mit der Windows-Mobile-Software auch Anliegerstraßen automatisch vermeiden. Wer sein Windows-Smartphone im Querformat benutzt, kommt in den Genuss des Fahrspurassistenten mit verbesserter Darstellung – RealityView genannt.
Navigon hat die Software gut für die Bedienung über Touchscreen oder Zahlenfeld angepasst, sodass sich Adressen und andere Ziele schnell eingeben lassen. Sie bietet alle Features, die man von einem aktuellen Navi gewohnt ist: schnell berechnete, sinnvolle Strecken und präzise Anweisungen zur rechten Zeit. In Funktionsumfang und Qualität kann sich die Navigon-Software locker mit aktuellen Stand-alone-Geräten messen.
Bevor man den kostenpflichtigen Registrierungsschlüssel für den Navigon Mobile Navigator 7 erwirbt, kann man die Software 30 Tage mit vollem Funktionsumfang testen. Zur Aktivierung der Anwendung benötigt man eine Internetverbindung, egal ob für die Probezeit oder zur Übertragung des Registrierungsschlüssels. Ohne Internetaktivierung startet der Mobile Navigator nicht.
Dafür bringt der Mobile Navigator 7 noch ein paar nützliche Extras mit, die bei der Version für dedizierte Navis mangels Internetanschluss fehlen: Auf Wunsch empfängt die Software Verkehrs- und Wetterdaten über Mobilfunk.
Als einziges Unternehmen im Test bietet Navigon seinen Kunden auch einen Kartenabo-Service an, der für zwei Jahre alle drei Monate frisches Kartenmaterial beschert und beim Kauf der Software beispielsweise für europäisches Kartenmaterial nur knapp 50 Euro extra kostet.
Route 66 Mobile 8
Mit Route 66 wechselt man bei Touchscreen-Geräten am besten gleich ins Querformat, denn nur so trifft man die ansonsten zu schmalen Zeichen der Bildschirmtastatur auch mit dem Finger. Im Hochformat gerät selbst die Zeicheneingabe per Stift zur Zielübung. Außerdem zeigt das Programm dann teilweise die Menübeschriftungen nicht vollständig an.
Im Hauptmenü findet sich auch eine Option namens „Fotos“. Wer aber denkt, hierbei handelt es sich um eine Zielfunktion mittels Fotos mit Geotagging-Informationen, irrt: Der Hersteller hat nur einen schnöden Bildbetrachter eingefügt, den ein Smartphone in der Regel von sich aus mitbringt. Weder im Handbuch noch bei der Hilfe des Programms wird diese Funktion erwähnt – zu Recht.
Verkehrsmeldungen empfängt Route 66 Mobile 8 nur über Mobilfunk und lässt sich diesen Service außerdem gut bezahlen: 30 Euro pro Jahr kostet der Dienst, die Mobilfunkgebühren noch nicht eingerechnet.
Die Adresseingabe erfolgt bei Route 66 nicht wie bei anderen Navi-Programmen Schritt fĂĽr Schritt. Stattdessen muss der Nutzer in einem Suchfeld die komplette Adresse oder zuimndest Teile daon eingeben. Im Test identifizierte Route 66 unsere Adresseingaben immerhin stets korrekt.
Die Navigation führt je nach Wahl tatsächlich entweder auf der schnellsten oder kürzesten Strecke zum Ziel. Sprachanweisungen kommen zum richtigen Zeitpunkt und sind meist präzise. Bei besonders scharfen Abbiegepunkten kam es im Test allerdings zuweilen vor, dass die Stimme zum Wenden aufforderte, obwohl die Anzeige das Manöver korrekt darstellte.
Besonders positiv fällt die vergleichsweise schnelle Neuberechnung von Routen bei der Abkehr vom rechten Weg auf. Kaum hat man eine Abfahrt verpasst, wartet die Software flugs mit einer alternativen Strecke auf. Unterm Strich bleibt eine Navi-Software mit wenig Tadel, die aber nicht durch besondere Funktionen oder Extras begeistert. Immerhin lässt sich die aktuelle Position an einen Kontakt per SMS, E-Mail oder Bluetooth senden.
Sygic Mobile
Vormals unter dem Namen McGuider bekannt, vermarktet die Herstellerfirma ihr Produkt nun als Sygic Mobile. Eingängig und selbsterklärend präsentieren sich die Menüpunkte; schnell hat man sein Ziel eingegeben und lässt die Route berechnen, was das Programm auch flugs erledigt. Allerdings schlägt Sygic Mobile zuweilen recht umständliche Routen vor.
Die Sprachansagen kommen im Allgemeinen zum richtigen Zeitpunkt, aber bei unübersichtlichen Kreuzungen oder mehreren Abbiegepunkten weist die Software den Fahrer nicht vorausschauend auf die kommende Straßenführung hin, sondern gibt erst viel zu spät die Weisung. Bei Abkehr von der vorgegebenen Strecke braucht das Programm vergleichsweise lange für die Berechnung einer alternativen Route und versucht zunächst wieder auf die alte Strecke zurückzuführen, bevor es schließlich eine komplett neue Route vorlegt.
Auf Verkehrs- oder Staumeldungen hat der Sygic-Mobile-Anwender keinen Zugriff, denn die Applikation nutzt weder TMC- noch Online-Verkehrsmeldungen zur Routenoptimierung. Auch sonst kennt Sygic Mobile keine Online-Dienste, von denen der Nutzer profitieren könnte.
Alles in allem handelt es sich bei Sygic Mobile um eine brauchbare Navigationssoftware ohne viel Schnickschnack; fĂĽr das gleiche Geld bekommt man bei anderen Navi-Programmen allerdings Besseres geboten.
TomTom Navigator 7
Die aktuelle Version des TomTom Navigators gibt es nicht mehr einzeln für alle Windows-Mobile-Geräte zu kaufen, sondern ausschließlich vorinstalliert auf einigen wenigen Windows-Mobile-Smartphones wie dem HTC Touch Diamond oder dem MDA Vario IV. Beim hier getesteten XDA Guide liegen ein Kfz-Einbauset und Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei – also einfach auspacken, Karte per Internet aktivieren und loslegen.
Danach präsentiert sich das Smartphone wie ein gewöhnliches TomTom-Navi mit fast allen bekannten Funktionen. Wie bei den Stand-alone-Navis von TomTom fällt auch bei der Navigator-7-Software die besonders flotte und eingängige Bedienung positiv auf. Mit keiner anderen Navi-Software hat man so fix sein Ziel eingegeben und eine Strecke berechnet.
Die Navigation erstellt zwar noch keine Tageszeit-optimierten Routen wie es die separaten TomTom-Navis bereits machen, dennoch können sich die erstellten Strecken sehen lassen und auch die Sprachanweisungen kommen zur rechten Zeit und sind präzise.
Verkehrsmeldungen bekommt der Nutzer vom TomTom Navigator 7 nur über den Bezahldienst TomTomPlus Traffic, der pro Jahr satte 40 Euro kostet und zusätzlich die Mobilfunkkosten erhöht. Der Anschluss eines TMC-Empfängers ist bei TomTom nicht vorgesehen. Über die TomTomPlus-Services kann der Nutzer weitere Daten in das System einfügen wie Wetter oder Blitzampeln – allerdings alle kostenpflichtig. Gratis ist immerhin der TomTom-Buddy-Service, bei dem TomTomHome-Nutzer sich gegenseitig Nachrichten und ihre Position schicken können.
TomTom bietet zwar kein Kartenabo für den Navigator 7 an, aber immerhin enthält die Software das Kartenkorrektur-System MapShare, mit dem Nutzer Änderungen in der aktuellen Karte an den TomTom-Server melden können. Zudem lassen sich über die korrespondierende PC-Software TomTomHome aktuelle Korrekturdaten herunterladen. Dadurch bleibt die erworbene Karte länger aktuell.
Eine ausgefeilte Notfallhilfe-Option, gibt auf Wunsch den aktuellen Standort aus und sucht auf Wunsch nach nächstgelegenen Krankenhäusern, Polizeistellen, Apotheken oder anderen Hilfsdiensten und ruft diese wahlweise auch gleich an.
Die TomTom-Software gefällt besonders durch ihre flotte Bedienung und ausgereifte Navigation. Die meisten Online-Dienste muss man allerdings bezahlen.
Fazit
Bei den Produkten der traditionellen Navi-Herstellern Garmin, Navigon und TomTom profitiert der Nutzer von der langen Erfahrung. Immerhin haben die Softwarelösungen schon eine Entwicklung von mehr als sechs Generationen hinter sich. In ihrer Kernkompetenz können sie sich locker mit aktuellen Navis messen und bringen noch einige Extras mit.
Mit dem Navigon Mobile Navigator 7 bekommt der Nutzer für knapp 100 Euro (Europäisches Kartenmaterial) eine ausgereifte Navigationslösung mit Text-to-Speech-Engine, die mit eingängiger Bedienung punktet und sich zudem noch 30 Tage umsonst testen lässt. Wer noch einmal 50 Euro drauflegt, erhält ein zweijähriges Kartenabo mit dazu.
TomTom bietet zwar kein Kartenabo für seinen Navigator 7 an, aber immerhin einen Kartenkorrektur-Service, der es erlaubt, die mitgelieferten Karten so lange wie möglich aktuell zu halten und bei Bedarf Straßensperrungen oder Richtungsänderungen selbst einzutragen. Der Navigator 7 gefällt besonders durch seine flotte Bedienung, die man schnell nicht mehr missen möchte. Wer allerdings Online-Dienste benutzen möchte, muss – außer für den Messaging-Service – tief in die Tasche greifen: Allein für Verkehrsmeldungen zahlt der Nutzer 40 Euro pro Jahr.
Die sind bei Garmins leicht zu installierender Mobile-XT-Software kostenlos zu bekommen – abgesehen von den Mobilfunkkosten. Des Weiteren bietet keine Navi-Lösung im Test mehr Optionen für die individuelle Routenberechnung an, und bei der Navigation gefallen besonders die Übersichtskarten, die bei der Orientierung helfen. Schade nur, das Kartenupdates mit knapp 100 Euro sogar zehn Euro teurer sind als das Softwarepaket inklusive Karten.
Der ALK CoPilot Live 7 schwächelt bei der Navigation etwas, trumpft aber mit einzigartigen Connected-Funktionen auf: Wer die Routen des Navi-Nutzers im Web nachverfolgen möchte, kommt um die 100 Euro teuren CoPilot-Lösung nicht herum.
Route 66 Mobile 8 hat eine bessere Navigation dabei und bietet zudem einige Online-Erweiterungen für Verkehr, Wetter oder Reiseführer an – für die man aber allesamt zusätzlich Geld investieren muss. Für unter 100 Euro bekommt man schon Besseres. Sygic Mobile kostet zwar nur 80 Euro mit europäischem Kartenmaterial, verzichtet aber auch auf sämtliche Online-Funktionen und bietet keine Möglichkeit, Verkehrsmeldungen zu empfangen. Trotz der guten Navigation erscheint die Software mit ihrem beschränkten Funktionsumfang etwas veraltet.
Mit den meisten Softwarelösungen kommt man mittlerweile sicher von A nach B. Der Test zeigt außerdem, dass die Hersteller von Handy-Navi-Software langsam auch das Internet für sich entdecken und zaghaft serverbasierte Dienste integrieren – zum Teil für viel Geld. Auch wenn die Handy-Software sich in puncto Navigation nicht mehr vor den Stand-alone-Navis verstecken muss: Bis zum Connected-Navi im Handy ist es noch ein weiter Weg. (dal)
| Onboard-Navi-Software fĂĽr Smartphones (Teil 1) | |||
| Hersteller | ALK | Garmin | Navigon |
| Produktname | CoPilot Live 7 | Mobile XT | Mobile Navigator 7 |
| Testgerät | HTC Touch Pro | Nokia N95 | XDA Guide, Nokia N95 |
| VerfĂĽgbar fĂĽr | |||
| Symbian OS | + (S60, UIQ) | + (S60) | + (S60) |
| Windows Mobile | + | + | + |
| Blackberry | - | + | - |
| Palm OS | - | + | - |
| TMC-/TMCpro-Empfänger nutzbar | + / - | - / - | + / - |
| Kartenmaterial | |||
| Kartenhersteller | Navteq | Navteq | Navteq |
| D/A/CH-Version (mind. Speicher) | - | - | + (512 MByte) |
| Europa-Version (mind. Speicher) | + (2 GByte) | + (2 GByte) | + (2 GByte) |
| Navigation | |||
| Routenart | schnellste, kürzeste, touristische | schnellste, kürzeste, Luftlinie | schnellste, kürzeste; Win Mobile: optimal, schön |
| POI-Datenbank | + (mit Annäherungs-Funktion) | + | + |
| Blitzer-Datenbank | + | - | + (30 EUR / Jahr) |
| Nacht-Displaydarstellung | + (automatisch) | + (automatisch) | + (automatisch) |
| Kartenkorrektur-Option | - | - | - |
| Wiederholtaste fĂĽr Sprachansage | + | + | + |
| Fahrspur-Assistent | - | - | + |
| Preis | 60 EUR (HTC Touch Diamond Edition Europa), 150 EUR (Europa), D/A/CH 100 EUR inkl. Speicherkarte und DVD | 89 EUR (Europa 33 Länder) inkl. Speicherkarte wahlweise micro/mini/SD | 99 EUR (Europa-Karten), 69 EUR (D und Alpen), Testversion 30 Tage |
| Preis Kartenabonnement | - | - | Einzeln 100 EUR, beim Kauf zusammen mit der Software 50 EUR (24 Monate, Europa) |
| Besonderheiten | GPS-Track-Aufzeichnung als gps-Datei | Version für Palm OS erhältlich, 2D-Vorschau von unübersichtlichen Abbiegepunkten | Fahrspur-Assistent mit RealityView bei Windows Mobile im Querformat, Notruf-Option |
| Onboard-Navi-Software fĂĽr Smartphones (Teil 2) | |||
| Hersteller | Route 66 | Sygic | TomTom |
| Produktname | Mobile 8 | Sygic Mobile (McGuider) | Navigator 7 |
| Testgerät | HTC Touch Pro | HTC Touch Pro | XDA Guide |
| VerfĂĽgbar fĂĽr | |||
| Symbian OS | + (S60) | + (S60) | - |
| Windows Mobile | + | + | + (ausgewählte Geräte)1 |
| Blackberry | - | - | - |
| Palm OS | - | - | - |
| TMC-/TMCpro-Empfänger nutzbar | - / - | - / - | - / - |
| Kartenmaterial | |||
| Kartenhersteller | Navteq | Tele Atlas | Tele Atlas |
| D/A/CH-Version (mind. Speicher) | + (512 MByte) | - | + (512 MByte) |
| Europa-Version (mind. Speicher) | + (2 GByte) | + (2 GByte) | + (2 GByte) |
| Navigation | |||
| Routenart | schnellste, kürzeste | schnellste, kürzeste, ökonomische | schnellste, kürzeste |
| POI-Datenbank | + | + | + |
| Blitzer-Datenbank | + (nur AT, 10 EUR / Jahr) | + | + (30 EUR / Jahr) |
| Nacht-Displaydarstellung | + (automatisch) | + (automatisch) | + (automatisch) |
| Kartenkorrektur-Option | - | - | + (Mapshare) |
| Wiederholtaste fĂĽr Sprachansage | + | + | + |
| Fahrspur-Assistent | - | + | + |
| Preis | 120 EUR (Europa, DVD), 60 EUR (D/A/CH, CD), GPS-Empfänger 30 EUR | 80 EUR (West-/Osteuropa, Speicherkarte) | 50 EUR (D/A/CH), 70 EUR (Westeuropa, Download), 80 EUR (Mittel- und Westeuropa, Speicherkarte) |
| Preis Kartenabonnement | - | - | - |
| Besonderheiten | Senden von Positionen, Kartenausschnitten und Routenbeschreibungen per SMS, Mail oder Bluetooth | Notfall-Assistent | |
(ll)