Renner fĂĽr unterwegs
Eine GPRS-DatenĂĽbertragung belegt die Verbindung nicht mehr dauerhaft, die man gewinnbringend fĂĽr Sprachtelefonate nutzen kann.
- Johannes Endres
- Rudolf Opitz
Seit Anfang des Jahres kann der GPRS-interessierte Mobilsurfer unter fünf Netzbetreibern wählen. Bei den Handys hatte er lange Zeit keine Wahl, denn nur ein einziges unterstützte den Paketdienst. Inzwischen ist die Palette so weit angewachsen, dass sich ein vergleichender Blick lohnt.
Eine GPRS-Datenübertragung belegt die Verbindung nicht mehr dauerhaft, die man gewinnbringend für Sprachtelefonate nutzen kann. Stattdessen fließen die Daten nur bei Bedarf und paketweise durch die Luft zum Mobilgerät. Der Kunde zahlt nur für die Häppchen, die er tatsächlich nimmt.
Motorola reichte mit dem Timeport 260 nicht nur das erste überhaupt verkaufte GPRS-Gerät ein, sondern auch drei weitere Modelle: das Talkabout 192, das Accompli 008 sowie das Timeport 280. Ericsson stellte das R520m und das T39m, Samsung das SGHQ100 und Siemens schließlich das S45. Zu diesem Handy existiert mit dem ME45 eine Outdoor-Variante, die sich nur durch das Gehäuse vom getesteten Modell unterscheidet.
Kriterien
GPRS stellt beim mobilen High-Speed-Surfen den Stand der heute verfügbaren Technik dar. Doch beim Kauf eines Handys spielen in der Regel auch andere Kriterien als die Datenübertragung eine wichtige Rolle. In erster Linie soll der mobile Begleiter wohl zum Telefonieren dienen. Grundlegende Komfortfunktionen wie Listen für ein- und abgehenden Anrufe, ein von der SIM-Karte unabhängiges Telefonbuch und Kurzwahlnummern bieten Handys aller Klassen. Zur Liste der Selbstverständlichkeiten sind einige Features hinzugekommen: Der nervenschonende Vibrationsalarm, eine SMS-Eingabehilfe (T9 oder iTAP), eine Uhr sowie ein WAP-Browser und die Unterstützung für die beiden in Europa üblichen GSM-Frequenzen 900 und 1800 MHz (Dual Band).
WAP hat sich inzwischen trotz zähen Starts so weit etabliert, dass nicht allein die Existenz, sondern die Qualität des WAP-Browsers eine Rolle spielt. Aber auch Funktionen, ohne die man einen WWW-Browser auf dem Desktop gar nicht so nennen würde, sind bei den WAP-Anzeigern teilweise Features: Nicht jeder bietet die Möglichkeit, eine URL direkt einzutippen oder die gerade angezeigte Seite in die Favoritenliste zu übernehmen. Und teilweise braucht man 32 Tastendrücke, bis 'http://wap.' auf dem Display steht.
Fast alle Hersteller des Testfeldes bauen den Browser von Openwave (früher Phone.com) ein, und zwar in Versionen, die sich nur in den Ziffern hinter dem zweiten Punkt von der im letzten Test kritisierten unterscheiden. So bietet das WAP-Browsen stellenweise mehr Mühsal als Freude: Sehr oft quittiert der Browser Änderungsversuche an den Favoriten mit einer Fehlermeldung, ins Menü findet man nur nach intensivem Handbuchstudium und die Darstellung lässt zum Beispiel bei Formularen sehr zu wünschen übrig. Nur Ericsson integriert einen eigenen Browser, der auch sonst umfassend überzeugt, nahtlos ins Bedienkonzept.
Business or usual?
Über die Gemeinsamkeiten hinaus versuchen die Hersteller ihre Handys durch die Auswahl der integrierten Funktionen einer bestimmten Zielgruppe schmackhaft zu machen. Den spaßbetonten Kommunikations-Junkie sollen On- und Offline-Spiele, SMS-Chat, Klingeltoneditoren und lustige 'Display-Schoner' ködern. Für den ernsthafteren Mobiltelefonierer ersetzen die Geräte mehr oder weniger Funktionen eines PDA wie Terminplaner und Aufgabenliste. Dazu gehört auch ein Telefonbuch, das mehr als eine Nummer pro Eintrag aufnimmt, etwa Fax- und Festnetznummer, oder gleich ein komplettes elektronisches Adressbuch ist.
Für solche Funktionen ist der Abgleich mit den entsprechenden Datenbanken im PC wichtig, denn ein Terminplaner, der jedes Mal per Handy- Tastaturgefummel gefüttert werden muss, vernichtet mehr Arbeitszeit als er zu organisieren hilft. Für die Synchronisation der Einträge existiert mit SyncML ein Standard, doch wie Mobilgerät und Desktop- Rechner diese Daten übertragen, bleibt Sache der Hersteller. Daher müssen sie auch Software mitliefern, die sich auf dem PC um die Synchronisation kümmert. Dabei ist selbst gestrickte Organizer-Software nur die zweitbeste Lösung. Nützlicher ist ein Tool, das sich die Daten aus verbreiteten Programmen wie Outlook, Notes oder dem Palm-Desktop holt, damit keine doppelte Buchführung nötig wird.
Für die Verbindung zwischen PC und Handy bieten die Testkandidaten vier unterschiedliche Lösungen: RS-232-Schnittstelle, IrDA, USB und Bluetooth. Für die ersten beiden existieren Standard-Treiber für alle verbreiteten Betriebssysteme, sodass der Hersteller nicht alle selbst unterstützen muss. Zum drahtlosen Internetzugang reicht auch mit GPRS und HSCSD eine herkömmliche serielle Schnittstelle, nur die Synchronisation der PDA-Daten zerrt gelegentlich arg an den Nerven. Der USB bringt da zwar durch seine höhere Geschwindigkeit Erleichterung, doch ohne einen Geräte- und Betriebssystem-spezifischen Treiber steht der Anwender auf dem Schlauch. Das gilt auch für Bluetooth, das sich außerdem noch nicht als Standardschnittstelle etabliert hat.
Geschwindigkeitsmessungen
Alle Handys mussten sich vier verschiedenen Geschwindigkeitsmessungen unterziehen. Zunächst den üblichen FTP-Übertragungen jeweils über eine Wählverbindung (Circuit Switch Data, CSD) und GPRS. Zusätzlich untersuchten wir auch die WAP-Performance beider Übertragungsmethoden mit Hilfe eines speziellen WAP-Gateways, das Seiten einstellbarer Größe verschickt und dabei die Zeit misst. Das funktioniert, weil das Handy laut WAP-Spezifikation den Erhalt jedes Paketes quittiert. Dadurch beurteilt diese Messung nicht nur die Übertragungsgeschwindigkeit, sondern die gesamte WAP-Performance, denn die getesteten Handys quittieren das Paket erst, wenn sie die Daten auch dargestellt haben.
Schon die CSD-Messungen an Handys erfassen zum Teil die Performance einiger Komponenten des Mobilfunknetzes. Denn bei der Einwahl stellt ein Daten-Handy keineswegs eine direkte Verbindung her wie ein Modem. Vielmehr tauscht es die Daten über Funkkanäle mit einer Gegenstelle des Netzbetreibers aus, die sich ihrerseits gegenüber dem eigentlich angewählten Server wie ein Modem oder ISDN-Adapter verhält. Immerhin steht eine einmal aufgebaute Verbindung während der ganzen Übertragung zur Verfügung.
Dagegen kann sich die Anzahl der nutzbaren Zeitschlitze bei einer GPRS-Verbindung von Datenpaket zu Datenpaket ändern. Die maximale Datenrate erreicht man nur, wenn die Mobilfunkstation, bei der das Handy gerade angemeldet ist, wenig zu tun hat und genügend freie Kanäle vorweisen kann. Muss die Funkstation während einer GPRS-Übertragung mehr Handys mit GSM-Kanälen versorgen, sinkt folglich die Datenrate der GPRS-Verbindung.
Ein GPRS-Gerät braucht keine Einwahlnummer, sondern meldet sich beim Gateway (APN) des Mobilfunkbetreibers an, der die Informationen über das Internet weiterleitet. So geht auch in die FTP-Messungen immer die Netzanbindung des Mobilfunkbetreibers ein. Um deren Einfluss zu minimieren, benutzten wir für die FTP-Messungen eine D1-Karte und einen FTP-Server der Telekom. Trotzdem lagen noch zehn Stationen zwischen Gateway und FTP-Gegenstelle. Außerdem ermittelten wir unsere Messdaten zur immer gleichen Tageszeit, um die Belastung von Funknetz und Server gleich zu halten. Kontrollmessungen bestätigten dieses Konzept. Timeport 260 und 192 wollten die CSD-Tests partout nicht im T-D1-Netz absolvieren, sodass wir hierfür auf das EPlus- Netz ausweichen mussten. Der T-Techniker teilte mit, es handele sich um ein bekanntes Problem mit den in Norddeutschland verbauten Funknetzkomponenten von Lucent.
Ericsson R520m
Das für ein modernes Handy gigantische R520m wiegt nur wenig mehr als der Durchschnitt der Testkandidaten. Allerdings lieferte Ericsson mit unserem Testgerät einen als 'Ultra-Slim' bezeichneten Akku, der dank ausgeklügelten Powermanagements trotzdem lange durchhält. Die Schweden bieten außerdem zwei weitere Akkutypen an, die bis zu 25 Stunden Sprech- und 715 Stunden Standby-Zeit erreichen sollen. Der Langläufer bringt 31 Gramm mehr auf die Waage und verdickt das Gesamtgerät entsprechend.
Auch der Funktionsumfang fällt groß aus; das R520m überträgt nicht nur per GSM und GPRS, sondern kann auch HSCSD nutzen, die GSM-Kanalbündelung - und das über alle drei GSM-Frequenzen. Auch bei der PC-Anbindung herrscht Vielfalt: Neben der seriellen Schnittstelle und einem IrDA-Port enthält es auch ein Bluetooth-Modul für den lokalen Datenaustausch per Funk.
Die Software-Ausstattung bestätigt den Eindruck eines Feature-Monsters. Das Adressbuch genügt seinem Namen und nimmt neben Anschriften und E-Mail-Adressen sieben Rufnummern pro Eintrag auf. Auch Kalender und Aufgabenliste gehören zu den nützlichen Vertretern ihrer Kategorien. Dass das Handy wiederkehrende Termine nicht ganz korrekt per Infrarot vom Palm importiert, geht als kleiner Schnitzer durch. Eine gute Idee ist das Codememo, ein PIN-geschützter Speicher für die zahlreichen PINs und Passwörter, die der vernetzte Mensch sonst im Hirn behalten müsste. Nach dem Ende einer GPRS-Verbindung zeigt das R520m die übertragene Datenmenge an und merkt sich die Gesamtsumme. Das hilft, bei nach Bytes abgerechneten Tarifen den Überblick zu bewahren.
Die PDA-Daten synchronisiert die Ericsson-Software sehr komfortabel mit Outlook 2000. Der Anwender trägt lediglich Filterkriterien ein, beispielsweise ein Label, eine Adressgruppe oder Daten in bestimmten Feldern, und die Anwendung überträgt alle passenden Datensätze ohne weiteren Benutzereingriff aufs Handy - auf Wunsch sogar vollautomatisch jedes Mal, wenn das Mobiltelefon in die Reichweite der IrDA oder Bluetooth-Schnittstelle gerät. Allerdings spielt das Programm nicht mit Outlook vor der Version 2000 oder gar mit anderen Organizern zusammen.
Ärgerlicherweise deaktiviert das Powermanagement die Infrarot-Schnittstelle sogar dann, wenn gerade eine Ericsson-Anwendung auf dem PC läuft. Das Programm meldet daher dauernd Verbindungsfehler, ohne einen Tipp zu ihrer Behebung. Dabei reicht es, einfach einen beliebigen Knopf am Handy zu drücken, um es zu wecken.
Ericsson liefert auch ein Modem-Profil und ein Programm mit, das nicht nur das Handy auf die verschiedenen Datenübertragungsverfahren einstellt, sondern auch gleich die Windows-Konfiguration darauf optimiert. Als besonders nützliches Extra gehört zum Lieferumfang ein sehr übersichtliches, allerdings englisches Handy- Konfigurationsprogramm. Die meisten der zahlreichen Optionen lassen sich so am PC bearbeiten - viel komfortabler als per Handy-Tastatur. Dass sich die gedruckte Dokumentation vollkommen über die Software ausschweigt, ist dank gelungener Installations-Oberfläche auf der CD und angemessener Online- Dokumentation zu verschmerzen.
Bei der Grundkonfiguration der WAP-Dienste sollte man wirklich zum PCProgramm greifen, denn am Handy selbst gelang sie erst nach intensivem Handbuchstudium. Denn den DatenĂĽbertragungsmodus muss man in einem ganz anderen MenĂĽ einstellen, als die WAP-Optionen. Das ist eigentlich gar nicht dumm, denn so kann man beispielsweise in der GPRS-unterversorgten Pampa leicht auf den GSM-Zugang wechseln.
Ericsson T39m
Ohne die klobig überstehende Antenne würde das T39m nicht nur so wirken, als wäre es das kleinste Gerät im Test, sondern könnte diesen Anspruch zu Recht erheben. Die Krone für die meisten Features pro Volumen gebührt ihm aber trotzdem, denn die Funktionen und die Software sind identisch mit denen des R520m. Sogar die drei Akkutypen passen in beide Ericssons.
Dass dem T39m gegenüber dem großen Bruder vier Knöpfe fehlen, erschwert die Navigation in Menüs und im WAP-Browser kaum, eher im Gegenteil, denn anders als beim großen Modell laufen die Menüs um, wenn man ganz nach unten oder oben scrollt. Die kleinen Tasten lassen sich erstaunlich gut bedienen, nur der Auf-Ab- Schieber an der Gehäuse-Seite ist so glatt und ungeschickt geformt, dass man intuitiv die linke Hand zu Hilfe nimmt. Am meisten Umstände macht, dass der Aufnahmeknopf für Sprachmemos fehlt.
Beim Display hat Ericsson die Miniaturisierung übertrieben. Um den typischen handlichen Formfaktor einzuhalten, schrumpfte es um fast ein Fünftel der Zeilen auf einen recht schmalen Balken zusammen. Nur das vollkommen überholte Timeport 260 zeigt weniger Pixel. Wer selten WAP-Seiten abruft und dann mit einem kleinen Ausschnitt zufrieden ist, behält aber dennoch den Überblick.
Motorola Accompli 008
Das Motorola Accompli 008 ist eigentlich gar kein Handy, sondern ein PDA, mit dem man auch telefonieren kann. Das erheblich größere Display, das schon im Smartphone-Test Bestnoten einheimste, dient per Touchscreen auch als Eingabemedium. Zifferntasten gibt es daher nur virtuell in der Telefon- Anwendung, die eines von vielen Programmen ist. Darunter ist der WAPBrowser der Konkurrenz mit einem vergleichsweise großen Display und vernünftiger Texteingabe natürlich klar überlegen.
Die Software-Grundausstattung kann sich mit den verbreiteten PDAs unter PalmOS oder WindowsCE durchaus messen. Und dank der eingebauten virtuellen Maschine lässt sich der Funktionsumfang durch Java- 'Midlets' erweitern. Allerdings integrieren sie sich nicht so nahtlos in die Oberfläche wie Anwendungen für andere PDAs. Stattdessen muss der Anwender sie immer umständlich über ein Launcher-Programm starten. Immerhin finden sich auf den einschlägigen Servern bereits die ersten an das Accompli 008 angepassten Midlets, die das Gerätchen auch problemlos herunterlädt und installiert. Mit dem gigantischen Software-Angebot anderer PDA-Betriebssysteme kann sich das aber noch lange nicht messen.
Der E-Mail-Client kommt zwar noch immer nicht mit dem Protokoll IMAP4 zurecht, doch in anderen Punkten kann das Seriengerät Scharten aus dem vorigen Test auswetzen: GPRS funktioniert nun tatsächlich und die Geschwindigkeit der Handschrifterkennung lässt sich konfigurieren, sodass die Texteingabe flüssig von der Hand geht. Hinzu kommt eine Sprachvoreinstellung, die die Erkennungsrate erhöht. Für die Synchronisation mit dem PC liegt nun das Programmpaket Truesync bei. Der Abgleich mit Outlook 2000 und auch dem mitgelieferten Organizer-Programm funktioniert makellos. Anders als die Truesync-Version des Timeport 260, die zahlreiche Organizer-Programme anzapft, kennt diese aber nur Outlook und den mitgelieferten Truesync-Desktop als Datenquellen.
Wer ohnehin dauernd einen PDA bei sich trägt, kann mit dieser Kombination nicht nur Geld sparen, sondern beult auch eine Jackett-Tasche weniger aus. Gegenüber einem reinen Handy muss er allerdings einige Smartphone-typische Nachteile hinnehmen: Das Accompli ist fast doppelt so schwer wie das leichteste der Testgeräte und trotzdem hält der Akku weniger als halb so lange durch. Und ohne echte Tastatur will das einhändige Wählen nicht so recht gelingen.
Motorola Talkabout 192
Das Talkabout 192 steht am entgegengesetzten Ende der Leistungsskala. Es soll auch gar nicht mit den 'Business-Handys' Schritt halten, sondern GPRS in den Markt der Prepaid- und 0-Mark-Dreingabe-Handys tragen. Daher ist alles auf einen geringen Preis optimiert, von der hakeligen SIM-Karten-Halterung über das grobpixelige Display bis zum billigen Ni-MH-Akku, der das kleine Gerät zu einem der schwersten macht und trotzdem keine lange Standby-Zeit erreicht. Außerdem altern Akkus dieser Art schneller als die sonst mitgelieferten Li-Ionen-Typen.
Auch beim Funktionsumfang beschränkte sich Motorola auf das kostengünstig Einbaubare, so fehlt beispielsweise eine Diktierfunktion, die teure Speicherbausteine bräuchte. Auch das Telefonbuch fällt mickrig aus. Immerhin erfüllen die 'Erinnerungen' die Funktion eines klingelnden Taschenkalenders recht gut. Allerdings muss man alle Termine über die Tastatur ins Handy hineinfummeln, denn das Talkabout 192 verfügt nicht über eine Schnittstelle zum Computer.
Aber PDA-Funktionen spielen für die angepeilte Zielgruppe wohl auch eine weniger wichtige Rolle als austauschbare bunte Oberschalen, die Motorola derzeit in neun Varianten anbietet. Oder der SMS-Chat zwischen zwei kompatiblen Handys, den beide als Protokoll aufbewahren. Ein einsames Spiel im Handy stellt keinen besonders hohen Spaß- Faktor dar, so möchte Motorola wohl spielfreudige Mobilfunker zu den Online-Spielen auf der vorkonfigurierten 'My Motorola'-Seite locken - sicher zur Freude der Netzbetreiber. Die Form des Talkabout 192 erscheint auf den ersten Blick zwar nicht besonders peppig oder gar elegant, das Telefon liegt aber sehr gut in der Hand. Die Tasten sind so angeordnet, dass der Daumen sie beim SMSen gut erreicht. Und neben dem S45 ist das Talkabout der einzige Prüfling, bei dem sich keine überstehende Antenne im Jackenfutter verhakt.
Zurzeit lobt Motorola zwar in einer großen Werbekampagne die neue Menüführung, doch die unterscheidet sich in erster Linie durch kleine Bildchen von der alten. Außerdem geht von dem ohnehin nicht üppigen Display in den Menüs ein funktionsloser Rahmen ab, sodass die Menüeinträge für die verbleibende Breite zu lang sind und ständig waagerecht scrollen. Dabei bekommt der Anwender mehr von den derzeit nicht aktiven Einträgen zu sehen als vom ausgewählten.
Das von Motorola gestellte Testgerät versucht partout, eine GPRS-Verbindung für WAP zu nutzen, wenn das Funknetz dieses Verfahren unterstützt. Zu einem herkömmlichen GSM-Anruf lässt es sich dann nicht überreden.
Motorola Timeport 260
Als D1 als erster deutscher Mobilfunkanbieter im vergangenen Jahr den GPRS-Betrieb startete, unterstützte das Timeport 260 als einziges käufliches Mobiltelefon den neuen Datendienst. Und selbst damals war das Handy eigentlich schon ein älteres Modell, denn es ist lediglich eine um GPRS aufgebohrte Fassung des Timeport P7389. Schon der Funktionsumfang weist es klar als Antiquität aus. Vor zwei Jahren ließ sich ein Business-Handy noch ohne Terminkalender, Aufgabenliste, Wecker, Spiele und echtes Adressbuch verkaufen. Inzwischen bieten selbst die meisten Prepaid-Telefone mehr. Das gilt auch für das eher kleine, niedrig auflösende Display und die Tastatur mit ungenau zu bedienenden Knöpfen. Ohne Kontrolle mittels Tastenton will man sie gar nicht benutzen. Trotz der geringeren Leistung ist das Timeport 260 kaum kleiner und sogar etwas schwerer als das Feature- Monster Ericsson R520m.
Der WAP-Browser hat seit den Anfängen das eine oder andere Update erlebt, sodass die schwersten Fehler verschwunden sind: Die Konfiguration gelingt auch ohne Online-Verbindung, es gibt jetzt mehrere Profile und man muss kein sekundäres Gateway mehr eintragen, wenn der Provider gar keines betreibt. Dennoch steckt im Timeport 260 der älteste vertretene Browser, der weiterhin wenig Freude macht. So zeigt er Seiten-Titel nicht an und hat arge Schwierigkeiten bei der Darstellung von Formularen. Die wirre Menüführung passt nicht zur Struktur der anderen Menüs, die aber auch nicht viel übersichtlicher geraten ist.
Da überrascht es, dass die Synchronisationssoftware des Timeport 260 ganz besonders gut ausgefallen ist. Die mitgelieferte Version von Truesync bietet nicht nur ein eigenes einfaches Programm zur Adressbuchverwaltung, sondern auch Plug-ins für vielerlei Organizer wie Lotus Notes, ACT! und Outlook, verschiedene Internet- Dienste sowie PDAs wie den Palm oder Windows-CE-Geräte. Das Installationsprogramm integriert Truesync meist als Menü oder Button in die Oberfläche der gewählten Anwendung. Der Austausch von Telefonnummern zwischen Handy und Anwendung funktioniert reibungslos, doch Truesync versucht zusätzlich, Termine, Notizen und Aufgaben ins Handy zu übertragen - vergebene Liebesmühe, denn das Timeport 260 weiß damit nichts anzufangen.
Motorola Timeport 280
Das Timeport 280 ist der direkte Nachfolger vom 260. Sowohl optisch als auch technisch ist dieses Modell allerdings nicht mehr mit dem 260 zu vergleichen. Für die Verbindung zwischen dem Handy und dem PC sorgt der USB. Allerdings liefert Motorola die unbedingt erforderlichen Treiber nur für Windows mit; iBook-bewehrte Mac-User schauen in die Röhre. Der USB bringt zwar im Modembetrieb keinen Geschwindigkeitsvorteil, denn selbst GPRS liefert die Daten weit langsamer als die herkömmliche serielle Schnittstelle sie weiterleitet. Doch bei der Synchronisation des Telefonbuchs spart das schnellere Interface viel Zeit. Immerhin nimmt das Timeport 280 nach dem Accompli die meisten Einträge auf. Die Organisation des Telefonbuchs, das keine Adressen speichert, ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig: An Stelle mehrerer Nummern in einem Eintrag erlaubt das Handy bis zu elf getrennte, aber verkettete Einträge mit demselben Namen, die sich durch die Art der Nummer (Büro, Privat, Fax ...) unterscheiden dürfen. Allerdings sieht Motorola dafür nur fünf feste Kategorien vor. Ob sich diese Telefonbucheinträge später im Organizer-Programm auf dem PC wieder zu einem Adressbucheintrag zusammenfügen, ließ sich mangels angepasstem Truesync noch nicht klären.
Beim Terminkalender haben die Motorola-Designer einiges an Gehirnschmalz aufgewandt und eine Wochenansicht erdacht, die das Handy-Display besonders geschickt ausnutzt. Auch die gegenüber dem Timeport 260 komplett umgestrickte Menüstruktur überzeugt durch schnellen Zugriff auf die wichtigen Funktionen. Auf dem großen Display bleibt neben aussagekräftigen Menüeinträgen genug Platz für Icons. Zur Menüauswahl dient eine Art Minijoystick, der dem Trackpoint älterer IBM-Notebooks ähnelt. Er braucht weniger Platz als die sonst verbreiteten Zwei-Wege-Wippen und arbeitet wesentlich präziser - eine sehr überzeugende Lösung. Allerdings nutzt Motorola sie nicht konsequent: In den Menüs haben Bewegungen nach links und rechts keine Funktion. Dafür tun sie im Browser das Erwartete, nämlich einem Link folgen und die vorhergehende Seite zurückholen. Leider steckt auch im Timeport 280 eine nicht ganz frische Version des Phone.Com-Browsers, die an einigen Stellen sogar noch verschlimmbessert ist. So bedeckt beim Aufrufen einer neuen Seite ein Fenster fast das ganze Display, das den Blick auf die aktuelle Seite versperrt, ohne wirklich nützliche Informationen zu zeigen.
Samsung SGH-Q100
Am recht langen, aber schmalen SGH-Q100 von Samsung fällt sofort das große Display auf, das mit vier Graustufen und gutem Kontrast glänzt. Für Statusinformationen wie den Akku-Ladezustand und die Signalstärke zeigt es am oberen Rand einige fest verdrahtete Symbole, sodass die üppige Pixelfläche vollständig für Menüs oder WAP zur Verfügung steht.
Das Gehäuse schmeichelt zwar der Hand nicht, liegt aber gut darin und dank der nah beieinander liegenden Tasten mit gummierten Oberflächen lassen sich Telefonnummern leicht mit einer Hand eingeben. Der Cursor- Knopf gehört dagegen zu den ungenauesten Bedienelementen in diesem Test; viel zu oft verstand er 'unten', wenn 'rechts' gemeint war. Zum Aufruf des WAP-Browsers hat Samsung einen eigenen Knopf neben dem Display spendiert, der im Browser auch das Menü öffnet.
Sogar unter den Varianten des Phone.com-Programms macht die im SGH-Q100 die schlechteste Figur. Die aktuelle Seite können auch die anderen nicht in die Favoritenliste übernehmen, aber dem Samsung gelingt es nicht einmal, diese Liste anzuzeigen. Nach Testende teilte Samsung mit, wir hätten ein Vorseriengerät erhalten. Die ausgelieferte Version soll einen verbesserten Browser enthalten und ein deutsches Handbuch mitbringen. Samsung verschenkt beim WAP-Browsen den Vorteil der Zwei- Wege-Wippe, denn die Linksund Rechtspfeile haben währenddessen keine Funktion. In den übersichtlichen Menüs kommt sie dagegen voll zur Geltung. Umsteiger von anderen Handys dieser Preisklasse müssen sich erst daran gewöhnen, dass ein Druck auf die Auflegen- Taste immer zum Anfangsbild zurück führt und dass die Texteingabe standardmäßig auf Großbuchstaben steht, was vor allem beim Tippen von URLs und SMS nervt.
Als Computer-Interface bietet das SGH-Q100 nur die serielle Schnittstelle, eine drahtlose Anbindung hat Samsung eingespart. Wer häufig unterwegs mit dem Notebook im Internet surfen will, wird bald den Komfort einer IrDA-Schnittstelle vermissen. Doch das beiliegende serielle Kabel weist eine pfiffige Besonderheit auf: Es hat eine Buchse für das Ladegerät, sodass man beim stationären PC-Surfen gleich dem Akku Gutes tun kann. Den gibt es laut Samsung noch in einer etwas kleineren, leichteren und noch kürzer durchhaltenden Version.
An Organizerfunktionen findet man nur einen einfachen Kalender mit Memo- und Alarmfunktion. Daneben gibt es eine Aufgabenliste und einen Wecker. Nur Samsung verzichtet ganz auf Software zur Synchronisation mit einem verbreiteten Organizer-Programm. Stattdessen gibt es das Programm 'EasyGPRS', das mit dem Übertragungsverfahren nichts zu tun hat, sondern zum Versenden von SMS, Verwalten von Terminen und Bearbeiten des rudimentären Handy-Telefonbuchs dient. Einen echten Organizer kann diese Minimalsoftware nicht ersetzen. Für eher spaßbetonte und musikalische Mobiltelefonierer liegt dem SGH-Q100 ein einfacher Klingelton-Editor bei.
Siemens S45
Mit seinen Modellbezeichnungen stiftet Siemens einige Verwirrung, denn das hier getestete S45 hat mit dem MP3- Handy SL45 nur wenig gemein. Dafür unterscheidet sich das ME45 vom Testkandidaten nur durch sein Gehäuse, das durch reichlichen Einsatz von Gummi spritzwasser- und stoßgeschützt sein soll. Bei dieser Outdoor-Variante des Gehäuses fällt die Zwei-Wege-Wippe größer aus als beim S45 und die vier umliegenden Knöpfe sind deutlicher voneinander abgesetzt. Beim S45 liegen sie so dicht beieinander, dass man leicht mehr als einen erwischt. Als Dual-Band- Handys und ohne Bluetooth zeigen sich die beiden zwar etwas weniger kommunikativ als die Ericssons, doch die wichtigen Übertragungsstandards unterstützen sie.
Dank der Jackettfutter-schonend integrierten Antenne kann das S45 als kleinstes Handy des Testfeldes durchgehen. Dennoch gehört es bei den Features zu den Großen: Die integrierte Freisprecheinrichtung erlaubt das Telefonieren und Mithören während das Gerät auf dem Tisch liegt; bis zu 20 Funktionen führt das Handy auf Zuruf aus; die beiden Spiele nutzen gelegentlich den Vibrationsalarm als Force- Feedback; und es unterstützt den Extended Messaging Service (EMS) zum Austausch von kleinen Bildern und Melodien per Kurznachricht. Der Empfang von aufgepeppten Meldungen von den ebenfalls EMS-fähigen Ericsson-Geräten funktionierte aber nicht richtig, angehängte Bilder und Töne unterschlug das S45.
Wie man am geänderten Firmennamen erkennt, ist die Lizenz für den WAP-Browser etwas neueren Datums als bei den anderen Handys. Dennoch hat Siemens ihn ähnlich schlecht in die Benutzerführung integriert. Während die Zwei-Wege-Wippe sonst sinnig belegt erscheint, dient sie im Browser nur noch zum vertikalen Scrollen.
Die Organizer-Funktionen können sich für ein Handy wirklich sehen lassen. Das Adressbuch verdient seinen Namen und der Kalender schafft mit sinnigen Ansichten guten Überblick über die anstehenden Termine. Nur die 'Aufgabenliste' ist geschummelt, sie erzeugt nämlich einfach Kalendereinträge für 0 Uhr am Fälligkeitstag und kennt keine Prioritäten. Diese Anwendungen teilen sich den Speicher mit dem Diktiergerät, das daher je nach Adressbuch-Füllstand unterschiedlich lange aufzeichnet. Den freien Speicher, anfangs bis zu 400 KBytes, kann der Anwender für beliebige Daten nutzen. Das Gerät legt sie in einem eigenen Filesystem namens 'Flex. Memory' ab, in dem auch eigene Verzeichnisse (keine Unterverzeichnisse) angelegt werden können. Für schwarz-weiße Bitmaps in Display- Auflösung aus diesem Speicher gibt es sogar einen Bildbetrachter.
Die mitgelieferte PC-Software bindet den Handyspeicher wie ein zusätzliches Laufwerk in den Windows-Explorer ein. Beim Kopieren wandelt sie automatisch zwischen den Handy- eigenen Dateiformaten und ihren Windows-Pendants wie vCard oder .wav. Zur Synchronisation mit Outlook dient das Programm Quicksync, das allerdings wesentlich mehr Handarbeit erfordert als die anderen Lösungen. Der Anwender muss die Daten erst importieren und dann die Datensätze einzeln auswählen, die das Programm im dritten Schritt mit dem Handy austauscht.
Fazit
Die aktuellen GPRS-Handys lassen sich ziemlich klar in vier Gruppen einteilen. Als Vertreter der spaĂźorientierten Prepaid- Handys steht das Talkabout 192 von Motorola. Bei den meisten Netzbetreibern bildet es den nahezu kostenlosen Einstieg in die paketorientierte DatenĂĽbertragung. Allerdings muss man auf eine PC-Anbindung verzichten und kann - je nach Firmware-Version - nicht auf die DatenĂĽbertragung per CSD umschalten, sofern das Mobilfunknetz vor Ort auch GPRS anbietet.
Unter den Business-Handys stammt das Timeport 260 aus der vorigen Generation und ist lediglich um GPRS aufgebohrt. Auf Organizer- Funktionen im Handy muss der reisende Manager weitgehend verzichten und das mickrige Telefonbuch reicht wohl selten aus.
In diesen Punkten steht auch das SGH-Q100 kaum besser da; es bietet aber das größte Display der Handys. Doch ohne drahtlose PC-Anbindung möchte man heutzutage wohl nicht mehr auskommen müssen. Als einziger Testkandidat unterstützt das Timeport 280 die USB-Schnittstelle. Mit den besonders guten Übertragungsleistungen zeigt Motorola, dass man den GPRS-Entwicklungsvorsprung genutzt hat. Viele Macken und Kritikpunkte am Vorgänger Timeport 260 wurden dabei behoben.
Als dritte Gruppe heben sich die 'Beinahe-Smartphones' deutlich von den Kontrahenten ab. Mit dem S45 beginnt die mobile Oberklasse, mit umfangreichen, durchdachten Features und ohne nennenswerte Fehler. Nur das Feature- Monster R520m bietet noch mehr Funktionen und unterstĂĽtzt noch mehr Kommunikationsstandards. DafĂĽr muss man allerdings Abstriche bei der Ăśbertragungsleistung hinnehmen. Das gilt auch fĂĽr den in seinen Funktionen identischen Kraftzwerg T39m, dem das mickrige Display anzukreiden ist, das zum WAP-Surfen nur gerade eben ausreicht.
Das Accompli 008 schlieĂźlich spielt in einer eigenen Liga. Als reines Handy unterfordert, kann es als zum Telefonieren tauglicher PDA durchaus ĂĽberzeugen. Den Smartphones, mit denen es sich direkt messen muss, hat es die GPRS-UnterstĂĽtzung voraus und das bei geringerem Gewicht sowie kleineren MaĂźen als ein ĂĽblicher PDA. (ll)