Routenplaner im Handy

Etwa Speicherplatz vorausgesetzt, dienen programmierbare Handys in Zusammenarbeit mit einem GPS-Empfänger als mobiles Immer-dabei-Navigationssystem. Wir erklären Vor- und Nachteile und stellen aktuelle Geräte vor.

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Lesezeit: 33 Min.
Von
  • Peter-Michael Ziegler


Die satellitengestützte Navigation per Handy zählte man bislang eher zu den Spielwiesen experimentierfreudiger Early Adopter - doch Angebot und Nachfrage wachsen rasant. Nach den ersten Offboard-Lösungen, bei denen Internet-Server die Routenberechnung übernehmen, kommen nun Systeme auf den Markt, die das Mobiltelefon selbst für komplexe Navigationsaufgaben einspannen.

Doch das Alleinstellungsmerkmal währte nur kurz, denn wenige Wochen später zog T-Mobile mit dem NaviGate BlueKit nach, ebenfalls eine Offboard-Navigationslösung für Symbian-OS-Handys der 60-Serie, bei der die Routenberechnung nicht auf dem Endgerät stattfindet. Vielmehr sendet der Anwender per GPRS-Mobilfunk eine Zieladresse an einen Online-Telematik-Server, dieser ermittelt anhand der mitübertragenen GPS-Standortdaten die kürzeste Strecke zum Ziel und transferiert die Routendaten zurück auf das Handy.

Vorteilhaft bei dieser Technik ist vor allem, dass das Endgerät ohne eigenes Kartenmaterial auskommt und die Speicherressourcen des Handys deshalb nur in geringem Maß in Anspruch genommen werden. Zudem haben Telematikzentralen meist Zugriff auf das neueste Kartenmaterial und können aktuelle Verkehrsinformationen bei der Routenberechnung mit berücksichtigen: Sind für die Idealstrecke Staus oder wetterbedingte Behinderungen bekannt, lassen sich umgehend Alternativrouten ermitteln, die streckenmäßig vielleicht etwas länger ausfallen, zeitlich für den Autofahrer aber doch günstiger sein können. Auch benötigt der Nutzer von Offboard-Navigationsanwendungen normalerweise keinen zusätzlichen PC, von dem aus er die Client-Software auf das Mobiltelefon spielt, sondern die Servicebetreiber bieten die Möglichkeit, das Programm entweder per WAP oder E-Mail auf das Handy zu laden. Die von mobilen Onboard-Navigationssystemen leidlich bekannten Stunden der Installation reduzieren sich dadurch auf wenige Minuten.

Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: Nimmt man Offboard-Navigationsdienste in Anspruch, ist dies - über die Anschaffungskosten für Software und Satellitenempfänger hinaus - immer mit weiteren Kosten verbunden: Entweder verlangt der Betreiber vom Kunden einen turnusmäßigen Obolus (Monats- oder Jahresgebühr) für die Nutzung des Dienstes oder er lässt sich jede Routenberechnung einzeln bezahlen. Zusätzlich muss der Anwender die Gebühren für den GPRS-Datentransfer tragen. Und bei der Nutzung von Systemen, die zusätzlich zur Pfeil- auch noch eine Kartendarstellung mitbringen, können bei längeren Routen durchaus Datenmengen von 100 KByte und mehr anfallen.

Nutzt man einen Offboard-Navigationsdienst über die Grenzen Deutschlands hinaus, sollte man vorher sehr genau die Roaming-Preisliste des heimischen Mobilfunkproviders checken. Denn hierzulande gebuchte GPRS-Pauschalpakete sind in der Regel im Ausland nicht nutzbar, und eine Routenführung von den Alpen bis zur italienischen Stiefelspitze kann sich bei Preisen von bis zu einem Euro für den 10-KByte-Datenblock später als böse Überraschung auf der Telefonrechnung entpuppen. Auch die Abhängigkeit von Funknetz und Server-Verfügbarkeit erweist sich bei Offboard-Lösungen gelegentlich als Crux: Lässt sich nämlich keine GSM/GPRS-Verbindung herstellen oder ist der Telematik-Server down, hilft selbst bei bestem GPS-Empfang nur der

Griff zur herkömmlichen Papierkarte.

Mit Verkaufsargumenten wie "nur 1 x investieren", "keine laufende Kosten", "diensteunabhängig", ergeben sich gerade hier Marktchancen für neue Anbieter, die es verstehen, die Ressourcen moderner Handy-Generationen effektiv zu nutzen und die Endgeräte selbst für komplexe Navigationsaufgaben einzuspannen. Zahlreiche Handys sind inzwischen mit schnellen Prozessoren und zusätzlichen Memory-Slots (SD, MMC) ausgestattet, die einen Ausbau der Speicherkapazität bis in den Gigabyte-Bereich erlauben. Dass sich ein Handy-Navigationssystem mit kompletter Deutschlandkarte inzwischen ohne weiteres auf einer 256-MByte-MMC-Karte unterbringen und auch betreiben lässt, wird später am Beispiel von Route 66 beschrieben. Ein Problem bei Onboard-Lösungen ist allerdings das Erneuern des Kartenmaterials: Neue Kartendaten gibt es in der Regel nur, wenn eine neue Programmversion fertig ist - und diese muss erneut bezahlt werden. Da die Navigationssystem-Hersteller die in Form von Rohdatenbanken gelieferten Kartendaten selbst aufbereiten, ist auch eine Anfrage bei den Kartenmaterial-Lieferanten zwecklos. Wechselt der Hersteller den Kartenmaterial-Lieferanten oder entwickelt er ein völlig neues Produkt, schauen Besitzer älterer Systeme generell in die Röhre.

Besitzer von Fahrzeugen mit fest eingebautem Navigationssystem winken gerne ab, geht es um die Genauigkeit, mit der mobile Navigationslösungen arbeiten - schließlich können diese keine zusätzlichen Sensordaten aus der Fahrzeugelektronik für die Positionsbestimmung abrufen. Daten von Gyro-Sensoren etwa, magnetfeldunabhängige Trägheitssensoren, die unmittelbar jede Richtungsänderung des Fahrzeugs registrieren, oder elektronischen Tachosignale, über die kontinuierlich die zurückgelegte Strecke ermitteln wird. Handy-Anwendungen erhalten solche Informationen bislang nur verzögert über die Positionsermittlung per GPS und das mit einem durchschnittlichen Fehlerradius von etwa 10 bis 15 Metern.

Konkurrenz

Anders als Festeinbaugeräte lassen sich Handy-Navigationslösungen aber nicht nur problemlos in diversen Fahrzeugen einsetzen, sondern können auch auf dem Fahrrad oder Motorrad und selbst bei Stadtspaziergängen genutzt werden. Möglich macht dies die Verwendung von Bluetooth-GPS-Empfängern, die über das standardisierte Serial Port Profil mit dem Handy kommunizieren und Akkus an Bord haben, die bis zu acht Stunden ohne externe Stromversorgung auskommen. Insbesondere wegen der flexiblen Einsatzmöglichkeiten prognostiziert denn auch das britische Marktforschungsunternehmen Canalys (Analysespezialist für den Mobile Market), dass mobile Navigationsgeräte fest eingebauten Geräten zunehmend Konkurrenz machen werden.

Der Navigation per Handy räumt Canalys dabei die größten Zukunftschancen ein - und zahlreiche Anbieter von PDA-Navigationssystemen sind inzwischen dabei, ihre Programme auf Mobiltelefone zu portieren. Die meisten nutzen dazu die offene Betriebssystemplattform Symbian OS - mit dem Nachteil, dass ihre Anwendungen nur auf wenigen Handy-Modellen lauffähig sind. Andere sind durch die Verwendung von Java-Applikationen weitestgehend betriebssystemunabhängig und können ihr Produkt einer sehr viel größeren Zielgruppe anbieten. Der US-amerikanische Navigationsgerätehersteller Garmin hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen und einen Exoten entwickelt, der Standard-Handy, abgespeckter PDA sowie Onboard-Navigationssystem mit eingebautem GPS-Empfänger in einem ist.

Gegenwärtig ist abzusehen, dass in Deutschland in diesem Jahr mindestens fünf neue Handy-Navigationssysteme auf den Markt kommen werden. Die Entwicklungsstadien der einzelnen Produkte sind allerdings noch sehr unterschiedlich, was Einfluss auch auf diesen Artikel hat: Während wir von Wayfinder, T-Mobile, PTV und Garmin fertige Lösungen zum Testen erhielten, stellten uns Route 66, Navigon und Jentro Prototypen beziehungsweise Betaversionen ihrer neuen Systeme zur Verfügung, die zwar durchweg lauffähig waren, an denen bis zur Markteinführung aber noch gefeilt werden soll, und die wir aus Fairnessgründen deshalb aus der Bewertung herausnahmen. Das Bremer Unternehmen b2motion, das seit längerem das Produkt NavMe - ein Navigationssystem für Java-fähige Mobiltelefone - bewirbt, ließ zwei Termine kurzfristig platzen, sodass wir dieses Produkt nicht testen konnten.

Falk activepilot

Die Münchner Jentro Technologies GmbH beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit der Entwicklung von Navigationslösungen für Mobiltelefone und stellte zur CeBIT 2003 gemeinsam mit Sun das erste Fahrzeugnavigationssystem vor, das sich über ein modifiziertes Siemens-S55-Handy bedienen ließ. Inzwischen haben die Java-Spezialisten unter dem Label Falk activepilot einen kommerziellen Offboard-Navigationsdienst aufgebaut, der seit Ende Mai im Live-Betrieb ist. heise mobil erhielt die Gelegenheit, verschiedene Betaversionen der Client-Software (bis Redaktionsschluss Version 1.1.0) zu testen.


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Nutzen lässt sich der activepilot auf Handys, die Java-MIDP-2.0-Anwendungen unterstützen und Bluetooth-fähig sind - also auch auf "Nicht-Smartphones" wie dem Nokia 6230. Nach der Online-Registrierung und dem Übermitteln eines Internet-Bookmarks per SMS wird das Programm als Java-Midlet auf das Telefon geladen und belegt je nach Handy-Modell und Funktionsumfang zwischen 130 und 210 KByte Speicherplatz (V 1.1.0). Die Programminstallation selbst funktionierte sowohl auf einem Nokia 6230 als auch auf einem Nokia 6600 (Firmware-Version 4.09.1) problemlos.

Vor dem ersten Navigieren muss man in den Programmeinstellungen zunächst den Bluetooth-GPS-Empfänger suchen, scannen und koppeln lassen. Zieladressen (Ort, Straße, Hausnummer, Postleitzahl) können frei über die Handy-Tastatur eingetragen werden, das Aufrufen von Kontakten aus der Handy-Adressdatenbank ist bei Nokia-Modellen jedoch nicht möglich. Grund ist, dass die in der virtuellen Maschine abgeschottete Java-Software nur begrenzten Zugriff auf die Ressourcen des Endgeräts hat. Das neue S65 von Siemens soll jedoch eine PIM API mitbringen, über die das Programm Adressen aus dem Telefonspeicher einlesen kann. Angefahrene Ziele lassen sich nicht im Handy selbst speichern, sondern werden in einer Online-Datenbank verwaltet. Einträge darin können Kunden über ihre persönliche activepilot-Homepage bearbeiten.

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Die optischen Richtungsanweisungen des activepilot. Vergrößern
Routenberechnungen (schnellste/kürzeste) erledigen die Telematik-Server der Karlsruher PTV AG unter Berücksichtigung aktueller Verkehrsinformationen in Form von Korridoren, die auf dem Jentro-Server gecacht werden. Die optischen Fahranweisungen im Turn-by-Turn-Modus (Richtungspfeile für das nächste und übernächste Fahrmanöver, Entfernungsbalken, Name der nächsten zu befahrenden Straße) sind übersichtlich. In der unteren Infozeile lassen sich wahlweise Zusatzinformationen wie Restfahrzeit- und strecke, Anzahl der verfügbaren Satelliten oder auch Höhe über NN einblenden. Für Handys mit großem Display soll im Sommer ein Kartenmodus verfügbar sein.

Noch in der Entwicklung ist die Sprachausgabe des activepilot. So sind vom Nokia 6230 bislang nur Signaltöne zu vernehmen, die auf kommende (optische) Fahranweisungen aufmerksam machen. Laut Jentro fehlt eine Mobile Media API von Nokia, die auch Audio-Samples unterstützt. Das 6600, und laut Jentro auch das S65, sind hingegen schon jetzt in der Lage, akustische Fahranweisungen zu vermitteln, auch wenn diese sich noch auf die wichtigsten Ansagen wie "rechts/links abbiegen" beschränken. Nach und nach will Jentro die Anzahl der Sprachanweisungen erhöhen und auch geschwindigkeitsabhängige Ansagen implementieren. Diese werden dann nicht mehr in das JAR-File gepackt, sondern nach dem ersten Start der Anwendung in den Handy-Flash übertragen.

Das Geschäftsmodell des Unternehmens ist eine Kombination aus Grundgebühr (fünf Euro monatlich im Privattarif inklusive zweier Freifahrten) plus Einzelfahrtabrechnung mit Unterscheidung von Kurz- und Langstrecken. Kurzstrecken (<50 ( 89 cent, km) kosten langstrecken> 50 km) werden mit 1,49 Euro berechnet. Hinzu kommen die Kosten für die GPRS-Datenübertragung. Der Professional-Tarif schlägt mit 17 Euro im Monat zu Buche, erlaubt aber unbegrenzte Routenberechnungen ohne Aufpreis.

Route 66 Deutschland Mobile 2005

Route 66 brachte zu Jahresbeginn mit Navigate 2004 die ersten eigenen GPS-Navigationspakete für Pocket-PCs auf den Markt. Nun legt das niederländische Unternehmen noch einmal nach und entwickelt eine Variante für Symbian-OS-Smartphones mit der Betriebssystemversion 6.1 und höher. Klar, dass heise mobil nach den positiven Eindrücken der Pocket-PC-Variante im Frühjahr gerne auch Mobile 2005 ausgiebig getestet hätte. Doch das neue Produkt war bis Redaktionsschluss noch nicht freigegeben. Um uns aber zumindest einen Eindruck von der künftigen Leistungsfähigkeit das Systems zu vermitteln, machte sich ein Mitarbeiter von Route 66 mit einer auf einem Nokia 6600 installierten Betaversion auf den Weg von Amsterdam nach Hannover.

Mobile 2005 ist ein klassisches Onboard-Navigationssystem und wird auf einer 256-MByte-MMC-Speicherkarte erhältlich sein, auf der sowohl das Navigationsprogramm als auch die Kartendaten für ganz Deutschland abgelegt sind. Nach Einlegen der MMC-Karte, Neustart des Handys und einer Registrierung per SMS ist das Programm sofort nutzbar, Installationsroutinen müssen nicht abgearbeitet werden. Die GPS-Daten liefert ein im Paket enthaltener Bluetooth-GPS-Empfänger von Leadtek, der nach Herstellerangaben künftig mit einem High-Sensitive-Chip-Satz von Sirf ausgestattet ist. Das Programm soll sich aber auch mit allen anderen NMEA-kompatiblen GPS-Empfängern verstehen.

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Die Onboard-Lösung Mobile 2005 von Route 66 ist mit einer 3D-Ansicht (Birdview) ausgestattet. Vergrößern
Auf den Straßen rund um die niedersächsische Landeshauptstadt konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass den Niederländern hier erneut ein großer Wurf gelingt. Nahezu alle Features der PDA-Variante sind auch in der Smartphone-Version enthalten, sieht man von gerätespezifischen Unterschieden wie der Möglichkeit von Touchscreen-Eingaben auf Handhelds einmal ab. Dafür spendierten die Programmierer Mobile 2005 die bei Anwendern sehr beliebte 3D-Ansicht (Birdview) im Kartenmodus mit frei wählbarem Sichtwinkel auf die Strecke - Nutzer der PDA-Variante müssen darauf noch warten.

Übernommen wurde die pfiffige Zieleingabe: Statt Ort, Straße und Hausnummer in jeweils ein gesondertes Textfeld einzutragen, tippt der Nutzer die Zielinformationen nacheinander (getrennt durch ein Leerzeichen) in ein einziges Textfeld ein. Ähnlich einer Internet-Suchmaschine kombiniert das Programm dann die Einzelbegriffe und liefert als Ergebnis alle Ziele, in denen die eingetragenen Informationen vorkommen. Zudem genügt es häufig, lediglich die ersten Buchstaben der Einzelbegriffe einzugeben. Wer beispielsweise "han hels 7" eintippt, erhält als Zielvorschlag die Adresse des Heise-Zeitschriften-Verlages (Helstorfer Straße 7 in Hannover). Gibt man "han res ital" ein, führt das Programm alle gespeicherten italienischen Restaurants in Hannover auf. Was sich schon beim Pocket PC als sehr bedienerfreundlich erwiesen hatte, kommt bei der umständlichen Eingabe im SMS-Stil auf Handys noch stärker zur Geltung.

Das Programm enthält einen zusätzlichen Routenplaner, über den Zwischenziele definiert werden können. Die Navteq-Kartendaten lassen sich auch ohne GPS-Anbindung als mobiler Stadtplan nutzen, ein Fußgängermodus ist ebenfalls wählbar. Im Kartenmodus bekommt man die Straßen namentlich angezeigt und es sind darin auch POIs (Orte von besonderem Interesse) verzeichnet. Bei der Routenberechnung (schnellste/kürzeste) berücksichtigt Mobile 2005 auf Wunsch aktuelle Verkehrsinformationen, diese werden per GPRS-Verbindung von einem Internet-Server heruntergeladen.

Während der Demonstration überzeugte das System mit präzisen Fahranweisungen, die allerdings noch in Englisch vorgetragen wurden. Bis zum Produkt-Launch sollen Menüführung und Sprachansagen in Deutsch eingerichtet sein. Sehr vorteilhaft ist, dass das Programm bei komplizierten Verkehrssituationen nicht nur die nächste Fahranweisung ankündigt, sondern gleich über das darauf folgende Manöver mit informiert. Man bekommt also beispielsweise die Ansage: "In zweihundert Metern links abbiegen und dann sofort rechts abbiegen", und kann sich so bereits frühzeitig richtig einordnen, gewagte Spurwechsel bilden die Ausnahme. Was bei Festeinbaugeräten schon lange üblich ist, setzt sich jetzt also auch bei mobilen Lösungen durch. Verbessern ließe sich die Qualität der Sprachausgabe: Die weibliche Stimme klang etwas blechern und war vor allem bei hohen Geschwindigkeiten zu leise. Eine Autozoom-Funktion im Kartenmodus sorgt dafür, dass man kritische Stellen wie Kreuzungen oder Kreisel auch optisch gut einschätzen kann.

ptv naviguide

Das Offboard-Navigationssystem ptv naviguide des Karlsruher Telematikspezialisten PTV ist für deutsche Einzelkunden derzeit noch nicht erhältlich - es sei denn, man besitzt ein Fahrzeug der A-Klasse von Mercedes, das mit dem Mercedes-Benz Online Package ausgestattet ist. Sonst vertreibt PTV das System lediglich als Unternehmenslösung mit mindestens zehn Endgeräten. Der Mobilfunk-Riese Siemens wird das Produkt aber noch in diesem Sommer unter eigenem Label zusammen mit dem SX1 als Endkundenlösung in die Läden bringen. Besser haben es da schon die Kunden des südafrikanischen Telematikdienstleisters SmartSurv Wireless. Sie können seit Mitte Mai eine Client-Version namens SmartRoute nutzen, die sich von naviguide lediglich durch ein anderes Look&Feel und englischsprachige Routenführung unterscheidet.

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Die fehlenden Straßennamen erschweren die Orientierung in der Umgebung. Vergrößern
Beide Client-Anwendungen wurden von der Erlanger Software-Firma 3Soft entwickelt, beide laufen auf Symbian-OS-Mobiltelefonen sowie Windows-CE-Geräten wie MDA/xda oder iPAQs - und Routenberechnungen werden für beide auf den PTV-Telematik-Servern im badischen Karlsruhe durchgeführt. Ja, richtig: Fordert ein Kunde in Südafrika eine Route an, wird die mit aktuellen Standortdaten versehene Anfrage über den lokalen Netzbetreiber per GPRS ins Internet gespeist, über tausende Kilometer an das PTV-Rechenzentrum geschickt, dort die gewünschte Streckenführung (schnellste/kürzeste) auf der Basis des hinterlegten Südafrika-Kartenmaterials ermittelt, und die Routendaten auf gleichem Weg wieder an die Südspitze des afrikanischen Kontinents geschickt. Für Kunden am Kap fallen außer der monatlichen Servicegebühr von 10 bis 15 Euro nur die GPRS-Gebühren des lokalen Providers an.

Etwas kürzer waren hingegen die Übertragungswege beim unserem Test: Wir bekamen von PTV und 3Soft je eine deutsche und südafrikanische Version des Programms zur Verfügung gestellt, die wir ausgiebig im Großraum Hannover testeten. Im Nachfolgenden soll aber lediglich die Rede von naviguide sein, da beide Anwendungen die gleichen Navigationsergebnisse lieferten. Installiert wird naviguide über zwei heruntergeladene .SIS-Files (Programm sowie nahezu 90 Sprachansagen in WAV-Form), die auf dem Telefon rund 2,1 MByte belegen. Nach Eingabe eines gültigen Zertifizierungsschlüssels ist die Nutzung der PTV-Server-Daten möglich.

Die Bedienung des Programms ist einfach: Bluetooth einschalten, Ziel eingeben, Routenoptionen wählen, Routenanfrage starten, Ziel bestätigen, losfahren. Die Einbindung des Bluetooth-GPS-Empfängers (Emtac Crux II) gelang problemlos. Ziele lassen sich bei naviguide frei eintragen oder aber aus hinterlegten Kontakten, Favoriten sowie dem Zielspeicher laden. Etappenziele sind nicht vorgesehen. Bei den Routenoptionen kann man zwischen dem "Goldenen Weg nach Rom" (Basisroute) sowie einer Korridorvariante wählen. Aktuelle Verkehrsinformationen fließen bei der Anfrage in die Routenberechnung ein.

Die optischen Fahranweisungen werden in Pfeil- oder Kartenform dargeboten. Der Pfeilmodus ist klar strukturiert und zeigt neben den obligatorischen Richtungspfeilen im Piktogrammstil die Restfahrstrecke bis zum Ziel, Straßennamen sowie die geschätzte Ankunftszeit an. Ein mehrstufiger Entfernungsbalken visualisiert die Annäherung an die nächste Kreuzung. Im Kartenmodus - Straßennamen sucht man hier vergeblich und auch POIs sind nicht verzeichnet - sollte man die Option Autozoom wählen, denn dann verkleinert das Programm vor Kreuzungen den Maßstab und anstehende Richtungswechsel erscheinen selbst auf kleinen Handy-Displays groß und deutlich. Zusätzlich blendet das System ein kleines Fenster ein, in dem die nächste Fahranweisung in Pfeilform schwarz auf weiß angezeigt wird.

Auf den Testfahrten zeigte sich naviguide bis auf eine einzige Ausnahme - eine gesperrte Autobahnabfahrt im Großraum Hannover muss im Verkehrszustandsbericht untergegangen sein - von seiner besten Seite: Die akustischen Fahranweisungen kamen durchweg pünktlich und wurden laut und deutlich von einer klaren Frauenstimme vorgetragen. Bei komplizierten Verkehrssituationen beschränkt sich das System nicht auf Einzelanweisungen, sondern koppelt Abbiege-Folgen nach dem Motto: "Tut jetzt das und anschließend gleich das Nächste". Schön auch der Hinweis, "dem Straßenverlauf x Kilometer folgen"; man weiß dann, dass die nächste Zeit kein Abbiegemanöver ansteht.

Wayfinder Mobile Navigator

Die Wayfinder-Software wurde in den vergangenen Monaten mehrfach überarbeitet und liegt mittlerweile in Version 3.66 vor. Nach der Installation per WAP-Link oder Download auf den PC und anschließendem Transfer auf das Handy sucht das Programm in der Umgebung automatisch nach aktiven Bluetooth-GPS-Empfängern und koppelt die gewünschten Geräte. Als Ziele können sowohl normale Adressen als auch POIs angegeben werden. Bequem ist die Funktion, bei innerstädtischen Zielen lediglich eine Straße oder eine POI-Kategorie eingeben zu müssen - schließlich verraten die GPS-Koordinaten sowieso, wo man sich gerade befindet. Wählt man beispielsweise "Restaurant", sucht die Servicezentrale die nächstgelegenen Gaststätten rund um den aktuellen GPS-Standort und schickt eine nach Entfernungen geordnete Liste auf das Handy. Geschmacksdifferenzierungen wie "chinesisch" oder "italienisch" lassen sich allerdings nicht berücksichtigen.

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Mit Wayfinder lassen sich im Pfeilmodus Routen Punkt für Punkt abfahren. Vergrößern
Bei der Routenberechnung, die auf Grundlage von TeleAtlas-Kartenmaterial erfolgt, ermittelt Wayfinder inzwischen nicht mehr nur die kürzeste Strecke, sondern auf Wunsch auch die schnellste Route zum Ziel. Die Berücksichtigung von TMC-Verkehrsinformationen bei der Routenplanung ist ebenfalls möglich. Wenig geändert hat sich an der optischen Zielführung im Pfeilmodus: Richtungspfeile, Entfernungsbalken bis zur nächsten Kreuzung, Vorschau auf die übernächste Abbiegeanweisung. Im Kartenmodus werden aber mittlerweile Straßennamen angezeigt, was die Orientierung deutlich erleichtert. Aktiviert man die Funktion "Tracking", ist auch im Kartenmodus ein Navigieren möglich - allerdings nur begrenzt, denn zum einen ist die Karte nicht genordet, zum anderen dauert es immer etwas länger, bis nach Verlassen des aktuellen Kartenausschnitts die angeforderten neuen Kartenschnipsel übertragen sind. Bei höchster Zoomstufe und schnellem Fahrtempo kommt die Servicezentrale mit der Datenlieferung kaum hinterher.

Um die Aufmerksamkeit des Fahrers zu erhöhen, bekam Wayfinder einen individuellen Doppel-Signalton verpasst, der ertönt, wenn das Display neue Richtungswechsel anzeigt. Die akustischen Fahranweisungen, vorgetragen von einer angenehm klingenden Frauenstimme, kommen auf dem Nokia-6600-Testgerät etwas zu leise. Die Navigationsleistungen waren durchwachsen: Mal kam das System selbst mit den schwierigsten Verkehrssituationen zurecht und lotse mit feinen Doppelansagen durch den Verkehr - dann wieder die Meldungen, dass die Route verlassen worden sei, obwohl man noch immer auf der richtigen Strecke war. Vereinzelt blieben Abbiegeanweisungen auch ganz aus.

Einsetzen lässt sich der Wayfinder Mobile Navigator auf den Nokia-Geräten 3650/3660/6600/7650 und N-Gage, den Modellen P800/900 von Sony Ericsson sowie dem SX1 von Siemens. Auf der persönlichen Wayfinder-Seite kann man ohne weiteres auch selbst neue Mobilfunknummern und andere Handy-Modelle eintragen und das Programm so auf einem Ersatzgerät installieren, ohne die Servicezentrale bemühen zu müssen. Das Navigationssystem wird mittlerweile in zahlreichen Online-Shops angeboten. Kunden erhalten dort ab 440 Euro einen Bluetooth-GPS-Empfänger samt Ladestation und 12-Volt-Kfz-Adapter, einen Aktivierungscode zur Installation der Software sowie zwölf Monate kostenlose Routenplanung für die Region Deutschland. Eine Software-Only-Version für gesamt Westeuropa ohne GPS-Empfänger kostet rund 250 Euro. Nach Ablauf der Jahresfrist kostet der Dienst für Deutschland rund acht Euro im Monat, ein weiteres Jahr Navigation für ganz Westeuropa schlägt dann mit 149 Euro zu Buche.

T-Mobile NaviGate BlueKit II

T-Mobile hat das NaviGate BlueKit seit dem Produkt-Launch im Sommer 2003 ebenfalls mehrfach weiterentwickelt. Die Software lag bis Redaktionsschluss in Version 2.27e vor und lässt sich auf Series-60-Modellen von Nokia, SonyEricssons P900, dem SX1 sowie dem hauseigenen MDA II (mit Kartendarstellung) nutzen. Zur Installation der Navigationssoftware sollte man einen PC mit Bluetooth- oder Infrarot-Anbindung bemühen, da die angebotene Installationsalternative "E-Mail" mit einiger Konfigurationsarbeit verbunden ist. Zudem kostet der Spaß, das Programm vom eigenen PC aus über einen Internet-Mail-Server auf das Handy zu schicken, richtig Geld, denn per GPRS werden dann bis zu 1 MByte Daten (P900) transferiert.


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Adressen lassen sich bei der Zieleingabe bis hinunter auf Hausnummernebene definieren. Auch die Angabe von Sonderzielen ist möglich, allerdings beschränken sich diese auf Bahnhöfe, Flughäfen, Tankstellen, Rastplätze und Stadtzentren. Den Online-Server kann man bei Routenanfragen mit der Berechnung der schnellsten oder der kürzesten Strecke beauftragen, ausklammern lassen sich nur gebührenpflichtige Strecken. Schon länger zum Standard gehört bei T-Mobile die Berücksichtigung aktueller Verkehrsinformationen bei der Streckenplanung. Dazu nutzt das Unternehmen keine öffentlichen TMC-Kanäle, sondern nimmt die Dienste der DDG (Gesellschaft für Verkehrsdaten) in Anspruch, deren Verkehrsmeldungen weitaus präziser sind als öffentliche Informationen.

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Spartanisch, aber effektiv: der übersichtlche Pfeilmodus im NaviGate Bluekit. Vergrößern
Die Bedienung ist einfach und selbsterklärend, was angesichts der wenigen Konfigurationsmöglichkeiten aber nicht verwundert. Fahranweisungen bekommt der Nutzer sowohl in Form von Piktogrammen auf dem Handy-Display präsentiert, als auch akustisch von einer gut zu verstehenden Frauenstimme vorgetragen. Eine Kartendarstellung ist auf den Handy-Modellen derzeit nicht möglich. Die akustischen Ansagen kommen inzwischen durchweg pünktlich und differenzieren genauer - zum Beispiel zwischen rechts abbiegen und halbrechts fahren. Obwohl sich das System prinzipiell darauf versteht, Abbiegeanweisungen zu verknüpfen, hört man diese viel zu selten. Hier sollten die Programmierer noch ein wenig zulegen, schließlich beherrscht die Konkurrenz das schon sehr gut. Aktiviert man die Funktion "Regelmäßige Updates", wird die Route auch während der Fahrt den aktuellen Verkehrsverhältnissen angepasst.

Geändert hat T-Mobile die Abrechnungsmodalitäten: Statt wie bislang ausschließlich für jede Routenberechnung einzeln zu bezahlen (zwei Euro), können T-Mobile-Vertragskunden nun auch Pauschalpakete erwerben. Die Option "NaviGate 10" mit zehn Routenberechnungen monatlich kostet 9,95 Euro; ein tausend Routen umfassendes Paket (NaviGate 1000) wird mit rund 20 Euro im Monat berechnet. Hinzu kommen die Kosten für das Bluetooth-GPS-Kit in Höhe von 280 Euro.

Garmin NavTalk

Der US-amerikanische Navigationsspezialist Garmin will die Entwicklung des NavTalk voraussichtlich nicht mehr fortsetzen, Ende des Jahres schon könnte der Betriebssystem-Support für das Gerät eingestellt werden. Und das ist schade, denn es gibt nur wenige Produkte, die eine solche Technikvielfalt in einem einzigen handlichen Gerät vereinen: Dualband-GSM-Handy mit integriertem WAP-Browser, PDA-Funktionalität, Onboard-Navigationssystem mit Sprachausgabe, eingebauter 12-Kanal-Satellitenempfänger.


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Niedrige Absatzzahlen hätten den Ausschlag gegeben, heißt es Marktgerüchten zufolge. Auch sei die Markteinführung sehr schleppend verlaufen. Zwar will Garmin das Gerät weiterhin verkaufen - Hardware-Komponenten für mehrere tausend Geräte seien noch auf Lager -, künftig soll aber der neue iQue 3600, der weltweit erste Palm-Handheld mit eingebautem Satellitenempfänger, im Vordergrund stehen.

Warum das NavTalk nicht beim Kunden ankommt? Vielleicht liegt es am Design, das mehr an die Anfänge der mobilen Telekommunikation erinnert, denn einen kleinen Technikriesen unter der grauen Schale vermuten lässt. Kleider machen Leute, heißt es - und an den Umsätzen der Handy-Zubehör-Industrie wird deutlich, dass diese Weisheit inzwischen auch für Mobiltelefone gilt. Sicherlich hat das Gerät technische Schwächen, den schwachbrüstigen 16-MByte-Kartenspeicher etwa, das 4-Graustufen-LC-Displays oder die fehlende Bluetooth-Schnittstelle. Aber mit einer Rund-um-Frischzellenkur ließe sich das All-in-One-Konzept durchaus wieder an die Technik-Spitze befördern.

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Kurz vor Abbiegungen schaltet NavTalk in den übersichtlichen Pfeilmodus. Vergrößern
Weniger Schuld am mangelnden Kaufinteresse dürften hingegen die Navigationseigenschaften des NavTalk haben, schließlich wartet das Gerät mit Funktionen auf, von denen manch anderes Produkt nur träumen kann. Beispielsweise lassen sich über die "Find 'n Go"-Funktion per Joystick und Handy-Tastatur zahlreiche Sonderziele bis hin zu Rastplätzen, Autobahnausfahrten und Wegpunkten (per GPS markierte und im Gerät gespeicherte Positionen) definieren. Bei der Routenplanung können diverse Fortbewegungsmittel vom Auto über Rettungsdienstfahrzeuge bis hin zu Fahrrad und Fußgänger ausgewählt werden. Und auf den Testfahrten erwies sich das NavTalk meist als zuverlässige Navigationshilfe, auch wenn die automatische Routenneuberechnung nach dem Verlassen einer geplanten Strecke mitunter etwas zögerlich arbeitete.

Vorbildlich ist die Kreuzungsvorschau, die jetzt auch den iQue 3600 auszeichnet: Fährt man auf einen verkehrskritischen Punkt zu, wechselt die Display-Darstellung automatisch von einer Übersichtskarte in einen großen Pfeilmodus mit genauen Richtungsanzeigen. Die Navigationsanweisungen - optisch in Text- und Bildform auf dem Display, akustisch nur bei Verwendung eines optionalen Headsets oder Car-Kits - sind sehr detailliert. Auch die Namen der zu befahrenden Straßen werden angezeigt. Hat man einen kleinen Mann im Ohr, kündigt ein synthetischer Glockenton kommende Richtungswechsel an. Die aus kleinen Wave-Files zusammengesetzten Sätze mit den akustischen Fahranweisungen übermittelt eine angenehm klingende Frauenstimme.

Standardmäßig ist im Gerät eine Basiskarte von ganz Europa sowie dem Nahen Osten und Afrika vorinstalliert. Diese enthält allerdings nur Informationen über Hauptverkehrsadern - Nebenstraßen sind darin nicht verzeichnet. Will man ein Ziel in einer Stadt ansteuern, sind regional begrenzte Straßen-Feindaten nötig, die über eine RS-232-Schnittstelle in den internen 16-MByte-Kartenspeicher des Geräts eingelesen werden. Platzbedingt lassen sich aber immer nur einzelne Karten-Kacheln - der Großraum Hannover etwa - von der mitgelieferten CD "MapSource City Select" auf den Speicherchip übertragen. Fährt man nun von Hannover nach Köln, kann man sich zwar über die Basiskarte dort hin lotsen lassen, für eine Navigation in der Domstadt sind jedoch neue Feindaten nötig, mit der Konsequenz, dass die alten Kartendaten gelöscht werden müssen. Mit modernen PDA- und Handy-Systemen, die Speicherkapazitäten bis in den Gigabyte-Bereich mitbringen, und auf denen sich bequem Kartenmaterial für ganz Deutschland unterbringen lässt, kann das NavTalk (in diesem Punkt) also nicht konkurrieren.

Ein weiterer Grund für das Aus dürfte der Preis gewesen sein: Zunächst wurde das NavTalk für stolze 1150 Euro angeboten und war somit in erster Linie für professionelle Anwender interessant - Außendienstmitarbeiter etwa, die regional tätig sind und die neben einem Routenführer auch immer ein platzsparendes Mini-Büro dabei haben wollen. Über die mitgelieferte Intellisync-Software und das RS-232-Datenkabel lassen sich die PDA-Funktionen (Termine, Kontakte, Aufgaben, Notizen) des NavTalk mit gängigen Organizer-Programmen auf dem Desktop-PC synchronisieren. Inzwischen kostet das Gerät unter 700 Euro und wäre preislich auch für Nicht-Profis ein Thema - schließlich kommt der Kauf dreier Einzellösungen aus den Welten Mobilfunk, GPS-Navigation und Organisation in der Summe häufig deutlich teurer. Doch wer setzt noch auf einen Champion von gestern, wenn die Jungpferde an der Spitze davongaloppieren.

Schlusspunkt

Aus der Idee, Mobilfunk und Navigation miteinander zu verknüpfen, ist inzwischen ein Big Business geworden: Umfragen zufolge wünscht sich jeder vierte Bundesbürger Navigationsfunktionen auf seinem Handy - und die Industrie beeilt sich, diesen Wunsch zu erfüllen. Ab dem Sommer wird der Kunde unter zahlreichen neuen Handy-Navigationssystemen wählen können. Wer unabhängig von Diensten und Providern sein will, sollte auf ein Onboard-System zurückgreifen, wie es Route 66 und Navigon künftig anbieten werden. Zwar ist dies zunächst mit höheren Anschaffungskosten verbunden, bei häufiger Nutzung amortisiert sich die Investition aber schon nach wenigen Monaten. Von den Offboard-Lösungen gefiel uns naviguide am besten. Zwar fehlen POIs und es werden auch keine Straßennamen im Kartenmodus angezeigt, die Navigationsleistungen aber überzeugten. Zudem ist die Bedienung des Programms sehr benutzerfreundlich.

Noch enger dürfte indes die Verknüpfung zwischen Mobilfunkprovidern und Navigationsprodukten werden. Denn ähnlich wie bei der Einführung von Handy-Kameras versprechen sich die Anbieter von Offboard-Navigationslösungen zusätzlich zu den Dienstleistungsgebühren auch entsprechenden Datenverkehr, der über ihre Netze abgewickelt wird. Wie eng diese Verbindung schon jetzt ist, zeigt das Beispiel T-Mobile: Lediglich die eigenen Vertragskunden können den NaviGate-Dienst nach einer kostenpflichtigen GPRS-Freischaltung in Anspruch nehmen.

Für die Nutzung von Handy-Navigationslösungen benötigt man derzeit noch meist ein Symbian-Smartphone, das kostengünstig nur in Kombination mit einem Mobilfunkvertrag erhältlich ist. Hinzu kommen die Kosten für den GPS-Empfänger. Im nächsten Schritt werden aber Geräte auf den Markt kommen, die schon ab Werk mit kleinen, hochintegrierten AGPS-Emfängern ausgestattet sind. Abzuwarten bleibt, ob betriebssystemunabhängige Java-Anwendungen wie der Falk activepilot die hohen Qualitätsstandards von Symbian-Lösungen erreichen. Der begrenzte Zugriff der Programme auf die Systemressourcen der Endgeräte könnte sich womöglich als großer Nachteil gegenüber der Konkurrenz erweisen.

Dass der Boom der Handy-Navigation auch skurrile Geschäftsideen hervorbringt, zeigt das Beispiel Varetis: Das Unternehmen will eine Navigationslösung anbieten, bei der Mitarbeiter eines Call-Centers Kunden telefonisch zu Zieladressen lotsen. Der aktuelle Standort des Anrufers soll nicht per GPS, sondern über Handy-Ortung ermittelt werden - was aber selbst in Großstädten lediglich bis auf 500 Meter möglich ist. Per konstanter Mobilfunkverbindung will man den Kunden dann Schritt für Schritt seinem Ziel näher bringen. Angaben zu Kosten machte das Unternehmen bislang nicht. (pmz)

Handy-Navigationssysteme
Falk activepilot Route 66 Deutschland Mobile2005 ptv naviguide Wayfinder Mobile Navigator NaviGate BlueKit II NavTalk
Hersteller Jentro Technologies GmbH Route 66 PTV AG/3Soft Wayfinder Systems AB T-Mobile Garmin
Vertrieb Falk Online-Shop Route 66 PTV AG Online-Shops (z. B. Aral, Widget) T-Mobile Fachhandel
Handy-
Voraussetzungen
Java MDIP 2.0, Bluetooth Symbian OS 6.1 und höher, Bluetooth Symbian OS, Bluetooth Symbian OS, Bluetooth Symbian OS, Bluetooth proprietär