Bastelstunde

Lassen sich moderne Handys auch ohne ausgiebiges Handbuchstudium bedienen?

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Von
  • Matthias Göbel
  • Matthias Göbel
Inhaltsverzeichnis

Unsere Testmannschaft sollte in vier Schritten mit wachsendem Schwierigkeitsgrad vier GPRS-Handys überprüfen. Sie durfte dabei aber nicht aufs mitgelieferte Handbuch zurückzugreifen. Es galt zunächst, die SIM-Karte und den Akku einzusetzen sowie das Gerät einzuschalten. Danach sollte ein bereits vorhandener Name aus dem Telefonverzeichnis gesucht und die dazugehörige Nummer gewählt werden.

Der nächste Schwierigkeitsgrad: Die Probanden sollten die Rufumleitung für alle Anrufe auf die Mailbox aktivieren. Die letzte Aufgabe bestand darin, sämtliche WAP und GPRS-Einstellungen in die Geräte einzugeben. Für den Test standen das Ericsson T39m, Motorolas neuer Hoffungsträger, das Timeport 280, das Nokia 8310 und schließlich das robuste Siemens ME 45 zur Verfügung.

Das Ericsson T39m ist dank der Magnesium-RĂĽckseite sehr stabil, es ist klein und handlich und hinterlieĂź bei allen Testpersonen einen sehr guten ersten Eindruck. SIM-Karte und Akku waren nach wenigen Sekunden eingelegt. Besonders positiv fiel der robuste Haltemechanismus fĂĽr die SIM-Karte auf.

Bei der zweiten Aufgabe mussten sich die Probanden durch sechs Menüebenen hangeln, bis sie die gewünschte Nummer entdeckten. Eine Direktanwahl war nicht möglich. Besser schnitt das T39m bei der Umleitung der eingehenden Gespräche auf die Mailbox ab, da die Menü-Ebenen horizontal als Reitersystem auf dem Display angeordnet sind. Kein Tester verirrte sich und die Umleitung war nach wenigen Sekunden aktiviert.

Mit den WAP- und GPRS-Einstellungen für jedes Handy auf dem Tisch, machten sich die Probanden ans Werk, das Ericsson-Handy WAP-fähig zu machen. Hier hatten sämtliche Tester Probleme: ein Tippfehler bei der Eingabe reichte aus, um eine Verbindung zu vereiteln. Erst nach mehrmaligen, genauen Überprüfungen der GPRS-Einstellungen stellte sich nach rund 15 Minuten der Erfolg ein.

Das Motorola Timeport 280 ist der direkte Nachfolger für das Timeport 260. Vier Tester hatten schon von den Bedienschwächen des Timeport 260 gehört und waren neugierig auf die Neuerscheinung.

Bereits beim Einlegen der SIM-Karte und des Akkus schieden sich die Geister. Die Tester, die schon erfahrener im Umgang mit Handys waren, hatten keine Probleme. Sie monierten lediglich den wackeligen Haltemechanismus für die SIM-Karte. Die nicht so Geübten taten sich schwerer: Fünf Probanden wussten zunächst nicht, wie sie die SIM-Karte in die Halterung schieben sollten. Zudem monierten sie vor allem die schlechte Verarbeitung des Handys und mangelnde Passgenauigkeit des Akkudeckels.

Ganz anders sah es beim Auswählen der Telefonnummer aus dem Telefonbuch aus: Sehr gut kam bei allen der Joystick in der Mitte des Geräts an. Mit dieser Navigationshilfe wurde die Auswahl von Telefonnummern zum Kinderspiel.

Die Rufumleitung auf die Mailbox gestaltete sich dagegen schwierig. Vier Probanden konnten das Menü nicht finden. Erst nach rund zwei Minuten entdeckten sie die kleine Taste mit dem "M" und kamen zu der richtigen Schlussfolgerung, es könnte sich hier um die Taste für den Aufruf des Menüs handeln. Unter dem Punkt "Weiterleitung" fand jeder Tester sofort die Aktivierungsoption.

Das Motorola gab allerdings keine Mailbox-Telefonnummer preis. Diese mussten sich die Tester aus dem Telefonbuch holen. Ähnlich wie beim Ericsson war das Ergebnis bei den WAP- und GPRS-Einstellungen: Trotz der vorhandenen Einstellungsdaten gelang es dem schnellsten Tester erst nach fast 15 Minuten, die gestellte Aufgabe zu lösen.

Eine Überraschung erlebten die Testkandidaten beim Einlegen der SIM-Karte in das Nokia 8310. Die SIM-Karten-Halterung besteht, für Nokia-Verhältnisse sehr untypisch, aus einer Plastikwippe, die nach vorne geklappt werden muss. Schlecht: Die Wippe drückt auf die Akkukontakte und droht, die Kontakte zu verbiegen. Zudem löste sich die Halterung fünfmal aus der Verankerung.

Im Bereich Telefonbuch zeigte das 8310 keine Schwächen. Mit drei Klicks waren neun Tester am Ziel. Eine Probandin fand allerdings das "Telefonbuch", das sich bei Nokia hinter dem Menüpunkt "Namen" verbirgt, erst nach ein paar Versuchen.

Die Anrufe auf die Mailbox umzuleiten gestaltete sich als kurzweilige Angelegenheit. Alle Tester hatten nach rund fünf Sekunden den Menüpunkt "Umleitung" gefunden. Allerdings bietet Nokia eine Wahl zwischen Sprach-Mailbox und Mailbox-Abfrage. Sämtliche Tester wählten die Einstellungsoption "Sprach-Mailbox" und versuchten, diese zu aktivieren. Wenige Sekunden später erschien eine Fehlermeldung auf dem Display. Nach dem Ausschlussprinzip kamen die Probanden schließlich doch ans Ziel, obwohl genau genommen die Mailbox-Abfrage gar nicht aktiviert werden sollte.

Sehr gut: die WAP- und GPRS-Einstellungen können per SMS auf Nokia-Handys aufgespielt werden. Ein Anruf beim Provider genügte, und schon kam postwendend eine Daten-SMS. Diese musste dann nur noch abgespeichert werden.

Das ME 45 ist das neueste Outdoor-Handy von Siemens. Technisch baugleich mit dem S 45 hebt es sich durch besser bedienbare Tasten und einen solideren Aufbau vom Schwestermodell ab. Dank entsprechender Dichtungen ist das Handy sogar vor Spritzwasser geschĂĽtzt.

Die Testmannschaft hatte bei der ersten Prüfung vor allem mit der Deckeldichtung und dem Schraubmechanismus des Akkudeckels Probleme. Mit einer Ausnahme versuchten alle Tester, die Befestigungsschraube wie eine gewöhnliche Schraube festzuziehen. Leider vergeblich, da die Schraube lediglich mit einer 90 Grad Drehung als Klemmmechanismus dient. Überdreht man sie, öffnet sich der Deckel wieder. Zudem ist die Deckeldichtung nicht mit dem Akkudeckel verklebt und ließ sich somit nur mit viel Fingerfertigkeit einlegen. Die SIM-Karten-Halterung hingegen ist beim ME 45 vorbildlich konstruiert. Die Karte muss einfach unter die stabile Metallspange geschoben werden.

Prüfpunkt zwei: Die Auswahl einer Nummer aus dem Telefonbuch klappte bei neun Testern ohne Probleme. Dank der direkten Anwahlmöglichkeit und Namen-Suchfunktion war die Telefonnummer nach drei Klicks auf dem Display. Ein Prüfer monierte allerdings die lange Suchzeit. Des Weiteren wirkte auf ihn die Unterscheidung zwischen Telefonbuch und Adressbuch irritierend. Siemens unterscheidet zwischen einem Telefonbuch, also dem Nummernverzeichnis auf der SIM-Karte und dem Adressverzeichnis im Gerät. Dies hat den Vorteil, dass sich ähnlich wie mit einem Organizer, Adressen speichern und verwalten lassen. Allerdings kann es dadurch vorkommen, dass gelegentlich eine Nummer nicht gefunden wird. Der Wechsel vom Telefonbuch ins Adressbuch oder umgekehrt brachte bei unseren Testern Abhilfe.

Bei der Rufumleitung spielte das Siemens die Konkurrenz an die Wand: Sämtliche Tester hatten die Umleitung nach wenigen Sekunden gesetzt. Dies hatte zwei Gründe: Zum einen fanden die Prüfer den Menüpunkt "Umleitung" auf der obersten Menüebene, zum anderen holte sich das Gerät die Nummer der Mailbox selbstständig aus dem Telefonbuch. Punkten konnte das Siemens auch bei den WAP- und GPRS-Einstellungen. Hier waren sämtliche Daten der einzelnen Netzbetreiber als Profile bereits im Gerät gespeichert.

Das perfekte Handy gibt es nicht. Jedes Gerät hat eigene Stärken und Schwächen. Unverständlich beispielsweise, dass Motorola und Ericsson ihre Kunden dazu nötigen, ein Dutzend Zugangsparameter für den WAP-Zugang einzugeben. Tippfehler und gefrustete Kunden sind hier vorprogrammiert. Nokia hat mit der Einstellung per SMS die Nase eindeutig vorn, auch Siemens hat mitgedacht und die Einstellungen für die vier Netzbetreiber gleich im Gerät gespeichert.

Bei der Suche nach dem Telefonbuch sollten Handbücher eigentlich überflüssig sein. Aber nicht jeder Hersteller beherzigt das. Vor allem Ericsson sollte die Software des T39m in diesem Punkt dringend nachbessern. Unerklärlich auch, warum Nokia das "Telefonbuch" hinter dem Menüeintrag "Namen" versteckt.

Die Menüs und deren Bedienung sind bei allen getesteten Handys mehr oder weniger gelungen. Probleme haben vor allem Umsteiger, die die Menüanordnung ihres bisherigen Modells auswendig kennen und sich dann durch eine Menüstruktur mit anderem Aufbau tasten müssen. Bei allen hier vorgestellten Geräten ist die Menübedienung einfach und in sich logisch, auch wenn jeder Hersteller die gestellte Aufgabe unterschiedlich löst. (mgo)