Schlauer abgleichen

Mit Bluetooth lassen sich die Datenbestände von PC und PDA einfach synchronisieren. Neue Kontakte und aktualisierte Termine gelangen fast ohne Zutun des Anwenders auf das jeweils andere Gerät.

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Moderne Handys sind bei der Verwaltung von Kontakten, Terminen und Aufgaben ähnlich leistungsfähig wie ein Notebook. Mit Bluetooth wird aus den beiden ein leistungsfähiges Gespann, die Datenbestände von Handy und PC lassen sich einfach und bequem synchron halten. Viele anfängliche Probleme bei der Kommunikation zwischen den Komponenten kann der Anwender mit wenigen Mausklicks beheben.

Die leistungsfähige Adressverwaltung an Bord von Smartphones weckt den Wunsch, die Daten aus dem ohnehin bereits gut bestückten Adressbuch vom Notebook oder PC zu übernehmen. Immer mehr Hersteller tragen diesem Wunsch Rechnung und liefern dafür Synchronisierungssoftware mit.

Meist bringen nur hochwertige Laptops von Haus aus eine Bluetooth-Schnittstelle mit. Noch seltener sind Desktop-PCs ab Werk mit Bluetooth ausgestattet. Beide lassen sich aber mit wenigen Handgriffen nachrüsten: Ein USB-Bluetooth-Adapter ab etwa 25 Euro ist schnell eingerichtet und erlaubt auch die Kommunikation mit anderen Bluetooth-Geräten wie Druckern und Modems. Als Quasi-Standard hat sich in diesem Bereich die Widcomm-Software durchgesetzt, die bei den meisten Bluetooth-Adaptern mitgeliefert wird. Zwar gibt es auch von Microsoft für Windows XP Bluetooth-Software, jedoch eignet sie sich bisher nicht für den Datenabgleich.

Zwei Wege nach Rom

Zur Synchronisierung zwischen Handy und PIM (Personal Information Manager) per Bluetooth gibt es zwei verschiedene Ansätze. Bluetooth dient dabei entweder nur als schnurloser Ersatz für die serielle Schnittstelle oder ersetzt mit dem Sync-Profil nicht nur das serielle Kabel, sondern obendrein die Synchronisierungssoftware.

Beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile. Wird das Sync-Profil nicht verwendet, braucht man separate Programme. Deren Qualität ist recht unterschiedlich; die Programme von Nokia etwa bringen einen großen Funktionsumfang mit, während dagegen die Variante für das Siemens S55 mager daherkommt.

Die Bluetooth-Synchronisierung von Widcomm hingegen erlaubt zwar den Datenaustausch etwa mit dem Windows-Adressbuch, das in Outlook Express verwendet wird, und auch mit Outlook, nicht aber mit dem Lotus Organizer. Die Hauptvorteile liegen in der sehr einfachen Bedienung und darin, dass man so auch zwei Bluetooth-PCs sehr einfach miteinander abgleichen kann.

Gruppenbilder

Die Handys lassen sich in vier Gruppen einteilen. Recht ähnlich in Funktionsumfang und Bedienung der Synchronisation sind Smartphones mit dem Betriebssystem SymbianOS; derzeit arbeiten damit die Sony-Ericsson-Modelle P800 und P900, das Siemens SX 1 und die Nokia-Modelle 3650, 3660, 6600 und 7650.

Daneben stehen zwei Geräte-Familien von Nokia und Sony Ericsson jeweils mit proprietären Betriebssystemen anstatt Symbian. Die vierte Gruppe bilden Einzelstücke wie das Siemens S55 und das Panasonic X70.

PrĂĽfsteine

Kein Handy kann vom Funktionsumfang her mit ausgewachsener PIM-Software wie Microsoft Outlook oder Lotus Organizer mithalten. Folglich gilt es genau zu untersuchen, wie sich die Defizite im Einzelfall auf die abzugleichenden Daten auswirken. Von Interesse ist dabei insbesondere, was geschieht, wenn die Länge der Einträge im PIM die Feldlängen im Handy überschreitet und ob Umlaute und Sonderzeichen in beiden Richtungen korrekt übertragen werden.

Als Test-PC diente ein Windows-XP-Rechner mit aktuellen Versionen von Lotus Organizer, Outlook Express und Outlook sowie einem Bluetooth-Adapter des Herstellers TDK nebst mitgelieferter Widcomm-Software.

Die Datenbank umfasste 1000 Kontakte, die zufällig erzeugte Informationen in 24 häufig verwendeten Feldern enthielt. Die ersten zwei Einträge wiesen Umlaute und Sonderzeichen auf. Um zu prüfen, welche Feldlängen die Handys akzeptieren, haben wir einzelne Einträge mit 1000 Zeichen pro Feld konstruiert. Außerdem erzeugten wir mehrere Einträge in den Bereichen "Aufgaben" und "Kalender".

Alle getesteten Handys schnitten zu lange Einträge ohne Fehlermeldung einfach ab. Die Übernahme von Umlauten und Sonderzeichen klappte überall problemlos. Außerdem waren alle Handys in der Lage, geänderte Datensätze auf den PIM zurückzuschreiben.

Der Datenabgleich stellt manchen Anwender vor unerwartete Probleme. Outlook etwa warnt bei jedem externen Zugriff auf seine Datenbank und fragt den Anwender, ob dieser Zugriff zulässig ist. Hier sollte man die Sicherheitsabfrage zügig beantworten, da ansonsten ein Timeout zuschlägt.

Symbian-Handys

Bei allen Symbian-Handys ist die Synchronisation per Bluetooth im mitgelieferten Sync-Programm vorgesehen. Vor dem Start der Monitor-Software des Herstellers auf dem PC, dem so genannten mRouter, weist man die Bluetooth-Schnittstelle zu, ĂĽber die das Handy an den PC gekoppelt wird. Wer nicht lange herumprobieren will, sollte einfach alle Bluetooth-Ports aktivieren, dann ist auch der richtige dabei.

Eine Falle besteht darin, dass Windows XP in der Standardeinstellung inaktive Icons im System-Tray ausblendet. Der mRouter ist dann nicht sichtbar. Erst wenn man die inaktiven Icons einblendet, kann man auf das mRouter-KonfigurationsmenĂĽ zugreifen.

Man muss die Bluetooth-Verbindung zwischen Handy und PC in der Bluetooth-Umgebung für jede Sitzung manuell herstellen, indem man das serielle Profil des Handys anwählt. Dabei erscheint immer eine Fehlermeldung, dass die Verbindung fehlschlug. Diese darf man getrost ignorieren, denn kurz danach zeigt das Bluetooth-Symbol dennoch im Tray-Bereich eine aktive Verbindung an. Die Fehlermeldung rührt daher, dass das Handy die ankommende Verbindung sofort trennt und selbst zurückruft, um eine IP-Verbindung aufzubauen. Erst über die IP-Verbindung wird der Datenabgleich zwischen Handy und PC abgewickelt. Die Meldung ist also insofern korrekt, aber für den unerfahrenen Nutzer irritierend, zumal das mRouter-Symbol nur dezent auf die dann doch aufgebaute Verbindung hinweist.

Die Symbian-Handys zeichnen sich zwar durch große Speicherkapazität aus, die Speicherverwaltung ist allerdings nicht besonders clever. So versagte das Nokia 3660 den Dienst, nachdem wir versucht hatten, deutlich mehr als 1000 Adressen aufzuspielen und damit den Speicher komplett füllten. Ein Löschen von Datensätzen war nicht mehr möglich, denn zum Starten eines Programms, mit dem man das bewerkstelligen könnte, fehlte der erforderliche Speicher ...

Ein Anruf bei der Nokia-Hotline brachte einen ernüchternden Tipp: Man müsse eine neue Firmware aufspielen. Dabei würde das Gerät in den Auslieferungszustand zurückversetzt und alle im Handy gespeicherten Daten würden gelöscht.

Derlei kommt wohl öfter vor; die Antwort der Service-Mitarbeiterin kam bei unserer Nachfrage wie aus der Pistole geschossen. Den Crash-Test für die übrigen Symbian-Modelle schenkten wir uns - der Aufwand zum Reset aller Handys schien uns denn doch zu hoch. Man sollte also bei der Nutzung der Sync-Software unbedingt vermeiden, den Speicher des Handys bis zum letzten Byte vollzuschreiben.

Die Handys sind unterschiedlich flott, wenn sie vor die Aufgabe gestellt werden, 1000 Kontakte zu synchronisieren. Das Siemens SX-1 etwa benötigt dafür immerhin 30 Minuten, das Nokia 7650 schafft das in einem Drittel der Zeit. Das wiegt nur beim ersten Abgleich schwer, da die Synchronisierung im täglichen Betrieb in der Regel jeweils nur wenige Datensätze betrifft. Offensichtlich benötigt das Anlegen der Datenbankeinträge im Handy die meiste Zeit. Das Auslesen der Datensätze geht bei allen Symbian-Handys deutlich schneller, für 1000 Datensätze benötigen sie rund eine Minute.

Nokia ohne Symbian

Die Nokia-Modelle ohne Symbian sind, was den Speicherplatz, die Feldlängen und die Zahl der Datenfelder angeht, identisch. In den Speicher passen exakt 500 Kontaktadressen. Neben dem 6310i fallen das 6820, 7600 und 8910i in diese Kategorie. Probleme bereitete zu Beginn das 6310i, das keine Bluetooth-Verbindung aufbauen wollte. Erst in Firmware-Versionen jünger als 5.22 arbeitet Bluetooth auf dem 6310i korrekt. Die Tastenkombination *#0000# liefert eine Anzeige der Firmware-Version des Handys. Nokia stellt Firmware-Updates in Rechnung, wenn die Gewährleistung abgelaufen ist.

Der Verbindungsaufbau mit dem 6310i und 8910i funktionierte mit der Firmware-Version 5.51 beziehungsweise 3.01 problemlos. Wenn die serielle Schnittstelle per Bluetooth einmal geöffnet ist, steht auch die Datenverbindung. Allerdings benötigten wir drei Anläufe, um die maximal mögliche Zahl von 500 Datensätzen zum Handy zu transferieren. Die beiden Sync-Läufe zuvor brachen jeweils mit der Meldung ab, es stünde kein Speicher mehr zur Verfügung, obwohl nur ein Teil belegt war. Anscheinend ist die Speicherverwaltung noch verbesserungsbedürftig.

Dieses Problem zeigten andere Nokia-Handys nicht. Unterschiede waren aber bei der Synchronisierdauer festzustellen; das 7600 war in drei Minuten fertig, die restlichen Nicht-Symbian-Modelle von Nokia benötigten dazu rund zehn Minuten.

Bei der Synchronisierung zeigte sich, dass alle Nokias ohne Symbian zu wenige Kontaktfelder haben. Beim Import aus dem PIM werden Straße, Land, Postleitzahl und Ort in ein Feld "Adresse" zusammengefasst. Ändert man diesen Eintrag auf dem Handy und synchronisiert diese Änderung mit der Datenbank auf dem PC, so schreibt er den Inhalt des Adressfeldes in das Straßenfeld des PIM. Land, Postleitzahl und Ort werden gelöscht. Um dies zu vermeiden, bleibt dem Anwender nur die Möglichkeit, Kontakte nicht auf dem Handy zu ändern, sondern ausschließlich im PIM.

Sony Ericsson

Die Modelle Z600, T68i, T610 und T630 haben das Bluetooth-Sync-Profil eingebaut und zusätzlich ein eigenes Software-Paket zum Synchronisieren, das das Seriell-Profil von Bluetooth nutzt. Es ist für die Synchronisation mit Outlook Express und Outlook ausgelegt, Lotus Organizer berücksichtigt es nicht.

Die erste Inbetriebnahme ist nicht ganz einfach zu bewerkstelligen: In mehreren Verbindungsversuchen muss man sich zunächst einmal bis zum Konfigurationsmenü des Netzwerk-Assistenten von Sony Ericsson vorarbeiten. Dort aktiviert und reserviert man die für das Seriell-Profil verwendete COM-Schnittstelle; weitere Verbindungsversuche lassen sich so zuverlässiger und in deutlich kürzerer Zeit bewerkstelligen. Die Software sucht unnötigerweise bei jedem Verbindungsversuch alle als "aktiv" eingestellten COM-Ports ab und wartet jeweils auf den Timeout. Nicht benötigte COM-Schnittstellen sollte man in der Sony-Ericsson-Software daher deaktivieren.

Im Test stellte sich heraus, dass das Z600 zwar genau wie die anderen Sony-Ericsson-Handys 510 Einträge speichert, jedoch für jede Telefonnummer einen Eintrag belegt. Wer pro Kontakt vier Telefonnummern gespeichert hat, kann also nur 127 Kontakte speichern. Die anderen Handys aus der gleichen Familie hingegen belegten hierfür keine zusätzlichen Speicherplätze.

Die Sony-Ericsson-Handys ohne Symbian benahmen sich im Test etwas zickig. Gelegentlich kam es zu Verbindungsabbrüchen, die Sync-Vorgänge ließen sich nicht erfolgreich abschließen oder der Verbindungsaufbau scheiterte.

Probleme bereitete auch die Installation der mitgelieferten Sync-Software XTNDConnect, die ein laufendes Outlook voraussetzt. FĂĽr das T68i lieĂź sie sich dennoch nicht in Betrieb nehmen.

Siemens

Die Siemens Data Suite verfügt über ein eigenes Adressbuch. Um Datensätze mit Outlook abzugleichen, ist ein Zwischenschritt erforderlich: Zunächst muss man das Outlook-Adressbuch mit dem Adressbuch der Software abgleichen. Erst dann kann man es mit dem Handy synchronisieren.

Es empfiehlt sich, zur Synchronisation auf die Bluetooth-Software von Widcomm zurückzugreifen. Diese lässt sich leichter bedienen und offeriert einen größeren Funktionsumfang. Nur wer mehr als 500 Adressen verwalten muss und daher eine Vorauswahl für die zu synchronisierenden Adressen treffen will, fährt mit der Handy-Software besser.

Die mit dem Siemens S55 gelieferte Synchronisationssoftware weigerte sich, mit Outlook 2003 zusammenzuarbeiten. Per Bluetooth-Sync-Profil funktionierte der Abgleich aber problemlos.

Panasonic

Das Panasonic-Handy X70 bietet eine Synchronisation per Bluetooth zunächst gar nicht an. Davon sollte man sich aber nicht in die Irre leiten lassen. Uns gelang es mit wenigen Handgriffen dennoch, die Bluetooth-Schnittstelle dafür zu nutzen.

Zunächst installiert man die mit dem Handy gelieferte Software und wählt für den Datenabgleich die IrDA- oder USB-Schnittstelle. Der anschließende Verbindungsaufbau scheitert zwangsläufig, liefert aber per Fehlermeldung Aufschluss darüber, nach welcher COM-Schnittstelle das Programm vergeblich gesucht hat. Diese trägt man anschließend in der Bluetooth-Umgebung ein, und schon ist das störrische Sync-Programm überlistet.

Im Test funktionierte das X70 einwandfrei, die Synchronisierung der maximal 500 möglichen Adressdatensätze dauerte jedoch geschlagene 45 Minuten. Die Feldlängen und Zahl der Felder sind sehr knapp bemessen. Bei Problemen mit der Zuordnung empfiehlt Panasonic allen Ernstes ein manuelles Nachbearbeiten der Felder - bei 500 Datensätzen absolut praxisfern. Eine Aufgabenliste ist im Handy nicht verfügbar und kann folglich nicht synchronisiert werden.

Fazit

Synchronisieren per Bluetooth ist eine schicke und bequeme Angelegenheit, doch steckt der Teufel im Detail. Wer seine ersten Gehversuche mit Bluetooth unternimmt, wird gegen den einen oder anderen Stolperstein stoĂźen. Sobald der Datenaustausch zwischen Handy und Notebook aber einmal klappt, wird man die VorzĂĽge der FunkĂĽbertragung nicht mehr missen wollen.

Ein Wermutstropfen bleibt: Viele gängige Handys haben zu wenig Speicherplatz - wer mehr als 500 Adressen zur Hand haben will, sollte sein Handy-Modell sorgfältig wählen. Auch die Zahl der Datenfelder im Handy und deren maximale Länge genügt in einigen Fällen nicht den Anforderungen.

Die mit Abstand besten Leistungen bieten Handys mit SymbianOS. Diese haben derzeit den meisten Speicherplatz und sind obendrein auch von Ungeübten leicht zu bedienen. Allerdings erkauft man sich das Mehr an Leistung auch mit einem höheren Preis, obendrein sind die Symbian-Geräte größer und schwerer als die schwächer bestückten Modelle. (uma)

Literatur

Übersicht von space2go unterstützter SyncML-Geräte: www.space2go.de/html/doku/syncmldevices/syncmldevices.html