Hochauflösende Handys

Foto-Handys finden im beruflichen Umfeld bisher wenig Freunde. Vielleicht ändert eine höhere Bildauflösung etwas an der Zurückhaltung. Unser Test vergleicht zwei Modelle, die mit Megapixelkameras ausgestattet sind.

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Foto-Handys mit einer Auflösung von einer Million Pixeln versprechen Bilder, die auch auf dem PC-Bildschirm und als Ausdruck gut aussehen und warten mit einer großen Funktionsvielfalt auf.

Bislang lieferten die eingebauten Kameras der aktuellen Handys Bilder mit maximal VGA- oder sogar nur CIF-Auflösung (640 x 480 respektive 352 x 288). Diese kann man zwar in Form einer MMS-Nachricht mit anderen Nutzern eines Multimedia-Phones teilen, auf dem PC-Bildschirm hinterlassen sie aber einen mickrigen Eindruck.

Links das GX30 von Sharp, rechts Nokias Smartphone 7610
Links das GX30 von Sharp, rechts Nokias Smartphone 7610 Vergrößern

Die ersten Modelle der neuen Generation von Foto-Handys bieten Bildauflösungen von knapp einer Million Pixeln. Für Herbst und Winter 2004 sind von mehreren Herstellern bereits Handys mit 1,23 Megapixel-Kameras angekündigt. Damit konkurrieren sie mit billigen Digicams mit einfachen Fix-Focus-Objektiven und CMOS-Sensoren. Eine richtige Autofocus-Kamera können die Megapixel-Handys jedoch noch nicht ersetzen.

Da sie mehr Platz im knapp bemessenen Speicher brauchen, haben die Hersteller den Megapixel-Modellen einen Schacht für Speicherkarten spendiert. Bei Nokias Smartphone 7610 liegt die halblange Multimedia-Karte (MMC reduced size) unter dem Akku und lässt sich daher nur bei ausgeschaltetem Gerät wechseln. Das Klapp-Handy GX30 von Sharp wartet dagegen mit einem im Betrieb zugänglichen Slot für normale SD- oder MM-Cards auf. Beide Handys bieten solide Telefonie-Funktionen wie Kurzwahl, Ruflisten und umfangreiche Adressbücher.

Während Nokia sein Megapixel-Handy mit einem in Kameraphones und billigen Digitalkameras üblichen CMOS-Chip (Complementary Metal Oxide Semiconductor) ausgestattet hat, setzt Sharp auf die teurere CCD-Technik (Charge Coupled Devices), wie sie in Camcordern und besseren Digitalkameras zum Einsatz kommt. CCD-Chips sind im Vergleich zu ihren CMOS-Pendants lichtempfindlicher und produzieren weniger Bildrauschen. CMOS-Chips gehen dafür sparsamer mit dem Akkustrom um.

Wie bessere Foto-Handys mit VGA-Kamera zeichnen beide Megapixel-Modelle auf Wunsch auch Videos mit Ton auf, denen der bessere Bildchip jedoch nicht zu Gute kommt. Mit maximal QCIF-Auflösung (176 x 144) und bestenfalls zehn bis zwölf Bildern pro Sekunde lohnt sich die Video-Schau nur auf den Handy-Displays.

Nokia 7610

Das Testfoto vom Nokia 7610 zeigt starkes Bildrauschen und mäßige Schärfe.
Das Testfoto vom Nokia 7610 zeigt starkes Bildrauschen und mäßige Schärfe. Vergrößern

Das 7610 gehört zu den Smartphones mit dem Betriebssystem Symbian OS und Nokias Bedienoberfläche Series 60. Beim Start braucht man etwas Geduld, da vom Einschalten bis zur Betriebsbereitschaft über 20 Sekunden vergehen. Auch für Menü-Aufrufe benötigt das Gerät schon mal einige Sekunden. Abgesehen von den umfangreichen Organizer-Funktionen hat Nokia weitere Programme wie einen Video-Editor zum Bearbeiten eigener Film-Clips oder den Real-Player beigefügt. Zur guten Softwareausstattung gehört außer Nokias WAP-Browser auch der Webbrowser von Opera, der HTML-Seiten an die Display-Auflösung anpasst und so darstellt, dass der Betrachter nur vertikal scrollen muss.

Zum Austausch von Adressen, Bildern und Programmen setzt Nokia auf Bluetooth, was mit Gegenstellen wie Bluetooth-USB-Sticks und anderen Smartphones auch gut klappt (siehe www.bluetooth-db.de). Eine IrDA-Schnittstelle fehlt dem 7610. Es lässt sich aber auch via USB direkt mit einem PC verbinden. Die mitgelieferte Software PC Suite 6 kooperiert eng mit dem verbreiteten Bluetooth-Stack von Widcomm, sodass nun Kopplung und Verbindungsaufbau mit dem Nokia Connection Manager möglich sind. Das lästige Einstellen der virtuellen COM-Ports entfällt somit.

Das 7610 verwendet für Netzwerkverbindungen nur noch die Internet-Protokoll-Suite TCP/IP. Mit WAP-Gateways, die über eine Einwahl-Nummer erreichbar sind und das Wireless Session Protocol (WSP) nutzen, arbeitet das Smartphone daher nicht zusammen. Beim Einsatz als Funkmodem via GPRS geht es zügig und zuverlässig zu Werke. CSD-Wählverbindungen zu anderen Modems funktionieren ebenfalls, den schnelleren HSCSD-Dienst hat Nokia beim 7610 dagegen weggelassen.

Als Ersatz für eine Digicam eignet sich das Kamera-Smartphone kaum, vor allem, weil ein starkes Rauschen die Schärfe und den Kontrast sowohl bei Tages- als auch bei Kunstlicht beeinträchtigt. Helle Motivbereiche bildet das Foto-Handy stark überstrahlt ab, an kontraststarken Übergängen kommt es zu Farbsäumen (Konvergenz-Fehler). Auch sehen die Bilder so aus, als habe man durch eine Milchglasscheibe fotografiert.

Sharp GX30

Das GX30 von Sharp ist derzeit nur über den Netzbetreiber Vodafone erhältlich. Die Kamera des ansonsten konservativ designten Klapp-Modells sitzt auf dem Deckel über einem farbigen Zweitdisplay, das für Selbstportraits als Hilfssucher dient. Eine LED-Leuchte liefert im Dunklen ausreichend Licht für Fotos, solange das Motiv nicht weiter als zwei Meter vom Objektiv entfernt ist.

Das Sharp GX30 produziert Bilder mit brauchbarer Detailzeichnung und wenig Rauschen.
Das Sharp GX30 produziert Bilder mit brauchbarer Detailzeichnung und wenig Rauschen. Vergrößern

Das helle Hauptdisplay besticht durch eine hohe Auflösung, die sonst eher bei Pocket PCs üblich ist. Fotos stellt es gestochen scharf dar. Die Bedienung des Handys fällt dank der breiten Tasten und des großen fünf-Wege-Steuerkreuzes leicht; Sprache gibt das GX30 in beiden Richtungen klar und deutlich wieder.

Das Sharp-Handy bietet die wichtigsten PIM-Dienste, doch kann es sich in puncto Funktionsvielfalt nicht mit dem Nokia 7610 messen. Immerhin gibt es im GX30 einen einfachen Musik-Player, der MP3-Dateien mit bis zu 192 kBit/s etwa von der SD-Card abspielt, jedoch keine variablen Bitraten kennt. Da verwundert es sehr, dass Sharp nur ein Mono-Headset beigelegt hat.

Adressen und Multimedia-Dateien im Handy-Speicher lassen sich nur ĂĽber die mitgelieferte PC-Software Handset Manager mit dem heimischen Rechner abgleichen. Das GX30 wartet zwar mit Bluetooth auf, nutzt den Kurzstreckenfunk jedoch nur fĂĽr die Schnurlos-Telefonie ĂĽber Bluetooth-Headsets und Auto-Freisprechanlagen. Um Fotos und Videos zu transferieren, bleibt auĂźerdem die SD-Card, wobei aber die mitgelieferte mit 8 MByte sehr knapp bemessen ist.

Der an das Vodafone-Portal angepasste WAP-Browser gefällt wegen der zügigen Darstellung. Als Funkmodem eignet sich das Handy weniger. Zwar lässt es sich via IrDA zum Surfen mit dem Notebook nutzen, bleibt beim Empfang aber weit hinter dem Durchsatz zurück, den man von einem GPRS-Gerät der Multislot-Klasse 10 erwartet.

Beim Foto-Test gibt das Sharp GX30 unser Testmotiv stimmig wieder. Bei Kunstlicht neigen sehr helle Bildteile zum Überstrahlen. Im Tageslicht wirken die Farben natürlich, doch gibt es eine Tendenz zum Überschärfen. Tiefenzeichnung und Detailschärfe fallen akzeptabel aus. Mit seinem CCD-Chip kann das GX30 locker mit billigen CMOS-Kameras mithalten, doch liefern selbst ältere Autofocus-Modelle bessere Bilder.

Fazit

Die neuen Megapixel-Handys sind sicherlich ein Fortschrittchen in Richtung einer brauchbaren "Immer-Dabei-Kamera", bleiben dabei aber auf dem Niveau von Billigst-Fun-Digicams. Doch haben die Neuen – und besonders das Sharp GX30 – in Ernstfällen mehr zu bieten als die VGA-Modelle: Bei Unfällen lassen sich Bremsspuren auf Beweisfotos halbwegs sicher von Asphalt unterscheiden.

Von der Ausstattung her bietet sich das GX30 eher Käufern an, die Spaß an Handy-Spielen und Multimedia-Funktionen haben. Wer dagegen Business-Funktionen benötigt und Daten per Bluetooth mit PCs oder anderen Handys austauschen möchte, ist mit dem Nokia 7610 besser bedient. Die Foto-Qualität lässt zwar zu wünschen übrig, doch als Smartphone punktet es mit umfangreichen Organizer-Funktionen. (rop)

Megapixel-Handys
HerstellerNokiaSharp (Vodafone)
Kontakt www.nokia.de, Tel.: 01 80/5 23 42 42www.vodafone.de, Tel.: 01 80 5/17 22 00
Produkt 7610GX30
Lieferumfang Ladegerät, Trageschlaufe, USB-Kabel, 64-MByte-MMC-rs mit Adapter, Software Ladegerät, Headset, 8-MByte-SD-Card, Software
Dokumentation Deutsch, 154 Seiten, Kurzanl.Deutsch, 208 Seiten, Kurzanl.
Abmessungen (HxBxT)109 mm x 54 mm x 19 mm112 mm x 49 mm x 27 mm
Gewicht120 g111g
BetriebssystemSymbian OS 7.0s / Series 60proprietär
Nachrichten
verkettete- / Gruppen-SMS+ / ++ / -
individuelle SMS-Ordner +-
EMS / MMS - / +- / +
E-Mail-ClientPOP3, IMAP4-
Instant Messenger++
Kamera
max. Auflösung 1152 x 8641144 x 858
Kameraleuchte / Blitz- / -+ / -
Selbstauslöser ++
Bild-Formate 35
Video-Clips aufzeichnen3gpp, MPEG-4, H.2633gpp (bis 400 KByte)
max. Video-Aufl. / Ton176 x 144 / +128 x 96 / +
Telefonbuch
Speicher (Eintr. im Handy) je nach freiem Gerätespeicher500
Rufnummern / Eintrag 103
Post-Adressen ++
E-Mail-Adr. / Passbild+/ ++/ +
Gruppen+7
Sprachwahl / -steuerung+ / +- / -
Organizer
Uhr / Wecker / Rechner + / + / ++ / + / +
Kalender / Aufgaben+ / ++ / -
Java-Interpreter MIDP 2.0MIDP 1.0
Sprachmemo Kapazität60 s pro Aufnahme60 s
vCards / SyncML + / +- / -
Sonstiges Video-BearbeitungMP3-Player
Preis ohne Vertrag589 EUR 599 EUR (199 EUR mit Vodafone-Vertrag)

+ vorhanden - nicht vorhanden