Mobil dabei

Wer unterwegs ist, kann dennoch den Ăśberblick ĂĽber seine eBay-Auktionen behalten. Wir stellen Programme fĂĽr PDA und Smartphone vor.

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Von
  • Holger Wöltje
Inhaltsverzeichnis

Notebook-Nutzer sind bei der mobilen Nutzung von eBay eindeutig im Vorteil: Mit der Interneteinwahl übers Mobiltelefon gestaltet sich der Zugriff wie gewohnt, je nach vorhandener Netzanbindung allerdings mit eventuell langsamerem Seitenaufbau. Die angenehm kleinen Abmessungen moderner PDAs und Smartphones erzwingen hingegen winzige Bildschirmchen. Darauf übersieht man leicht das "Kleingedruckte" in Artikelbeschreibungen – etwa den kleinen Hinweis in der ellenlangen Beschreibung einer Grafikkarte, dass nur die Originalverpackung angeboten wird.

Die Übertragungsstandards GPRS (General Packet Radio Service), HSCSD (High Speed Circuit Switched Data) und UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) machen der mobilen Internetverbindung kräftig Beine. Die Geschwindigkeit des Datenflusses hängt dabei nicht nur vom Übertragungsverfahren ab. Vor allem die Empfangsqualität sowie die Netzauslastung entscheiden darüber, wie lange man benötigt, um Seiten herunterzuladen, Bilder zu betrachten und Gebote abzugeben.

Datenverbindungen versagen etwa während der Bahnfahrt oder bei ungenügender Empfangsqualität schon dort, wo man bei Sprachverbindungen kaum Qualitätseinbußen wahrnimmt. Dies ist auch eine der häufigsten Fehlerquellen, wenn die Einwahl über Smartphone oder PDA und Handy nach vermeintlich erfolgreicher Konfiguration mit korrekten Einstellungen nicht funktioniert. Aus diesem Grund haben wir auch auf eine Messung von Lauf- oder Reaktionszeiten verzichtet: Zu unterschiedlich sind diese je nach Mobilfunkprovider und verwendetem Datenübertragungsverfahren sowie den unterwegs ständig wechselnden Empfangsbedingungen und der Netzauslastung.

Wir haben uns testweise mit einem Palm Tungsten T3 sowie einem HP iPAQ 2210 per Bluetooth-Handy bei eBay eingewählt. Als Vertreter für Symbian Smartphones verwendeten wir ein Sony Ericsson P900. Mit verschiedenen Browsern haben wir die HTML-Version von eBay, drei verschiedene Sniper-Dienste sowie die WAP-Version von eBay miteinander verglichen. Den WAP-Zugang testeten wir außerdem mit einem Sony Ericsson T610 und dem etwas betagten Nokia 6310. Zusätzlich war ein Research in Motion Blackberry 7230 mit von der Partie.

Bei GPRS- und UMTS-Verbindungen ist Vorsicht geboten, denn je nach Tarif kosten diese bis zu fünf Euro pro übertragenem Megabyte – ein Wert, den man bei eingeschalteten Bildern und intensiver Nutzung der HTML-Seiten von eBay mit PDAs oder Laptops recht schnell erreicht. Bei häufiger und intensiver Nutzung unterwegs lohnen sich die Sondertarife der Netzbetreiber, die für einen festen monatlichen Preis ein bestimmtes Übertragungsvolumen enthalten.

Langsamer, aber dafür transparenter in Bezug auf die anfallenden Kosten ist eine normale CSD-Verbindung (Circuit Switched Data), die wie schnellere und nur bei Vodafone sowie E-Plus verfügbare HSCSD-Verbindungen nach Onlinezeit statt übertragener Datenmenge abgerechnet wird. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn nur geringe Leerlaufzeiten entstehen. Zum bequemen Surfen per PDA verbindet man ihn am besten via Bluetooth-Funk mit dem Handy – ist Bluetooth nicht verfügbar, sollte man dem Kabel den Vorzug gegenüber der Infrarot-Schnittstelle geben, da diese Verbindung in der Praxis leichter zu handhaben ist, wenn PDA und Handy nicht nebeneinander auf dem Tisch liegen.

Die WAP-Seiten von eBay bieten einen komfortablen Einstieg. Das Wireless Application Protocol wurde zum Einsatz auf mobilen Geräten mit kleinen Bildschirmen und geringer Datenübertragungsrate ersonnen. Es gehört heute zur Standardausstattung von Handys. WAP-Seiten sind damit auf den platz- und zeitsparenden Zugriff optimiert und halten auch bei volumenorientierter Abrechnung die Gebühren niedrig.

Die Seiten unter "wap.ebay.de" sind spartanisch, dafür erscheinen sie aber vergleichsweise zügig auf dem Bildschirm des Handys. Das Beobachten in "Mein eBay" oder Mitbieten auf dort gespeicherte Artikel funktioniert gut, wenn man sich erst mal an das stark beschränkte Anzeigeformat gewöhnt hat. Schneller geht es allerdings über die Eingabe der notierten Artikelnummer in der Suchfunktion. Damit spart man die umständliche Eingabe von Mitgliedsname und Passwort, ohne die kein Zugriff auf "Mein eBay" möglich ist.

Die wichtigsten Funktionen hat man mit WAP also auch unterwegs parat. Doch schon das Stöbern in umfangreichen Suchergebnissen mit mehr als einer Hand voll Treffern wird aufgrund der eingeschränkten Darstellung zur Qual. Auch das Auswerten von Artikelbeschreibungen, die mehr als fünf Zeilen umfassen, ist per WAP höchstens eine Notlösung.

Mit Sony Ericssons T610 sieht das WAP-Angebot in Farbe recht gut aus, auch weil die Zahl der Displayzeilen für eine vernünftige Darstellung gerade ausreicht. Zur Not sind die Seiten auch auf einem betagten Nokia 6310 in Schwarzweiß mit weniger Zeilen noch erträglich. Auf den großen PDA-Displays sowie dem Sony Ericsson P900 und dem Blackberry 7230 macht WAP dafür umso mehr Spaß.

Während des Testzeitraums fielen aber die deutschen WAP-Seiten von eBay zwischenzeitlich komplett aus, während der US-Server unter wap.ebay.com weiterlief. Die Suche nach Wörtern aus der Beschreibung eingestellter deutscher Artikel führte dort zwar nicht zum Ziel, aber "Mein eBay", das Suchen nach Artikelnummern sowie das Bieten funktionierten auch über die US-Seiten zuverlässig. Selbst als die deutschen WAP-Seiten bereits wieder brav auf den Browsern von Mobiltelefonen wie dem T610 und 6310 erschienen, konnten die WAP-fähigen Browser Web Pro unter Palm OS und Pocket Internet Explorer unter Pocket PC sie nicht korrekt darstellen. Der Zugriff auf wap.ebay.com hingegen klappte damit gut.

Für Palm-OS-PDAs existieren etliche Browser, von denen die meisten für den eBay-Zugriff auf aktuellen OS-5-Geräten jedoch untauglich sind. Beispielsweise misslang dem kostenlosen, flinken und dafür simplen Eudora Web jeder Log-In-Versuch bei eBay sowie den getesteten Snipern. Xiino stürzte auf unserem Testgerät auch mit verschiedenen Einstellungsvarianten jedes Mal ab, nachdem es die ersten Zeilen der eBay-Startseite angezeigt hatte. Obwohl wir mit Blazer auf unserem Tungsten T3 zwar erfolgreich suchen und bieten konnten, stürzte das Programm im Abstand von zehn Sekunden bis zwei Minuten ständig ab. Wir brachen die weiteren Tests mit Blazer daraufhin ab. Übrig blieben zwei uneingeschränkt zuverlässige Kandidaten für verschiedene Ansprüche: Web Pro und WebToGo.

Novarra Web Pro liegt vielen aktuellen Palm-OS-Geräten der Oberklasse bereits bei. Das Programm ist inzwischen als Shareware-Version frei verfügbar. Hierzu sucht man im Software-Onlineshop von PalmOne (http://software.palmone.com/de/de) nach dem Begriff "Browser".

Web Pro schafft unter anderem aufgrund des geschickt eingesetzten Caches einen recht flinken Seitenaufbau mit gelungener Darstellung. Dem erfolgreichen Login steht in der Grundkonfiguration lediglich noch der Proxyserver im Wege, den man über das Menü "Optionen/Einstellungen" auf der Registerkarte "Erweitert" durch Entfernen eines Häkchens deaktivieren muss. Bei "Cookies akzeptieren" muss man hingegen den Haken setzen. Auch die Zusammenarbeit mit den drei geprüften Online-Snipern www.auctionsniper.com, www.justsnipe.com sowie www.esnipe.com klappte reibungslos. Um sich bei Auctionsniper einzuloggen, muss man allerdings den Proxyserver wieder aktivieren.

Ebenfalls in allen Disziplinen eine gute Figur machte der kostenlose WebToGo-Browser (www.webtogo.de). Er ist Teil eines Internet-Komplettpakets samt E-Mail-Client und Konfigurationssoftware, die alle benötigten Parameter nach Eingabe von Handytyp und Netzbetreiber automatisch einstellt. Wer sich nicht daran stört, dass der Browser Verbindungen nur über den WebToGo-Assistenten aufbauen will und dabei jedes Mal eine kurze Werbeeinblendung zeigt, erhält das Programm kostenlos. Eine werbefreie Version mit weiteren Extras bekommt man für 29 Euro im Jahr. Der Palm ist mit WebTo-Go wesentlich schneller als die Kombination anderer PDAs und Browser, sodass die Wartezeiten deutlich schrumpften. Dafür ist die Darstellung nicht so hübsch und übersichtlich wie mit Web Pro.

Für Pocket PCs gibt es außer dem mit 50 US-Dollar pro Jahr recht teuren ThunderHawk keine alternativen Browser, denn seit langem ist jeder mit diesem Betriebssystem ausgestattete PDA bereits ab Werk ohne Aufpreis mit dem Pocket Internet Explorer ausgerüstet. Er bringt alle wesentlichen Funktionen mit und ist sofort nach Konfiguration der Internetverbindung eBay-tauglich. Der fehlende Browser-Wettbewerb scheint die Weiterentwicklung etwas zu lähmen, denn nachdem Palm-OS-Browser lange Zeit unterlegen waren, ist Web Pro für Palm OS inzwischen nicht nur schneller, sondern stellt die Webseiten auch gefälliger dar.

Wenn man von der etwas geringeren Geschwindigkeit einmal absieht, schlägt sich der Pocket Internet Explorer in allen eBay-Disziplinen einschließlich Sniper recht gut. Lediglich sporadische Probleme beim Aufruf der Seite "Mein eBay" und einiger Unterseiten beim Ändern eingestellter Artikel erwiesen sich als störend. Die Probleme traten nur sporadisch auf und waren nicht reproduzierbar.

Das P900 von Sony-Ericsson tritt stellvertretend für Symbian Smartphones mit Touchscreen-UIQ-Oberfläche an. Der integrierte Webbrowser lieferte zwar wunderschön gerenderte Webseiten in erfreulich flottem Tempo, versagte aber dafür beim Login auf eBay. Doch der von Sony Ericsson auf CD mitgelieferte Opera-Browser schaffte nach der Installation Abhilfe. Er meisterte alle Aufgaben sowie die Sniper-Steuerung mit Bravour, sogar automatischen Weiterleitungen folgte er, ohne dass wir manuell den Ersatzlink betätigen mussten.

Es bleibt Geschmackssache, ob man Opera die eBay-Seiten verkleinern lässt: In voller Größe wirken sie unübersichtlich, aber mit gekonnten Stylus-Bewegungen gewöhnt man sich schnell ans Scrollen. Die kleinen Schriften sind schwerer zu entziffern, doch der hochwertige Bildschirm des P900 lässt sie immer noch gut aussehen. Ein wenig störend wirkt die automatisch beim Anwählen eines Textfeldes aktivierte Eingabefläche, wenn man nach dem Ausfüllen (oder ohne Beachtung des Feldes) mit dem Stylus scrollen will. Das P900 versucht dann, die Stiftbewegung als Eingabezeichen zu interpretieren. Hier hilft es, mit dem Stylus kurz auf einen Punkt der Website zu tippen, an dem sich kein Eingabefeld befindet. Damit verliert das Eingabefeld den Fokus, die Schrifterkennung wird damit deaktiviert und man kann den Stylus erneut ansetzen, um wie gewohnt zu scrollen.

Research in Motion's Blackberry 7230 liegt sehr angenehm in der Hand und baut sowohl WAP- als auch HTML-Seiten flott auf. An die Steuerung mittels seitlichem Jog-Dial-Rad sowie der Miniaturtasten des integrierten "Mäuseklaviers" hat man sich erstaunlich schnell gewöhnt. Das Navigieren auf Webseiten sowie Eingeben kurzer Texte ist somit auch ohne Touchscreen oder vollwertige Tastatur noch zumutbar.

Das Surfen auf der WAP-Seite von eBay macht auf dem Blackberry dank seines großen Displays richtig Spaß. Doch leider hatte das Gerät im Test gravierende Probleme mit den HTML-Seiten von eBay, während andere Websites schnell und gut funktionierten. Sollte sich dies durch ein Softwareupdate beheben lassen, wäre der Blackberry ein eleganter, handlicher und flinker Begleiter zum Bieten unterwegs.

Schnelle Post

Smartphones und PDAs ermöglichen es auch, E-Mails mit Statusmeldungen von eBay und den Snipern sowie mit Nachfragen von Bietern oder Antworten von Verkäufern unterwegs zu empfangen. Wer lediglich ein WAP-fähiges Mobiltelefon besitzt, muss zwar auf PDA-Komfort, nicht aber E-Mail generell verzichten: Unter anderem bieten alle Mobilfunk-Netzbetreiber einen E-Mail-Dienst mit WAP-Zugriffsmöglichkeit an, auf dem man seine Nachrichten auch vom Handy aus empfangen kann. Pocket PCs haben von Haus aus "Pocket Outlook" als E-Mail-Client an Bord, neue Geräte von PalmOne werden mit VersaMail ausgeliefert. Palm-OS-PDAs, die nicht mit einem Mailclient ausgestattet sind, kann man mit der kostenlosen Eudora Internet Suite (www.eudora.com) oder dem komfortableren Snappermail (www.snappermail.com), das auch Dateianhänge souverän meistert, nachrüsten.

Falls verfügbar, bietet es sich dabei an, gleich auf IMAP umzusteigen. Wer statt dessen Mails von einem POP3-Server empfängt, sollte beim mobilen Abruf immer eine Kopie der Nachrichten auf dem Server belassen und auf einen Abgleich mit dem Desktop-PC verzichten. Ansonsten endet der Versuch, beide Geräte synchron zu halten, meist im Chaos, da man unterwegs weder mit großen Anhängen noch allen Dateiformaten etwas anfangen kann und auch nicht über die ausgefeilten Archivmöglichkeiten des Desktop-Rechners verfügt.

Die Option, nur Kopfzeilen herunter zu laden, hilft unterwegs gegen unerwünschte große Dateianhänge. Um auf dem Desktop-PC trotzdem eine Übersicht der unterwegs eventuell verfassten Nachrichten zu behalten, adressiert man auf dem PDA geschriebene Mails kurzerhand per Blindkopie (BCC) an sich selbst, um sie auch zu Hause noch einmal empfangen und archivieren zu können.

Wer Auktionen in "Mein eBay" speichert oder sich die Artikelnummer notiert, muss mit dem stark eingeschränkten Komfort der WAP-Seiten leben, aber dennoch nicht aufs Bieten verzichten. Zum Sichten verschiedener Artikel ist diese Variante aber kaum geeignet, sinnvoll einsetzen lässt sie sich nur zur Statusabfrage für eingestellte oder beobachtete Auktionen. Die Geschwindigkeit bleibt dabei akzeptabel, der Einrichtungsaufwand ist gering.

In zweierlei Hinsicht anders gestaltet sich die Situation beim Zugriff auf die "große" Website von eBay über Smartphone oder PDA: Dieser weist zwar etliche Stolperfallen auf und zwingt manchen Browser zur Aufgabe, bietet aber deutlich mehr Komfort und Überblick. Man kann so auch von unterwegs eingestellte Artikel ändern und Sniper beauftragen. Die mobilen Vorteile erkauft man sich aber zurzeit noch mit quälenden Wartezeiten. Um den Komfort ist es indes nicht schlecht bestellt: Bei den meisten leistungsfähigeren Browsern kann man die Kopieren-und-Einfügen-Funktion sowie die Zwischenablage der Geräte nutzen, um Artikelnummern nicht abtippen zu müssen.

Das Sony Ericsson P900 überzeugt als kompakte Komplettlösung, wenn man ihm durch Nachrüsten des Opera-Browsers zu voller eBay-Tauglichkeit verhilft. Der auf PDAs mit PocketPC vorinstallierte Internet Explorer ist ohne weitere Konfigurationsarbeit nach Einstellen des Internetzugangs voll einsatzfähig. Den größten Komfort unterwegs erhält man aber mit Palm-OSPDAs.

Besonders flink, aber dafür nicht besonders schön in der Darstellung ist der kostenlose WebToGo-Browser, der dem Benutzer auch die Konfiguration der Zugangsdaten sowie der Verbindung zum Mobiltelefon abnimmt. Der Palm Tungsten T3 wird gleich mit dem rundum überzeugenden Web Pro ausgeliefert. Im Querformat mit ausgeblendetem Eingabefeld bietet er mit 480 x 320 Pixeln Auflösung bereits eine erträgliche Ansicht sowie genug Komfort, um sich unterwegs sogar an die Artikelsuche und das Stöbern zu wagen - auch wenn es zu Hause immer noch um Längen schneller und bequemer ist. (ad) (ll)