Medienkonzern Axel Springer will im Internet und Ausland wachsen
Der Medienkonzern Axel Springer weist als Folge der Abschreibung der Briefdiensttochter PIN für das Geschäftsjahr 2007 einen Fehlbetrag von 288 Millionen Euro aus. Priorität in diesem Jahr habe die Digitalisierung der Marken des Konzerns.
Der Medienkonzern Axel Springer ("Bild", "Welt", "Computerbild") setzt nach dem Rückzug aus dem Briefgeschäft auf eine weitere Expansion in internationalen Märkten und im Internet. "Das Wachstum der Zukunft liegt klar in der Digitalisierung und im Ausland", sagte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner am Mittwoch in Berlin. Eine noch stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft und "politikferne Felder" sei auch eine Lehre aus dem Stopp der Pläne im Postmarkt. Die Briefdiensttochter PIN wurde in der Bilanz 2007 wie angekündigt voll abgeschrieben. Unter dem Strich wurden daher 288 Millionen Euro als Fehlbetrag ausgewiesen (Vorjahr: 291 Millionen Euro Überschuss). Für dieses Jahr strebt der Konzern Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis an.
Den Fehlbetrag könne Springer "ohne größere Probleme" verarbeiten, sagte Döpfner mit Verweis auf die operative Ertragsstärke des Konzerns im Kerngeschäft, die Rekordniveau erreicht habe. Die Aktionäre sollen davon mit einer Rekorddividende von vier Euro (Vorjahr: 3,50 Euro) profitieren. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBITA) habe 2007 um 12,5 Prozent auf 421,7 Millionen Euro zugelegt. Aus fortgeführten Aktivitäten – also ohne PIN – sei ein Nachsteuergewinn von 284 Millionen Euro erzielt worden (Vorjahr: 294,6 Millionen Euro). Wegen der Abschreibung auf die weiterhin zum Konzern gehörenden PIN Group stand bei nicht fortgeführten Aktivitäten nach Steuern aber ein Verlust von 572,4 Millionen Euro in den Büchern.
Springer hatte nach dem Bundestagsbeschluss zur Einführung eines Post-Mindestlohns im Dezember entschieden, kein Geld für PIN mehr zur Verfügung zu stellen. Döpfner begrüßte, dass das Verwaltungsgericht Berlin die Mindestlohnregelung in erster Instanz für rechtswidrig erklärt hat. Dies schaffe aber noch keine Rechtssicherheit, und es ergebe sich daher auch kein Interesse an einem Wiedereinstieg ins Postgeschäft. Die im Dezember für die PIN Group in Aussicht genommene Summe für Abschreibungen und Aufwendungen von 620 Millionen Euro sei "so eingetreten", sagte Döpfner. "Damit ist das Thema PIN ein Problem des vergangenen Jahres, das die Zukunft nicht mehr belastet."
Priorität in diesem Jahr sei, die Marken des Konzerns weiter "mit hohem Tempo" zu digitalisieren. Konkrete Pläne für größere Zukäufe gebe es vorerst nicht, da übernommene Gesellschaften zunächst weiter eingegliedert werden sollten. Beim Umsatz, der 2007 um 8,5 Prozent auf 2,58 Milliarden Euro gewachsen war, werde eine weitere Steigerung in diesem Jahr angestrebt. Auch das EBITA soll – um Einmaleffekte bereinigt – zulegen, sagte Döpfner. (dpa) / (pmz)