Facelift fĂĽr die Oberklasse

Nachdem sich längere Zeit wenig tat am oberen Ende von Nokias Produktangebots, brachten die Finnen nun den Communicator 9500 heraus.

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Von
  • Christian Kirsch
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Während viele Hersteller von Mobiltelefonen sich vor allem bei der Multimedialisierung ihrer Modelle überbieten, bringt Nokia mit dem Communicator 9500 ein Gerät auf den Markt, das für viel reisende Geschäftsleute geeignet scheint. Ohne MP3- und Filmabspieler gehts trotzdem nicht, also sind diese beiden samt Kamera mit an Bord. Um diese Spielereien soll es im Folgenden aber nicht gehen, sondern um die professionellen Einsatzmöglichkeiten.

Mit rund 230 Gramm ist der 715 Euro teure Communicator etwas zu schwer für die Hemdtasche, und aufgrund der Größe passt er nicht in jede Hosentasche. Sein 640 x 200 Pixel großes, stark leuchtendes Display lässt sich selbst in hellen Umgebungen gut ablesen. Von Haus aus bietet das Gerät 80 MByte, der sich durch MMC-Karten erweitern lässt. Die durch Aufklappen freigegebene Tastatur ist hinreichend groß und komfortabel. Nicht ganz durchdacht erscheinen jedoch die Position und Funktionsweise einzelner Tasten; so befinden sich Punkt und Komma links von der Leertaste. Das GUI zeigt Inkonsistenzen: Einige Menüs und Dialoge lassen sich durch Drücken von Escape beenden, andere nicht. Allgemein mangelt es an zügiger Reaktion auf Benutzereingaben.

Neben den üblichen Telefonfunktionen dürfte E-Mail inzwischen die wichtigste Anwendung für mobile Geräte sein. Das 9500 bringt einen passenden Client mit, der mit POP3- und IMAP-Accounts Verbindung aufnimmt, auf Wunsch auch verschlüsselt. In diesem Modus meckert er über ein fehlerhaftes Zertifikat, bietet allerdings keine Möglichkeit, es zu kontrollieren. Die üblichen Mail-Funktionen sind vorhanden, es fehlt jedoch die Suche in IMAP-Ordnern.

Mit normalem Text kommt der Mail-Client gut zurecht. Nach Installation des auf CD mitgelieferten Acrobat-Readers lassen sich auch PDFs auf dem Handy betrachten. Word- und Excel-Attachments hingegen ließen sich im Test nicht verarbeiten. Zwar erkannte die Software das Tabellendokument, die mitgelieferte Applikation meldete jedoch nur ein lapidares "Dokumenttyp nicht unterstützt" – dito für Word.

Beim Versand von Tabellen und Texten, die auf dem 9500 erstellt wurden, benutzt der Mail-Client die Mime-Types für Excel und Word, sodass es beim Empfänger keine Schwierigkeiten geben sollte. Allerdings trägt das Programm beim Versand keine Zeitzone ein, was zu aus der Zukunft kommenden Nachrichten führt. Verbesserungen sind ebenfalls beim Beantworten angebracht: Dabei spart sich Nokias Client die Zitatzeichen und erschwert dadurch dem Empfänger die Lektüre. Gut gelöst ist hingegen die Integration mit den Kontakten, denn Mail-Empfänger lassen sich direkt aus dieser Liste wählen.

Ein Novum ist das integrierte WLAN-Modul (11 MBit/s). Damit lässt sich in der Nähe eines geeigneten Accesspoint recht schnell surfen und Mail abrufen. Für öffentliche Hotspots hat Nokia den "Easy-WLAN"-Modus vorgesehen. Mit dieser Einstellung findet das Handy automatisch den nächsten Accesspoint und verbindet sich mit ihm. Das erspart dem Anwender das Suchen in verschachtelten Menüs.

Der mitgelieferte Browser kam mit vielen aktuellen Webseiten klar, scheiterte aber an der Lufthansa: Dort lässt er das Buchungsformular einfach weg. Einfacheres CSS bereitet ihm keine Schwierigkeiten, dasselbe gilt für Javascript. Zickig verhielt er sich bei der Authentifizierung: nach dem korrekten Ausfüllen der Dialogbox lud er die Seite erst im zweiten Anlauf.

Alle üblichen PDA-Anwendungen finden sich auf dem Communicator: Kontakte, Termine, Aufgabenliste und Notizen, dazu kommen eine Tabellenkalkulation, der Realplayer und ein MP3-Spieler. Termine können mehrere Tage umfassen und lassen sich als wiederholende Ereignisse definieren. Bei den Adressen gibt Nokia Standardfelder vor. Für jeden Eintrag darf der Anwender weitere hinzufügen oder löschen und ist dadurch hinreichend flexibel.

Zur Synchronisierung und Datensicherung legt Nokia seine PCSuite bei, die lediglich auf Windows-Rechnern läuft. Dort erlaubt sie den Abgleich von Kontakten et cetera mit Outlook und das Sichern des Telefoninhalts via Kabel, Bluetooth (weitere Spezifikationen siehe Bluetooth-db) oder Infrarot. Wer bereits einen älteren Communicator besitzt, kann Daten von diesem direkt übernehmen. Mit der PCSuite von einem Nokia 6310 gesicherte Daten mochte das 9500 jedoch nicht. Da auf dem Communicator ein SyncML-Client installiert ist, lässt er sich mit passenden Servern abgleichen. Im Test klappte das mit dem Produkt der Synthesis AG (www.synthesis.ch) unter Linux und Mac OS X.

Für die meisten Geschäftsanwendungen eignet sich der Communicator 9500 gut, zumal er wichtige Verschlüsselungsverfahren wie SSL/TLS und WEP/ WPA bietet. Details der Benutzerführung und der Anwendungen würde etwas Feinschliff gut tun. (ck) (ll)