Fernsprechsurfgeräte
Obgleich die Netzbetreiber aktuelle UMTS-Handys vor allem für Privatkunden anbieten, können auch professionelle Nutzer davon profitieren: Ohne weitere Gerätschaften lässt sich mit ihnen eine schnelle Internet-Verbindung aufbauen.
UMTS-Handys bieten wie ihre GSM-Pendants eine groĂźe Funktionsvielfalt inklusive Organizer-Anwendungen, Kamera, Multimedia-Versand und WAP-Browser. DarĂĽber hinaus werben sie mit Bildtelefonie, schnellem Musik-Download und Videostreams fĂĽr den Umstieg auf das neue Funknetz.
Nach dem Start der UMTS-Netze konzentrierten sich die Netzbetreiber zunächst auf den Geschäftskunden-Markt und boten Funkkarten für Notebooks und Datentarife an. Die Auswahl an UMTS-fähigen Handys war dagegen kaum der Rede wert. Die ersten Modelle erinnerten mit großen Abmessungen und geringen Akkulaufzeiten eher an die Steinzeit des Mobilfunks. Vodafone ging zum Weihnachtsgeschäft 2004 als erster Netzbetreiber mit sieben neuen Handys in die Offensive, die UMTS, das Universal Mobile Telecommunications System, auch dem privaten Mobiltelefonierer schmackhaft machen sollte.
Zwar stellt Vodafone anders als bei den Angeboten für Businesskunden nicht die hohe Datenrate des neuen Funknetzes in den Vordergrund, sondern neue Multimedia-Dienste. Als Verbindung zum Internet dienen jedoch sowohl eigenständige Karten, wie sie im Business-Angebot eines jeden Mobilfunkers vorhanden sind, als auch die nun vorgestellten Handys. In Empfangsrichtung erreichen sie mit maximal 384 kBit/s bis zum Siebenfachen einer GPRS-Verbindung. Die in den Vordergrund gestellten Fatures wie Videotelefonie oder der Download von Klingeltönen dürfte Geschäftskunden zwar kaum interessieren, doch ist alleine die Verbindung eines mobilen Internetzugangsgerätes mit einem modernen Mobiltelefon eine Betrachtung wert.
UMTS fĂĽr alle
Das Privatkundenangebot von Vodafone umfasst Tarifpakete, die für Grundpreise ab 20 Euro pro Monat außer Inklusivminuten für Telefonate auch unbegrenzten Zugang zum WAP-Portal des Netzbetreibers enthalten. Wer das UMTS-Handy hingegen zum Websurfen mit dem Notebook koppeln möchte, sollte einen zusätzlichen Datentarif buchen. Zwar enthalten selbst die Privatkunden-Tarife zwei Megabyte Inklusivvolumen pro Monat, doch sind die beim Surfen rasch verbraucht und eignen sich eher für den gelegentlichen E-Mail-Abruf. Jeder weitere 100-Kilobyte-Block erscheint anderenfalls danach mit 29 Cent auf der Telefonrechnung.
Vodafones Angebot umfasst sieben UMTS-Modelle: Das Motorola E1000, das Klappmodell Motorola V980, das Nokia-Smartphone 6630, die Samsung-Handys SGH-Z107 und SGH-Z110, das Zwei-Megapixel-Fotohandy Sharp V902 und das V800 von Sony Ericsson haben wir uns genauer angeschaut. Mit dem Motorola A1000 soll noch im FrĂĽhjahr ein UMTS-Smartphone mit Symbian-Betriebssystem und Touchscreen-Bedienung hinzukommen.
Funk-Bits
Beim WAPpen, Surfen mit dem Notebook oder beim Übertragen von Multimedia-Nachrichten übermittelt UMTS die Daten in kleinen Paketen über das gleiche Gateway ins Internet, das auch der GSM-Dienst GPRS (General Packet Radio Service) benutzt. Dadurch können die UMTS-Geräte auf das gute alte Funknetz der zweiten Generation ausweichen, sollten sie den mit UMTS versorgten Bereich verlassen. Alle Handys und Datenkarten für die hiesigen UMTS-Märkte funken auch in den GSM-Netzen (Dual-Mode-Geräte). Der Wechsel von UMTS nach GSM funktioniert automatisch und ohne eine bestehende Daten- oder Sprachverbindung zu unterbrechen (Hard-Handover). Zumindest bei Datenverbindungen klappt das mittlerweile auch in umgekehrter Richtung. Ein UMTS-Vertrag umfasst immer auch die GPRS-Nutzung, sollte das schnellere Netz nicht verfügbar sein.
Bis auf die Videotelefonie, die zwingend ein UMTS-Netz benötigt, lassen sich alle Dienste auch im GSM-Netz verwenden. Setzt man sein Handy als Funkmodem ein, muss man jedoch mit den geringeren Übertragungsraten von GPRS vorliebnehmen. Beim WAPpen stört dies weniger, da meist nur kleine Datenmengen übertragen werden. Wer dagegen eine Powerpoint-Präsentation auf sein Mobiltelefon laden will, braucht bei GPRS viel Geduld.
Wer eine Wählverbindung zu einem Modem oder Faxgerät aufbauen will – etwa weil er auf den Faxversand via Handy angewiesen ist – muss dazu ins GSM-Netz wechseln, da UMTS, abgesehen von Sprach- und Videotelefonaten, konsequent auf paketorientierte Datenübertragung setzt. Bei den Motorola-Geräten und den Samsung-Handys kann man die Netzart fest vorgeben. Das Sharp V902 lässt die Wahl zwischen automatischer Netzwahl und GSM. Beim Sony Ericsson V800 hilft nur das manuelle Auswählen eines GSM-Netzes, doch wechselt es nach wenigen Minuten zurück zu UMTS, wenn keine Wählverbindung besteht. Nokias 6630 bucht sich schon nach Sekunden wieder im schnelleren Netz ein, sodass der Verbindungsaufbau nicht gelingt.
Alle Handys im Test kennen nur die klassische Wählverbindung via CSD (Circuit Switched Data) mit üblicherweise 9,6 kBit/s; den schnelleren Datendienst HSCSD beherrscht keiner der Kandidaten. Für WAP-Profile haben manche Hersteller wie Nokia und Samsung die CSD-Wählverbindung gleich weggelassen. So fehlt in den Verbindungsprofilen des Samsung Z107 ein Feld für eine CSD-Einwahlnummer.
Handys für alle Fälle
|
|||
Motorola E1000
Das große E1000 im klassischen Riegelformat gehört mit knapp 140 Gramm zu den Schwergewichten unter den aktuellen UMTS-Handys. Es liegt sehr gut in der Hand und lässt sich dank der hochwertigen Tastatur gut bedienen. Ungewohnt ist zunächst die Platzierung des kleinen Joysticks mitten in der Wähltastatur, was der Bedienbarkeit aber nicht schadet. Das große Farbdisplay beeindruckt mit hoher Auflösung und gutem Kontrast. Auch die Sprachqualität gibt keinen Anlass zur Kritik.
Das Objektiv der Megapixel-Kamera ist auf der RĂĽckseite des Handys zu finden, und oberhalb des Displays sitzt die Videokamera, die auch fĂĽr Selbstportraits taugt. Bei der Audiowiedergabe kann das Handy mit kleinen, aber lauten Stereo-Lautsprechern punkten. Der Player gab MP3- und MP3pro-TeststĂĽcke mit Kodierraten zwischen 64 und 256 kBit/s anstandslos wieder, weigerte sich aber, MP3s mit 32 kBit/s, 320 kBit/s oder variablen Bitraten abzuspielen. DafĂĽr erkannte er Microsofts WMA-Format.
Die verbesserungswĂĽrdigen Organizeranwendungen hat Motorola augenscheinlich von seinen GSM-Handys ĂĽbernommen. Das Telefonbuch legt fĂĽr jede Rufnummer einen eigenen Eintrag an, auch wenn der Name schon vorhanden ist. Eine getrennte Liste fĂĽr verpasste Anrufe, eine Aufgabenliste und eine Diktierfunktion fehlen. Der WAP-Browser zeigt aufgerufene Seiten zĂĽgig an, Videostreams gibt das Handy, so es im UMTS-Netz eingebucht ist, ohne viel Geruckel wieder.
Via Bluetooth lässt sich das E1000 ohne Kabelsalat mit einem PC koppeln, etwa um Bilder oder andere Multimediadaten zu übertragen oder das UMTS-Telefon als Funkmodem (Bluetooth-Datenbank: Motorola E1000) zu nutzen. Für Handynutzer ohne Bluetooth-fähigen Rechner liefert Motorola auch ein USB-Kabel mit.
Motorola V980
Das Klapphandy V980 benötigt kaum mehr Platz als ein normales Handy aus Motorolas V-Reihe. Obwohl vom Hersteller als UMTS-Einsteigermodell konzipiert, macht es einen robusten Eindruck, den die großflächigen Tasten mit deutlichem Druckpunkt verstärken. Das helle Farbdisplay besitzt eine hohe Auflösung, der Fläche nach ist es jedoch das kleinste unter unseren Testgeräten. Für manche WAP-Seiten benötigt man schon fast eine Lupe. Beim Telefonieren überzeugt das Handy mit guter Sprachqualität.
Motive lichtet die VGA-Kamera auf dem Deckel des Klapphandys zwar mit brauchbaren Farben, aber zu dunkel und unscharf ab. Videoaufnahmen des Handys ruckeln bei der Wiedergabe, Gesichter lassen sich auf den Aufnahmen immerhin wiedererkennen.
Die Menüs des V980 gleichen bis auf Details denen des E1000, was auch für den MP3-Player gilt (siehe oben). Zwar fasst der interne Speicher des Klapphandys nur kümmerliche drei MByte, doch bietet die mitgelieferte TransFlash-Karte zusätzliche 32 MByte. In puncto PIM-Funktionen und WAP-Browser gleichen sich beide Motorola-Handys ebenfalls.
Anders sieht es bei der Ausstattung an Schnittstellen aus: Das V980 verfĂĽgt weder ĂĽber Bluetooth noch ĂĽber eine IrDA-Schnittstelle. Beim Einsatz als Modem muss daher das mitgelieferte USB-Kabel zum Einsatz kommen. Beim UMTS-Durchsatz liegt das Einsteigermodell mit bis zu 43 KByte/s noch vor seinem groĂźen Bruder.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Nokia 6630
Mit dem 6630 hat Nokia das erste Symbian/Series-60-Smartphone auf den Markt gebracht, das auch im UMTS-Netz funkt. Das kompakte Gerät unterscheidet sich äußerlich kaum von den GSM-Smartphones des finnischen Marktführers. Die Wähltasten liegen zwar enger beieinander als bei den Klapphandys, doch lassen sie sich gut bedienen. Ein Lichtsensor passt die Hintergrundbeleuchtung des großflächigen Farbdisplays automatisch der Umgebungshelligkeit an. Beim Telefonieren störte ein leises, aber deutliches Rauschen die sonst gute Sprachverbindung.
Anders als bei den Motorola-Handys kann man die im 6630 eingesetzte Speicherkarte, eine halblange MMCard, auch im Betrieb wechseln. Die mitgelieferte Karte fasst großzügige 64 MByte. Die Linse der Megapixelkamera liegt griffgünstig auf der Rückseite, ein Gummiring schützt sie vor Fettfingern. Eine Fotoleuchte fehlt. Die Ergebnisse der Kamera können sich sehen lassen: Fotos zeigen gute Kontraste und deutliche Tiefenzeichnung, bis auf Gelb gibt die Kamera Farben recht natürlich wieder. Auch gibt es nur wenig störende Artefakte. Auch Videoaufnahmen spielt das 6630 flüssig und mit gutem Ton wieder ab.
Mit seiner umfangreichen Softwareausstattung setzt sich das Smartphone von den anderen Testkandidaten ab: Außer den guten PIM-Funktionen der Series-60-Geräte gibt es unter anderem Betrachter für Excel- und Word-Dateien, einen Dateimanager sowie Editoren für Bilder und Videos. Der schnelle Browser des 6630 zeigt WAP- und HTML-Seiten an, wobei letztere auch Javascript enthalten dürfen. Dabei formatiert er dank der von Opera stammenden SSR-Technik (Small Screen Rendering) große Webseiten so um, dass man nur noch vertikal scrollen muss, um die ganze Seite zu betrachten.
Unsere Test-MP3-Dateien spielte der integrierte Realplayer mit allen festen und variablen Bitraten ab und hatte auch mit MP3pro und mit 48 kHz gesampleten Quellen keine Probleme. Das WMA-Format erkannte er jedoch nicht.
Bei der Verbindung der Smartphones mit PCs oder anderen Mobiltelefonen setzt Nokia seit je her auf Bluetooth (Bluetooth-Datenbank: Nokia 6630). Das 6630 nutzt den Kurzstreckenfunk auch fĂĽr die Ăśbermittlung beliebiger Daten oder die Verbindung mit Funk-Headsets. Als Funkmodem ĂĽberzeugt das Smartphone mit hohem UMTS-Durchsatz. Nokia gibt die UMTS-Sendegeschwindigkeit des 6630 mit 128 kBit/s an, was bislang aber kein deutsches Netz unterstĂĽtzt.
Samsung SGH-Z107
Auch das Z107 unterscheidet sich von den Abmessungen her nicht mehr von vielen GSM-Modellen des koreanischen Herstellers. Der mitgelieferte Zweitakku erhöht zwar die Laufzeit des Handys, verdickt das Gerät dafür aber um vier Millimeter. Um den Zweitakku auch ohne Handy laden zu können, legt Samsung eine passende Ladeschale bei.
Gut gefielen uns das große und kontraststarke Farbdisplay, das ebenfalls farbige Zweitdisplay in OLED-Technik und die großflächige präzise Tastatur. Die um 180 Grad schwenkbare VGA-Kamera sitzt mittig in der Achse zwischen Tastatur- und Displayteil und dient wahlweise zum Videofonieren oder zum Ablichten der Umgebung. Bei jedem Umschwenken muss man die Bildlage von Hand umschalten, da das Bild sonst auf dem Kopf steht.
Die Kamera produziert Fotos mit guten Kontrasten und einer brauchbaren Tiefenzeichnung, doch sind die Ergebnisse überschärft und verrauscht. Das leichte Rauschen beim Telefonieren stört kaum, das Z107 bietet eine gute Verständigung. Beim Videotelefonieren erhöht das UMTS-Handy die Lautstärke, sodass man in ruhiger Umgebung auch ohne Headset auskommt. Bei normalen Telefonaten steht die Funktion jedoch nicht zur Verfügung.
Mit Organizerfunktionen ist das Z107 relativ gut bestückt, doch gibt es im Telefonbuch für Anschriften nur ein maximal 100 Zeichen fassendes Notizenfeld. Auch auf Sprachwahl muss der Nutzer verzichten. Ein Druck auf den rechten Softkey startet sofort eine WAP-Verbindung zum voreingestellten Portal. Beim WAPpen gehen andere Browser schneller zu Werke, auch kam es hin und wieder zu Verbindungsabbrüchen. Für die PC-Verbindung legt Samsung ein USB-Kabel mit Ladefunktion bei. Wer das Handy oft am Notebook betreibt, kann so schon mal auf das Ladegerät verzichten. Als Funkmodem glänzt das Z107 mit hohem UMTS-Durchsatz. Via GPRS nutzte es in Senderichtung dagegen nur einen Kanal, obwohl das Handy laut Herstellerangabe zum Datenversand bis zu zwei Kanäle bündeln kann.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Samsung SGH-Z110
Das Samsung Z110 gleicht in vielen Details dem Z107, hat dem kleineren Modell jedoch eine höhere Display-Auflösung, eine IrDA-Schnittstelle, einen Slot für kurze MMCards und eine Megapixelkamera voraus. Die Kamera sitzt in der Achse des Klapphandys und ist um etwa 180 Grad schwenkbar, sodass sie sowohl für Schnappschüsse und Video-Clips als auch für Videotelefonate taugt. Wird sie nicht gebraucht, lässt sie sich in der Achse versenken. Die großflächigen, sehr gut bedienbaren Tasten des Z110 besitzen einen deutlichen Druckpunkt. Samsung liefert einen Zweitakku und eine Ladeschale mit.
Beim Telefonieren überzeugt das UMTS-Handy mit guter Sprachqualität. Ein Druck auf die OK-Taste in der Mitte des Steuerkreuzes aktiviert während des Telefonats die Freisprechfunktion. Für Videoanrufe gibt es eine eigene Taste, mit der sich Bildverbindungen genau so einfach wie Sprachverbindungen aufbauen lassen. Ein kleines Fenster am oberen Rand des Displays zeigt dabei das eigene Konterfei so, wie es beim Gegenüber ankommt. Das übertragene Videobild ist durchaus ansehnlich, ruckelt jedoch bei Bewegungen deutlich.
Die Kamerafunktion zeigt im Sucherbild nur einen Teil des Motivs, was die Wahl des Bildausschnitts erschwert. Die Bilder weisen einen Blaustich und nur mäßige Schärfe auf, die zum unteren Rand hin noch weiter abnimmt. Der Mediaplayer spielt nicht nur Videos, sondern auch digitale Musik im MP3-Format mit Kodierraten zwischen 64 und 320 kBit/s ab und kommt auch mit variablen Bitraten und MP3pro-Dateien klar. AAC- und WMA-Formate gibt er nicht wieder. Als Wechselspeicher dient eine halblange MMCard, die sich nur nach Entfernen des Akkus tauschen lässt.
Das Z110 wartet mit guten Organizer-Funktionen auf. Das Adressbuch speichert unter anderem bis zu zwei Postanschriften pro Eintrag. Der Terminkalender unterscheidet zwischen zeitlich begrenzten Ereignissen wie Terminen, Geburtstagen und termingebundenen Aufgaben. Adressen kann man via IrDA auf andere Handys ĂĽbertragen, eine Bluetooth-Funkschnittstelle fehlt. Der Browser stellt WAP-Seiten zĂĽgig dar. Wer das UMTS-Handy als Funkmodem mit einem Notebook nutzen will, sollte zum mitgelieferten USB-Kabel greifen.
Sharp V902
Das V902 von Sharp lockt vor allem mit seinen Fotofähigkeiten und gleicht zusammengeklappt einer Digitalkamera. Als eines der ersten Mobiltelefone besitzt es ein Autofokus-Objektiv mit optischem Zweifach-Zoom und einen Fotochip mit zwei Megapixeln. Das große, aber noch handliche Handy zeigt Menüs, Videos und Bilder auf einem exzellenten Farbdisplay an, das sich um 180 Grad schwenken lässt und zugeklappt als Sucher für die Kamera dient.
Die Sprachqualität des V902 gefiel uns gut, die Freisprechfunktion kann man erst nach dem Verbindungsaufbau über das Optionen-Menü aktivieren. Für Videotelefonate besitzt das Handy eine zweite Kamera über dem Display, eine separate Videoanruf-Taste fehlt.
Wer Fotos und Videoclips mehreren Zuschauern gleichzeitig vorführen möchte, kann das Knips-Handy mittels der mitgelieferten Kabel an einen Fernseher anschließen. Beim Fotografieren fällt der lahme Autofokus auf, der bis zu drei Sekunden zum Scharfstellen braucht – zu langsam für bewegte Motive. Die SD-Speicherkarte ist auch im Betrieb wechselbar. Ein Symbol in der obersten Displayzeile meldet Zugriffe auf die Wechselkarte. Während eines Schreib/Lese-Vorgangs sollte man das Speichermedium nicht entfernen.
Die Fotos sind scharf und zeigen kräftige Farben, doch nimmt die Schärfe zu den Ecken des Bildes hin ab. Videos zeichnet das V902 maximal mit seiner Displayauflösung von 240 x 320 Pixeln auf und gibt sie ruckelfrei und in guter Qualität wieder. Der MP3-Player enttäuschte, da er nur MP3s mit festen Bitraten zwischen 64 und 192 kBit/s abspielen wollte. Gut gefiel uns dagegen die Headset-Lösung: Sharp liefert einen Adapter für den Audio/Video-Anschluss des Handys mit, der Mikrofon, Annahmetaste und eine Buchse für 3,5er Klinkenstecker enthält, an die man beliebige Kopfhörer anschließen kann.
Zu den üblichen Organizer-Funktionen kommen beim V902 eine Finanzverwaltung und eine Scanner-Anwendung, die die Kamera zum Einlesen von Strichcodes nutzt. Das WAPpen macht mit dem trägen Browser nur in UMTS-Netzen Spaß, via GPRS brauchte er für den Seitenaufbau sehr lange. Für Verbindungen mit PCs stehen wahlweise IrDA oder Bluetooth (Bluetooth-Datenbank: Sharp V902) bereit. Will man das V902 via Bluetooth mit anderen Geräten koppeln, sollte man dies über das Handy initiieren, da es Kopplungsanfragen von Fremdgeräten ignoriert. Beim Datenversand via GPRS nutzte das Sharp-Handy nur einen Kanal, obwohl es als Klasse-10b-Gerät auch zwei Kanäle bündeln können müsste.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Sony Ericsson V800
Das lange Klapphandy V800 ist mit seinem eckigen Gehäuse nicht gerade ein Handschmeichler, gefällt aber mit seinem kühlen, funktionalen Design. Die schmalen Wähltasten liegen tief im Gehäuse, was beim Tippen kaum stört. Das kontraststarke Farbdisplay lässt sich gut lesen. Der Gesprächspartner klingt beim Telefonieren etwas blechern, ist jedoch gut zu verstehen.
Das V800 besitzt eine drehbare Kamera, die sowohl zum Fotografieren als auch beim Videofonieren zum Einsatz kommt. Auf beiden Seiten der Linse sitzen leuchtstarke LEDs als Fotolicht, die man über eine Taste an der Seite auch manuell einschalten kann – praktisch für die Schlüssellochsuche im Dunklen. Die Bilder der 1,3-Megapixelkamera geben Motive mit guter Schärfe wieder. Störend sind dagegen das starke Bildrauschen und die flauen Kontraste. Bei Kunstlicht wirken Farben natürlicher als bei Tageslichtaufnahmen. Videos gibt das Handy flüssig wieder, hin und wieder treten Klötzchen-Artefakte auf.
Der Media-Player spielt alle MP3-Formate in guter Qualität ab, WMA kennt er nicht. Das mitgelieferte Stereo-Headset klingt ordentlich. Sony Ericsson setzt bei Wechselmedien wie üblich auf den hauseigenen Memory Stick Duo. Das V800 erkennt auch dessen Pro-Version, die mit Kapazitäten bis zu einem Gigabyte verfügbar ist. Auch bei den Organizerfunktionen bleibt wenig zu wünschen übrig.
Der WAP-Browser braucht etwas Zeit zum Laden und Darstellen der Seiten, wobei stört, dass sich die Hintergrundbeleuchtung jeweils nach 15 Sekunden abschaltet. Aus Ausweg bleibt nur, sie dauerhaft einzuschalten – nicht gerade stromsparend. Auch das V800 nutzt Bluetooth (Bluetooth-Datenbank: Sony Ericsson V800) für die Verbindung zu anderen Geräten. Als Funkmodem eingesetzt, erreicht es gute UMTS-Durchsätze, beim Datenversand über GPRS muss man sich jedoch mit einem Kanal begnügen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||
Fazit
Mit den neuen UMTS-Handys zielen die Netzanbieter zwar vor allem auf Multimedia-Freunde, bieten jedoch auch dem auf einen Internet-Zugang angewiesenen mobilen Geschäftsmann die notwendigen Funktionen. Alle Mobiltelefone lieferten im UMTS-Netz hohe Durchsätze, wobei im Durchsatz-Test gerade die günstigeren Modelle vor den teureren Geräten lagen. Bequemer geht es mit den Bluetooth-fähigen Handys, da man auf die Verkabelung verzichten kann. Wem ein WAP-Browser nicht ausreicht, der kann auch ohne Notebook mit dem Nokia 6630 HTML-Seiten betrachten.
Mit vCards können alle Geräte umgehen, die Synchronisationsschnittstelle SyncML wird lediglich von den Nokia- und Sony-Ericsson-Geräten unterstützt. Wer weitergehende Ansprüche an die Organizerfunktionen hat, sollte zu einem Symbian-Gerät wie dem Nokia 6630 greifen.
Gute Kameras bieten das Nokia, das Sony Ericsson und das Sharp V902, das die höchste Kameraauflösung besitzt. Mit Abstrichen eignet sich auch das Motorola E1000 für Schnappschüsse. Die VGA-Kameras des V980 und des Samsung Z107 reichen nur für Bilder zum Versenden als MMS. Die Kameras dürften jedoch selbst für Privatanwender noch kein wirklich entscheidendes Kaufkriterium sein; wer sein Handy gelegentlich beim Pförtner lassen muss, setzt wohl eh auf ein Handy ohne Kamerafunktion.
Das Sharp V902 lockt zwar mit beeindruckenden Multimedia-Features, doch geht dies zu Lasten der Akkulaufzeit: Selbst bei mäßiger Nutzung hielt das Foto-Handy gerade mal einen Tag ohne Ladegerät durch. Als Digitalkamera-Ersatz eignet es sich wegen des langsamen Autofokus und der umständlicheren Handhabung noch nicht, doch ist das V902 richtungsweisend. So dürfte es nicht mehr lange dauern, bis ein Foto-Handy einfachen Digi-Cams Paroli bieten kann.
Wer das Handy auch als MP3-Spieler nutzen will, ist mit dem 6630 oder dem Sony Ericsson V800 gut beraten, deren Speicherkarten auch im Betrieb wechselbar sind. Gleiches gilt mit Einschränkungen auch für das Sharp V902. Das günstigere V980 von Motorola taugt ebenfalls als MP3-Player, doch muss man es vor dem Speicherkartenwechsel abschalten. Ebenso verhält es sich mit dem E1000 und dem Samsung Z110. (rop)