Aufgefrischt
Notebooks vollziehen mit einem neuen Chipsatz den Technologie-Umschwung der Desktop-PCs nach. PCI-Express, DDR2-Speicher, verbesserte Audiofähigkeiten und Serial-ATA-Festplatten sind nun nicht mehr allein stationären Geräten vorbehalten.
Bei Desktop-PCs ist seit einigen Monaten der Umschwung zu PCI Express, DDR2-Speicher, verbesserten Audiofähigkeiten und Serial-ATA-Festplatten im Gang. In Notebooks kam keine dieser Techniken zum Einsatz, bis Intel Anfang des Jahres den unter dem Codenamen Alviso entwickelten Chipsatz Mobile 915 vorgestellt hat. Er kleckert nicht, sondern klotzt direkt mit all diesen Neuerungen auf einmal.
Mit dem Mobile 915 unterzieht Intel endlich auch den Chipsatz des Centrino-Pakets einer Generalüberholung, nachdem Prozessor und WLAN-Modul schon einige Updates erfahren haben. Anfang 2003 hat Intel den Marketingbegriff Centrino für die Kombination aus Pentium M, i855-Chipsatz und hauseigenem WLAN-Modul eingeführt, und seitdem sehen ihn immer mehr Käufer als Garant für leichte, leise und lange laufende Notebooks. Ganz falsch liegen sie damit nicht, denn tatsächlich erschienen nur wenige Centrino-Modelle mit dem i855-Chipsatz, die den Anwender mit hohem Gewicht, lauten Lüftern oder kurzer Laufzeit nervten.
Diesen guten Ruf hat besonders der Pentium M gefördert, weil er fast so schnell wie die Desktop-Prozessoren Pentium 4 oder Athlon 64 arbeitet, aber deutlich weniger Leistung aufnimmt. Doch auch der Chipsatz i855 hat zum Erfolg beigetragen. Lediglich beim WLAN schien Centrino zunächst eher ein Trick zu sein, reihenweise langsame WLAN-Module nach IEEE 802.11b zu einem Zeitpunkt verkaufen zu können, als von anderen Herstellern schon lange 802.11g-Chips erhältlich waren. Inzwischen bietet Intel ebenfalls Module mit 802.11a, 11g oder 11a/b/g an, und der zugehörige Verbindungsmanager hat eine praktikable Reife erlangt.
Schnell angebunden
Den Entwicklungen der Desktop-PCs hinkt der i855-Chipsatz jedoch mittlerweile deutlich hinterher, was der Mobile 915 aufholen soll: Die Northbridge kommt mit renoviertem Speicherinterface, beschleunigtem Frontsidebus (FSB) und komplett neuer Grafikchipanbindung. Der Prozessor ist mit FSB533 statt FSB400 angebunden, passende Pentium-M-Versionen stellt Intel ebenfalls vor. Das Speicherinterface unterstützt DDR2-Chips (PC2-3200, PC2-4200), die zwar bei gleichem Takt keinen wesentlichen Vorteil gegenüber den bisherigen DDR-Chips haben, aber höhere Taktraten erreichen und daher besser zum FSB533 passen. Zusätzlich hat der i915PM zwei Speicherkanäle, was vor allem Chipsätze mit integrierter Grafik beschleunigt.
Beim i915PM ist die Grafik nicht per AGP-4X angebunden, sondern per PEG (PCI Express for Graphics), was den Einsatz aktueller 3D-Chips von ATI und Nvidia ermöglicht. Beim i915GM hat Intel die eingebaute Grafik im Vergleich zum i855GM deutlich aufgemotzt, sie liegt nun fast auf dem Niveau vom ATI Mobility Radeon 9000. Der dritte neue Chipsatz i915GMS ist speziell auf Subnotebooks zugeschnitten. Er hat eine kleinere Grundfläche (27 statt 37,5 mm2) und weniger Funktionen: Der zweite Speicherkanal fehlt, der Grafikkern arbeitet mit maximal 160 MHz, der Frontsidebus läuft nur mit FSB400.
Der i915 führt einen neuen Standard für PCMCIA-Steckkarten ein, die ExpressCards. Sie sind per PCI Express oder USB 2.0 angebunden und kleiner als die aktuellen Cardbus- oder PC-Card-Karten. Allerdings sind bislang noch keine Karten lieferbar. Erwartet werden Netzwerkkarten mit Gigabit-LAN und TV-Tuner. Die Notebooks haben daher auch einen Einschub für die herkömmlichen Steckkarten und den ExpressCard-Schacht höchstens zusätzlich, wenn überhaupt.
Die Festplatte kann beim i915 per Serial-ATA (SATA) angeschlossen werden, was keine wesentlichen Vorteile bringt, sondern nur Detailverbesserungen. Die Sound-Ausgabe soll per High Definition Audio (HDA) geschehen, was höhere Samplingraten oder eine bessere Unterstützung für Mehrkanalton ermöglicht. In vielen Notebooks sitzen aber noch herkömmliche AC97-Soundcodecs. Geblieben sind die maximal acht USB-2.0-Anschlüsse, die zwei IDE-Kanäle, der 10/100-MBit-fähige LAN-Port und der PCI-Bus beispielsweise zum Anschluss von FireWire.
Der neue Pentium M mit FSB533 nutzt den gleichen Kern wie bisher (Dothan, 2 MByte L2-Cache, 90-nm-Fertigung) und ist in ähnlichen Geschwindigkeitsstufen mit maximal 2,13 GHz lieferbar. Die Thermal Design Power (entscheidend für die Kühlleistung der Notebooks) steigt allerdings von 21 auf 27 Watt. Somit müssen die Sonoma-Notebooks 30 Prozent mehr Abwärme wegkühlen können, was kräftigere Kühlsysteme erfordert und zu potenziell lauteren Notebooks führt.
Das neue Execute-Disable-Bit (EDB, XDBit, auch No-Execution-Flag, Enhanced Virus Protection oder Data Execution Prevention, DEP genannt) verhindert, dass der Prozessor Code in Stack- und Datenbereichen ausführt, was das System vor einigen Hackerangriffen schützt. Linux unterstützt diesen Schutz und Microsoft bei Windows XP mit dem Service Pack 2.
Fazit
Die neue Centrino-Generation ändert für den Anwender wenig: Er sitzt vor dem gleichen Display, bedient die gleiche Tastatur und dürfte etwa die gleiche Laufzeit erzielen. Doch die tief greifenden Architekturumbauten bereiten den Weg in die Zukunft vor.
Die interessanteste Änderung dürften PCI Express und die damit verbundenen neuen Grafikchips sein. Mehr Geschwindigkeit als der beliebte AGP-Chip ATI Radeon Mobility erzielen aber erst der Radeon Mobility X700 und X800 oder der Nvidia GeForce Go 6600 und 6800. PCI Express erweist sich allerdings als Stromfresser, sodass die Laufzeit sinkt und der Lüfterlärm steigt.
Der DDR2-Speicher und schnellere Frontsidebus bringen die Geschwindigkeit der Notebooks noch dichter an die der Desktop-PCs heran. Die höhere Thermal Design Power lässt allerdings einen wachsenden Anteil an lauten Centrino-Notebooks befürchten. Zudem sind die schnellen Versionen des Pentium M so teuer, dass Athlon 64 oder Pentium 4 weiterhin ihre Käufer finden werden.
Den größten Geschwindigkeitssprung verzeichnen Notebooks mit integrierter Grafik: Der i915GM profitiert insbesondere in 3D-Anwendungen von der schnelleren Speicheranbindung und den Verbesserungen am Grafikkern – er dürfte einen separaten Grafikchip oftmals überflüssig machen. (jow) (ll)