Schnell abgelegt
Immer mehr SD- und MMC-Karten versprechen mit Namenszusätzen wie "High Speed", "Turbo" oder "Pro" eine hohe Geschwindigkeit. Doch nur mit dem passenden Flashkartenleser kommen die Daten auch schnell in den PC.
- Daniel LĂĽders
Ob Handy, Smartphone oder Digitalkamera: Immer mehr Geräte nutzen als Speichermedien smarte Flash-Karten im Briefmarkenformat. Im reichhaltigen Angebot an MultiMediaCards und SD Cards versprechen immer mehr Karten mit Namenszusätzen wie "High Speed", "Turbo" oder "Pro" eine hohe Geschwindigkeit. Wir haben nachgemessen.
MMC- und SecureDigital-Kartenslots findet man heute in fast jeder Geräteklasse. Kein Wunder also, dass fast jede dritte verkaufte Flash-Karte ein SD- oder MMC-Modul ist. Die robusten Mini-Module stecken grobe Erschütterungen und extreme Temperaturen locker weg, passen in jede Brieftasche und sind in Kapazitäten von bis zu zwei Gigabyte verfügbar.
Die SD-Karten von Point Computer haben zusätzlich eine USB-Schnittstelle.
Üblicherweise bestücken die Hersteller ihre Geräte mit einem Slot, in den sowohl MultiMediaCards als auch SecureDigital-Karten passen (SD/MMC-Slot). Nur wenige Geräte nehmen nur einen der beiden Kartentypen auf.
Einige aktuelle Smartphones haben sogar nur Platz für die verkleinerte Bauform der SD (Mini-SD) oder MMC (Reduced-Size-MMC). Da den Mini-Karten beider Typen immer ein Adapter beiliegt, passen sie auch in gewöhnliche SD/MMC-Slots und verhalten sich dort wie ihre großen Brüder.
MultiMediaCard
Der MMC-Standard wurde bereits 1997 von der Siemens-Tochter Intgenix in Partnerschaft mit SanDisk ins Leben gerufen. Firmen, die den MMC-Standard verwenden wollen, mĂĽssen keine LizenzgebĂĽhren an die MultiMediaCard Association zahlen.
Die aktuelle Spezifikation trägt die Versionsnummer 4.0. Zwar sieht diese Version schon Karten mit 4- oder 8-Bit-Bus und einem Bustakt bis zu 52 MHz vor; doch alle aktuellen MultiMediaCards übertragen ihre Daten immer noch auf einem ein Bit breiten Bus bei einem Takt von 20 MHz, was eine theoretische Übertragungsrate von maximal 2,5 MByte/s ergibt.
Die erwarteten schnelleren MultiMediaCards nach der aktuellen Spezifikation sollen 13 statt bisher nur 7 Anschlüsse besitzen und bis zu 52 MByte/s übertragen, allerdings auch nur in dafür vorgesehenen Slots. In den alten Schächten werden sie genauso lahm arbeiten wie bisher.
Sicherheitskarten
Im Jahre 2001 entwickelte SanDisk die SecureDigital-Karte auf Basis des MMC-Standards. Der Name SecureDigital rührt von zusätzlichen Hardware-Funktionen für das Digital Rights Management (DRM) her. Mittels eines vom Nutzer nicht einsehbaren Speicherbereichs soll die Karte das unrechtmäßige Abspielen geschützter Medien-Dateien unterbinden. Da die genaue Spezifikation unter Verschluss ist und nur von den zahlenden Lizenznehmern der SDCard Association eingesehen werden kann, sind kaum Details über die DRM-Funktionen bekannt. Es scheint aber, als würden diese mehr schaden als nützen. Leser berichten uns gelegentlich von SD Cards, die sich plötzlich nicht mehr ansprechen lassen, was laut Aussage von Händlern mit dem geschützten Speicherbereich zusammenhängt. Bei MMC ist uns dieses Phänomen noch nicht begegnet.
Anders als die MMC übertragen die meisten aktuellen SD Cards Daten bei 25 MHz Takt parallel über einen 4 Bit breiten Bus, was eine Übertragungsrate von bis zu 12,5 MByte/s ermöglicht. Die SD Card ist etwas dicker als die MMC und hat zwei Anschlüsse mehr sowie einen praktischen Schreibschutzschalter.
Die aktuelle Spezifikation 1.1 – seit vorigem Jahr fertig – erlaubt auch SD-Karten mit 50 MHz Takt, die dann mehr als 20 MByte/s übertragen können, allerdings wiederum nur, wenn der Kartenleser mitspielt. Panasonic bietet mit seiner Pro-Serie bereits Karten und einen passenden Cardbus32-Leser an. SanDisks Extreme-III-Kartenserie mit ähnlichen Leistungsdaten steht in den Startlöchern.
Karten mit werbewirksamen Bezeichnungen wie "High Speed", "Ultra" oder "Elite Pro" laufen gewöhnlich noch mit 25 MHz, besitzen aber einen flinkeren Controller als die Standard-Karten, welcher insbesondere Schreibvorgänge beschleunigt.
Rennparcours
Wir haben insgesamt 45 Flash-Karten in unsere Lesegeräte gesteckt, davon 23 SD-Karten, 8 Mini-SD-Karten, 9 MMC-Module und 5 Reduced-Size-MMC. Als Besonderheit besitzt die SD Card von Point Computer zusätzlich eine USB-Schnittstelle. So können sich PC-Nutzer ohne SD-Slot den Kartenleser sparen.
Den kleinen Versionen von SD Card und MMC liegen Adapter bei, sodass sie auch in gewöhnliche SD/MMC-Slots passen. Einzeln sind die Adapter nicht erhältlich.
Um die Datenübertragungsrate zu messen, verwendeten wir einen USB2-Kartenleser von Transcend, einen Cardbus32-Leser von Delkin und den Cardbus32-Pro-Reader von Panasonic. Wie die Testergebnisse zeigen, hängt die erzielbare Übertragungsrate vom Zusammenspiel zwischen Speicherkarte und Kartenleser ab. So bremst der Delkin-Leser alle SD-Karten aus, wogegen MMC in ihm am schnellsten laufen. Beim Panasonic-Reader ist es umgekehrt: Er bremst MMC und kitzelt aus SD Cards die höchste Leistung heraus. Repräsentativ für einen über USB angeschlossenen Kartenleser haben wir alle Karten zusätzlich in dem USB2-Leser von Transcend getestet. Für die Messung der Datentransferrate kam unser Festplattenbenchmark H2benchw zum Einsatz. Einige Kartenleser wollten bestimmte Karten gar nicht erkennen wie im Fall der PNY- und Transcend-Mini-SD-Karten, die im USB-Kartenleser (obwohl von Transcend selbst) nicht funktionierten.
Blitztest
Wie zu erwarten, erreichte – bedingt durch den langsamen Bus – kaum eine MultiMediaCard oder RS-MMC Transfergeschwindigkeiten von mehr als 2 MByte/s. Zum Abspielen von MP3 und Video reicht das aus, aber professionelle Fotografen brauchen Flotteres.
Wegen ihres schnelleren und breiteren Datenbusses ĂĽbertragen SD- und Mini-SD-Karten fixer als MMC-Module. Durchschnittlich 6 MByte/s und besser schaufelten die Karten im Test per USB- und Cardbus32-Pro-Cardreader zur Gegenstelle. Die Panasonic-Pro-Karte zog mit ĂĽberragenden 14 MByte/s lesenderweise im Pro-Reader an allen anderen vorbei.
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Beim Schreibtest trennt sich die Spreu vom Weizen: Einige Karten blieben hier in allen Readern unter 2,5 MByte/s Datenübertragungsrate. Die 128- und 256-MByte-Karten von Kingston enttäuschten mit lahmen 1,8 MByte/s Schreibgeschwindigkeit. Die Kingston-Karte mit 512 MByte erreichte bessere Transferraten. Auch bei Toshiba ist die 1-GByte-Karte schneller als die mit 512 MByte, was der Hersteller dadurch erklärt, dass in aktuellen Karten mit hoher Kapazität die modernere Controller-Technik steckt.
Obwohl nicht als schnelle Karten beworben, schrieben die Verbatim- und Ultron-Module im USB-Kartenleser mehr als doppelt so schnell und im Pro-Reader sogar über 7 MByte/s weshalb sie sich mit Recht zu den Hochgeschwindigkeitskarten zählen dürfen. Immerhin noch weit über 2,5 MByte/s blieben die SD-Module von PNY, Point Computer, Sandisk und Hama.
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Ob von Toshiba, Panasonic, SanDisk, Kingston, Lexar, Hama, PNY oder Transcend: Alle mit Highspeed-, Pro- und anderen werbewirksamen Bezeichnungen versehenen Karten hielten im Großen und Ganzen was sie versprachen und schoben mindestens 4 MByte/s in ihren Speicher. Als Karte mit der schnellsten Schreibgeschwindigkeit – zumindest im Pro-Reader von Panasonic – erwies sich die 512-MByte-Karte von Ultron.
Fazit
Für Video, MP3 und die gewöhnliche Urlaubsknipse reichen selbst die langsamsten aktuellen MMC-Module aus. Sollte die Entscheidung auf diesen Kartentyp fallen, kann man getrost zur billigsten MMC greifen, da sich die Karten kaum in ihrer Übertragungsgeschwindigkeit unterscheiden. Wer allerdings schnelle Bildfolgen aufnehmen will oder große Datenmengen von einem Ort zum anderen kopieren möchte, kommt um die SD-Karte nicht herum. Fürs schnelle Bilderknipsen muss auf Karten nicht unbedingt High Speed draufstehen. Das beweisen die Karten von Verbatim und Ultron. Will man aber kein Risiko eingehen, greift man besser zur "verbrieften" Hochgeschwindigkeitskarte, die zudem meist mit einer längeren Garantiezeit von bis zu zehn Jahren aufwartet. Smartphone-Besitzer mit für spezielle Kartentypen zugeschnittenen Slots müssen zu den meist etwas teureren Mini-SD-Karten oder RS-MMCs greifen, die es bisher noch nicht in High-Speed-Versionen gibt.
Die Krone in der Disziplin der schnellen Datenübertragung tragen aktuell die Pro-Karten der Firma Panasonic, allerdings nur lesenderweise und mit dem dazugehörigen Cardbus32-Kartenleser, der alle Features der Karte ausreizt. (dal)