Fenster für die Kleinen

Wer mit seinem Handy nicht nur telefonieren, sondern auch Adresslisten pflegen, Termine verwalten, Musik hören, surfen und Zugriff auf weitere Software haben will, braucht ein Smartphone.

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Wer mit seinem Handy nicht nur telefonieren, sondern auch Adresslisten pflegen, Termine verwalten, Musik hören, surfen und Zugriff auf weitere Software haben will, braucht ein Smartphone. Außer Geräten mit Symbian oder Palm OS gibt es inzwischen auch PDA-Telefone mit Microsofts Windows-Mobile-System.

Der größte Teil aller verkauften PDAs ist derzeit mit Windows ausgestattet. Nun will Microsoft auch bei Handys Marktanteile erobern. Mittlerweile gibt es immerhin eine Hand voll verschiedener Mobiltelefone, die mit Windows Mobile 2003 für Smartphones Second Edition, Microsofts aktuellem Handy-Betriebssystem, ausgerüstet sind. Anders als die Pocket-PC-Version lässt es sich nicht per Touchscreen steuern und unterscheidet sich zum Teil in der Software-Ausstattung. Viele der mitgelieferten Anwendungen wie Kontakte, Kalender, Internet Explorer und der Media Player kommen Pocket-PC-Anwendern dagegen sofort bekannt vor.

Das Windows-Mobile-System der Smartphones trägt zwar die gleiche Bezeichnung wie die Version für Pocket-PCs und Funk-PDAs, kann jedoch deren Programme nicht ausführen. Die Hersteller weisen auf diese Software-Inkompatibilität nicht hin.

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Das Motorola MPx220 ist das einzige Klapphandy im Testfeld.

Zu den hierzulande angebotenen Windows-Smartphones gehören das von T-Mobile vertriebene SDA und dessen Variante SDA music, das Sagem MyS-7, das vor allem als Medion-Gerät im Navigationspaket der Handelskette Real Bekanntheit erlangte, und das Klappmodell MPx220 von Motorola, das über eine Megapixelkamera verfügt. Wir haben diese Modelle genauer unter die Lupe genommen.

In der Größe unterscheiden sich die Testkandidaten nicht von üblichen Multimedia-Handys. Für Eingaben steht die Wähltastatur zur Verfügung, durch die Menüs manövriert man mittels eines kleinen Joysticks (MyS-7 und die SDA-Modelle) oder eines Steuerkreuzes (MPx220). Das Schreiben längerer E-Mails ist mit der Wähltastatur mühsam. Als Eingabehilfe gibt es T9 oder das iTAP-System des Motorola MPx220. Die Displays unterscheiden sich nur in der Größe, die Auflösung beträgt bei allen Modellen 176 x 220 Pixel. Auch eine Kamera, mit der sich Schnappschüsse knipsen und Videos aufnehmen lassen, besitzen alle.

Mobiles Fensterln

Nach dem Einschalten eines Windows-Handys braucht der Anwender zunächst Geduld: Es dauert 45 bis 50 Sekunden, bis die Abfrage der PIN erscheint. Selbst die langsamen Symbian-Geräte mit der Bedienoberfläche Series-60 benötigen maximal 25 Sekunden, ein Treo-Smartphone mit Palm OS ist schon nach sieben Sekunden betriebsbereit.

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Das SDA von T-Mobile gibt es auch in einer Musikversion mit Sondertasten für den Media-Player.

Die Bereitschaftsanzeige von Windows Mobile zeigt außer Netz- und Akkustatus auch anstehende Termine und neue E-Mails, Kurznachrichten und MMS an. Über den linken Softkey erreicht man das Hauptmenü. Während bei Handys die verschiedenen Anwendungen meist nach Funktionsgruppen geordnet in Untermenüs zu finden sind, besitzen die Windows-Handys eine lange Liste, von der man nur acht Einträge zu Gesicht bekommt. Über "Weitere..." erreicht man den nächsten Menüteil. Je mehr Anwendungen installiert sind, desto öfter blättert man, um die ganze Liste einzusehen.

Die flexiblen Organizeranwendungen Kontakte, Kalender und Aufgaben bieten zahlreiche Optionen. Infolge des kleineren Displays leidet jedoch manchmal die Übersichtlichkeit. Bei Handy-typischen Funktionen wie dem MMS-Versand gibt es für Microsoft noch viel zu tun: So findet man die Konfiguration des Multimedia-Nachrichtendienstes teils in den Einstellungen der Datenverbindungen, teils unter Nachrichten, im Hauptmenü oder in zusätzlichen Unterordnern. Wohl dem, der ein vorkonfiguriertes Smartphone vom Provider kauft.

Beim Start vieler Anwendungen legt das System eine Pause von zwei bis drei Sekunden ein, bis sich etwas tut. Je mehr Anwendungen man genutzt hat, desto langsamer reagiert das Smartphone, da die Programme nach Rückkehr ins Hauptmenü im Hintergrund weiterlaufen und den Speicher fragmentieren. Abhilfe schafft nur der Taskmanager, der bei den SDAs "Aufgaben-Manager" heißt, was schnell zu Verwechslungen mit der Organizerfunktion führt. Beim MyS-7 fehlt der Taskmanager ganz. Sagem empfiehlt, bei Speicherproblemen das Smartphone ab- und wieder einzuschalten. Besser installiert man Tools wie die Resco Power Toys, die einen Taskmanager enthalten (www.resco-net.com, Demo-Version gratis, Vollversion 10 US-Dollar).

Dem Windows-Mobile-System mangelt es an einer einheitlichen Bedienung: Die Rückschritt-Taste funktioniert nicht überall. Manchmal liegt diese Funktion auf einem der Softkeys, manchmal findet sie sich auch erst in einem Untermenü. Im Test stürzten alle Geräte hin und wieder ab, etwa beim SMS-Versand oder beim Herunterladen von E-Mails.

Ab ins Internet

Zum Surfen und dem Betrachten von WAP-Seiten nutzt man den Pocket Internet Explorer. Von größeren Webseiten zeigt er nur einen Ausschnitt, sodass man horizontal und vertikal scrollen muss, um die ganze Seite zu betrachten.

Um zu testen, wie gut sich die Windows-Handys als Funkmodem eignen, übertrugen wir eine Testdatei per FTP. Alle Kandidaten lassen sich über ein USB-Kabel oder drahtlos via IrDA mit einem PC koppeln. Die SDA-Modelle und das Motorola MPx220 verfügen außerdem über die Funkschnittstelle Bluetooth. Dabei erlebten wir mit dem Testgerät von Motorola eine Überraschung: Es baute zwar eine GPRS-Verbindung auf, jede Anforderung einer FTP-Verbindung führte jedoch zu einer Fehlermeldung – auch bei Verwendung verschiedener FTP-Clients.

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Motorola MPx220

Das schicke Smartphone zum Aufklappen beeindruckt durch die großen Wähltasten und besonders durch die Abmessungen des Steuerkreuzes, mit dem selbst Nutzer zurechtkommen dürften, die sonst Probleme mit zu kleinen Handy-Tastaturen haben. Das Hauptdisplay fällt etwas kleiner aus als bei den anderen Geräten im Test, lässt sich aber gut lesen. Die Megapixelkamera liefert unscharfe und verrauschte Bilder, Videos ruckeln und zeigen starke Kompressionsartefakte.

Beim Telefonieren überzeugt das MPx220 mit guter Sprachqualität und kann eine integrierte Freisprechfunktion vorweisen. Als einziges Handy im Test reagiert es auf vorgegebene Sprachbefehle und erkennt im Telefonbuch eingetragene Namen, ohne dass diese vorher aufgezeichnet werden müssen. Findet sich die zu wählende Nummer nicht in den Kontakten, nimmt es auch einzeln gesprochene Ziffern an. Die Sprachwahl funktioniert jedoch nicht zusammen mit Bluetooth-Headsets. Fotos, MP3s und andere Daten speichert das Smartphone wahlweise auf einer miniSD-Card, die man im Betrieb austauschen kann. Der Slot liegt gut zugänglich an der rechten Seite - praktisch etwa beim Einsatz als Musik-Spieler.

Die installierte Windows-Mobile-Version macht einen unfertigen Eindruck: So blieb die SMS-Anwendung einmal bei der Auswahl einer Handy-Nummer aus den Kontakten stecken und musste mit Hilfe des Taskmanagers beendet werden. Die Menüoption zum Einrichten eines MMS-Zugangskontos führte zum Setup eines E-Mail-Accounts, sodass sich MMS nicht konfigurieren ließ. Bei der Bedienung gewinnt man schnell den Eindruck, als seien Teile der Software mit der sprichwörtlichen heißen Nadel gestrickt.

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Sagem MyS-7

Das große und helle Display des MyS-7 gefiel uns gut, weniger jedoch der unpräzise Mini-Joystick und die hakelige Tastatur. Beim Drücken der Zifferntaste 8 löste unser Testmuster oftmals die 0 gleich mit aus. Lobenswert fanden wir das mitgelieferte Cradle, das einen Einschub zum Laden eines separaten Akkus besitzt. Die Sprachübertragung bei Telefonaten ist klar und deutlich, das leichte Hintergrundrauschen stört kaum.

Die Fotos zeigen nur leichte Unschärfen, im Kunstlicht fällt ein deutlicher Gelbstich auf. Die heftig ruckelnden Videos kann man nicht als Video-MMS versenden. In den Kartenslot an der linken Seite des MyS-7 passen normale Multimedia- und SD-Cards, die sich bei angeschaltetem Handy wechseln lassen.

Wie die anderen Windows-Smartphones reagiert auch das Sagem bei mehreren offenen Programmen sehr träge. Ein Taskmanager fehlt jedoch, so bleibt nur das Ab- und wieder Anschalten des Handys. Bilder und andere Daten überträgt es nur per USB-Kabel oder IrDA an den PC, Bluetooth ist nicht vorhanden. Über die Schnittstellen lässt es sich auch als Funkmodem nutzen. Bei einer einfachen CSD-Verbindung mit 9,6 KBit/s erreichte es beim FTP-Test übliche Durchsatzraten, bei GPRS-Verbindungen patzte das MyS-7: Die Geschwindigkeit in Empfangsrichtung lag im Schnitt bei 1,3 KByte/s. Gute GPRS-Handys liefern 5 KByte/s und mehr.

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T-Mobile SDA

Die SDA-Modelle von T-Mobile stammen vom taiwanischen Hersteller HTC, der auch die Funk-PDAs der MDA-Reihe produziert. Das SDA-Grundmodell gibt es auch in einer Version ohne Kamera, und für Multimedia-Fans liefert T-Mobile das SDA music mit einer 128 MByte großen miniSD-Card und Sondertasten zum bequemen Bedienen des Media-Players. Die schlanken und erstaunlich flachen Smartphones liegen gut in der Hand. Bei der Bedienung der winzigen Sondertasten unter dem kontraststarken Display sind schmale Finger von Vorteil. An der Sprachqualität beim Telefonieren ist abgesehen von einem leichten Rauschen nichts auszusetzen.

Als Wechselspeicher nutzen die SDAs miniSD-Karten, die sich jedoch nur nach dem Abschalten der Handys wechseln lassen, da der Einschub unter dem Akku liegt. Mit der VGA-Kamera aufgenommene Schnappschüsse sind erstaunlich scharf, eigene Videos geben die Smartphones ohne Geruckel und störende Artefakte wieder.

Die Software-Ausstattung hat HTC sinnvoll ergänzt: So gibt es Assistenten, die beim Einrichten eines E-Mail-Accounts und beim Löschen nicht benötigter Daten und Programme helfen. Andererseits sind auch die SDA-Modelle nicht vor Software-Fehlern gefeit. Will man etwa aus der MMS-Anwendung heraus einen Kontakteintrag auswählen, funktioniert die Suche mit Hilfe von Anfangsbuchstaben nicht. Bei mehreren hundert Einträgen bleibt nur, die Anwendung zu verlassen und die Kontakte-Datenbank direkt aufzurufen. Selten kam es im Test zu Hängern, etwa beim Versenden von Bildern via Bluetooth. Als Funkmodem machten die SDAs die beste Figur (siehe nächste Seite).

Fazit

Bei der Bedienbarkeit hat sich seit den ersten Windows-Smartphones wenig getan: Nach wie vor müssen Handy-Nutzer umdenken, da viele Handy-Funktionen an ungewohnten Stellen zu finden sind und die Konfiguration oft verwirrt. So müssen selbst versierte Handy-Nutzer häufig zum Handbuch greifen. Andere Smartphone-Plattformen wie Symbian oder Palm OS bieten bessere Übersicht und lassen sich intuitiver bedienen.

Das Klappmodell MPx220 gefällt zwar mit stabiler und bedienungsfreundlicher Hardware, die Software macht dagegen mit vielen Fehlern den Eindruck einer Betaversion. Vom Sagem MyS-7 sollte man wegen der mäßigen Qualität und Ausstattung, aber auch wegen des hohen Preises besser die Finger lassen.

Wer sich für ein Windows-Handy interessiert, ist mit den SDA-Modellen von T-Mobile am besten bedient. Die schicken Geräte gefallen nicht nur in puncto Ausstattung, auch das Preis/Leistungsverhältnis stimmt. Wer sich mit der Kaufentscheidung Zeit lassen will, wartet lieber auf erste Smartphones mit Windows Mobile 2005. (rop)


Windows-Smartphones – Checkliste
Smartphones mit Windows Mobile 2003 für Smartphones Second Edition
ProduktMPx220MyS-7SDA / SDA music
HerstellerMotorola,
Tel. 01 80/5 06 80 80
Sagem,
Tel. 06 9/95 30 76 33
T-Mobile,
Tel. 01 80/3 30 28 28
LieferumfangLadegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, SoftwareLadegerät, USB-Kabel, Ladeadapter, Cradle, Stereo-Headset, SoftwareLadegerät, USB-Kabel, Stereo-Headset, Tasche, Software, SDA music: 128-MByte-Karte
Abmessungen (H x B x T) und Gewicht100 mm x 48 mm x 24 mm, 115 g110 mm x 50 mm x 21 mm, 126 g108 mm x 47 mm x 21 mm, 109 g
max. Laufzeit (*1) (Bereitschaft / Sprechen)210 h / 4,3 h100 h / 4 h140 h / 4 h
USB / IrDA / Bluetoothv / v / v
Bluetooth-Datenbank
v / v / –v / v / v
Bluetooth-Datenbank
Wechselspeicher (*2)miniSDMMC / SD-CardminiSD
max. Kameraauflösung960 x 1280640 x 480640 x 480
GPRS-Durchsatz
(Empfang / Versand)
- / - (*3)1,3 kByte (1,3 kByte)
0,8 kByte (0,8 kByte)
4,7 kByte (4,7 kByte)
2,6 kByte (2,6 kByte)
Preis ohne Kartenvertrag469 EUR499 EUR330 EUR / 320 EUR ohne Kamera / 370 EUR SDA music
*1 Herstellerangabe   *2 siehe auch Schnell abgelegt in heise mobil   *3 siehe Text
v vorhanden   – nicht vorhanden