Darf ich mal anfassen?
Über einen Touchscreen bedient man PDAs intuitiv und schnell mit dem Stift, ohne lange Anleitungen zu lesen. Der erste Teil unserer Serie beschäftigt sich mit den GSM-Modellen sowie den Navigationsgeräten.
- Daniel LĂĽders
- Rudolf Opitz
Mit einem Touchscreen bedient man PDAs intuitiv und schnell mit dem Stift, ohne lange Anleitungen zu lesen. Je nach Ausstattung haben sie das Zeug zum vollwertigen Handy, MP3-Player, GPS-Navigator oder Terminkalender.
Das Angebot an PDAs mit Touchscreen reicht vom einfachen Terminplaner bis zum Multimedia-Smartphone. Bereits fĂĽr unter 200 Euro bekommt man pfiffige Begleiter, die schon in ihrer Grundausstattung auĂźer den ĂĽblichen Personal Information Managern (PIM) fĂĽr Adressen und Termine auch Applikationen fĂĽr MP3, Office und Fotos mitbringen.
Insgesamt stehen acht Touchscreen-PDAs mit Palm OS einer deutlichen Überzahl von 19 Windows-Mobile-Handhelds gegenüber. Während dem Palm-OS-Nutzer schon 32 MByte RAM und die langsamste ARM-CPU für einen reibungslosen Arbeitsablauf reichen, will man in seinem Windows-Mobile-Handheld wenigstens doppelt so viel Speicherplatz und die schnellste XScale-CPU vorfinden. Auch in puncto Office und PIM haben die Palm-OS-PDAs denen mit Windows Mobile einiges voraus. Das Microsoft-Betriebssystem erweist sich allerdings als bessere Wahl, wenn's um Multimedia geht.
Mehr als zwei Dutzend Geräte mit berührungsempfindlichem Display buhlen um die Gunst der Nutzer. Fast alle funken wenigstens mit Bluetooth, zwölf von ihnen besitzen zusätzlich ein WLAN-Modul. Zwei Handhelds tragen einen GPS-Empfänger nebst Antenne in sich und sechs bringen GSM-Funk mit. Wir starten unsere PDA-Übersicht mit den Handy-PDAs und zwei GPS-Geräten.
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HP iPAQ h6340
Der HP iPAQ h6340 funkt auf allen Kanälen: GSM, Bluetooth und WLAN sind an Bord. Theoretisch könnte man mit ihm also auch per Voice over IP telefonieren. Ein entsprechender Client fehlt aber.
Der Speicher reicht für die meisten Anwendungsszenarien aus, nur die OMAP-CPU scheint in einigen Fällen etwas überfordert und lässt den User bisweilen warten. Zur leichteren Texteingabe legt der Hersteller eine ansteckbare Mini-Tastatur bei. Allerdings verschluckt diese oftmals Zeichen bei der Eingabe und verwandelt den ohnehin recht klobigen iPAQ in ein Gerät, das in kaum einer Jacketttasche Platz hat.
Besser gefällt das nur wenig spiegelnde, aber etwas dunkle Display. Auch der MP3-Sound klingt rund – zumindest über Kopfhörer. Wegen seiner langen Batterie-Laufzeit von 17,4 Stunden ohne und immerhin noch 9,5 Stunden mit Beleuchtung braucht man das Netzteil nicht oft. Eine Auto-Backup-Funktion sorgt zudem für Datensicherheit, falls der Akku doch mal schlapp macht.
Beim Telefonieren verstehen sich Anrufer und Angerufener gut – sei es per Freisprech-Option oder ohne. HP adressiert das Gerät eher an den Geschäftsmann und lässt deswegen die Kamera weg, die diesen bei Sicherheitskontrollen eher in Verlegenheit bringt. Der Preis von 610 Euro erscheint angemessen.
PalmOne Treo 600
Der Handy-PDA Treo 600 wiegt zwar mehr als ein gängiges Handy, bringt aber den gesamten Funktionsreichtum eines Palm-OS-PDA mit. Sowohl Handy-Nutzer als auch eingefleischte PDA-Freunde finden sich schnell mit der Bedienung zurecht. Die Menüstruktur ist übersichtlich und leicht verständlich.
Auf dem lahmen STN-Bildschirm möchte man weder Bilder noch Videos betrachten. Für PIM-Aufgaben reicht er aber. Die VGA-Kamera knipst viel zu dunkle, detailarme Aufnahmen, die selbst für MMS wenig brauchbar sind. Wer gerne chattet oder E-Mails schreibt, schätzt das Mini-Keyboard, mit dem das schneller geht als mit einer Buchstabenerkennung. Lange Fingernägel erschweren allerdings das Tippen.
Der OMAP-Prozessor rechnet schnell genug, sodass Programme flott starten. Auch der Speicher von 32 MByte langt für die meisten Aufgaben. Der Treo 600 hält ohne Netzstrom bei Dauernutzung und mittlerer Display-Helligkeit elf Stunden durch – meist genug für ein Wochenende ohne Netzteil. Insgesamt erweist er sich als brauchbarer Ersatz für PDA und Handy ohne Multimedia-Anspruch zum reellen Preis von 450 Euro ohne Vertrag.
PalmOne Treo 650
Dank seines nichtflüchtigen Flash-Speichers vergisst der Treo 650 auch ohne Strom nichts. Doch bis der Akku schlapp macht, vergeht ohnehin mehr als ein Arbeitstag. Anwendungen und Daten verbrauchen wegen längerer Datenbank-Einträge etwa zehn Prozent mehr Speicher als bei anderen Palm-OS-PDAs. Aus diesem Grund füllt sich der 32 MByte große Flash-Speicher des Treo 650 schnell. Eine MMC- oder SD-Karte behebt die Speicherknappheit.
Ansonsten bringt der Handy-PDA alles mit, was man beim Vorgänger-Modell vermisste: Bluetooth, wechselbarer Akku, gut ablesbares Display mit hoher Auflösung und eine bessere VGA-Kamera, deren Bilder sich für MMS und Schnappschüsse allemal eignen. MP3-Sound hört sich noch annehmbar an. Der PDA erkennt automatisch das Mobilfunknetz und lädt selbstständig die erforderlichen Einstellungen für MMS, SMS, Internet und E-Mail.
Der PalmOne Treo 650 stellt selbst anspruchsvolle Nutzer zufrieden. Allerdings muss man dafĂĽr mit 660 Euro auch tief in die Tasche greifen.
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Qool QDA 700
Der kleine und leichte Qool QDA 700 präsentiert sich nach Öffnen der Klappe als vollwertiger Palm-OS-PDA mit zwar unübersichtlicher Oberfläche, aber jeder Menge Extras. Die Applikationen decken fast alle Smartphone-typischen Anwendungsbereiche ab. Der Hersteller legt einen Betrachter für MS-Office-Dokumente bei, bearbeiten kann man die Dateien nicht.
An der MP3-Funktion hat man wenig Freude, denn in die Audio-Buchse des QDA 700 passt nur die im Lieferumfang enthaltene Freisprecheinrichtung, die sich für Musikwiedergabe kaum eignet. Die Qualität der Kamera reicht allenfalls für MMS oder Schnappschüsse. Der Bildschirm ist gut ablesbar und spiegelt wenig. Zum Telefonieren gibt man die Nummer über eine virtuelle Wähltastatur ein. Der Angerufene sowie der Anrufer klingen zwar etwas dumpf, aber verständlich.
Wer einen Mobilfunk-PDA in Handy-Größe braucht, findet momentan keine Alternative zum QDA 700, der für 470 Euro noch vergleichsweise günstig zu bekommen ist. Doch verlangt man heutzutage von solch einem Gerät wesentlich längere Laufzeiten als die schlappen 4,3 Stunden des QDA 700.
T-Mobile MDA III
Die dritte Generation des MDA von T-Mobile gibt es unter dem Namen XDA III auch bei O2 und als VPA III bei Vodafone. E-Plus nennt den Funk-PDA Qtek 9090. Im Vergleich zum Vorgänger MDA II, den es als Auslaufmodell zurzeit besonders günstig gibt, punktet der MDA III mit einer beleuchteten Folientastatur für die Texteingabe, die man hinter den Touchscreen schieben kann, wenn sie nicht gebraucht wird. Das Tippen auf den winzigen Tasten ist leider auch für schmale Finger mühsam.
Das Triband-Handy funkt in den meisten GSM-Netzen der Welt. Zum Telefonieren hält man den Funk-PDA entweder wie ein Handy ans Ohr, aktiviert die integrierte Freisprechfunktion, schließt den beiliegenden Ohrhörer an oder koppelt das Gerät via Bluetooth mit einem Funk-Headset. Als erstes MDA-Modell verbindet es sich zum Drahtlos-Surfen über WLAN mit dem heimischen Funknetz oder Hotspots.
Wie der MDA II besitzt auch das aktuelle Modell eine VGA-Kamera, die für Schnappschüsse und Spaß-Videos ausreicht. Die Musikwiedergabe klingt mit dem Stereo-Ohrhörer höhenbetont und bassarm, bessere Kopfhörer lassen sich mangels einer 3,5-mm-Klinkenbuchse nicht anschließen. Insgesamt überzeugt der MDA III mit einer reichhaltigen Hardware-Ausstattung.
T-Mobile MDA Compact
Der Funk-PDA im Mini-Format ist nicht länger und kaum breiter als ein Handy und passt damit auch in kleinere Jackentaschen. Der Touchscreen löst wie bei den großen Verwandten 240 x 320 Punkte auf, nur gilt es, beim Bedienen mit dem Stylus genauer zu zielen. Da der MDA Compact auch mit einem kleineren Akku auskommen muss, kann er in puncto Laufzeit nicht mit anderen PDAs mithalten: Nach fünf Stunden Dauertippen ist der Griff zum Ladegerät fällig. Ein Backup-Programm, das wichtige Daten aus dem RAM in den Flash-Speicher schreibt, fehlt.
Beim Telefonieren klingt der Gesprächspartner etwas blechern, aber verständlich, was auch für die Freisprechfunktion gilt. Der MDA Compact verfügt bereits über den Windows Media Player 10, der auch DRM-geschützte WMA-Dateien abspielt und Album-Cover anzeigt. Wie beim MDA III überzeugt die Musikwiedergabe über das mitgelieferte Stereo-Headset nicht, bessere Kopfhörer lassen sich nur über einen Adapter an der 2,5-mm-Klinkenbuchse anschließen. Die Kamera knipst Bilder mit maximal 1280 x 960 Pixel, die jedoch überbelichtet und unscharf sind.
Via Bluetooth kann man den MDA Compact auch drahtlos mit dem PC koppeln, etwa um die Organizer-Daten mit Outlook abzugleichen oder den kleinen Funk-PDA als GPRS-Modem zu nutzen. Das Surfen über den GSM-Datendienst funktionierte im Test gut, manche GPRS-Handys erreichen jedoch einen um 20 Prozent höheren Durchsatz. Der MDA Compact ist ein gelungener Kompromiss zwischen Größe und Funktionsvielfalt zum vergleichsweise akzeptablen Preis. Mit seinen geringen Abmessungen geht er gerade noch als Handy-Ersatz durch.
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Acer n35
Mit dem Beinamen "Pocket Chauffeur" deutet Acer an, dass es sich beim n35 mit integriertem GPS-Empfänger um eine Navigationslösung handelt. Man bekommt ihn nur als Set mit der Navigationssoftware Destinator 3 nebst Deutschland-Kartenmaterial, einer Fahrzeug-Halterung sowie einem Adapter für den Auto-Zigarettenanzünder.
Der Navigator weiß bei großen Straßenkreuzungen oft keinen Rat und bleibt stumm. Gelegentlich wiederholt er Anweisungen zum Abbiegen, auch wenn man schon längst den neuen Weg eingeschlagen hat. Häufig kommen die Anweisungen zu spät oder ohne vorherige Ankündung zum Spurenwechsel.
Weder der MP3-Klang, noch das helle, aber spiegelnde Display gefallen, und trotz kurzer Laufzeit fehlt dem n35 eine Auto-Backup-Lösung. Alles in allem also ein Mobilgerät, das man weder zur Navigation noch als PDA sonderlich gerne benutzt.
Garmin iQue 3600
Garmin kennt man eher als Hersteller von Navigationssystemen. In der Tat ist der iQue 3600 ein GPS-Navigator mit den nötigsten PDA-Funktionen. Er hinterlegt zu den Kontakten auch Positionsangaben. So kann man sich einfach vom Navigationssystem zur ausgewählten Adresse leiten lassen.
Die Beleuchtung erhellt den hochauflösenden Bildschirm nur wenig, dafür ist das Display aber gut entspiegelt, sodass es sich auch bei Tageslicht gut ablesen lässt. Bei der Navigation im Auto bekommt man rasch einen Überblick über die momentane Position.
Leider muss man die Fahrzeughalterung extra kaufen. Immerhin liegt dem iQue umfangreiches Kartenmaterial für die meisten europäischen Länder bei. Allerdings stört seine Größe und die kurze Laufzeit.
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Fazit
Handy-PDAs und GPS-Geräte findet man vornehmlich im Preisbereich der Oberklasse-Handhelds. Wer weiß, was er braucht, kommt unter Umständen aber einigermaßen günstig weg. Der GPS-Navigator Garmin iQue 3600 überzeugt als Wegweiser, kostet mit 640 Euro aber viel Geld. Die Navigationslösung um den Acer n35 ist zwar billiger, kann dem Garmin-Navigator aber nicht das Wasser reichen.
Nur wenige PDAs offerieren Handy-Funktionen, darunter die Treo-Modelle. Sie erweisen sich mit ihrer Mini-Tastatur allesamt als vorzĂĽgliche E-Mail-, SMS- und Chat-Maschinen fĂĽr unterwegs. Wer auf Bluetooth verzichtet und mit Bildern und Videos nichts am Hut hat, dem genĂĽgt der Treo 600. Der besser ausgestattete Treo 650 meistert auch diese Disziplinen, kostet aber ohne Vertrag stolze 660 Euro.
Auch mit den beiden Multifunkern MDA III und HP iPAQ 6340 erstellt man E-Mails, SMS und kurze Texte, und beide Geräte bringen sogar noch WLAN-Funk und Bluetooth mit. Im Unterschied zu den Treos wiegen sie aber mehr und erscheinen vergleichsweise klobig. Der iPAQ 6340 kostet 610 Euro, der MDA III als teuerstes Gerät im Test 740 Euro. Hier darf man auf eine Subvention durch Handy-Verträge hoffen. Der MDA Compact hat zwar keine Tastatur, braucht aber wenig Platz, kann bis auf WLAN fast alles so gut wie sein dicker Bruder und kostet mit 520 Euro fast 100 Euro weniger. (dal)