Quo Vadis, Blackberry?
Anfangs noch Geheimtipp, haben die meisten mittlerweile kapiert, dass Blackberry eine komfortable E-Mail-Lösung für unterwegs ist. Doch Bequemlichkeit alleine rettet das System nicht in die Zukunft.
- Daniel LĂĽders
Mit über 360 Prozent Wachstum katapultiert sich der Blackberry-Erfinder RIM laut den Analysten von IDC auf Platz zwei der weltweit führenden PDA-Anbieter. Doch wo andere Firmen jubeln würden, reagiert man bei RIM mit verhaltener Feierstimmung. Denn die Konkurrenz steht schon in den Startlöchern.
Lange Zeit noch als Geheimtipp gehandelt, wissen mittlerweile fast alle, dass Blackberry-Geräte robuste Handhelds sind, die Push-E-Mail empfangen und ebenso als Mobiltelefon taugen. Anders als bei den meisten Handys gleicht die korrespondierende Software, der Blackberry Enterprise Server, die E-Mail-Postfächer des Mobilgeräts und der Basisstation ständig ab, sodass Nutzer ihre Nachrichten fast zeitgleich unterwegs empfangen. Auf die Server-Software docken auch andere Anwendungen wie Adress- und Termin-Programme an, die den Handheld praktisch als Fernanzeige nutzen. Der Blackberry-Handheld selbst kann wenig, reicht aber als Anzeigegerät für die serverbasierten Anwendungen aus.
Andere Unternehmen wie HP, Microsoft und iAnywhere erkennen – besser spät als nie – das Potenzial von E-Mail unterwegs und kontern mit eigenen Systemen, die genau so sicher, komfortabel sowie oftmals billiger sind und auf beliebigen Mobil-Geräten vom Palm-OS-Smartphone bis zum Windows-Mobile-PDA laufen. Will Research in Motion weiterhin mit seinem Konzept am Leben bleiben, muss der kleine E-Mail-Kommunikator künftig mehr als nur Handy und E-Mail-Client mitbringen.
Denn über kurz oder lang bieten alle Smartphones und PDAs Push-Dienste oder Ähnliches, und das womöglich zu günstigeren Konditionen. Und diese Geräte haben den Blackberry-Handhelds in puncto Flexibilität einiges voraus. Der Blackberry-Handheld verarbeitet mit seiner kümmerlichen Rechenleistung samt Mini-Speicher vornehmlich von einem Server mundgerecht vorbereitete Daten, die leistungsfähigeren PDAs der Palm-OS- und Windows-Mobile-Klasse erledigen vieles mit Bordmitteln, ohne eine Serververbindung nötig zu haben. Warum also auf diesen Mobilitätsgewinn verzichten?
Co-CEO James Balsillie gab im Gespräch mit heise mobil selbst zu, dass die Blackberry-Handhelds ohne die Server-Dienste nichts wert sind. Wie bei vielen anderen Herstellern liege das Kerngeschäft nicht im Absatz von Hardware, sondern in der Vermarktung von Lösungen.
Welche Absicht hinter dieser Aussage steckt, wurde besonders auf der diesjährigen Hausmesse, dem Wireless Enterprise Symposium (WES) klar, das vom 19. bis 21. April in Orlando, Florida, stattfand. Mobile E-Mail stand zwar weiterhin im Mittelpunkt der meisten vorgestellten Anwendungen, aber Mobile Office und Instant Messaging lauteten die Schlagworte, die sowohl Partner als auch die RIM-CEOs auf diesem Event gern verwendeten.
Das, was die PDAs längst mitbringen, soll nun auch auf Blackberry-Handhelds Einzug halten – aber serverbasiert bitteschön! Denn schließlich will RIM mit davon profitieren, und das können die Kanadier nur, wenn sie ihre Funktion als Gatekeeper innehalten. Der RIM-Chef Mike Lazaridis reagierte während der WES-Keynote sehr verhalten auf die Frage, ob Blackberry-Handhelds demnächst schnellere Prozessoren, farbenfrohere Bildschirme oder gar Mini-Festplatten mitbringen, und wich aus, indem er sagte, dass niemand wisse, was die Zukunft bringe. Eigentlich hätte er damit gar nicht deutlicher zum Ausdruck bringen können, was die Partner von RIM schon wissen: RIM will keine schlauen Mobil-Geräte bauen, denn RIM versteht sich nicht als Handheld-Hersteller, sondern verkauft und vermietet automatisierte Mobil-Dienstleistungen. Je simpler die PDAs, um so besser verkaufen sich die serverbasierten Dienste.
Damit die Kunden auch kĂĽnftig nicht auf die Idee kommen, flexible Smartphones zu kaufen und auf andere Push-Systeme zurĂĽckzugreifen, braucht RIM Partner und Entwickler, die auf den Blackberry-Zug aufspringen. RIM hat sich eine Nutzerbasis geschaffen, nun gilt es die Nutzer zu halten. Dazu muss das Unternehmen Applikationen entwickeln, die den Blackberry auf Dauer fĂĽr die Kunden zum essenziellen Werkzeug fĂĽr unterwegs macht.
Im Ausstellungsraum der WES konnte der Besucher schon einiges von der neuen Blackberry-Welt begutachten. Zu sehen gab es beispielsweise GPS-Navigation, Bluetooth-Druckdienste, PowerPoint-Dokumenten-Betrachter und sogar SAP-Kundensysteme – alles als serverbasierte Anwendungen, bei denen der Blackberry-Handheld meist nur als stupide Fernbedienung fungiert. Mike Lazaridis kündigte Office-Lösungen und Instant-Messaging-Clients an, die noch besser als E-Mail vom GPRS-Datendienst profitieren, und versäumte es dabei nicht, gleichzeitig um Entwickler zu werben.
Doch auch wenn schon die vorgestellten Anwendungen beeindrucken, braucht es doch mehr, um Firmen auch künftig ein Kaufargument für die Blackberry-Lösung zu liefern – mobile E-Mail reißt bald niemanden mehr vom Hocker. Das nächste Jahr wird zeigen, ob RIM sich mit seinem System behaupten kann oder Teile des Feldes den Nachzüglern überlassen muss. (dal) (dal)