Gigabytes zum Stöpseln
Externe Festplatten eignen sich als schnelle Backup-Lösung ebenso wie für Datentransporte von A nach B. Vorgefertigte Komplettlösungen sind im Nu einsatzbereit und ersparen den Griff zum Schraubendreher.
- Boi Feddern
Externe Festplatten eignen sich als schnelle Backup-Lösung ebenso wie für Datentransporte von A nach B. Vorgefertigte Komplettlösungen sind im Nu einsatzbereit und ersparen den Griff zum Schraubendreher.
Längst meint man nicht mehr einen langweiligen schwarzen oder grauen Kasten auf seinem Schreibtisch, wenn man von einer externen Festplatte spricht. Die heutigen Laufwerke sind nicht nur schnöde Datenspeicher, sondern gleichzeitig auch schicke Vorzeigeobjekte. Von flachen, handlichen und platzsparenden 3,5"-Platten mit 400 GByte über stoßgeschützte 2,5"-Laufwerke bis hin zu keksgroßen Minis mit 1" im Jojo-Design hat der Markt einiges zu bieten.
Alle Festplattenhersteller mit Ausnahme von Excelstor und Samsung haben inzwischen auch externe Laufwerke im Programm. Wir haben eine große Auswahl davon auf den Prüfstand geholt, ebenso wie die Laufwerke von Iomega, Freecom und Transcend, die selbst keine internen Platten produzieren. Bei den 3,5"-Platten haben wir uns ausschließlich auf Kombi-Geräte mit FireWire- und USB-Schnittstelle konzentriert, während die Laufwerke mit kleineren Formfaktoren häufig nur mit USB zu haben sind.
Anders als Festplattenleergehäuse, in die erst noch ein Laufwerk hineingeschraubt werden muss, sind Komplettlösungen nach dem Auspacken und Anschließen an den Rechner sofort einsatzbereit. Die benötigten Kabel lagen allen getesteten Geräten bei. Die Laufwerke sind im Lieferzustand mit FAT32 vorformatiert und eignen sich so für den plattformübergreifenden Datenaustausch.
Das ist besonders praktisch, denn mit XP-eigenen Bordmitteln ließen sich Festplatten nur mit maximal 32 GByte großen FAT32-Partitionen formatieren. Wer dennoch einmal eine größere FAT32-Partition anlegen möchte, kann zu unserem kleinen Tool H2format greifen (siehe [1]).
Das Testsystem
Externe Festplatten unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern auch in den verbauten Bridge-Chips, die das parallele IDE-Interface in einen seriellen USB- oder FireWire-Anschluss wandeln. Diese Chips sind hauptverantwortlich für die Kompatibilität des Gehäuses und die Geschwindigkeit bei der Datenübertragung.
Seagate sichert seine 2,5"-Festplatten im Innern des Gehäuses durch einen zusätzlichen Schockabsorber gegen harte Stöße ab.
Die Performance der externen Laufwerke testen wir an der Referenzplattform aus dem c't-Platten-Karussell, einem Asus A8N-SLI Deluxe mit Athlon 64 3000+. FĂĽr USB 2.0 und FireWire 400 nutzen wir die Onboard-Schnittstellen und fĂĽr FireWire 800 kommt ein Adaptec FireConnect 8300 zum Einsatz.
Der Festplattenbenchmark H2benchw (siehe [2]) läuft als Konsolenanwendung unter Windows XP SP2 und liest und beschreibt die gesamte Platte. In einer Messkurve trägt H2benchw die Übertragungsrate über der Kapazität auf. Sie fällt normalerweise treppenförmig ab, weil Festplatten auf den äußeren Spuren mehr Sektoren unterbringen als innen. Externe 2,5"- und 3,5"-Festplatten werden durch die USB- und FireWire-Bridge in den Gehäusen ausgebremst. Wie groß der Einfluss der Bridge-Chips ist, lässt sich anhand der Messkurve von H2benchw erkennen. In der Messtabelle geben wir Minimum, Mittelwert und Maximum der Kurve an.
Für die Geschwindigkeit einer Festplatte ist auch die mittlere Zugriffszeit von Bedeutung. Um sie zu ermitteln, liest und schreibt H2benchw einige tausend zufällig ausgewählte Sektoren. Der Messwert liegt üblicherweise etwas über den Herstellerangaben für die reine Positionierzeit, da unser Benchmark auch die Latenzzeit einbezieht, die es dauert, bis der angeforderte Sektor unter den Köpfen vorbeikommt.
Ein MaĂź fĂĽr die Festplattenleistung in der Praxis ist der Anwendungsindex. H2benchw ermittelt ihn, in dem er mit zuvor aufgezeichneten Zugriffsprofilen einiger Anwendungen misst. Anders als die Rohdaten einer Festplatte wie Dauertransferrate oder mittlere Zugriffszeit erlaubt er nur eine Aussage ĂĽber die Praxistauglichkeit der Platte unter Windows XP.
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GroĂź und klein
1"- und 1,8"-Festplatten übertragen wegen ihres geringen Scheibendurchmessers und der geringen Drehzahl wesentlich langsamer Daten als Desktop-Laufwerke. Deshalb – und aufgrund ihrer Speicherkapazität – eignen sie sich nur für kleine Datenmengen. Dafür sind Mini-Festplatten federleicht und passen in die Hosentasche.
2,5"- und erst recht 3,5"-Festplatten sind deutlich schneller. Externe 3,5"-Laufwerke können aber nur über FireWire 800 nahezu ihre volle Leistung entfalten. Über USB 2.0 und FireWire 400 bremst der Bridge-Chip die Datentransferraten auf das Geschwindigkeitsniveau einer Notebookplatte.
Mini-Festplatten sind etwas teurer und langsamer als 2,5"-Festplatten, können aber auch ohne externes Netzteil über den USB mit Strom versorgt werden.
Neben der Geschwindigkeit einer externen Festplatte spielt auch die Lautstärke eine nicht unwesentliche Bedeutung bei der Geräteauswahl. Besonders 3,5"-Laufwerke, die in unmittelbarer Umgebung am Arbeitsplatz stehen, können durch lärmende Lüfter schnell zum nervenden Störenfried werden. Wir haben deshalb die Geräusche aller Laufwerke in einem schallarmen Raum aus vier Richtungen und 50 Zentimetern Messabstand ermittelt.
Schreihälse
Mit am schlechtesten schnitt Iomegas Hard Drive Triple Interface ab. Beim Betriebsgeräusch wich die Lautstärke um 1,5 Sone vom Ruhegeräusch ab. Ursache ist ein geregelter Lüfter, der bei Plattenzugriffen anspringt und ordentlich Lärm verursacht. Bei Seagates External Hard Drive und bei Western Digitals Dual-Option Backup, die beide ohne eine Lüfter auskommen, dämpft das Gehäuse die Festplattengeräusche. Mit Gehäuse sind die Laufwerke ST3400832A und WD2500JB also leiser als ohne.
Mini-Festplatten im 1"- und 1,8"-Format schneiden bei der Geräuschmessung naturgemäß besser ab als ihre großen Brüder mit 2,5" oder 3,5". Bei den kleinen Modellen verzichten die Hersteller üblicherweise auf einen Lüfter und die Laufwerke an sich sind bereits wesentlich leiser als Desktop-Laufwerke. Die meisten Mini-Festplatten in unserem Test blieben sogar im Betrieb flüsterleise.
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Auf Knopfdruck
Als Backup-Medium eignen sich aufgrund der hohen Speicherkapazität vor allem die großen 3,5"-Laufwerke. Den meisten Festplatten liegen daher abgespeckte Versionen von Backup-Programmen wie CMS BounceBack und Dantz Retrospect bei. Freecom liefert mit Acronis True Image ein Imaging-Programm und mit der Freecom Personal Media Suite ein Datensynchronisationsprogramm mit. Die Backup-Programme laufen meist als Systemprozess im Hintergrund. Über einen Bedienknopf an der Vorderseite der Festplattengehäuse wird die Backup-Software gestartet und eine Sicherung der zuletzt geänderten Daten automatisch und ohne weiteren Konfigurationsaufwand ausgeführt. Weitere Backup-Software ist im heise online-Software-Verzeichnis (siehe [3)aufgeführt.
Wenn ein USB-Port nicht genĂĽgend Strom liefert, bedient man sich mit einem Y-Kabel aus zweien. Stromversorgungskabel fĂĽr den PS/2-Anschluss sind weniger zu empfehlen.
Anders als die für den mobilen Einsatz ausgelegten 2,5"-Platten sollten externe Laufwerke mit 3,5" aber nur als stationäres Backup-Medium an einem Ort eingesetzt und lediglich in Ausnahmefällen hin- und hertransportiert werden. Schon wer sein 3,5"-Laufwerk hochkant auf seinem Schreibtisch stehen hat und es versehentlich umstößt, mutet seiner Platte derart hohe Beschleunigungswerte zu, dass es leicht zu einem Laufwerksdefekt kommen kann.
Kleinere Laufwerke sind hingegen wesentlich schockresistenter. Hersteller wie Seagate oder Western Digital sichern ihre externen Laufwerke im Gehäuseinnern durch zusätzliche Schockabsorber ab. Das heißt zwar nicht, dass man mit ihnen Fußball spielen sollte, doch ist die Wahrscheinlichkeit, nach einem Sturz noch an seine Daten heranzukommen, hier wesentlich größer als bei 3,5"-Platten.
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Energiehunger
Zur Stromversorgung externer 3,5"-Festplatten liefern die Hersteller ein Netzteil mit, während 2,5"-Platten ihren Strom komplett über USB oder FireWire beziehen sollen. Laut Spezifikation stellt ein USB-Port aber maximal 500 mA zur Stromversorgung eines Gerätes bereit. Für 1"- und 1,8"-Festplatten reicht das normalerweise aus und auch moderne 2,5"-Laufwerke überschreiten im Betrieb diese Grenze nicht. Kritisch ist aber der Moment beim Einschalten der Festplatte: Sogar stromsparende Notebookplatten benötigen als Anlaufstrom deutlich mehr als 500 mA. Wir haben deshalb neben der mittleren Leistungsaufnahme auch die maximale Stromaufnahme über den USB gemessen.
Das Ergebnis ist wie erwartet ernüchternd: Alle 2,5"-Festplatten in unserem Testfeld fordern dem USB für wenige Sekunden viel zu viel Strom ab. Negativer Spitzenreiter ist das Fujitsu Handy Drive, bei dem unser Leistungsmessgerät einen kurzen Peak von knapp 1,1 Ampere anzeigte. Aktuelle Desktop-Mainboards erlauben es einer Festplatte schon einmal bis zu einem Ampere über den USB zu saugen – man sollte sich allerdings nicht wundern, wenn eines Tages die Sicherung auf dem Board schlapp macht. An ein Notebook angeschlossen, kann eine solche externe Festplatte einen bleibenden Schaden herbeiführen.
Gleiches gilt bei älteren Desktop-Systemen: Im günstigsten Fall läuft die Platte hier gar nicht erst an. So geschehen an unserem Testsystem zur Geräuschmessung, einem Silent-PC mit zusätzlicher USB-PCI-Karte, an dem zumindest Western Digitals Passport-Platte den Dienst ohne externes Netzteil verweigerte.
Trotzdem liefert keiner der Hersteller von 2,5"-Festplatten in unserem Testfeld ein externes Netzteil mit. Immerhin bieten die meisten eine Buchse an ihren Laufwerken, um ein separat dazugekauftes Steckernetzteil anzuschließen. Seagate legt als Alternative zu einem Netzteil seiner Portable Hard Disk ein USB-Y-Kabel bei, mit dem die Platte ihren Strom über zwei USB-Ports bezieht. Das verletzt die Spezifikation zwar streng genommen ebenfalls, ist aber weniger gefährlich für die USB-Ports als Einzelkabel.
Gut versorgt
Die zuverlässigste Stromquelle für eine 2,5"-Festplatte ist ein separates Netzteil. USB-Netzteile und passende Adapterstecker speisen die Versorgungsspannung in den Bus ein.
Solche Y-Kabel sind im Fachhandel auch einzeln erhältlich. Beim Kauf sollte man auf eine ausreichende Länge achten: Besonders bei älteren Notebooks liegen die USB-Ports manchmal weit auseinander. Manche Hersteller legen ihren Laufwerken auch Stromversorgungskabel mit PS/2-Stecker bei. Doch auch der PS/2-Port ist nicht ausgelegt, um eine externe Festplatte mit Strom zu versorgen. Sicher geht, wer seine externe 2,5"-Festplatte ausschließlich mit zusätzlicher Stromversorgung betreibt. Neben herkömmlichen Steckernetzteilen gibt es im Fachhandel spezielle USB-Netzteile, die üblicherweise 5 Volt und maximal 2 Ampere bereitstellen. Bei Kombi-Festplatten mit USB- und FireWire-Anschluss wie beispielsweise Trancends Combo Drive ist auch eine Stromversorgung über FireWire eine sinnvolle Alternative. Allerdings bieten mit Ausnahme von Apples PowerBooks nur sehr wenige Notebooks einen sechspoligen FireWire-Port, der externe Geräte mit den bei FireWire üblichen 1,5 Ampere versorgt. Die meisten Geräte sind nur mit einem vierpoligen FireWire-Port ausgestattet, der keinen Strom liefert.
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Verständnisprobleme
In der Vergangenheit gab es gelegentlich Kompatibilitätsprobleme zwischen Bridge-Chips und Hostadaptern oder bestimmten Festplatten – vor allem beim Selbstbestücken eines Leergehäuses. Wir haben daher alle externen Festplatten an verschiedenen Mainboard-Chipsätzen (Nvidia Nforce 4, Nforce 4 Intel Edition, Intel ICH7R, ICH6R, VIA K8T800) und FireWire-Chips (ITE 8712F-A, TI TSB82AA2, TI TSB43AB23, VIA VT6306, VIA VT6307) dem Datenintegritätstest von H2benchw unterzogen.
Der USB-Bridge-Chip GL811E in der Revision 02 - zu erkennen an den beiden letzten Ziffern auf dem Chip - hat Kompatibilitätsprobleme am Nforce 4.
Das erfreuliche Ergebnis: Alle Festplatten wurden ohne Probleme beim ersten Anschließen erkannt und 13 von 15 bestanden auch den Datenintegritätstest. Sporadische Schreibfehler traten bei der Mini-Festplatte PJ-28 von Incoder am Nforce 4 auf. Das Fujitsu Handy Drive, das denselben USB-Chip GL811E in einer neueren Revision einsetzt, lief dagegen einwandfrei. Ein kleiner Firmware-Bug hat sich bei Seagates External Drive eingeschlichen. Zugriffe, die genau bei Sektornummer 0xFFFFFFF beginnen, schlagen fehl. Dies dürfte sich im Normalbetrieb aber nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit bemerkbar machen.
Fazit
Wer sich scheut, aus einer nackten Festplatte und einem Leergehäuse ein externes Laufwerk selbst zusammenzuschrauben, bekommt mit einer Komplettlösung einen allzeit bereiten Datenspeicher. Hinsichtlich der Kompatibilität scheinen die Hersteller ihre Hausaufgaben erledigt zu haben – ein deutliches Plus gegenüber externen Laufwerken Marke Eigenbau. Preislich gesehen halten sich selbstkonfigurierte und Fertiglösungen in etwa die Waage. Wer sich selbst eine externe Platte bastelt, muss allerdings auf eine Backup-Software als kostenlose Dreingabe und eine Datensicherung per Knopfdruck verzichten.
Hinsichtlich der Datentransferraten nehmen sich die 3,5"-Laufwerke im Testfeld nicht viel. Die kleineren Platten sind prinzipbedingt langsamer; einige werden durch ihren Bridge-Chip unnötig ausgebremst. Der Genesys-Logic-Chip in der Revision 02 hatte obendrein Kompatibilitätsprobleme am Nforce 4. In puncto Design und Verarbeitung stechen vor allem die Laufwerke von Seagate und die 2,5"-Platte von Western Digital positiv ins Auge. Für die externen Notebookplatten sollte man in jedem Fall die Investition in ein zusätzliches Steckernetzteil einkalkulieren oder gleich zu den etwas langsameren und teureren 1,8"-Platten greifen, wenn man wirklich mobil bleiben möchte. 1"-Laufwerke stellen eine interessante Alternative zu USB-Sticks dar. (boi)
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Literatur
| [1] | h2format, Formatiertool von c't, c't-FTP-Server |
| [2] | h2benchw, Festplattenbenchmark von c't, c't-FTP-Server |
| [3] | Backup-Software im heise online-Software-Verzeichnis |