Schwergewichtiger Überallfunker

Das jüngste Kind der MDA-Familie ist in fast allen Funknetzen zu Hause und vergisst auch bei entleertem Akku nichts.

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Das jüngste Kind der MDA-Familie ist in fast allen Funknetzen zu Hause und vergisst auch bei entleertem Akku nichts.

Der MDA Pro ist mit seinen 286 Gramm ein Schwergewicht unter den Mobilgeräten und beult die Jackettasche heftig aus. Allerdings steckt in dem Boliden auch eine Menge Technik: Als erster Handy-PDA vereint der MDA Pro UMTS, Triband-GSM/GPRS sowie WLAN und Bluetooth.

Microsoft feiert mit dem MDA Pro eine Premiere, nämlich die seines aktuellen Mobilbetriebssystems Windows Mobile 5 für Pocket PCs. Über die Neuerungen des Systems berichteten wir bereits im Artikel Neue Fenster, einen Überblick über die Software-Entwicklung für die neue Mobil-Version gibt MS Mobile ++ .

Der MDA Pro scheint mit dem Microsoft-Betriebssystem überfordert. Weil sich Programme in den meisten Fällen nur umständlich über die Systemsteuerung beenden lassen, plagen den Nutzer schon nach kurzer Zeit viele Anwendungen, die er nicht braucht und unnötig Rechenzeit kosten. Beim Herunterladen von Dateien, die nicht mehr in den Hauptspeicher passen, gerät das ganze System ins Stocken, sodass der PDA auf Benutzereingaben erst eine Minute später reagiert.

Mit dem MDA Pro kommt erstmals die Synchronisationslösung ActiveSync 4.0 zum Einsatz, die nun auch Musik und Videos abgleicht. Allerdings benötigt man hierfür einen Windows-Rechner mit dem Windows Mediaplayer 10. Bei älteren Versionen verweigert ActiveSync 4 den Dienst.


Bluetooth-Datenbank
Unsere Bluetooth-Datenbank führt Informationen über die wesentlichen Eigenschaften der Bluetooth-Geräte sowie über passende Gegenstellen. Die Ergebnisse des c't-Labors können Anwender mit eigenen Testresultaten und Erfahrungen ergänzen.

Der Abgleich mit ActiveSync 4 per Bluetooth klappt im Vergleich zu den Vorversionen nun schnell und unkompliziert. Nutzer, die den Pocket PC per WLAN abgleichen möchten, sind von der neuen Version enttäuscht: WLAN-Synchronisation ist mit ActiveSync 4 im Unterschied zu älteren Versionen nicht mehr möglich.

Programme legt der PDA nicht wie frühere Pocket PCs im RAM, sondern ausschließlich im nicht flüchtigen Flash-Speicher ab, sodass auch bei restlos entleertem Akku keine Daten verloren gehen. Das kann schon mal passieren, denn selbst bei ausgeschaltetem Funk hält der PDA mit einer Akkuladung nur etwa 5,5 Stunden bei Dauernutzung durch. Schaltet man die Hintergrundbeleuchtung aus, schafft er immerhin 8,5 Stunden. Surft man im WLAN-Netzwerk oder telefoniert noch zusätzlich - an einem stressigen Messetag nicht ungewöhnlich - sollte wegen der kurzen Laufzeit eine Lademöglichkeit in Reichweite sein. Zum Glück lädt der MDA Pro auch über die USB-Schnittstelle eines Rechners.

Auf Sendung

Per GPRS überträgt der MDA Pro Daten angenehm fix. Die UMTS-Durchsatzraten enttäuschen jedoch: Im Test wuppte das Gerät nur etwa 18 KByte pro Sekunde in Empfangsrichtung; andere schaffen das Doppelte. Auch die Transfergeschwindigkeit per WLAN ist mit etwa 280 KByte pro Sekunde nur mäßig, aber akzeptabel. In 20 Metern Entfernung vom Zugriffspunkt sinkt dieser Wert allerdings noch einmal auf die Hälfte. Fürs Surfen im Web oder IP-Telefonie reicht das, aber zum schnellen Übertragen beispielsweise von Medien-Dateien im Heimnetzwerk wünscht man sich einen flotteren Datentransfer.

Dank der Mini-Tastatur gibt man Web-Adressen, E-Mails oder anderen Text wesentlich fixer ein, als mit einem Handy auf dem Zahlenfeld. Das Keyboard-Layout ist allerdings gewöhnungsbedürftig, denn Umlaute und viele oft gebrauchte Zeichen sind nur per Tastenkombination erreichbar. Gern möchte man den MDA Pro auch als Chat-Maschine gebrauchen, doch eine Anwendung hierfür fehlt. Microsoft lässt sich seinen auf anderen Windows-Mobile-Geräten vorinstallierten Pocket-MSN-Client nun mit knapp 14 Euro bezahlen. Zum Glück gibts auch kostenlose Chat-Programme für Pocket PCs, die ebenfalls das MSN-Protokoll verstehen, wie den Agile Messenger.

Zum Telefonieren nutzt man am besten entweder eine Freisprecheinrichtung. Zwar kann man das Gerät auch direkt ans Ohr halten, aber wegen der vergleichsweise riesigen Abmessungen macht man es nicht gerne. Sowohl Anrufer als auch Angerufener hören sich bei allen Gesprächsarten laut und verständlich.

Bild und Ton

Zwar besitzt der MDA Pro Stereolautsprecher, aber diese taugen bestenfalls zum Probehören oder zur Ausgabe von Systemsignalen. Einen Stereoeffekt nimmt man mit den Mini-Boxen kaum wahr. Musik über den Kopfhörer klingt allerdings angenehm ausgewogen und verzerrt auch bei hoher Lautstärke nicht. Die gute Klangqualität hält mit handelsüblichen MP3-Player mit - durchaus nicht selbstverständlich bei PDAs und Smartphones. Wer den Sound seinem persönlichen Geschmack anpassen oder die Schwächen einer Aufnahme kaschieren möchte, vermisst einen Equalizer.

T-Mobile spendiert seinem Premium-Modell einen hoch auflösenden VGA-Bildschirm, den man besonders bei der Anzeige von Text, Tabellen und Bildern schnell schätzen lernt. Doch bei Tageslicht erkennt man wegen starker Spiegelungen allerdings kaum noch Bildschirminhalte. Weil sich das Display drehen und umklappen lässt, kann man den MDA Pro entweder wie ein Mini-Notebook oder einen herkömmlichen Touchscreen-PDA verwenden. Beim Umklappen dreht das System die Bildschirminhalte praktischerweise automatisch mit.

Der MDA Pro besitzt zwei Fixfokus-Kameras: Eine hoch auflösende nebst Blitzleuchte auf der Rückseite zum Aufnehmen von Bildern und Videos sowie eine dem Nutzer zugewandte niedrigauflösende für Videotelefonie. Doch auch wenn die Schnappschuss-Kamera Bilder in Megapixel-Auflösung schießt, heißt das noch lange nicht, dass sie sich mit einer richtigen Digitalkamera messen kann. Die Bilder sind verrauscht, überstrahlt sowie unscharf und taugen deshalb bestenfalls als Beigabe für MMS-Nachrichten oder für Spaßfotos. Die Videofonie-Kamera reicht für ihre Zwecke völlig aus.

Fazit

Kein anderes Mobilfunkgerät trumpft momentan mit so üppiger Austattung auf wie das Spitzenmodell MDA Pro von T-Mobile, das sich allein schon durch seine Tastatur und seine Multifunk-Beigaben vorzüglich als Überallkommunikator für E-Mail, Chat und Telefonie eignet. Einzig als UMTS-Handy enttäuscht es, und ein schnellerer Prozessor wäre wünschenswert - die ständigen Wartesekunden während der Arbeit mit dem System nerven. Der Preis von 750 Euro erscheint dennoch angemessen. Allerdings sollten interessierte Käufer auch gleich einen Freischaltcode beim Erwerb des Gerätes einfordern, denn alle in Deutschland verkauften MDA Pro sind mit einem SIM-Lock versehen. Käufer unsubventionierter Geräte bekommen den Freischaltcode umsonst dazu. (dal)


T-Mobile MDA Pro
Pocket PC mit Mobilfunk
HerstellerHTC
VertriebT-Mobile Deutschland, Tel. 08 00/3 30 66 99
LieferumfangHandy-PDA, Synchronisationskabel, Netzteil, Kabel-Headset, Li-Ion-Akku (wechselbar, 1620 mAh), Ledertasche, Software (Synchronisation, Office, E-Book, Multimedia, Entertainment, WAP, Web, Downloadmanager, Dateimanager, MMS, SMS, E-Mail (POP3 und IMAP4))
ProzessorIntel XScale PXA270 mit 520 MHz
Speicher64 MByte RAM, 128 MByte Flash-Speicher, erweiterbar durch SDIO-kompatiblen MMC/SD-Slot
DisplayTransflektiv-Touchscreen mit 480 x 640 Pixel bei 16 Bit Farbtiefe
Leuchtdichte30 ... 75 cd/m2
Display-Diagonale8,9 cm (3,5")
KamerasFixfokus-Kamera (inkl. Blitzleuchte) mit 1280 x 1024 Pixel; Fixfokus-Kamera mit 640 x 480 Pixel für Videotelefonie
MobilfunkGSM 900/1800/1900, GPRS Klasse 10b, UMTS
Drahtlos-SchnittstellenIrDA, Bluetooth 1.2, WLAN IEEE 802.11b (mit WEP-/WPA-Verschlüsselung)
Bluetooth-DiensteDial-Up-Networking, Generic Access, Headset Audio Gateway, HandsFree Audio Gateway, Human-Interface-Device-Host, OPP-Client, OPP-Server, Serial-DevA, Serial-DevB
Bluetooth-Datenbank
FTP-Durchsatz UMTS18,1 KByte/s Empfang (18,1 KByte/s Empfang)
7,5 KByte/s Versand (7,5 KByte/s Versand)
FTP-Durchsatz GPRS5 KByte/s Empfang (5 KByte/s Empfang)
2,7 KByte/s Versand (2,7 KByte/s Versand)
Laufzeit (kont. Tippen, ohne Funk)5,5 h (max. Helligkeit) (5,5 h (max. Helligkeit))
8,5 h (ohne Beleuchtung) (8,5 h (ohne Beleuchtung))
Größe (H x B x T); Gewicht13,1 cm x 8,0 cm x 2,3 cm; 286 g
Preis750 EUR ohne Vertrag (Simlock-Entsperrung kostenlos)