Innere FĂĽhrung
PDAs mit einem integrierten GPS-Empfänger erledigen nicht nur die Standard-Aufgaben wie Termin- und Adressverwaltung, sondern lotsen den Besitzer zusätzlich von A nach B.
- JĂĽrgen Seeger
Termin- und Adressverwaltung auf einem PDA ist praktisch. Noch besser, wenn der digitale Helfer einem auch den Weg zum in den Kontakten vermerkten Partner zeigen könnte. Dazu bedarf es eines GPS-Empfängers und Navigationssoftware. Unser Schwestermagazin iX hat sich sechs Pocket-PCs mit integriertem GPS-Modul angesehen.
Empfänger für die Signale des Global Positioning System (GPS), das satellitengestützt weltweit die Bestimmung des Standortes erlaubt, sind mittlerweile so klein, dass sie in Handheld-Computer und Handys passen. Das hat gegenüber den fest im PKW eingebauten Navigationssystemen den Vorteil der Fahrzeugunabhängigkeit – man kann die Geräte auch zu Fuß, auf dem Fahrrad oder in verschiedenen Autos benutzen.
Im GPS-Umfeld haben sich ein paar Begriffe und Verfahrensweisen eingebürgert, die sich eventuell dem IT-Spezialisten nicht ohne weiteres erschließen. Basis der Navigation sind Wegpunkte, mindestens bezeichnet durch ihre Koordinaten und einen Namen, gelegentlich auch durch die Höhe des Punktes über dem Meeresspiegel und einen Kommentar. Der Übergang zu sogenannten Sonderzielen oder Points of Interests (PoIs) ist fließend: PoIs sind nichts anderes als kategorisierte Wegpunkte, etwa die Koordinaten nebst Adressen von Restaurants, Arztpraxen, Tankstellen und so fort, häufig ergänzt um Telefonnummern.
Navigieren kann man entweder von Wegpunkt zu Wegpunkt (auf See oder im Gelände) oder über öffentliche Straßen. Im letzteren Fall sucht die Software mit benutzerbestimmten Vorgaben wie schnellste oder kürzeste Strecke nach dem besten Weg. Start ist entweder die aktuelle Position, ein durch Tippen auf die Karte, Suchen in der PoI-Datenbank oder im Adressbuch gefundener Punkt. Will man nicht den direkten Weg fahren, kann man die Route individuell durch Angabe eines oder mehrerer Zwischenziele planen, eventuell auch bestimmte Straßen ausschließen (Streckensperren).
Die erwähnte Suche im eigenen Adressbuch – oder Terminkalender – ist ein weiterer, zumindest potenzieller, Vorteil der PDAs gegenüber den stationären Geräten. Was mit einem fest eingebauten System natürlich auch nicht geht: die Position des Parkplatzes speichern, sich vom PDA zu Fuß zum nächsten Restaurant führen lassen und anschließend zum gemerkten Standort zurück.
Beiden Gerätearten gemeinsam ist eine mehr oder weniger umfangreiche Zusammenstellung von Sonderzielen. Anzahl, Aktualität und Kategorisierung wechseln von System zu System, üblicherweise kann man kartenweit oder standortbezogen suchen. Viele Geräte erlauben zudem eigene Eintragungen, sei es in Form von Points of Interest mit eigenen Kategorien oder als Wegpunkte. Ebenfalls in beiden Systemarten üblich: die Anzeige der Restfahr- beziehungsweise Ankunftszeit, der Entfernung bis zum nächsten Abbiegepunkt und so weiter. Die Portablen bieten hier in der Regel aber mehr Konfigurationsmöglichkeiten als ihre stationären Pendants.
Von den GPS-PDAs sollte man nicht die Genauigkeit erwarten, die ein fest eingebautes System bietet. Das wertet nämlich neben dem Satellitensignal Tachometerinformationen und Querbeschleunigung aus und kann so feststellen, ob das Fahrzeug wirklich schon die Kurve durchfahren hat oder noch nicht. Zudem ermöglichen diese zusätzlichen Informationsquellen eine Positionsbestimmung bei schlechtem GPS-Empfang.
Auch die Integration des GPS-Moduls im PDA, so praktisch dies in der Handhabung ist, hat ihre Schattenseiten. Wärmedämmende, metallisierte oder beheizbare Windschutzscheiben beispielsweise stören den Empfang. Dann ist im PKW-Betrieb der Anschluss einer externen Antenne ratsam. Der Test der folgenden Geräte fand überwiegend unter diesen erschwerenden Bedingungen, in einem Fahrzeug mit beheizbarer Frontscheibe, statt. Gut zurecht kamen damit überraschenderweise die Geräte aus dem unteren Preissegment, HPs iPaq und der Acer beschwerten sich oft über gestörten GPS-Empfang, das Garmin-PDA ließ sich nur mit externer Antenne zuverlässig betreiben.
Alle Geräte mussten ihre Navigationsfähigkeiten auf diversen Stadt- und Überlandstrecken unter Beweis stellen. Zur Messung der Performance einer Routenberechnung dienten fünf Strecken, davon drei mit Zwischenstationen respektive einer Streckensperrung.
Garmin iQue M5
Garmin ist einer der alteingesessenen Player im GPS-Geschäft, der bereits seit 1989 in diesem Segment tätig ist und eine breite Palette von dedizierten GPS-Geräten anbietet. Mit dem iQue M5 ist die erste PDA-Lösung auf Windows-Mobile-Basis im Programm; ein robust verarbeiteter, gut in der Hand liegender Organizer, der unter anderem mit einem auf einer Aluminium-Platte fixiertem Cradle und einem Autoadapter, in dem sich ein Lautsprecher für die Sprachausgabe befindet, geliefert wird.
iQue M5: 2D-Darstellung mit einblendbarem Overlay-MenĂĽ, das Informationen zur Route darstellt.
Das Routing-Paket, bestehend aus den Programmen QueFind, QueGPS, QueMap, QueRoutes, QueTrip und QueTurns, ist vorinstalliert, mit dem Testgerät zusammen kam eine – nicht zum Lieferumfang zählende – 256-MB-SD-Karte, auf die von der PC-Software Map Source City Select aus sogenannte Detailkarten geladen werden können. Routing-fähige Garmin-Geräte bringen, je nach Auslieferungserdteil, eine Basiskarte Nordamerikas oder Europas im ROM mit, die die wichtigsten Städte und Verkehsverbindungen enthält und notfalls eine Navigation ohne Detailkarten erlaubt. Beim M5 sind diese Basemaps sogar veränderbar.
Voraussetzung für die Navigation ist das Ausklappen der GPS-Antenne, ohne GPS-Signal arbeitet QueMap in einem Simulationsmodus – praktisch, um die Bedienung der Software in Ruhe zu Hause zu erkunden oder ein paar Routen vorab berechnen zu lassen und für den späteren Gebrauch zu speichern.
Mit den Karten, die man am PC aussucht, für das Zielgerät freischaltet und per USB überspielt, stehen die Navtech-Daten mit Points of Interests und Straßendetails bis hinunter zu Feldwegen zur Verfügung. MapSource City Select ist auch zur Planung von Routen, zur Eingabe beziehungsweise dem Einlesen von Wegpunkten und dem Speichern der vom GPS-Gerät aufgezeichneten Wege (Tracks) nutzbar. Leider ist ein Routenaustauch zwischen dem M5 und MapSource nicht vorgesehen, es lassen sich nur Wegpunkte, Tracks und Karten übertragen. Das ist umso bedauerlicher, da besonders die Routenplanung am PC gefiel. Man kann sowohl mit einem grafischen Werkzeug als auch durch Eingabe von PoIs, Adressen oder Wegpunkten arbeiten, sogar Fähren werden in die europaweit mögliche Navigation einbezogen. Abhilfe: Am PC routen lassen, Wegpunkte an markanten Abzweigungen setzen, diese übertragen und darüber im PDA eine Route erstellen lassen. Immerhin lassen sich die MapSource-Routen ausdrucken. Eine Route mit mehreren Zwischenzielen bedeutet bei Garmin übrigens, diese mit einem Kommentar bei jedem Zwischenziel bis zum Ende abzufahren.
Mit direkter Koordinateneingabe und Anzeige des direkten Weges ist der iQue M5 auch fĂĽr das Kultspiel Geocaching nutzbar.
Trackaufzeichnung, also das "Mitschneiden" der gefahrenen Strecke, beherrschte unter den getesteten Geräten neben dem Destinator nur der iQue. Leider fehlt beiden die von anderen Garmin-Systemen bekannte Track-Back-Möglichkeit; damit lässt sich eine gefahrene Strecke zurückverfolgen. Nur im M5 lassen sich Positionen direkt als Koordinaten eingeben beziehungsweise die genauen geographischen Daten von Points-of-Interests erfragen. So kann man auch Koordinaten aus "normalen" Karten übertragen und den M5 abseits der Straße nutzen. Theoretisch zumindest: Koordinaten sind nicht gleich Koordinaten, es gibt verschiedene Projektionen und Notationen. Keins von beiden ist – wieder im Unterschied zu anderen Garmin-Geräten – einstellbar, so dass beispielsweise UTM-Karten nicht zu gebrauchen sind.
Die Auswahl von anzufahrenden Adressen erfolgt entweder durch Tippen auf die Karte oder über die üblichen PDA-Eingabemöglichkeiten. Dazu nimmt man den digitalen Assistenten dann doch besser aus der Autohalterung, die sich übrigens durch bemerkenswerte Solidität auszeichnet. Das Gerät wird nicht in eine Universalhalterung geklemmt, sondern in einen Spezialadapter mit integrierter Stromversorgung.
Alternativ erfolgt die Zielauswahl über die Points of Interests, von Restaurants über Tankstellen bis zu beispielsweise großen Firmen – meist sogar mit Telefonnummer. Diese lassen sich, mit Anmerkungen, in die Kontaktdatenbank des PDA übertragen, ebenso sind die Adressen dort als Reiseziel wählbar, indem man sie in die eigenen Points of Interest überträgt, und Terminen kann man Positionen zuordnen. Zu jedem PoI zeigt der iQue nicht nur die Entfernung von der aktuellen Position, sondern auch die Richtung an.
Routen lassen sich mit Zwischenzielen ĂĽber ganz Europa hinweg planen, da die Feindaten bis auf ein kleines StĂĽck Atlantik auf eine 2-GB-Karte passen. Man kann nicht nur StraĂźen, sondern ganze Gebiete von Routing ausschlieĂźen.
Praktisch: Die Funktion "Wo bin ich?" zeigt neben den Koordinaten auch die nächstgelegenen Kreuzungen an.
Die Anzeigen während der Navigation sind weitgehend nach den eigenen Vorlieben konfigurierbar, die Kartenansicht ist immer eine 2D-Darstellung, entweder ausgerichtet in Fahrtrichtung oder nach Norden. Die Sprache, nicht aber die Stimme der Ansagen lässt sich durch "Nachrüsten" von der Installations-CD ändern. Die deutschen Sprachansagen wirken etwas abgehackt und sind nach dem Geschmack des Autors zu langsam – ehe "Nach 130 Metern rechts abbiegen" ausgesprochen wurde, ist man oft schon direkt an der Kreuzung. Besser funktioniert Englisch, aber auch dann wirken die Sprachausgaben immer noch recht künstlich.
Auch die nicht immer perfekt eingedeutschten MenĂĽs lassen sich auf Englisch umstellen, das erfordert allerdings einen Warmstart. Nebenbei bemerkt, ist Englisch wegen seiner Kompaktheit ohnehin in diesem Zusammenhang die Sprache der Wahl. "Turn left, then turn right" ist schneller gesagt als "Links abbiegen, anschlieĂźend rechts abbiegen".
Ein Schwachpunkt des Geräts ist das langsame Routing. Die Berechnung einer Haustür-zu-Haustür-Navigation von Hannover nach München dauerte über drei Minuten – im Stand. In Bewegung, etwa beim Rerouting wegen einer Umleitung, kann das noch länger dauern, und man fährt schon einmal ein paar Kilometer "ungeführt". Das automatische Neuberechnen der Route sollte man darum auf jeden Fall abschalten, denn es setzt auch ein, wenn beispielsweise eine Umgehungsstraße noch nicht in der Karte verzeichnet ist und deswegen die GPS-Position nicht mehr auf der zuvor berechneten Strecke liegt. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass die berechneten Routen nahezu immer denen entsprachen, die man selbst nach intensivem Kartenstudium gewählt hätte. Das ist bei computergestützter Navigation nicht selbstverständlich.
Praktisch ist die Funktion "Wo bin ich?", die neben Straße und Hausnummer die Koordinaten sowie die nächstgelegenen Kreuzungen anzeigt und das Speichern der aktuellen Position als Wegpunkt erlaubt. Einen weiteren Pluspunkt holt der M5 durch das mit Abstand beste Display im Testfeld, das auch bei hellem Tageslicht ablesbar bleibt. Was den Preis angeht, sollte man noch mindestens eine 512-MB-SD-Karte mitkalkulieren, weil die Deutschlanddaten nicht komplett auf eine 256er-Karte passen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Acer N35 GPS mit Destinator
Acer liefert seinen N35 mit dem Destinator von Homeland Security Technology Corporation (HSTC) an, die GPS-Antenne funktioniert, sobald man sie ausklappt. Die Routingsoftware kam in Version 3.0.75 auf einer 256 MegaByte großen SD-Karte zusammen mit den Teleatlas-Daten von Deutschland und installierte sich ohne irgendwelche Schlüsseleingaben oder ähnliches durch Einstecken der SD-Card. Weitere Karten können von der auf zwei CDs mitgelieferten Windows-Software installiert werden, die auch zur Planung komplexerer Routen und individuell angepasster Karten einsetzbar ist. Die dort entwickelten Routen mit maximal 16 Zwischenzielen lassen sich gemeinsam mit einer neu generierten Karte, einem Korridor wählbarer Breite, auf den PDA schreiben. Dort muss man sie, warum auch immer, vor der Benutzung durch Eingabe eines Schlüssels registrieren.
Die Abbildung verdeutlicht ein Problem, mit dem alle Systeme zu kämpfen haben: dass man sich am Aegidientorplatz links halten muss, offenbar nur ein Blick auf die Karte.
Die Navigation besticht durch klare Hinweise in mehrfacher Form. Neben der Audioausgabe sind auf dem Display Hinweise auf die Nummer der Autobahnabfahrt, die Straßennummer oder, innerstädtisch, den Straßennamen zu sehen. Leider funktioniert die Funktion "Verlauf" nicht, unter der bereits gesuchte Ziele zu finden sein sollten. Darum muss man eine Adresse, so man sie nicht unter den eigenen "Favoriten" ablegt, immer wieder neu eingeben, unterstützt nur durch die History der Tastatureingaben. Vermisst wurde auch die Möglichkeit, die eigene Position als Wegpunkt zu speichern.
Sowohl in der 2D- als auch der 3D-Darstellung erscheinen die StraĂźennamen auf dem Display. Die Unterschiede zwischen 3D-Darstellung und der sogenannten "Vogelperspektive" sind marginal.
Sollen Kontakte aus dem Adressbuch angefahren werden, bietet der Destinator verschiedene Optionen aus den ihm bekannten Anschriftenverzeichnis an. Routen mit mehreren Zwischenzielen lassen sich ebenso planen wie bestimmte Straßen dauerhaft oder während der laufenden Navigation ausschließen. Der Aufruf der Route zur Navigation funktioniert über Antippen des ersten Wegpunktes, den man ansteuern will. Ist dieser erreicht, wird der nächste Wegpunkt zum aktuellen Ziel. Eine Übersicht über die Gesamtfahrzeit erhält man so nicht. Neben dem Navigations- existiert ein Planungsmodus, in dem man sich die berechneten Routen et cetera in Ruhe ansehen kann.
Insgesamt ist die Benutzerführung gewöhnungsbedürftig, auch die Softwarefehler ("Verlauf") sollte der Hersteller beseitigen. Als Handbuch liegt ein 130seitiges englisches PDF-Dokument bei.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
HP iPaq 6515 mit TomTom Navigator 5
Der iPaq von Hewlett-Packard traf vor dem Produktlaunch in einer amerikanischen Vorabversion mit einer Zwischenrelease von TomTom Navigator (4.7) ein. Im Test war aus Zeitgründen eine Installation von TomTom Navigator 5 mit Deutschlandkarte auf einer 256-MegaByte-SD-Karte, die das Freischalten einer Region ermöglichte. So wird der iPaq auch ausgeliefert, als Option bietet TomTom das Kartenmaterial für Europa auf CD-ROMs zum Sonderpreis von 129 Euro (sonst 199 Euro) an. Die interne, nicht in eine Klappe eingebaute, GPS-Antenne erkannte das Programm als "Internal AGPS NMEA Port". AGPS steht für Assisted GPS, eine über das GSM-Netz untersützte Lokalisierung, die zu schnelleren Kaltstarts und zur besseren Navigation bei schlechtem Satellitenempfang führen soll. Diesen Dienst müssen die Mobilfunkbetreiber bereitstellen, was in Deutschland derzeit noch nicht der Fall ist.
Die 3D-Navigation von TomTom 5 lässt keine Wünsche in Sachen Übersichtlichkeit offen.
Wo von GSM die Rede ist, kann ein Handy nicht weit sein. Und in der Tat hat der 6515 ein Quad-Band-Telefon integriert, das obendrein GPRS- und EDGE-fähig ist. Das macht es möglich, den von TomTom via GPRS angebotenen Verkehrsinformationsdienst zu nutzen, ohne ein weiteres Gerät anschließen zu müssen. Telefonieren kann man damit natürlich auch, dito MMS verschicken, die mit der ebenfalls eingebauten 1,3-MByte-Kamera geknipst wurden. Für mehr als MMS reicht die Qualität der Bilder aber nicht aus.
Doch zurück zur Navigationssoftware. Nach dem Einstecken der Karte muss per Internet ein gerätebezogener Registrierungsschlüssel erfragt werden. Die Bedienung ist einfach, wenn man nur eine Adresse, einen PoI, eine Kreuzung oder eine Stadtmitte sucht, kann man kaum etwas falsch machen. TomTom rechnet schnell, auch bei Umleitungen – aber nicht immer optimal. Die Routing-Optionen lassen Unterscheidungen nach kürzer, schneller, Autobahn vermeiden, Fahrrad- und Fußgängerrouten oder Höchstgeschwindigkeit zu, und zwar jedes ausschließlich. "Schneller" hatte im innerstädtischen Verkehr Hannovers zur Folge, dass die Route grundsätzlich über die um die Stadt führenden Schnellwege führte, "kürzer" schloss kleinste Nebenstraßen nicht aus und lotste das eine oder andere Mal in eine Sackgasse. Am besten funktionierte die Option "Keine Autobahn". Die berechnete Strecke wird vor dem Beginn der Navigation angezeigt, gefällt sie nicht, kann man sich eine Alternative geben lassen, indem man missliebige Teilstücke der Strecke und temporäre Straßensperrungen ausschließt oder eine gewünschte Zwischenstation angibt.
Das funktioniert unter anderem deswegen ziemlich gut, weil TomTom nicht die Eingabemöglichkeiten von Windows Mobile nutzt, sondern – auf den iPaqs der 6500er-Serie – deren eingebaute Minitastatur. Auf PDAs ohne eine solche werden große, problemlos ohne Stift zu treffende Buchstabenfelder angeboten. Was noch besser funktioniert als die Minitastatur: Damit lässt sich eine Adresse eingeben, ohne den PDA aus der KFZ-Halterung nehmen oder den Stift benutzen zu müssen.
Fahrrad- und Fußgänger-Routing führt einen auch bei TomTom nicht über die entsprechenden Wege, sondern hat nur einen Einfluss auf die vorausberechnete, angezeigte Ankunftszeit, das Einbeziehen von für Kraftfahrzeuge gesperrten Straßen und das Verhalten beim Abweichen von der Route. Man wird bei dieser Option vor der Neuberechnung mehrmals zur Umkehr aufgefordert.
Eigene Wegpunkte lassen sich in Form eigener PoIs hinzufügen, ebenso die aktuelle Position. Letzteres funktioniert merkwürdigerweise nur dann, wenn diese als Adresse bekannt ist – also nichts mit dem Merken des einsamen Waldparkplatzes vor dem Spaziergang. Das Eingeben von Zwischenzielen ist komfortabel möglich, diese werden nacheinander angesteuert.
TomTom erlaubt nicht nur das Umschalten der Sprache, sondern auch der Stimme. Neben mehreren integrierten kann man auf der Website weitere Stimmen erwerben, ebenso wie die Daten von Radarfallen und ähnlichem. Die Lautstärke der Ansage ist geschwindigkeitsabhängig, wird also bei höherem Tempo angehoben.
Merkwürdiger Weise läuft TomTom als modale Anwendung – andere Programme sind nicht Windows-Mobile-typisch parallel zu erreichen, sondern nur via PDA-Tastenbelegung. Zum Lieferumfang zählt nur der Download eines einige Quadratkilometer großen regionalen Kartensatzes, die Europakarten können über einen Gutschein für 129 Euro (sonst: 199 Euro) zusätzlich von TomTom bezogen werden. Hinzu kommen die Kosten für eine SD-Karte. Wer 30 Euro sparen will, kann den iPaq 6510 wählen, der bis auf die fehlende Kamera baugleich ist.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Typhoon MyGuide 3500 mobile mit Falk Navigator 2 und Yakumo delta Navigator 3 Europe mit Marco Polo 2
Der mit dem Medion und Yakumo nahezu baugleiche Typhoon MyGuide von Anubis kam zusammen mit dem Falk Navigator 2, der von einer 256 MByte großen SD-Card installiert wird. Dabei erschien der Hinweis, dass die Software für eine ältere Version von Windows Mobile entwickelt worden sei und eventuell nicht richtig laufe. Zum Lieferumfang gehört auch eine Installations-CD, um eigene Karten installieren zu können, und eine PC-Software, die ein rudimentätes Routing erlaubt, aber keinen Austausch von Wegpunkten et cetera. Eine Rückfrage beim Support ergab, dass man zum einen die Meldung ignorieren könnte, zum anderen, dass mittlerweile Version 2.5 zum Download bereit stände. Das CAB-File ließ sich, nach Deinstallation der 2.0-Version, problemlos installieren.
Beim Eintreffen des Yakumo stellte sich heraus, dass Marco Polo 2 und Falk Navigator 2 bis auf die Startseite identisch sind. Beide stammen von der Map&Guide GmbH, ein kleiner Unterschied besteht im Lieferumfang: Zum Yakumo-Bundle gehört eine 512-MB-Karte mit den Daten der D-A-CH-Region und Europakarten auf CD, der Typhoon beschränkt sich auf Deutschland.
Auf den ersten Blick wirkt die 3D-Darstellung der Map&Guide-Produkte gefälliger...
Hat man das Prinzip der Benutzerführung einmal verstanden, ist die weitere Bedienung intuitiv. Eine Route mit mehreren Zwischenstationen lässt sich unter "Navigation" eingeben, mit der aktuellen Position als automatisch gewähltem Startpunkt. Allerdings ist die Angabe von Zwischenstationen nicht vorgesehen bei der sogenannten "Routenplanung" mit beliebiger Startstation, die auch ohne GPS-Empfang arbeitet und einen Simulationsmodus aufweist. Schade nur, dass man solche Routen nicht speichern kann.
...im Alltag greift man aber letztendlich auf die 2D-Ansicht zurĂĽck.
Eingaben sind möglich aus der internen PoI-Datenbank (alphabetisch oder innerhalb eines einstellbaren Radius), selbst generierten Favoriten, früheren Zielen, dem Straßenverzeichnis und durch Tippen auf die Karten. Eine Anbindung an die PDA-Kontakte existiert nicht – das bleibt dem Falk Navigator 2 professional vorbehalten.
Für die Texteingabe steht neben den Windows-Mobile-Möglichkeiten (Tastatur, Transcriber, ...) eine anwendungseigene, handyähnliche zur Verfügung. Für SMS-Geübte sicher eine gute Idee, noch besser wäre gewesen, dafür Umlaute vorzusehen. Das Festhalten der aktuellen GPS-Position funktioniert nur über einen kleinen Umweg: Beim GPS-Cursor auf die Karte tippen und diesen "Klickpunkt" in die sogenannten Favoriten aufnehmen. Koordinaten bleiben dem Benutzer, außer beim Test der GPS-Anbindung, verborgen, es gibt auch keine Chance, diese direkt einzugeben.
Die geführte Navigation ist deutlich, die weibliche Stimme könnte etwas weniger energisch ausfallen. Umstellen lässt sich hier nichts, nur ausschalten. Die gewählte Route war im zeitoptimierten Modus gelegentlich wenig einsichtig. Neben den üblichen Routing-Vorgaben kann man beim Falk Navigator auch den "ökonomischsten" Weg wählen, eine Mischung aus schnell und kurz. Leben muss man bei der Marco-Polo- respektive Falk-Anwendung mit gelegentlichen Hängern nach langen Berechnungen und Anzeigefehlern.
Was mangels geeigneter Hardware nicht getestet werden konnte: Die Integration von aktuellen Verkehrsinformationen (TMC), die seit Version 2.5 möglich ist. Was nervte: Das Anklicken des Schließen-Kreuzes oben rechts beendete ohne jede Rückfrage die Applikation.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Medion MDPPC 150 mit Navigon 4
Im umfangreichen Komplett-Set – unter anderem mit Fahrradhalter – kam die Navigationssoftware Navigon auf einer 256-MB-Karte, allerdings nicht in der aktuellen Version 5, sondern in Version 4. (Version 5 unterscheidet sich vor allem durch mehr und aktuelleres Kartenmaterial.) Als Eingabemöglichkeiten steht neben den PDA-eigenen eine Softtastatur im Handy-Layout, also mit Drei- und Vierfachbelegung jeder Taste, zur Verfügung. Inkrementelle Ergänzungen bei der Eingabe gibt es nicht, man tippt in der Adress- oder PoI-Suche einen String ein und schickt die Anfrage ab. Insgesamt wirkt die Software zwar etwas träge, ist aber intuitiv zu bedienen. Das Fehlen eines gedruckten Handbuchs ist zu verschmerzen.
Das sollte nicht passieren: völlig verwirrte Navigationssoftware wegen schlechtem GPS-Signals.
Beim Messen der Routing-Geschwindigkeit fiel auf, dass der Münchener Hauptbahnhof fehlt. Überhaupt wirkt die Ausstattung mit PoIs eher dürftig. Gut gefiel dagegen die Sprach- und grafische Führung, die weibliche Stimme klingt natürlich. Man kann Ziele (Wegpunkte) und Routen speichern. Die berechneten Routen sind gelegentlich merkwürdig oder führten auch im Pkw-Modus durch Fußgängerstraßen – da kam das Programm wohl durcheinander mit dem Fußgänger- oder Fahrradmodus, in denen solche Wege einbezogen sind.
In den Abbiegehinweisen erscheinen fast immer auch Straßennamen, was klarer ist als "Nach 100 m links abbiegen". Die Kartenansicht ist zwischen Tag- und Nachtmodus sowie 2D- und 3D-Darstellung umschaltbar – wobei letztere mit der von TomTom bei weitem nicht mithalten kann. Routing aus dem Adressbuch heraus verlief problemlos. Umständlich dagegen das Anlegen einer Route mit mehreren Zwischenzielen: Das letzte Ziel eingeben, berechnen lassen (!), dann mit der Funktion "Zwischenziel einfügen" arbeiten.
Auch die 3D-Darstellung von Navigon kann, trotz eingeblendeter PoIs, letztendlich nicht gegen die 2D-Ansicht bestehen.
Die PC-Software dient allein der Kartenverwaltung, es ist kein Wegpunktaustausch möglich, ebenso wenig die direkte Eingabe von Koordinaten am DA. Feste zu vermeidende Routen oder Gebiete gibt es nicht, man kann aber während der laufenden Navigation eine Sperre in wählbaren Entfernungen von 100 m bis 50 km setzen,
Überzeugen konnte das GPS-Modul, das auch unter widrigen Bedingungen Satellitensignale empfing und deutlich empfindlicher war als die nahezu baugleichen Geräte von Yakumo und Typhoon (Mitac-OEM-Versionen). Allerdings pflegte in Situationen, die keinen gesicherten Empfang zulassen, die Software zwischendurch falsche Empfehlungen zu geben, etwa ein Wenden auf der Autobahn. Gut: die optionale automatische Fahrtenbuchführung. Zum Fahrradhalter wäre noch anzumerken, dass der Medion, wie die anderen Geräte, nicht wasserdicht ist – also auf dem Rad nur bei schönen Wetter einsetzen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Fazit
Eine Sprachausgabe gilt gemeinhin als unabdingbar im Auto, um den Blick nicht vom Verkehr abzulenken. Dass das nicht immer wie geplant funktioniert, zeigt exemplarisch ein Blick auf den Screenshot der Acer-Lösung. Bei allen Modellen gab es Fälle, wo sich ein Hinweis erst auf die übernächste Kreuzung bezog und das richtige Verhalten an der nächstliegenden Abbiegung stillschweigend vorausgesetzt wurde. Wer da nicht ab und zu einen Blick auf die Karte riskiert, kommt schnell vom richtigen Weg ab.
Zudem ist etwas Übung nötig, um die Hinweise der Navigationssoftware schnell und richtig zu interpretieren. Dies vorausgesetzt, kommt man mit allen Geräten ans Ziel. Doch bei jedem der getesteten GPS-PDAs besteht Nachbesserungsbedarf. Der mit der solidesten Verarbeitung und dem größten Funktionsumfang glänzende Garmin iQue M5 nervt durch seine langsamen Routenberechnungen. TomTom 5 verbirgt GPS-Informationen wie Koordinaten vor dem Benutzer, bei den anderen Kandidaten stören gelegentliche Softwarefehler. Die Kaufentscheidung will darum sorgfältig getroffen werden: Anhand der Features, die man unbedingt braucht, und der Mängel, mit denen man leben kann. Zudem sollte man einen Blick auf den Preis für Updates des Kartenmaterials werfen. Hier können, so man Wert auf Aktualität legt, nicht unerhebliche Folgekosten entstehen. (js)
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||